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Full text of "Monographie der Petrefacten der Aachener Kreideformation"

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Natural History Museum Library 



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MONOGRAPHIE 


er Petrefacten 

DER 


AACHENER KREIDEFORMATION 


vow 

Dr JOSEPH HÜLLER , 

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Oberlehrer am Gymnasium zu Aachen, Mitglied mehrer gelehrten Gesellschaften. 


Erste Abtheilung mit 2 lithographirten Tafeln. 


Herausgegeben vom naturhistorischen Verein der preufsischen Rheinlande. 


Bonn , 

in Kommission bei HENRY <S: COHEN. 

18 4 1 . 
















































Mn der General-Versammlung des naturhistorischen Vereines der preufssischen Rheinlande, 
welche am 5. Juni 1843 zu Aachen Statt fand, schlofs ich mich der Abtheilung derjenigen 
Vereins-Mitglieder an , welche die Untersuchung der geognostischen und geologischen Verhält¬ 
nisse des Rheinlandes zu ihrer besondern Aufgabe übernahmen. Durch dieses Vertheilen aller 
Zweige der Naturwissenschah zu speziellen Forschungen in den verschiedensten Theilen des 
Rheinlandes für einen gemeinsamen Zweck, hofft der Verein mit der Zeit eine vollständige Auf¬ 
hellung der Naturgeschichte der Heimath zu erzielen. Ich führe dies hier beiläufig an mit dem 
Wunsche, es mögen auch andere Landestheile, derartige Vereine, wo sie noch nicht bestehen, 
errichten und auch auf diese Weise beitragen , die Gesammtnaturgeschichte Preufsens im In¬ 
teresse der allgemeinen Wissenschaft zu fördern. Was der Einzelne zu leisten vermag, ist ge¬ 
gen das unerschöpfliche Ganze, gehalten unbedeutend, nur vereinte Kräfte sind im Stande Er¬ 
hebliches zu erreichen. Meine Aufmerksamkeit wurde nun zunächst auf das Aachener Gebiet 
geleitet und ich gebe im Folgenden einen Theil der bis jetzt erzielten Ergebnisse meiner Unter¬ 
suchungen. 

In meiner amtlichen Stellung war ich seit einer langen Reihe von Jahren bedacht gewesen, 
die gewöhnlichem Petrefacten der Umgegend zum Behufe des Unterrichtes zu sammeln; zu 
einem speciellern Eindringen hatte ich indessen keine Veranlassung gefunden, auch fehlte es mir 
an den nöthigsten literarischen Hülfsmitteln dazu. Die Anregung gab mir jetzt, wie oben bemerkt 
wurde, der naturhistorische Verein ; das andere Hemmnifs ist theilweisc auch beseitigt, denn die 
literarischen Quellen haben sich in jüngster Zeit in Aachen nicht unansehnlich vermehrt, theils 
durch die Bibliotheken der hohem Lehranstalten, theils durch die Bibliothek und die naturhis¬ 
torischen Sammlungen der hiesigen Gesellschah für nützliche Wissenschaften und Gewerbe. 
Letzterm Vereine fühle ich mich zum Danke verpflichtet für die grofse Bereitwilligkeit, womit er 
mir seine Hülfsqucllen bei meinen Studien zu Gebote stellte. 

Sofort schritt ich jetzt ans Werk, ich besuchte die alten mir längst bekannten Fundstätte der 
Versteinerungen und war bemüht neue aufzufinden, was mir bald gelang. Zugleich richtete ich 
mein Augenmerk auf die Schriftsteller, welche die Umgegend Aachens in ihren Werken mehr 
oder weniger berühren. Ich wendete dabei meine nächste Aufmerksamkeit auf diejenigen Petre¬ 
facten , deren Vorkommen in unserm Gebiete als zuverlässig oder auch nur zweifelhaft bei ihnen 
angegeben wird. Die erste und Hauptquelle , welche ich benutzte, war das vortreffliche Werk 
von Goldfu/s : Abbildungen und Beschreibungen der Petrefacten Deutschlands und der angrän- 
zenden Länder etc. Eine zweite Quelle bot sich mir dar in Fr. A. Eoemers Versteinerungen des 


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Norddeutschcn Kreidegebirges. *) Die Zusammenstellung der Petrefaclen aus hiesiger Gegend, 
welche in beiden Werken beschrieben sind, gab mir im Vergleich mit dem unterdessen von 
mir zusammengebrachten Material die Ueberzeugung, dafs unser Gebiet nur sehr ungenügend 
durchforscht, und dessen Petrefacten-Reichthum weit gröfser sei, als man bis jetzt vermuthet 
hat. Am vollständigsten verbreitet sich Goldfufs über unsre Gegend ; Roemer in der angeführten 
Schrift vermindert indessen ohne Grund ganz bedeutend die Genera und Species, welche jener 
als hier vorkommend beschreibt, andere zieht er in Zweifel, endlich aber fügt er auch manches 
Neue hinzu, welches Andern entgangen war. Ich rede hier nur von den Petrefacten aus der 
Kreideformation im Nordwesten der Stadt, die Versteinerungen des Kalkgebildes im Südosten 
sind, soviel mir bekannt, noch von keinem Schriftsteller erwähnt worden und werde ich zu seiner 
Zeit darüber besonders Nachricht geben. 

Es war nun meine Absicht, die Resultate meiner Forschungen in einer gröfsern Arbeit zu¬ 
sammen zu stellen und so als vorweltliche Fauna von Aachen herauszugeben , dem Rathe des 
Herrn Berghauptmanns von Dechen folgend und dem Wunsche meiner Freunde des Herrn Dr. 
Debet / und des Herrn Kollegen A. Foerster willfahrend , habe ich mich aber entschlossen, die 
Ergebnisse meiner Studien in einzelnen Abhandlungen ohne streng systematische Folge zu ver¬ 
öffentlichen. Hiermit sei der Anfang gemacht. 

Zu einer zweiten Abtheilung liegt das Material reichlich vor uns, wir werden mit der Aus¬ 
arbeitung desselben sofort beginnen und hoffen, die Fortsetzung zur Zeit zu veröffentlichen. Die 
Tafeln, welcher dieser Abtheilung beigefügt sind, gehen aus der lithographischen Anstalt von Cazin 
und Mathieu hervor. Die Zeichnungen dazu lieferte mein Freund, Herr Dr. Debet/, praktischer 
Arzt zu Aachen, und der kunstgeübte Zeichenlehrer unseres Gymnasiums, Herr Neidinger. 

Zum Schlüsse mufs ich noch des Herrn Professors Dr. Becks zu Münster in Westphalen ge¬ 
denken , dem ich stets dankbar sein werde für die Freundlichkeit, womit er mich bei meinen 
geologischen Studien belehrend und ermuthigend unterstützte. 


*) Das Werk desselben Verfassers : Die Versteinerungen des Norddeutschen Oolithcu Gebirges ist beim Studium 
der Kreideformation fast unentbehrlich, theils wegen des gemeinsamen Vorkommens >ieler Versteinerungen in 
beiden Gebirgsarten , theils zur Erkennung der Genera , welche in demselben bündig und klar charakterisirt 
sind. 

Für die Petrefactologen überhaupt und besonders für die , welche sich mit der hiesigen Kreideforraation 
beschäftigen , halten wir auch das Werk : Paleontologie fran^aisc par Alcide d’Orbygny , Terrains cretaces , 
ä Paris, chez l’Auteur rue St. Hyacintlie-Honore , 4, et chez Arthus Bertrand, bis jetzt 112 Lieferungen , 
wegen des Vergleiches der nachbarlichen Vorkommenheiten derselben Formation für unentbehrlich. 



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RiDliRll» 

Ötraljltljierf. 


ALsterias JLamarck. 

i. * A. quinqueloba Goldf. Tab. 63 fig. 5 a—u pag. 209 stellt Bruchstücke und einzelne Tä¬ 
felchen dieses Seesterns dar von Northfleet, Mastricht und Rinkerode bei Münster. Dergleichen 
weifst F. A. Roemer 1 ') Tab. 6 fig. 20 pag. 27 nach aus der Kreide von Rügen und dem obern 
Kreidemergel bei Gehrden. Von Hagenoio 2 j pag. 660 fand auf Rügen die bei Goldf. von b — h 
dargestellten Täfelchen, selten die von o und p. Auch bei H. B. Geinitz 3 ) pag. 89 finden wir die 
Täfelchen b von Goldf. bei Strehlen im Plänerkalk angeführt. Wir fanden etwa 20 solcher Täfel¬ 
chen im Kreidemergel des Schneeberges bei Vaels und in der Niederung südöstlich von dort 
im eigentlichen Grünsand. Es erhellet aus dem Angeführten, dafs dieser Seestern sehr weit ver¬ 
breitet ist und lebend häufig gewesen sein mufs. Unsere Täfelchen stimmen genau mit den Zeich¬ 
nungen der bei Goldfnfs angeführten Randtäfelchen von b—h überein. Sie sind sämmtlich theils 
auf der ganzen Fläche siebförmig durchlöchert , theils nur auf einer in der Mitte deutlich auf¬ 
liegenden Schichte. Letztere laufen in eine fein punktirte Unterlage aus, welche sich an den 
Rändern wulstig erhebt, wodurch dann die inneren oder Gelenk-Flächen concav werden. Roe- 
mers Ast. quinq. scheint uns wohl eine andere species zu sein , welche sich durch das »dicht 
gekörnt sein« von quinqueloba Goldf. unterscheidet, bei der alle Täfelchen durchlöchert sind, 
worin wir ein charakteritisches Merkmal dieser Art finden. Die gekörnten Täfelchen mögen wohl 
zu der von Roemer noch zweifelhaft hingestellten Species Ast. Dunkeri gehören. An derselben 
Stelle fanden wir mit den Täfelchen von Ast. quinqueloba auch ein gekörntes, welches wir ohne 
Bedenken einem Asterias zuschreiben; es sprechen dafür die Dicke seiner Masse und die deut¬ 
lichen , vertieften Gelenkflächen an beiden Seiten. Die Cidariten-Täfelchen haben nach unserer 
Erfahrung im Yerhältnifs ihrer Gröfse eine weit geringere Dicke, als die Täfelchen derAsterien. 

2 * Ast. Dunkeri Roemer. Mit gekörnten Täfelchen bei Vaels. 

Ophitira Lantarek. 

Diese Gattung zählt überhaupt erst wenig Arten ; aus der deutschen Kreideformation sind 
uns nur die bei von Hagenow angeführte Oph. granulosa Tab. 9 fig. 6 und Oph. subcylindrica 


Die mit einem * bezeichneten Species sind für die hiesige Kreideformation neu. 

*) Die Versteinerungen des Norddeutschen Kreidegebirges von Friedrich Adolph Roemer. Hannover 1641. 

Monographie der Riigenschen Kreide-Versteinerungen -von Dr. Friedr. von Hagenow. Im neuen Jahrbuch fur 
Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefactenkunde von Leonhard und Bronn. Jahrgang 1840. Stuttgardt, 

3 ) Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsichen Kreidegebirges von Hanns Bruno Geiniti, Dresden 
und Leipzig 1839 , 1840 u. 42. 




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fig. 7, dann bei Roenier Oph. serrata Tab. 6 fig. 23 und Oph. granulosa 1 ) Tab. 6 fig. 22 bekannt. 
Von diesen erwähnten Species sind aber nur kleine Bruchstücke eines Armes anfgefunden und 
beschrieben worden, ein vollständiges Exemplar aus der Kreide wurde bis jetzt noch nicht be¬ 
kannt gemacht, ein solches, und zwar in einer neuen Species aufzufinden, war uns daher ein 
höchst erfreulicher Fund. 

1. Ophiura Fürstenberyii Müller Tab.I. Fig. 3. a. stellt das Petrefact in natürlicher Gröfse dar. 
Die Arme sind nach Innen gebogen, gleichsam aufgewickelt und verschlungen. Bei b. ist die Oph 
in bedeutender Vcrgrösserung mit freigelegten Armen abgebildet , bei c. die obere Seite des 
Sterns abermals vergröfsert und bei d. die untere Seite in gleicher Gröfse. Wir bemerken aber 
ausdrücklich hierbei, dafs diese untere Seite nur nach Andeutungen des Originales conjeclurirt 
ist. e und f stellen vergröfserte Armglieder dar. Die obere Seite des Sterns bildet eine zart 
ausgerandete Scheibe , welche in der Mitte stark vertieft ist. Den innersten Raum bildet ein 
fünfstrahligcr, gekörnter Stern. Die Spitzen desselben sind durch 5 nach aussen convexen Bogen 
verbunden, welche eine Art Blume als zweiten Kreis bilden. Von jedem dieser Bogen geht bis zum 
Rande ein sich sanft erhebender Sternstrahl, welcher sich dort ein wenig spaltet und den daselbst 
hervortretenden Arm gleichsam umfafst. Die Strahlen dieses Sterns alterniren genau mit denen des 
innern. Der mittlere Raum der Strahlen ist mit Körnchen besetzt. Die Ausschnitte, welche je zwei 
Strahlen bilden sind vertieft und laufen in deren Mitte von der Basis bis zum Rande zwei gleich¬ 
sam ein Band bildende Paraleilinien. Auch auf diesen Bändern stehen einzelne zerstreute Körner. 
Die zehn von diesen Bändern und den Sternstrahlen gebildeten Felder sind glatt. Die Arme sind 
rund , schlank, glatt an der Basis am breitesten und ganz allmählig in eine Spitze endigend. 
Die einzelnen Armglieder scheinen uns nach dem verschiedenen Stande in der Form etwas von 
einander abzuweichen, im Ganzen stimmen sie aber mit Fig. 3. e. Die einzelnen Armglieder 
sind wirbelähnlich und bestehen aus zwei nierenförmigen, ganz glatten Seitenstücken , zwischen 
denen ein nach unten spitz zulaufender, dreieckiger Keil eingelenkt ist. An der Basis bilden 
die Seitenstücke nur halbe Nieren und der Kiel ist abgestumpft. (Fig. c, e, f.) Die untere Seite 
der Scheibe konnten wir nicht ganz deutlich erkennen, sie erscheint aber stark vergröfsert wie 
getäfelt oder eingelegt. Kommt bei Vaels im Grünsande äusferst selten vor. 


Cidarites Msamarck. 

A. Cidaris Agassiz. 

1. * C. vesiculosa Goldf. Tab. 40 fig. 2. a—k pag. 120. 

Warzenstücke wie bei dieser Figur unter a, b und c, so wie einzelne Stacheln unter d und g 
fanden wir nicht selten bei Vaels und eben daselbst ein stark beschädigtes doch immer noch 
bestimmbares Exemplar genau von der Gröfse wie bei Geinitz. Tab. 22. fig. 1. a. 


Von Hagenow hat die Priorität des Namens granulosa für sieh . die von Römer beschriebene Art möchte daher 
um Verwirrung ru vermeiden, pustulosa zu benenne sein. 



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B. Tetragramma Ag. 

2. * T. mriolare Brongnt. (Cidarites variolaris) Goldf. Tab. 40 fig. 9 pag. 123. 

Das vor uns liegende Exemplar aus dem Kreidemergel bei Vaels unterscheidet sich zufolge der 
Beschreibung von dem bei Goldf. dadurch , dafs sämmtliche Knotenreihen bis zur Mundöffnung 
deutlich durchgehen. Es sind derselben dreifsig, wovon zwanzig mit dicken und zehn mit klei¬ 
nern Warzen besetzt sind, welche letzteren nach Goldfufs nicht durchgehen. Das Zwischen¬ 
fühlerfeld, welches aus 4 Knotenreihen, zwei mit dickem und zwei mit kleinem Warzen, be¬ 
steht, ist in der Mitte durch ein breites Band getheilt. Dies letztere ist vom After bis etwa zur 
sechsten Warze ganz glatt und von da erst bis zum Munde gekörnt. 


Mchimts L/amarch . 

A. Salema Ag. 

1. * Salenia auf hophora Müller. Tab. I. Fig. 1. a. Ansicht von der Seite, b. stark vergrölserte Eier¬ 
täfelchen. Diese Art hat am meisten Aehnlichkeit mit Sal. petalifera Agassiz f ) Tab. 1 fig. 17—24 
pag. 9 und 10, unterscheidet sich aber sehr wesentlich davon. Was die Gröfse anlangt, so über¬ 
trifft unser Exemplar selbst noch Sal. geomelrica Ag. , welche er für die gröfste bekannte Art 
hält. (Pag. 11). Die Eiertäfelchen (plaques ovariales) der Sal. petalif. sind glatt (lisses), die der 
antophora bilden gleichsam Blümchen mit erhabenen Linien , welche selbst dem unbewaffneten 
Auge sichtbar sind. Jedes Täfelchen ist in der Mitte durchbohrt und bildet dort noch ein kleines 
Sternblümchen Fig. b. Die Zwischeneiertäfelchen zeigen ebenfalls erhabene Linien, sind 
dreieckig gestaltet und in der Mitte des Aufsenrandes in ein wenig eingeschnittenes, nierenför¬ 
miges Knöpfchen verlängert. Fig. 1. d. Der Aussenrand der Zwischeneiertäfelchen ist übrigens 
ganzrandig und nicht wie bei Sal. petalif. gewellt (ondule.) Alle Eiertäfelchen scheinen, durch 
die eben bezeichnten, in der Mitte etwas aufgetriebenen, erhabenen Linien, verbunden zu sein. 
Die deutlichen Zwischenräume sind nach der Lage der Eiertäfelchen verschieden gestaltet. Die 
Afteröffnung liegt fast central etwas nach vorn geneigt und ist sechseckig. Diejenigen Seiten 
der Eiertäfelchen , welche diese Oeffnung begränzen, stellen gleichsam einen Wall dar; die sechs 
Flächen , welche denselben bilden , stofsen je zwei und zwei in der Mitte winklich zusam¬ 
men und sind quergestreift. Die Felder der Fühlergänge bilden gradlaufende Bänder von zwei 
Reihengröfserer Warzen, welche nach oben und unten convergiren und in der Mitte etwas di- 
vergiren. Zwischen den gröfsern Warzen befinden sich ziemlich regelmäfsig gestellte kleinere und 
zwischen diesen wieder zahreiche noch kleinere Wärzchen. Die Poren der Fühlerfäden liegen 
zu beiden Seiten der gröfsern Warzen. Die Felder der Zwischenfühlergänge gehen im Zick¬ 
zack , zwischen ihnen und den Fühlergängen stehen dicke Tuberkel ebenfalls im Zickzak. 
Diese letzteren tragen alle in der Mitte eine ziemlich starke, nicht durchbohrte Warze, an deren 
Basis sich ringsum feine Einstiche zeigen. Der zweite Tuberkel von den Eiertäfelchen aus ist 

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Monographies d’Echinodeiraes \ivans et fossiles 1 Livraison. Neuchatel en Suisse 1S3S- 



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der dickeste, die zwei bis drei nach der Mundöffnung stehenden nehmen allmählig an Gröfse 
ab. Jeder der grofsen Tuberkel ist nach der Seite der Zwischenfühlergänge mit 5 bis 6 und 
nach der Seite der Fühlergänge stets nur mit zwei Warzen besetzt, bei Sal. petalif. sind dagegen 
die Haupttuberkel von einem vollständigen Kreise von Warzen umsetzt (chaque tubercule principal est 
entoured’un cercle complet de pluspetites verrues.) Die Mundöffnung der Sal. anthoph. ist rund und 
ohne Einkerbungen. In der Mitte ist die Convexität dieses Seeigels am stärksten. Die eine Seite 
ist durch die stark aufliegenden Eiertäfelchen bedeutend erhöhet, die entgegengesetzte abgeflacht, 
etwas vertieft. Das Exemplar dieser Versteinerung , welches wir im Kreidemergel bei Vaels fan¬ 
den ist leider nicht ganz vollständig erhalten und besitzen wir nur soviel davon als die Zeich¬ 
nung Fig. 1. a. darstellt. Die Schale ist mäfsig dick. 


Galerites GoMf\ 

A. Caratomus Ag. 

1. * C. Gehrdensis Roetn. Tab. 6 fig. 11, pag. 31. 

Unser ganz vollständig erhalenes Exemplar stimmt im Ganzen mit Roeiners Beschreibung und 
Zeichnung überein ; wir setzen nur noch hinzu , dafs alle Wärzchen, welche die ganze Ober¬ 
fläche besetzen, mit stark vertieften, wulstigen Ringen umgeben sind. Die Fühlergänge konnten 
wir unter den stärksten Luppen nicht erkennen. Findet sich bei Vetschau im verhärteten Mergel. 

B. Discoidea Ag. 

2. * D. subuculus Leske, bei Goldf. Galerites subuculus Tab. 41 fig. 2 pag. 129. 

Fundort wie die vorhergehende Art. Bis jetzt bei Koesfeld und Essen an der Ruhr. 


Nucleolites GoMf. 

A. Catopygus Ag. 

1. Cat. pyriformis Goldf. Tab. 43 fig. 7 pag. 141. 

Roemer pag. 32 bezweifelt das Vorkommen dieser Versteinerung bei Aachen , obgleich sie 
eine der gewöhnlichsten im Feuerstein des Aachener Waldes ist. Genau wie bei Goldf. 

B. Cassidulus Ag. 

2. C. lapis Canon Leske. Bei Goldf. Tab. 43 fig. 12 pag. 143. 

Die fünf Erhabenheiten, welche die 5 Bluinenblättchen am Munde trennen, sind deutlich durch¬ 
bohrt. Der kleine After liegt mit dem Munde in einer Ebene fast am Rande, wie bei Catopygus, 
und stimmen unsere Exemplare darin nicht mit den angeführten Zeichnungen überein. 


*) Dieser an Petrefacten äusserst reiche Fundort ist, soweit uns bekannt , noch von keinem Petrefactologen an¬ 
geführt worden. Vetschau liegt 3 / 4 Stunde von Aachen bei Laurensberg, südwestlich vom Lusberg. 



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Spatangus Ltamarck, 

A. Schizaster Ag. 

1. Sch. lacunosus Lin. Bei Goldf. Tab, 49 fig. 3 a —f. pag. 158. 

Die angeführten Zeichnungen und die Beschreibung stimmen bis zu den kleinsten Details 
überein mit einem ganz vollständig erhaltenen Exemplar, welches wir im Kreidemergel bei Vaels 
fanden. Ist selten, Roemer bezweifelt daher sein Vorkommen bei Aachen. Etwas flach gedrückte 
Exemplare mit gut erhaltenen Fühlergängen finden sich häufiger im Feuerstein des Aachener 
Waldes. 

2. Sch. Bucardiim Goldf. Tab. 49. fig. a—c pag. 157. 

Fanden wir nicht selten als Steinkern im Feuerstein des Aachener Waldes genau so wie bei 
Goldf. Wir setzen noch hinzu, dafs nach den Eindrücken des umgebenden Gesteins unsere Exem¬ 
plare , die von Goldf. richtig beobachteten Wärzchen vom Munde aus nach dem After dicht 
gedrängt, nach den Seiten hin aber sparsam stehen haben. 

3. * Sch. Prunella Lamarck , bei Goldf. Tab. 48. fig. 2 a—c pag. 155. 

Findet sich in Hornstein übergegangen im Aachener Walde mit sehr deutlich erhaltenen Füh¬ 
lergängen , After und Mund. Die Stachelwärzchen der Oberfläche sind nur an den Eindrücken 
des umgebenden Gesteins erkenntlich. Wurde bis jetzt in der deutschen Kreide noch nicht citirt. 

B. Spatangus Ag. 

4. Sp. hieroglyphicus Müller Tab. I. Fig. 2. a. Ansicht von Oben. b. Untere Seite, c. Quer- 
ansichf. 

Verkehrtherzförmig-eiförmig , in der Mitte etwas convex, nach den Seiten sanft abfallend, 
gerundet. Die nur wenig vertiefte Rinne geht vom Scheitelpunkt aus, welcher in der Mitte liegt, 
bis zum After. Die gegenüber stehenden Fühlergänge zeigen doppelpaarige Poren, und sind die 
Porenreihen der Länge nach durch eine erhabene Linie getrennt; dasselbe findet bei den mitt- 
lern Fühlergängen Statt, wo diese Linien noch stärker hervortreten. Diese Trennungslinien ge¬ 
hen alle vom Scheitel aus. Die Mundötfnung ist halbmondförmig und liegt ziemlich weit vom 
Rande entfernt Fig. 2. b. Sie ist mit einem Stern umselzt, welcher von durchbohrten , abgeplat¬ 
teten, paarigstehenden Warzen gebildet wird. Diese letztem laufen von den mittlern Fühlergän¬ 
gen und durch die Rinnen in ununterbrochenen Reihen bis zum Munde hinab. Zwischen diesen 
Reihen, welche gegen den Mund convergiren, wo die Warzen eng zusammentreten und drei 
Strahlen des oben bezeichneten Sterns bilden, läuft noch eine nicht so regelmäfsige Reihe klei¬ 
ner Wärzchen. Von den beiden andern Sternstrahlen, welche nach dem After gekehrt sind , 
gehen in bogiger Richtung unregelmäfsige, verschieden gestaltige, erhabene gröfsere Ringe, 
in welchen wieder einzelne kleinere Ringe und Wärzchen stehen. Die Flächen der Bauch und 
die Rückenseiten sind mit so mannigfaltigen Punkten, Ringen und Figuren besetzt, dafs kein 
Feld dem andern gleicht. 

Das Petrefact fanden wir, in nur einem Exemplar im Aachener Wald zusammen mit Anan- 
chytes slriat. Es ist in schwarzen Feuerstein übergegangen, wie die abgebrochene Stelle des 

2 


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Afters zeigt. Letzterer scheint nach dem ganzen Habitus hoch gelegen zu haben. Die Bedeckung 
ist im Ganzen wohl erhalten und die Abbildungen davon ganz naturgetreu. 

C. Micraster Ag. 

1. M. cor. testudinarium Goldf. Tab. 48, lig. 5. 

Selten, bis jetzt nur als Steinkern im Feuerstein des Aachener Waldes. Ob diese Species nur 
als eine Varität von M. cor. anguinum Lam. Goldf. Tab. 48, fig. 6 anzusehen sei, ( Roemer pag. 
33) darüber wollen wir aus Mangel an hinreichenden Exemplaren nicht aburtheilen. Wir machen 
indessen aufmerksam darauf, dafs unser Exemplar, welches wir für cor testudinarium halten , 
sich von den uns vorliegenden Exemplaren des cor anguinum aus dem untern Kreidemergel 
bei Coesfeld dadurch unterscheidet, dafs cor testud. mehr eine runde, cor ang. eine herzför¬ 
mige Form hat; ferner dadurch, dafs der Mund bei cor testud. vom Rande weiter entfernt 
liegt, als bei cor. anguinum. Letzteres Merkmal hat Goldf. in den angeführten Zeichnungen 
genau angegeben. Ob die Bedeckung noch Anhaltpunkte zur Unterscheidung darbietet, kann ich 
vorläufig nicht beurtheilen. 

D. Holaster Ag. 

5. * H. Granulosus Goldf. Tab. 45. fig. 3. a—c pag. 148. 

Bis jetzt nur bei Mastricht gefunden, fehlt daher bei Roemer in der deutschen Kreideformation. 
Wir fanden diese Species in Hornstein übergegangen im Aachener Walde und häufig in zer¬ 
drückten Exemplaren am Schneeberg bei Vaels , sehr selten sind wohl erhaltene Individuen. 

Dasselbe gilt von 

6. * H. nodulosus Goldf. Tab. 45. fig. 6. pag. 149. 

Der Hauptunterschied zwischen dieser und der vorigen Art scheint darin zu bestehen, dafs 
die gröfsern Warzen am Scheitel weniger zahlreich sind und nach dem After hin fehlen. Die 
Rinne ist flacher, und der Mund liegt weiter vom Rande als bei H. ‘granulosus. 

7. * H. radiatus Lam. bei Goldf. Tab. 46. fig. 3. a—c. pag. 150. 

Bis jetzt in der deutschen Kreide noch nicht citirt. Wir fanden diese Versteinerung bei Vet¬ 
schau und in einer flach gedrückten Form im Feuerstein des Aaclmer Waldes. Die Exemplare 
stimmen genau mit denjenigen, welche wir von Mastricht und Falkenberg besitzen. 


Atmnchißtes Goldf. 

1. A. omla Lam. Goldf. Tab. 44 fig. 1. a—c pag. 145 und 

2. A. striata Lam. Goldf. Tab. 44 fig. 2 a—f. pag. 146. 

Erstere Art kommt in dem Kreidemergel bei Vaels, letztere im Aaclmer Walde stets in Feu¬ 
erstein oder Hornstein verwandelt vor. Eine genaue Unterscheidung dieser Arten wird nur mög¬ 
lich durch Vergleich einer Reihe gut erhaltener Exemplare , welche von A. striata freilich 


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schwer zu erlangen, obgleich diese Versteinerung im Aachner Walde die am häufigst vor¬ 
kommende ist. Die meisten Exemplare sind wie zerfressen, durchlöchert u. dgl. Roemer ver¬ 
bindet daher diese Art wieder mit A. orata. Wir haben mehre hundert Stück von A. striata ge¬ 
sammelt und darunter einige , die charakterische Merkmale genug besitzen um sie von ovata 
zu unterscheiden. 

Was Goldf. Tab. 44 bei fig. -3. e. andeutet, scheint uns einen ganz wesentlichen Unterschied 
von A. ovata zu begründen; alle Fühlergänge bei A. striata gehen nämlich vom Scheitel bis zum 
Munde ununterbrochen durch. Bei einigen Exemplaren unserer Sammlung treten aus den Poren 
der Fühlergänge vom Rande bis zum Munde starke Stachel hervor. 

Ein zweiter Unterschied liegt darin, dafs die Fühlergänge bei striat. gegen den Rand hin nur 
wenig, bei ovata aber bedeutend divergiren. Die doppelpaarigen Porenreihen liegen bei striata näher 
zusammengerückt, die Poren selbst aber bei jeder Reihe entfernter von einander, als bei ovata 

Auch sind die Täfelchen oder Felder, womit die ganze Oberfläche bedeckt ist bei striata brei- 
ter und daher weniger zahlreich, als bei A. ovata , wo sie bedeutend schmäler sind. 

Was die Form betrifft, so ist A. striata mehr gerundet, vom Scheitel bis zum Rande nach allen 
Seiten steil abfallend, A. ovata ist länglich rund, eiförmig, nach dem After hin zugespitzt und nach 
dem Munde und dem After hin allmählig abfallend. Am Scheitel hat A. striata eine Vertiefung, 
welche von sechs bis acht hervorragenden Spitzen umsetzt ist. In der Mitte der Vertiefung liegt 
in Form eines Gerstenkornes gleichsam ein Deckel oder Ventil, dessen Spitze nach dem Munde 
gekehrt ist. Wenn wir das zuletzt Envähnte nicht als ein constantes Merkmal aller gut erhal¬ 
tener Exemplare erkannt hätten, so würden wir dieses Korn , als eine zufällige Ueberwachsung 
betrachtet haben. Die Exemplare unserer Sammlung von A. ovata von Meudon, Ivoesfeld, Vaels 
und dem Plänerkalk bei Goslar sind auf dem Scheitel glatt. 

Bei A. ovata endlich tritt der Afterwulst nur schwach hervor und geht mit ganz geringer 
Auschweifung in die Seitenflächen über, ohne dafs die Fühlergänge einen Vorsprung bildeten, 
bei A. striata dagegen tritt der Afterwulst spitz und scharf hervor und bildet beiderseits bis 
zu den Fühlergängen eine tiefe Ausbuchtung, und tritt hier der Rand stärker hervor. 


iJITOLlTA. 

tÜngclnmrmrr. 


Serpuia Um. 

Wir finden bis jetzt nur eine Serpuia aus der hiesigen Kreide angeführt, dieselbe ist aber 
reich an Species dieser Gattung. Sie sitzen meist auf Belemniten. Die nachstehend angeführten 
Arten fanden wir in gut erhaltenen Exemplaren , andere liefsen keine genaue Bestimmung zu. 


Die bei Coldf. aus hiesiger Gegend noch angeführte Seeigel , sind uns theils noch nicht , theils erst in zu 
mangelhaften Exemplaren vorgekommen, als dass wir ein Urtheil darüber fällen könnten. 




13 


A. Röhren rund, dünn, aufrecht, sehr zahlreich, rasenförmig oder büschelförmig bei¬ 
sammen. 

1. * S. socialis Goldf. Tab. 69 fig. 12. pag. 233. 

Genau so im Grünsand unweit Vaelsbrug. Ob S. plexus Sow. nach Roemer pag. 99 damit über¬ 
einstimmt, vermag ich nicht zu entscheiden. 

B. Röhren kalkig, unregelmäfsig gebogen, an der Basis angewachsen. 

a. Röhren rund. 

2. * S. gordialis Schloth. bei Goldf. Tab. 69 fig. 8 pag. 234. 

Bei Vaels im Kreidemergel, ebenso im Grünsand des Lusberg. 

3. * S. implicata v. Hagenow Tab. 9. fig. 4 pag. 668. 1. c. 

Im Kreidemergel bei Vaels. Selten. 

b. Röhren vierseitig. 

4. * S. quadrangularis Roem. Tab. 16 fig. 4 pag. 100. 

Wie die vorige Art. Kommt häufiger vor. 

c. Rühren fünfseitig. 

5. * S. subtorquata bei Goldf. Tab. 70 fig. 11 pag. 238. 

Fundort der vorigen. Selten. 

C. Röhre wenig und schlangenförmig gebogen, stets angewachsen, am Rücken gekielt. 

a, Röhre dreiseitig. 

6. * S. Lophioda Goldf. Tab. 70 fig. 2 pag. 236. 

Auf Belemniten bei Vaels und Vetschau. Ziemlich häufig. 

7. * S. ampullacea Sow. S. triangularis v. Münster bei Goldf. Tab. 70 fig. 4. 

Fanden wir auf einem Pectunculus sublaevis im Grünsand bei Vaels. 

b. Röhre fünfseitig. 

8. S. cincta Goldf. Tab. 70 fig. 9. pag. 237. 

Auf Kieselgeschieben, Echiniten und Austern bei Vaels und Vetschau. 

I). Röhre anfangs trochusartig gewunden, mit aneinander liegenden Umgängen, später 
bisweilen frei werdend. 

9. * S. conica v. Ilagenow. Tab. 9. fig. 15 pag. 666. 1. c. 

Bei Vaels nur auf Belemniten selten gut erhalten. 

10. * S. subrugosa v. Münster bei Goldf. Tab. 71. fig. 1 pag. 239. 

Bei Vaels häufig auf Belemniten , meistens mehre zusammen. 


13 





JVodosaria JLatmurch. 

Die Norddeutsche Kreide zählt bis jetzt nur wenig Arten dieser Gattung, hei Roemer pag. 95 
finden wir deren vier angeführt. Im Plänerniergel und Plänerkalk Böhmens treten sie dagegen 
sehr zahlreich auf. Reufs 0 führt daraus pag. 25—28 nicht weniger als 24 Species an, worunter 
17 neu sind. Bis jetzt fanden wir im Kreidemergel bei Yaels nur 

1. * 1 V. Zippei Reufs Tab. 7 fig. 1.2. 3. 

Eine der ausgezeichnetsten Species. Sie ist in Bruchstücken nicht selten, in wohl erhaltenen 
Exemplaren dagegen äufserst rar. Die Beschreibung von Reufs pag. 25 ist meisterhaft. 


SEPIAR1A. 


-- 

MhyncleoIifhesFaure-Iiiguet. 

\. Rhyncholithes cretaceus Müller Tab. 1. fig. a. und b. Ansicht von Oben. d. untere An¬ 
sicht. c. Seitenansicht. 

Soviel uns bekannt, ist aus der Kreideformation noch kein Rhynch. beschrieben worden. 
Diese Wesen sind überhaupt noch mit grofsen Zweifeln behaftet, ob es Schnäbel von Sepien 
oder Nautiliten sind, ist noch nicht genügend beantwortet. Den Rhyn. cret. fanden wir in einem 
grofsen Stück Kreidemergel auf dem Schneeberg bei Yaels blos mit der Spitze vorragend. Wir 
arbeiteten denselben behutsam aus der Masse um zu entdecken, ob er mit einem andern Körper 
zusammen hinge, fanden aber keine Spur weder von einer Sepia noch von einem Nautilus. Das 
hintere Ende war mit einem rufsartigen schwarzbraunen Staub umgeben und lag darin fast lose, 
während der vordere Theil mit dem Mergel zusammenhing. Unter der Kappe ist ein kleiner 
Theil abgebrochen und zeigt sich an dieser Stelle eine kalksteinartige Masse in Gestalt von 
mehren kleinen eckigen Kugeln. 

Die Form in der Ansicht von Oben fig. 4 a. und b. ist aus zwei ungleichseitigen Dreiecken 
gebildet, welche in einen ziemlich flachen Längskiel zusammenstofsen, der sich aber gegen die 
Schnabelspitze rundet. Von der Schnabelspitze bis zur Kappe laufen wellenförmige Queerlinien. 
Die Grundlinien der Dreiecke sind gegen die Mitte hin etwas nach Aufsen gebogen , übrigens 


0 Die Versteinerungen der Böhmischen Kreideformation von Dr- Aug, Em, Reuss mit Abbildungen, gezeichnet von 
Jos. Rubesch. Erste Abtheilung mit 13 Tafeln. Stuttgart bei Schweizerbart 1845. Die Abbildungen verbinden 
Naturgetreuheit mit künstlerischer Ausstattung , wie wir wenige kennen. 





14 


scharfkantig. Die dem Kiele gegenüberstehenden Seiten der Dreiecke gehen etwas bogig von der 
Kappe bis zur Grundfläche. Die Seitenflächen sind stark eingefallen fig. 4. c. und scheinen die 
oben bezeichnten Wellenlinien fortzusetzen. Die Kappe senkt sich von der Höhe des Kieles be¬ 
deutend nach hinten. In der Mitte ist dieselbe stark eingeschnürt, nach beiden Enden gerundet. 
Die untere Seite (fig. 4. d.) ist glatt und zeigt nach dem hintern Ende hin regelmäfsige Wellen¬ 
linien. Nach beiden Seiten hin ist die untere Fläche etwas concav, in der Mitte erhaben. 


MOLLUSCA. 

A BRAC11IOPODA CUV Armfüsser. 


Terebratula JSruguieres . 

A. Plicosae. von Buch. 

1. T. subplicata Mantell ist die einzige Terebratel, welche Roemer pag. 38 aus hiesiger Ge¬ 
gend anführt, sie kommt bei Yaels ziemlich häufig vor und ebendaselbst noch folgende Arten : 

2. * T. Pisum Sowerby. Tab. 536. fig. 6. 7. Selten. 

3. T. Mantelliana Sow. Bei von Buch pag. 53. — Roemer pag. 39. — Geinitz Tab. 17. 
lig. 17. pag. 15. 

Unsere Exemplare unterscheiden sich von der Zeichnung bei Geinitz durch einen stark ein¬ 
fallenden Sinus, eine gröfsere Wölbung und durch einen stärker hervortretenden, sehr spitzen 
Schnabel. Sie stimmen dagegen mit den Exemplaren aus der Kreide bei Ahaus in Westphalen , 
welche wir durch Herrn Professor Becks erhielten genau überein. T. Mantelliana ist übrigens 
bedeutend gröfser als T. Pisum Sow. und irrthümlich bei von Buch nur erbsengrofs angegeben. 

B. Dichotomae. 

4. * T. striatula Mantell. 

Selten , kommt auch bei Vetchau vor. 

5 * T. chrysalis von Schlotheim. 

Wie die vorige Art. 

6. * T. Gisii von Hag. 

Fanden wir bis jetzt bei Vaels nur an einer Stelle von wenigen Schritten lang in mehr als 
fünfhundert Exemplaren und sonst auf dem ganzen weiten Schneeberg nicht mehr 


*) Wir führen diesen Umstand an, weil wir darin eine Bestätigung von dem finden, was Leopold von Buch in 
seiner vortrefflichen Abhandlung über Terebrateln, Berlin 1834, Seite 14 in Betreff des Zusammenlebens dieser 
Mollusken angibt. 






7 * T. gracilis von Schloth. 

Wir fanden Exemplare, welche die bei von Buch in der unten erwähnten Abhandlung Tab. H. 
fig. 35 a und b abgebildeten an Gröfse noch übertreffen. Was von Buch S. 12 angibt, dafs es 
selten sei, einzelne Schalen von Terebrateln zu finden, scheint bei T. gracilis eine Ausnahme 
zu bilden, denn wir fanden gar nicht selten bald die Ventral- bald die Dorsal-Schale einzeln. 
Vorkommen im Allgemeinen ziemlich häufig. 

C. Laeves von Buch. 

8. * T. Semiglobosa Sow. Tab. 15. fig. 9. 

Bei Vaels, auch bei Vetschau, doch selten. 

9. * T. minor Nilsson, ziemlich häufig nur bei Vaels. 

10. * T. pumila Sow. T. concava Lamarck. 

Nicht selten in ausgezeichnet schönen Exemplaren. Wir hielten diese Terebratel anfangs für 
Ter. hippopus Roem. Tab. 16. fig. 28. pag. 114. Herr Professor Becks hatte die Güte uns mehre 
Exemplare von Ter. hippopus aus der Kreide bei Ahaus in Westphalen zu schenken und haben 
wir uns dadurch überzeugt, dafs die hier vorkommende Art pumila ist. Letztere unterscheidet 
sich wesentlich von T. hippopus durch einen weit mehr übergreifenden Buckel, durch zahlrei¬ 
chere , näher zusammengedrängte, hervorragende concentrische Streifen der Ventral-Schale; 
diese letztere senkt sich bei vollwachscnen Exemplaren nach dem Buckel, und nach dem Stirn¬ 
rande bedeutend und ist daher in der Mitte erhaben; bei T. hippopus ist die gröfste Erhabenheit 
gleich unter dem Buckel. Endlich fehlt bei T. pumila die Furche gänzlich, welche bei T. hip¬ 
popus auf der Ventral-Schale von dem Buckel bis zur Stirne herabläuft. Auch erreichen die 
stärksten Exemplare von T. pumila die Gröfse von T. hippopus nicht. Uebrigens unterscheiden 
wir bei der hier vorkommenden T. pumila zwei Formen, wovon die eine gerundet die andere 
Cseltnere) länglich ist. Becks in litt, hält letztere für die Normalform. 

Bei jungen Individuen ist die Ventralschale ganz flach und zeigen sich darauf die später her¬ 
vortretenden concentrischen Streifen nur als feine Linien. 

Von einigen andern Arten der Terebrateln fanden wir bis jetzt zu mangelhafte Exemplare, 
als dafs wir mit Sicherheit dieselben hätten bestimmen können. 


IS. CONCH1FEESA liAM. Muscheltfsiere 


Trigonia 

1. * T. alaeformis Goldf. Tab. 137. fig. 6 a-c. pag. 203. 

Kommt im Aachener Walde und im Lusberg häufig als Steinkern vor, im Grünsand bei Vaels 
seltner, doch ganz erhalten. Unsere Exemplare unterscheiden sich von der Zeichnung bei Goldf. 


16 


dadurch, dafs alle Rippen bis zu den kleinsten gekörnt sind. Die Furche, welche dort das 
Schildchen theilt ist an den best erhaltenen Exemplaren nicht vorhanden. Die gröfste Concavität 
des Schildchens ist gleich .unter dem Buckel, verliert sich aber ganz nach der Spitze hin. Die 
Anzahl der knotigen Rippen mehrt sich mit dem Alter. An unsern jüngsten Individuen zählen wir 
deren 8—9, bei den ältesten 26 — 27. Zwischen diesen laufen faltige Querlinien. 

2. T. excentrica Goldf. Tab. 137. fig. 8. pag. 203. 

Ist uns bis jetzt nur in Bruchstücken und als Steinkern vorgekommen, welche indessen kennt¬ 
lich genug sind um diese Art für die deutsche Kreide zu rechtfertigen *). 


Nucula JLamarck 

1. * N. caudata Koch und Dunker Tab. 2. fig. 7. a—c pag. 31. 

Roemer * 2 3 ) verwirft diese neue Art und hält sie für Nucula lacryma Sow. Wir fanden im Grün¬ 
sand des Lusbergs und bei Vaels indessen mehrere wohlerhaltene doppelschalige Exemplare ei¬ 
ner Nucula, welche mit der von Koch und Dunker gezeichneten und beschriebenen fast überein¬ 
stimmt, von N. lacryma dagegen ganz verschieden ist. Von letzterer Art lagen uns eine Reihe 
von Exemplaren zum Vergleich vor, von N. caud. nur die Zeichnung. Alle vollständige Exem¬ 
plare und alle Bruchstücke, welche wir bis-jetzt im Grünsand fanden, haben nur die Gröfse der 
N. caud. Die meisten sind noch kleiner. Koch und Dunker bemerken daher mit Recht, dafs 
diese Art die kleinste bekannte Nucula sei. Sie unterscheidet sich ferner wesentlich von A. 
lacryma durch stärkere, gerundetere Buckel, durch ein weit bauchigeres, nach hinten stei¬ 
ler abfallendes Gehäuse und durch ein weniger eingedrücktes Mal. Bei N. lacryma läuft ferner 
die verlängerte Seite allmählig schmäler werdend aus und stofsen die beiden Schalen unten 
scharf zusammen, bei N. caud. läuft dieselbe von dem dickem Tlieile des Gehäuses sich plötz¬ 
lich verschmälernd in eine Spitze aus und bilden die zusammentreffenden Schalen eine Rundung. 
Unsere Exemplare zeigen übrigens ganz deutliche, concentrische Linien auf der ganzen Ober¬ 
fläche, welche nach dem Buckel hin gedrängter stehen. Koch und Dunker haben nur feine con- 
centrische Anwachsstreifen zu bemerken geglaubt.Jedenfalls ist unsere N. caudata in der Kreide 
noch nicht citirt worden. Das Vorkommen ist selten. 

2. N. Fürsten Midier. Tab. I. Fig. 5. a. in natürlicher Grösse, b. Queransicht bedeutend 
vergröfsert. 


Q Ausser den angeführten Arten fanden wir nocli eine dritte als Steinkern , welche wir für eine neue halten , 
wir werden dieselbe aber erst dann beschreiben , wenn das Glück sie uns mit erhaltener Schale in die 
Hände bringt. Das Bestimmen und Benamcn solcher Steinkerne hat überhaupt etwas sehr Missliches ; man 
erwirbt freilich dadurch ein nobis mehr, überlässt einem Andern aber die Mühe, eine vollständige Zeichnung 
und Beschreibung davon zu liefern. 

2 ) Beiträge zur Kenntniss des Norddeutschen Oolithengehirges und dessen Versteinerungen von C. L. Koch und 
Dunker. Braunschweig bei Oelime und Müller. 1837. 

3 ) Die Versteinerungen des Norddeutschen Oolithengehirges von Tr. A. Roemer , ein Nachtrag. Hannover 1839. 
Hahn’sche Hofbuchliandlung. 



ff 


Die Buckel liege» fast in der Mitte, ragen stark hervor und berühren sich. Das ganze Gehäuse 
ist bauchig, nach allen Seiten sanft abfallend. Das Möndchen und Feldchen sind ziemlich stark 
eingedrückt. Von dem Buckel aus ist die Schale etwas ausgeschweift, verlängert und in einen 
stumpfen Schnabel endigend. Die ganze Oberfläche ist mit zarten concentrischen, erhabenen 
Linien bedeckt. Bei vollwachsenen Exemplaren zeigen sich noch etwas vertiefte, concentrische 
Bänder, welche wir bei jünger» .Individuen nicht wahrnehmen können. Das Schlofs hat von bei¬ 
den Seiten 16 Zähne. Die Schale ist im Verhältnis der Gröfse ziemlich dick. Kommt häufig und 
meist wohlerhalten im Grünsande bei Vaels vor, selten am Lusberg. In wie weit N. nana bei 
Römer pag. 68 von unserer Art abweicht, vermögen wir nicht zu beurtheilen, indem wir von 
dem Steinkern der N. nana noch keine Zeichnung kennen. 

3. N. tenera Müller. Tab. II. fig. 1. a. und b. Ansicht beider Schalen von den Seiten, c. 

Queransicht in natürlicher Gröfse. 

Die Gestalt dieser Nucula ist einförmig dreiseitig. Die Buckel sind spitz, etwas nach vorn 
geneigt und berühren sich. Das nur wenig vertiefte Möndchen ist eiförmig, das Feldchen fehlt. 
Die längere Seite hat etwa 12, die kürzere nach dem Möndchen nur sechs Schlofszähne. Der 
Stirnrand ist mit dichtgedrängten sehr zahlreichen Kerbehen oder Zähnchen versehen. Das Ge¬ 
häuse ist nur sehr wenig gewölbt; die gröfste Convexität ist in der Mitte. Die Schale erscheint 
dem unbewaffneten Angc fast glatt und zeigt demselben nur etwa 4 concentrische Ringe. Unter 
der Loupe sieht man aber eine Menge dichtgedrängter, sehr zarter, ausstrahlender Linien auf 
der ganzen Fläche. Die Schale ist im Verhältnifs zur Gröfse dick. 

Findet sich sehr selten wohlerhalten im Grünsand bei Vaels und als Steinkern in den Mu¬ 
schelschichten am Schindanger. 

PectuncuMus JLamarch . 

1. P. sublaenis Sow. bei Goldf. Tab. 12G. fig. 3. pag. 160. P. lens Nilsson. 

Bei Reufs Tab. 35 fig. 10, 11 , 13 pag. 9 sind Exemplare von mittler Gröfse. 

Im Laufe der Zeit ist es uns gelungen diese Species in den verschiedensten Altersstufen voll¬ 
ständig erhalten, meist doppelschalig aufzufinden ')• Die jüngsten Exemplare haben noch nicht die 
Gröfse einer Linse, die ältesten eine Breite von 2%“ und eine Höhe von 2y 2 “. Ganz junge 
Individuen sind fast Hach und völlig kreisrund, mit zunehmendem Alter wölben sie sich immer 
mehr und zeigen sich dann in mittler Gröfse mehr länglich, als rund. Nur vollwachscne Exem¬ 
plare sind, wie sie gewöhnlich und richtig beschrieben werden : «fast kreisrund, etwas breiter, 


Es würde gewiss für jeden Petrefaclologen sehr belehrend sein, manche Arten in den verschiedensten Alters¬ 
stufen in ganz getreuen Bildern vor sich zu haben, wenn die Formen mit dem Alter so bedeutend ändern, 
wie dies bei P. suhl, der Fall ist. Wir sind überzeugt, das manche Arten wegfallen und sich nur als ver¬ 
schiedene Alterstufcn derselben Art herausstcllcn würden. Wir haben beim Sammeln stets unsere besondere 
Aufmerksamkeit darauf gerichtet und besitzen viele Arten unserer Gegend in 25—30 Altersstufen. Dies kann 
freilich nur in langer Zeit und bei fleissigem Sammeln demjenigen möglich werden, welcher in der Nähe der 
Fundorte wohnt. 


3 





als lang-, ziemlich gleichseitig.- Die Buckel sind mehr gerundet als spitz, ragen ziemlich stark 
vor und berühren sich. Was die Oberfläche der Schale betrifft, so sind an allen wohlerhaltenen 
Exemplaren etwas hervortretende Anwachsstreifen deutlich, zwischen diesen laufen concentrische 
Linien, welche sich nach dem untern Rande stark häufen und wellenförmig werden. Die Längs¬ 
streifen laufen nicht, wie Goldfufs angiebt, nur bei verwitterten Exemplaren auf dem Rücken, son¬ 
dern zeigen sich deutlich auf der ganzen Oberfläche, selbst bei den jüngsten Exemplaren, wo 
man die concentrischen Linien wenig sieht. Das Schlofs hat 22 Zähne, und bei mittelgrofsen In¬ 
dividuen zählen wir 50 Randzähne. Im Lusberg und bei Vaels ziemlich häufig. 

2. P. Höninghausii Müller Tab. I. fig. 6. a. in natürlicher Gröfsc, b. die innere Seite der 
Schale stark vergröfsert. 

Länglich nierenförmig. Die Buckel ragen ziemlich stark hervor, berühren sich nicht. Das 
Gehäuse ist etwas länger, als breit. Das Schlofs bildet eine schräglaufende fast gerade Linie, welche 
vor dem Buckel mehr als dreimal so lang ist, als hinter demselben. Die längere Seite gewinnt daher 
das Ansehen eines Flügels. Die Linie von der schmälern Seite des Scldofsrandes bis zur Mitte ist 
etwas einwärts gebogen, die Schale gewölbt, auf der entgegengesetzten breitem Seite bildet sie eine 
ziemlich steil abfallende Vertiefung. Die Oberfläche ist mit feinen concentrischen Linien bedeckt. 
Das Schlofs hat an der langem Seite 6—8 an der schmälern 3—4 Zähne. Das Bandfeld ist 
glatt, vertieft; Randzähne sind nicht vorhanden. Findet sich im Grünsande bei Vaels ziemlich 
häufig und wohl erhalten , als Steinkern auch im Lusberg. Exemplare von der Gröfse , wie die 
Abbildung (6. a.) sind selten. 

Beim ersten Anblick fanden wir einige Aehnlichkeit unseres P. Hoeningh. mit P. planus bei 
Roemer Tab. 8 fig. 24 aus der untern Kreide bei Peine , eine genauere Zusammenhaltung der 

Zeichnung mit unsern Exemplaren und die Beschreibung von P. planus pag. 69. liefsen uns 

keinen Anstand nehmen eine neue Art zu bilden. 

Area JLamarek 

1. * A. exaltata Nils. Bei Goldfufs. Tab. 122 fig. 1 a—b pag. 143. 

Kommt als Steinkern nicht selten am Lusberg, im Aachener Wald und in der Sandgrube 
vor dem Königsthor vor, doch minder grofs, als bei Goldf. Die hin und wieder erhaltene Be¬ 
deckung der Schale zeigt concentrische Streifen, wo dieselbe fehlt bemerken wir Längslinien 
oder vielmehr Längsfalten auf dem Steinkern. 

2. A. glabra Goldf. Tab. 124 fig. 1 a—e pag. 149. 

Bei Reufs Tab. 34. fig. 44 und Tab. 35. fig. 1", 2 pag. 13 sind nur minder gut erhaltene 

Steinkerne. 

Bei Roemer pag. 70. Cucullaea glabra Sow. Die im Lusberg und im Aachener Walde vor¬ 
kommenden Exemplare stimmen mit der Beschreibung und Zeichnung bei Goldf. überein. Was 
Roemer bei Cuc. glabra angibt : 5?Die Schalen sind glatt, und nur selten treten ganz feine, kaum 
sichtbare Längsstreifen hervor;« palst zu A. glabra nicht. Bei A. glabra sieht man nur viele con¬ 
centrische Streifen und stark hervortretende Anwachsringe. Vollständig erhaltene Exemplare ha- 


19 


ben wir bis jetzt noch nicht gefunden. Steinkerne mit theihveise erhaltener Schale in allen Al¬ 
tersstufen sind indessen sehr häufig. 

Mit Zuverläfsigkeit können wir (vergleiche Reufs 1. c.) durch unsere Exemplare nachweisen ,' 
dafs Area ligeriensis d'Orbigny Tab. 317 und ebenso Area sintoniensis d’Orbigny Tab. 323 nur 
Area glabra sind. Area fribosa Tab. 312 und Area Matherohiana Tab. 325 desselben Autors 
scheinen nur sehr wenig abzuweichen. 


CucuUaea L*amarck. 

1. * C. glabra Sow. unterscheidet sich von Area glabra durch eine weit stärkere Wölbung, 
durch schwächer hervortretende und weniger dicht stehende, concentrische Linien auf der 
ganzen Oberfläche. C. glabra ist ferner hinten weit stärker zusammengedrückt, und ihr Quer¬ 
durchschnitt viel kürzer, als bei A. glabra. Das Schlofs von A. glabra haben wir nicht sehen 
können, w r ohl aber das von C. glabra, welches uns, durch die divergirenden Schlofszähne, welche 
sich an beiden Enden der Reihe verlängern') , unser Exemplar als Cucidlaea unzweideutig er¬ 
kennen liefs. Steinkerne linden sich häufig im Lusberg, und im Aachener Wald, Exemplare mit 
erhaltener Schale sind selten. 

2. * C. Goldfassii Roemer. Tab. 6. fig. 18. Oolitli. pag. 104. 

Ein vor uns liegendes Exemplar aus dem Lusberg stimmt mit der angeführten Zeichnung und 
der Beschreibung bei Roemer überein. Schlofs und Schildchen konnten wir nicht blofs legen. 

3. C. texta Roemer. Tab. 6. fig. 19. Oolitli. pag. 104. 

Fanden wir gut erhalten, jedoch nur die eine Schale im Griinsand bei Yaels. Ein jüngeres 
Exemplar von demselben Fundorte nähert sich mehr der Gestalt von C. inflata Roemer Tab. 6. 
fig. 22, pag. 105. und möchten wir den dort beschriebenen Steinkern nur für ein junges Exem¬ 
plar von C. texta halten, so verschieden sie auch beim ersten Anblick scheinen mögen. 

Isocardiu Lamarck. 

1. * J. cretacea Goldf. Tab. 141. fig. 1. pag. 211. 

Bei Reufs Tab. 42 fig. 29 pag. 2 II. Steinkern eines jungen Excinplares. 

Fanden wir im Aachener Walde mit gröfsten Theils erhaltener Schale. Wir haben der Be¬ 
schreibung von Gohlfvfs nichts hinzuzufügen , nur bemerken wir, dafs unser Exemplar wohl 
um ein Drittel gröfser ist, als die angeführte Abbildung sic darstellt. 


*) "V^ ir nehmen nach Goldfuss pag. 141 die Richtung der Schlosszahne 9 als das Hauptunlerscheidungsmerkmal 
zwischen Area und Cucullaea an. Bei Bestimmung der beiden folgenden Arten hat uns die äusserliche lieber- 
einstimmung mit den Abbildungen bei Roemer geleitet. 







Cardita I*amarck. 

1. C. Goldfussii Müller. 

Corbula acquivalvis Goldfuss. Tab. i5i. fig. 15. a—b. pag. 250. 11. 

Pholadomya caudata Roemer Tab. 10. fig. 8. pag. 76. 

Cardium caudatum F. Roemer , in Bronn’s Jahrbuch 1845. pag. 338. *) 

Vielleicht gehörtauch Pholadomya caudata bei Reufs Tab. 36. fig. 8. pag. 18. II. hieher, ob¬ 
gleich wir gestehen müssen, dafs die hier vorkommenden Exemplare mit jener Zeichnung am 
wenigsten übereinstimmen. 

Es war, wie die vorstehenden Citate beweisen, noch keinem jener Geologen gelungen, das 
Schlots der angeführten Versteinerung zu beobachten und hätte man daher billiger Weise den 
ersten Namen corbula aequioalvis von Goldfufs bestehen lassen sollen, bis das genug festgestellt 
werden konnte. Dadurch, dafs man, an die Stelle des Zweifelhaften das Ungewisse setzt, wird die 
Wissenschalt nicht gefördert. Beiläufig gesagt, hat Goldfufs auch noch die richtigste Zeichnung 
geliefert. Doppelschaligc Steinkerne, die freilich schon selten sind , lehren zur Genüge, dafs die 
Species zu Pholadomya nicht gehören konnte, vielmehr deuteten sic auf Cardium hin. Dieselben 
sind aber meistens etwas verschoben und in dieser Gestalt ähneln sie einer Corbula. 

Wir hatten das Glück, das Schlofs an einem Exemplar vollkommen blos zu legen, wobei sich 
denn die Gattung cardita auf das vollständigste herausstellt. Das Gehäuse ist länglich-eirund in 
der Mitte stark gewölbt. Die hintere Seite, welche flügelartig verlängert ist, verflacht sich ; die 

vordere Seite ist gerundeter und fällt etwas stärker ab. Die Buckel liegen etwas vor der Mitte 

sind rund , etwas eingerollt, nach vorn gebogen , sehr nahe zusammengerückt. Von den Buckeln 
strahlen 32 bis 34 nach dem untern Rande albnählig breiter werdende , rundliche Rippen aus. 
Zwischen diesen bilden sich etwas breitere Furchen. Der hintere flache Theil ist ohne Rippen, 
ebenso verlieren sich dieselben allmählig nach dem vordem Rande, der ebenfalls fast glatt er¬ 
scheint. Beide Schalen sind gleich grofs. Ueber die ganze Oberfläche laufen aufser den erwähn¬ 
ten Rippen feine concentrische Linien, welche um die Buckel, wo die Rippen sehr schmal zu¬ 
sammen laufen, mit diesen ein zartes Netz bilden. Selbst auf den Steinkernen sind diese Linien 
um die Buckel noch sichtbar. Die Zeichnung bei Goldfufs Tab. 151. fig. 15. b. deutet dies 

schon ganz richtig an. Die Schale selbst ist im Vcrhältnifs der Gröfsc der Muschel sehr dünn 

und zerbrechlich. Exemplare von der Grölse wie fig. 15. a. sie darstellt, kommen hier nicht 
vor, wohl aber noch etwas grüfser, als die Abbildung bei Roemer. 

Diese Versteinerung findet sich als Steinkern Ziemlich häufig im Aachner Walde, am Lusberg 
und am Schindanger, mit erhaltener Schale bis jetzt höchst selten im Grünsand bei Vaels. 


*) Wir werden später bei der ausführlichem Anffasuung der geologischen Verhältnisse unserer Gegend auf diese 
Abhandlung zurück kommen. 



2* 


Cardium tJnne 

1. C. tubuliferum *J Goldf. Tab. 144. Iig. 7. pag. 221. 

Unsere Exemplare stimmen mit Zeichnung und Beschreibung bei Goldf. genau überein« Findet 
sich nur als Steinkern mit theilweise erhaltener Bedeckung. Kommt vor im Grünsand des Lus¬ 
bergs und im Aachener Walde, bis jetzt noch nicht bei Vaels. 

2. C. Bechsii Müller Tab. I. Fig. 7. a. b. Ansicht von Oben. c. Queransicht in natürlicher 
Gröfse. 

Die Form ist schief herzförmig, stark gewölbt, nach beiden Seiten ziemlich steil abfallend, 
nach dem Schlofsrande sich sanft verflachend. Die Buckel sind spitz, stark hervortretend, nach 
der schmälern Seite gedreht und berühren sich fast. Von dem Buckel bis zum Rande strahlen 
20—22 scharfkantige , stark hervortretende Rippen aus; zwischen je zwei und zwei derselben 
liegt eine tiefe, glatte Rinne. In der Mitte treten die Rippen am meisten hervor, nehmen dann 
nach beiden Seiten allmählig an Stärke ab und verlieren sich in zarte Linien. Am Rande selbst 
bilden die Strahlen Spitzen , welche indessen wegen ihrer Gebrechlichkeit bei den meisten Exem¬ 
plaren abgestofsen sind. An den Spitzen haben die Rippen die gröfste Breite und laufen, sich 
immer verschmälernd, als ganz feine Linien in den Buckel zusammen. Die innere Seite der Schale 
ist glatt nur am Rande machen die etwas einfallenden Rinnen kleine Erhöhungen. Findet sich 
im Lusberg last nur als Steinkern, im Grünsande bei Vaels dagegen sind fast alle Exemplare 
vortrefflich erhalten. Kommt hier ziemlich häufig vor. Nachdem die Zeichnung schon angefertigt 
war fanden wir noch einzelne Exemplare, welche etwas gröfser sind, als die Abbildung sie 
darstellt. 

3. C. semipustulosum Müller Tab. I. Iig. 8. a. in natürlicher Gröfse, b. vergröfsert. 

Ist fast eiförmig, um die Hälfte kleiner, als die vorhergehende Art, weniger stark gewölbt. Auch 
hier sind die Buckel stark hervortretend, spitz und scheinen sich zu berühren. Von dem Buckel 
bis zum Rand strahlen24—26Rippen aus, etwas dichter gedrängt, als bei der vorigen Art. Von 
diesen sind etwa 9—10 vom untern Rande bis gegen die Mitte hin gekörnt. Die übrigen nicht 
gekörnten, scharfkantigen Rippen stehen anscheinend weniger dicht und bilden je zwei und zwei 
eine platte Rinne. Nach beiden Seiten laufen auch hier die Rippen in feinen Linien aus; von 
der Stirne aus versclunälern sic sich nach dem Buckel hin, wo sie in zarte Linien zusammen 
lauten. Am Rande bilden die nicht gekörnten Rippen Spitzen, die gekörnten runden sich mehr. 
Findet sich mit der vorhergehenden Art zusammen, jedoch weit seltner. 

4. C. Debeyanum Müller. Tab. 1. fig. 9 a u. b. in natürlicher Gröfse. 

Länglichrund, dachförmig, nach beiden Seiten scharf abtallend, dadurch bildet der mittlere flach ge¬ 
wölbte Tlieil ein Dreieck, dessen Grundfläche der Stirnrand und dessen Scheitel der Buckel bildet. 


s ) \N ir haben die Benennung von Goldfuss „tubuliferum“ gegen unsere frühere Ansicht, nach welcher wir mit 
Römer C. tubcrculiferum liir bezeichnender hielten , wieder aufgenommen. Wir fanden in der neuesten Zeit 
nämlich ein Exemplar worauf sich wirkliche, 2 Linien lange, vierkantige tabuli befinden. An allen früher 
von uns gefundenen Exemplaren erscheinen die abgebrochenen tuhuli wie tubercula. 



22 


Die ganze Fläche ist glatt mit zarten concentrischen Linien versehen, welche gegen den Stirnrand 
stärker hervortreten und breiter werden. Am Schlofsrande laufen mit diesen Linien parallel feine Rip¬ 
pen, welche nach den Buckeln hin immer gedrängter stehen. Die Buckel sind in der Mitte wenig nach 
vorn geneigt, treten stark hervor und stehen weit voneinander. Die stärkste Wölbung ist gleich 
unter den Buckeln und fällt dann ganz sanft nach dem Stirnrand ab. Findet sich nur selten im 
Grünsand bei Yaels , als Steinkern auch am Lusberg. 

5. C. Marquartii Müller Tab. I fig. 10. In natürlicher Gröfse. 

Ist fast kreisrund, stark gewölbt, nach den Seiten sanft abfallend. Die Buckel sind spitz, fast 
in der Mitte etwas seitlich gebogen und berühren sich. Von dem Buckel bis zum Rande laufen 
austrahlende, fein gekörnte Linien, wovon immer zwei dickergekörnte eine feinergekörnte ein- 
schliessen. Dadurch unterscheidet sich diese Art wesentlich von C. asperum ton Münster und 
bispinosum Dujardin. Ausserdem ist der ganze Rand fast bis zum Schlosse scharf gezahnt. Von 
C. intermedium Reufs Tab. 40 fig. 13 pag. 1., II. unterscheidet sie sich durch die fast kreis¬ 
runde Form. Die Schale ist äusserst dünn und zerbrechlich, daher wohlerhaltene Exemplare 
sehr selten sind. Steinkerne finden sich häufig im Lusberg , wohlerhaltene Exemplare bis jetzt 
nur im Grünsand bei Vaels. 

6. C. (dutaceum von Münster. Goldfuss Tab. 144 fig. 5 pag. 220, 221 II. 

Ist etwas gröfser, als die vorhergehende Art, unterscheidet sich aber wesentlich dadurch, 
dafs alle Rippen gleichmäfsig gekörnt sind. Findet sich im Grünsand bei Vaels selten ; als Stein¬ 
kern im Lusberg und Aachner Wald häufig. 

7. C. galeatum Müller. Tab. II. fig. 2. a. in natürlicher Gröfse. b. Queransicht und c. Ansicht 

auf die Buckel bedeutend vergröfsert. 

Dies Cardiurn ist hehnförmig von Gestalt lig. a. Die Seite fig. c , wo das Schlofs liegt, ist 
herzförmig und macht eine flache Ebene aus mit nur etwas sich erhebenden Rändern nach 
Aufsen hin. Das Schlofs selbst bildet ein vollkommnes Herz , die darüber ragenden Buckel sind 
gerundet und stehen ziemlich w r eit von einander. Von den Rändern der Ebene steigen beide 
Schalen steil empor und bilden bei ihrer Vereinigung eine Art Wulst. Von der obern Helmspitze 
nach den Buckeln hin senken sich die Schalen fast senkrecht mit nur schwacher Einbiegung; 
nach der entgegengesetzten Richtung fallen sie bogig sanfter ab und vereinigen sich an der den 
Buckeln gegenüberliegenden Seite in eine Spitze. Die Schalen sind mit ganz zarten wellenför¬ 
migen Linien bedeckt. 

Wir fanden diese äussert interessante Form bis jetzt nur in einem einzigen vollständig erhal¬ 
tenen Exemplar im Grünsand bei Vaels. 

Astarte Sotverby. 

1. A. ccielata Müller. Tab. II. fig. 3. a. und b. in natürlicher Gröfse. c. bedeutend vergröfsert. 

b. Queransicht vergröfsert. (Ist zu bauchig und zu dick gezeichnet.) 

Beim ersten Anblick erinnert die Form gar sehr an Astarle pnlla Roeiner Oolith. Tab. 6. 
fig. 27. pag. 113. Bei Goldf. Tab. 134 fig. 10. pag. 191. unterscheidet sich aber wesentlich davon. 




Das Gehäuse ist weder gewölbt, noch bauchig , vielmehr platt gedrückt, von eiförmig-dreiseitiger 
Gestalt. Die Buckel sind spitz und berühren sich. Nach der kürzeren Seite hin läuft die Schale 
in einem sanften Bogen, nach der längeren fällt sie steil ab. Das Möndchen ist vertieft eiför¬ 
mig , das Feldchen fast doppelt so lang als jenes , ist elliptisch, wenig vertieft. Die Schale ist 
mit 9—10 scharf hervortretenden, rundlichen, concentrischen Rippen versehen, zwischen wel¬ 
chen tiefe gleichsam ausgemeifselte, glatte Furchen sind. Die Rippen liegen nach dem Buckel hin 
gedrängter, nach dem untern Rande entfernt von einander, die untersten Furchen sind daher 
die breitesten und tiefsten, die obersten verschwinden fast. Die Schale ist dünn , häufig mit 
einem runden Loche durchbohrt. 

Findet sich im Grünsande bei Yaels 0 ziemlich häufig. 

Crassatella JLamarcU. 

* 1. C. arcacea Roemer Tab. 9. fig. 24. pag. 74. — Reufs II. Tab. 33. fig. 27. pag. 3. 

Kommt als Steinkern im Grünsand bei Aachen und in einem grauen verhärteten Mergel bei 
Yaels vor. Am letztem Orte im Grünsand auch mit erhaltener Schale. Ein ausgezeichnet gut 
erhaltener doppelschaliger Steinkern zeigt den untern Rand fein gekerbt, wie Roemer richtig 
angibt, was Reufs an den böhmischen Steinkernen nicht beobachten könnte. 

Ijucina Brug, 

1. L. lenticularis Goldf. Tab. 146 fig. 16 pag. 228. — Reufs Tab. 33 fig. 20 bis 24 und Tab. 37 

fig. 17; ferner Tab. 41 fig. 10. 

Wir sind mit Reufs einverstanden, wenn er L. lens und L. Reichii Roemer und ebenso L, 
civcularis Geinitz auf L. lenticularis zurückweiset, bis charakteristische Merkmale diese Arten 
erhärten. Fig. 22 Tab. 33 und fig. 17 Tab. 37 bei Reufs möchten wir eher für Venusovalis als 
für L. lenticularis halten. Wir haben den Beschreibungen dieser Art von Goldfuss und erweitert 
von Reufs nichts weiter zuzufügen, als die Berichtigung, dafs allerdings L. lenticularis ein eiför¬ 
miges stark vertieftes Möndchen hat, was Goldfufs schon vermuthete, Reufs aber verneinte. 
Das Möndchen ist fast genau so, wie bei der noch im Mittelmeer vorkommenden Artemis exoleta 
Dehayes traite elementaire de conchyliologie (Venus exoleta Linne) , womit wir unsere ausge¬ 
zeichnet erhaltenen Exemplare verglichen haben. L. lenticularis hat überhaupt mit dieser noch 
lebenden Species im ganzen Habitus die auffallendste Aehnlichkeit. Steinkerne zeigen die Mus¬ 
keleindrücke sehr deutlich, der vordere ist schmäler und länglicher, der hintere breiter und 
mehr rund zu nennen. 

Kommt nicht selten als Steinkern, mit theilweis erhaltener Schale im Lusberg und Aachner 
Wald vor. Selten doch stets ausgezeichnet erhalten im Grünsand bei Yaels. 

2. L. producta Goldf. Tab. 146 fig. 17 pag. 229. 

Selten im Grünsand des Lusbergs. 

0 Auch in dem Kreidemergel bei Mastricht, wie llohlabdrücke in der Sammlung des Herrn J. Bosquet zu Mas¬ 
tricht zeigen. 



34 


Venus Unne. 

1. V. ovalis. * *) Sow. Goldfufs. Tab. 151 fig. 5 pag. 247. 

Die Abbildung bei R eufs Tab. 30. fig. 22. ist nicht Venus ovalis, so wie dessen Beschreibung 
auch auf unsere Art nicht pafst; wir glauben daher, dafs die Species aus der böhmischen Kreide 
nur Venus faba sein wird. Nucula concentrica Geinitz zieht Renfs mit mehr Recht hieher , sie 
unterscheidet sich in nichts von den Steinkernen der V. ovalis ; die Abbildungen der N. concen¬ 
trica bei Geirntz Tab. 10. fig. 9. und Tab. 20. fig. 27. gleichen sich weder unter sich , noch den 
Exemplaren, welche wir aus dem Pläner bei Strehlen vor uns liegen haben. Solche Bilder kön¬ 
nen nur Verwirrung veranlassen. Die Abbildung bei Goldf. ist besser, nur etwas zu länglich ge¬ 
halten und vermissen wir darin die sanfte Einbiegungvon den Buckeln nach dem vordem Rande. 
Alle unsere Exemplare (in einer Reihe von mehr als 50 Stück von der Gröfse einer Linse bis 
zu mehr als einem Zolle) stimmen, was die Form angeht mehr mit der Zeichnung der Cytherea 
suberycinoides Dcsh. bei Goldf. Tab. 146. fig. 16. a. überein , als mit irgend einer uns bekannten 
Zeichnung dieser Species. Die Buckel sind mehr spitz als gerundet zu nennen , liegen nicht in 
der Mitte, sondern bedeutend nach dem vordem Rande hin , sie berühren sich nicht. Das Mönd¬ 
chen ist lanzettförmig ziemlich stark vertieft. Das Feldchen ist elliptisch, dreimal so lang als das 
Möndchen , sehr stark vertieft. Die das Feldchen bildenden Lippen sind gerundet und fallen 
nach innen ziemlich schroff ab. Die Länge des Gehäuses beträgt ein Viertel mehr, als dessen 
Höhe; es ist dasselbe nur wenig gewölbt, junge Exemplare erscheinen fast platt. Die Oberfläche 
ist mit tief eingeschnittenen concentrischen Streifen bedeckt, welche nach den Buckeln sehr ge¬ 
häuft stehen. Nach den Ränderen hin verlieren sich bei volhvachsenen Individuen die Einschnitte, 
bei Jüngeren sind sie deutlich bis zu den Rändern. Der vordere Muskeleindruck ist länglich 
eiförmig , der hintere ist gröfser und rund. 

Ziemlich häufig im Grünsand bei Aachen, im Aachner Walde und bei Vaels. Am erstem Fundorte 
meist als Steinkern, an letzterem vollkommen erhalten. 

Was wir in der Anmerkung bei Pec. sublaevis anführten , gilt auch bei Venus ovalis. 

2. V. faba Soiv. Bei Goldfufs Tab. 151 fig. 6 a. b. pag. 247. II. — Renfs Tab. 41 fig. 12 
pag. 21. — D’Obigny Tab. 385 fig. 6-8 pag. 444. III. 

V. fabacea Roemer Tab. 9 fig. 13 pag. 72. 

Diese Species ist der vorhergehenden so nahe verwandt und die Formen derselben gehen so 
in einander über , dafs es besonders bei Steinkernen in der mittleren Gröfse fast unmöglich ist, 
sie genau zu unterscheiden. **). Wir stehen in Zweifel, ob die angeführten Abbildungen bei 
d'Orbigny und Roemer selbst nicht zu V. ovalis gehören. V. faba scheint sich im Wesentlichen 
nur durch die gedrängteren , feinem Linien auf der Oberfläche und durch eine verlängertem 
und schmälere Gestalt von V. ovalis zu unterscheiden. 

Selten im Grünsand bei Vaels und am Lüsberg. 

*) lm Besitze höchst vollkommener, doppelschaliger Exemplare dieser Species , werden wir hei der zweiten Ab¬ 
theilung eine Abbildung derselben liefern. 

* k ) Wollten wir Steinkerne und von der Normal form etwas abweichende Bildungen zeichnen und beschreiben, es 



85 

3. F. plana Sow. 

Cytherea plana Goldf. Tab. 148 fig. 4 p. 236 und 238. — Reufs Tab. 41.fig. 14. pag. 21. 
II. — D’Orbigny Tab. 386 fig. 1—3, pag. 447. III. 

Kommt so grofs, ja selbst noch gröfser, als die angeführten Zeichnungen bei Goldfujs und 
D'Orbigny sie darstellen im Grünsand bei Aachen und Vaels meist als Steinkern vor, selten mit 
erhaltener Schale. Die Abbildung bei Reufs stellt nur ein junges Exemplar dar. Den angeführ¬ 
ten Beschreibungen ist nichts zuzufügen. 

4. V. lumida Müller Tab. II. fig. 4. a und b. Ansicht von Oben, c. von der Seite, d. Quer¬ 
ansicht in natürlicher Gröfse. 

Diese Art ist quer , eirund-dreiseitig, sehr stark gewölbt, bauchig. Die Buckel sind dick, 
rund , treten stark hervor , nach vorn gedreht, berühren sich nicht. Von den Buckeln aus wöl¬ 
ben sich die Schalen sehr stark, fallen aber nach dem Rande sanft ab. Die Schale ist glattund 
zeigt nur zwischen den ziemlich stark hervortretenden Anwachsringen äufserst zarte concen- 
trische Linien. Bei jungen Individuen erscheinen dieselben völlig glatt. Sie sind aufiallend dünn 
und daher leicht zerbrechlich , so dafs wohlerhaltene Exemplare höchst selten sind. Kommt im 
Grünsand bei Vaels vor. 

5. V. numismalis Müller Tab. II. fig. 5 a. Ansicht einer Schale, b. Queransicht in natürli¬ 
cher Gröfse! 

Diese schöne Art ist fast kreisrund. Die Buckel stehen fast in der Mitte , sind spitz und be¬ 
rühren sich. Unter den Buckeln ist nur eine geringe Wölbung, die nach allen Seiten so sanft 
abfällt, dafs die Schalen flach zu sein scheinen. Das Gehäuse erscheint platt gedrückt und ist 
in der stärksten Wölbung noch nicht 2 Linien dick. Dasselbe ist von den Buckeln aus bis zum untern 
Rande mit 20 bis 22 concentrischen Rippen versehen, welche um die Buckel eng gedrängt stehen 
und mehr als Linien erscheinen, nach dem untern Rande hin indessen weiter auseinander gehen 
und als scharfe Rippen stark hervortreten. Zwischen den Rippen laufen in gleicher Richtung 
noch höchst feine Linien. Die Schale selbst ist so dünn wie Papier. 

Höchst selten, wohlerhalten nur im Grünsand bei Vaels; als Steinkern auch am Lusberg und 
Schindanger. 

Corbuia W^amarck, 

1. Corbuia striatula Sow. 

Bei Goldfufs Tab. 151 fig. 16. pag. 251. II. a. und b. nicht ganz genau , doch besser als bei 
D'Orbigny Tab. 388. fig. 9—13. 

Im Besitze ganz vollständiger Exemplare haben wir eine genaue Abbildung gegeben. Tab. II. 
fig. 8. a. die gröfsere,’ linke Seite, b. die kleinere rechte in natürlicher Gröfse; c. die linke 
Seite vergrölsert; d. Queransicht. 


würde uns nicht schwer füllen aus dem Material unserer Sammlung noch ein halbes Dutzend scheinbar neue 
Venusarten zu benennen , die aber doch dem Wesen nach nur Venui ovalis oder Venus faba sein und blei¬ 
ben würden. 


4 



26 


-<>-§>&&+- 

Das Gehäuse ist ungleichschalig sehr stark gewölbt, so dafs die stärkste Wölbung gleich unter 
den Buckeln der Höhe der Muschel fast gleich kommt. Die Buckel sind rund und berühren sich. 
Die gröfsere linke Schale hat eine nach vorn stark hervortretende schnabelförmige Verlänge¬ 
rung, welche nach dem inneren Rande sehr vertieft ist. Diese Schale hat vom Buckel aus zarte 
concentrische Linien , welche sich allmählig zu erhabenen, wulstigen Rippen ausbilden. Solcher 
Rippen unterscheidet man deutlich 6 — 7. Zwischen diesen liegen tiefe glatte Furchen, von wel¬ 
chen die unterste die breiteste und tiefste ist. Unter der letzten Rippe liegt ein glatter, nach 
innen umgebogener Rand , welcher die bedeutend kleinere rechte Schale umfafst. Diese letztere 
ist von dem Buckel aus , wie die linke Schale mit zarten concentrischen Linien bedeckt, 
welche ebenfalls nach dem untern Rande sich als Rippen erheben, die aber bei weitem schmä¬ 
ler , minder stark und weniger wulstig sind, daher denn auch die Furchen weniger vertieft. 
Von der letzten Rippe bis zum Rande fällt ein glatter Saum etwas ein. 

Der Schlofszahn der linken Schale ist rund , stark nach oben gebogen; neben demselben ist 
ein tiefes Grübchen zur Aufnahme des Zahns der rechten Schale. Die Muskular-Eindrücke liegen 
sehr nahe an den Rändern, der hintere ist länglich, der vordere ist kleiner, gerundeter und 
tritt stark hervor. 

Bei einigen Exemplaren ist der Theil von dem Buckel bis zu den Rippen auf beiden Schalen 
fast glatt, und laufen dann von dort bis zu den Rippen feine ausstrahlende Linien. 

Diese höchst niedliche Muschel findet sich im Grünsand bei Aachen und Vaels doch nur sel¬ 
ten ; Steinkerne mit abgebrochenem Schnabel häufig. 

2. Corbula lineata Müller. Tab. II. fig. 6. a. in natürlicher Gröfse ; b. vergröfsert. c. Quer¬ 
ansicht 

Diese Art hat einige Aehnlichkeit mit der Zeichnung von C. striatula bei D'Orbiny , unter¬ 
scheidet sich aber von letzterer in allen Theilen. C. lineata ist länglich oval, um ein Drittel breiter, 
als hoch. Die Buckel sind gerundet, weniger vortretend, und nicht so dick, wie bei C. striatula. 
Ihre Wölbung ist im Verhältnifs zu jener gering. Beide Schalen sind fast gleich gezeichnet, von 
den Buckeln bis zum untern Rande mit linienartigen Rippen versehen, welche nach jenen hin dichter 
und feiner stehen, nach diesem hin etwas entfernter und erhabener sind und wenigstens dop¬ 
pelt so zahlreich als bei Corbula striatula. Der untere umgebogene Saum der nur um etwas grö- 
fseren linken Schale, welche die kleinere rechte einfafst, ist ganz glatt. Beide Schalen fallen vor 
den Buckeln bis zum vordem Rande ziemlich stark ein , bei C. striatula ist nur die gröfsere 
Schale von dem Buckel bis zur Schnabelspitze in ähnlicher Weise eingefallen. Die ganze Form 
und Streifung erinnert stark an Nucula. 

Seltener noch, als die vorhergehende Art, bis jezt nur im Grünsand bei Vaels. 

3. C. oblusa Müller. Tab. II. fig. 7. a. und b. in natürlicher Gröfse. 

Die Buckel sind spitz , stark nach innen gedreht und berühren sich. Das Gehäuse ist stark 
gewölbt, aufgelrieben, nach allen Seiten ziemlich gleichinäfsig abfallend. Die gröfstc Convexität 
ist in der Mitte. Der hintere Rand ist sanft abgerundet, der vordere verschmälert in einen stumpfen 
Schnabel sich endend. Der untere Rand bildet einen sanften Boo-en, welcher sich nach der schmä- 


ZI 


lern Seite am Schnabel etwas einschweift. Die Oberfläche ist fast kahl und zeigt unter der Loupe 
nur schwache concentrische Linien. Beide Schalen sind fast gleich grofs. 

Findet sich im Grünsand bei Vaels nur selten. 


Tellina Manne. 

\. T. strigata Goldfufs. Tab. 147. fig. 18. pag. 234, 235. - Bei Reufs Tab. 36. fig. 21. 

Steinkern eines ganz jungen Individiurris. pag. 18 , II. 

Donax subradiatus Roemer Tab. 9. fig. 16. pag. 73. *) 

Die angeführte Zeichnung bei Goldfufs stimmt auf das genaueste mit unsern vollkommen er¬ 
haltenen Exemplaren überein. Der Beschreibung fügen wir noch hinzu, dafs die Oberfläche nicht 
nur mit einer Menge Anwachsstreifen bedeckt ist, sondern zwischen diesen noch zahlreiche 
concentrische Linien laufen , so wie die Zeichnung bei Goldfufs sie nach der Buckel schon an¬ 
deutet, und die auch Reufs richtig beobachtet hat. Die ausstrahlenden Linien gehen vom untern 
Rande nur bis zur Hälfte der Schale dein unbewaffneten Auge sichtbar durch; um die Buckel scheint 
die Schale glatt. 

Kommt noch um ein Drittel gröfser vor, als die Zeichnung bei Goldfufs sie darstellt. Ziemlich 
häufig im Grünsand des Lusberges, des Schindangers, im Aachner Wald und bei Vaels. 

2. T. costulata Goldfufs. Tab. 147. fig. 19. a, b, c., d. pag. 235. 

Die angeführte Abbildung stellt nur ein stark abgeriebenes Exemplar dar, wohlerhaltenc In¬ 
dividuen zeigen auf der ganzen Oberfläche hochliegende , ausstrahlende Rippen , welche von 
Knötchen, die wie eingereihte Perlen erscheinen, gebildet werden. Zwischen je zwei gröfsere 
Rippen läuft eine schmälere , welche indessen nur von dem untern Rande bis zur Mitte der 
Schale sichtbar ist. Die Rippen sind in der Nähe der Buckel schmal auslaufend und werden 
nach dem untern immer breiter. Die sie bedeckenden Knötchen nehmen mit der Breite der Rip¬ 
pen an Gröfse zu, erscheinen wo diese schmäler werden rund, wo sie breiter sind , mehr flach. 
Bis zur Hälfte der Schale laufen Anwachsstreifen , welche die Knotenreihen unterbrechen. Die 
Muskeleindrücke sind verhältnifsrnäfsig grofs, der vordere eiförmig, der hintere mehr gerundet. 

Kommt ziemlich häufig im Grünsand des Lusbergs , des Aachner Waldes und bei Vaels vor, 
am letzteren Fundorte mit erhaltener Schale. 

* 3. T. Goldfussii Roemer Tab. 9. fig. 18. pag. 73. — Reufs Tab. 36. fig. 7. nur Stein¬ 
kern pag. 19. II. 

Bis jetzt nur selten im Grünsand bei Vaels; häufiger im Aachner Walde und am Lusberg, doch 
meist als Steinkern, indessen fast doppelt so grofs wie bei Roemer. 


*) Die weniger gut erhaltenen Exemplaren , welche natürlich am häufigsten Vorkommen , zeigen durchweg noch 
die concentrischen Linien, selten nur die Längslinien, was Homer zunächst wohl veranlassen mochte, die 
bei Aachen gefundenen Exemplare fiir Donax siibraditdus zu hallen. 



28 


* 4. T. plana Roemer Tab. 9. fig. 18. pag. 74. — Reufs Tab. 36. fig. 22. pag.^19. II. 

Als Steinkern ziemlich häufig im Grünsand des Lusberges und bei Yaels von der Gröfse, wie 
sic die Zeichnung bei Reufs darstellt. 

Aufser den angeführten Tellinen besitzen wir von den obigen Fundorten noch mehre Stein¬ 
kerne , welche zuverläfsig den aufgezählten Arten nicht angehören, die aber zu wenig Anhalt¬ 
punkte bieten, um sich mit Sicherheit bestimmen zu lassen. So fanden wir Steinkerne der T. 
discrepans Reufs Tab. 36. fig. 14. pag. 19. II, welche derselben mit Capsa discrepans d'Orbigny 
Tab. 381. fig. 3-5. pag. 424. III. für identisch hält. Vollständige Exemplare werden erst Ge- 
wifsheit verschaffen. 


Sälen FAnne. 

1. & compressus Goldfufs. Tab. 159. fig. 4. pag. 276 und 277. 

Nicht Solen aequalis D’Orbigny Tab. 350 fig. 5—7, welche Reufs für identisch hält pag. 16. 

II. Tab. 36. fig. 6. Auch nicht bei Geinitz Tab. 21. fig. 6. pag. 76. 

Die Species von Goldfufs bewährt sich durchaus. Sie unterscheidet sich wesentlich von S. 
aequalis dadurch, dal's ihre Buckel sehr weit nach hinten gerückt liegen, dergestalt, dafs der 
vordere Theil doppelt so lang ist, als der hintere. Beide Ende sind gerundet, und das Ende 
des kürzeren ist bedeutend schmäler als das des längeren Thciles. Die Länge übertrifFt die Höhe 
fast um das dreifache. Länge : Höhe = 100 : 25. 

Bis jetzt fanden wir nur Steinkerne mit theilweise erhaltener Schale alle wenigstens von der 
Gröfse wie Goldfufs sie abgebildet hat. 

Kommt selten vor im Grünsande bei Aachen. 

* 2. Solen aequalis D'Orb. Tab. 350. pag. 321, HI. und die bei der vorigen Art ange¬ 
führten Stellen. 

Vorkommen wie die vorige Art. 


Pmtopaea Menartf. 

i. P. plicata Sow. Bei D'Orbigny Tab. 357. fig. 4. u. 5. pag. 337. III. 

Panopaea gurgitis Goldfufs Tab. 153. fig. 7. pag. 274. 

Kommt nur selten im Grünsand des Lusberg und des Aachner Waldes als Steinkern mit theil— 
weise erhaltener Schale vor. 


E*sßswim$sa von Münster. 

1. L. designata Goldfufs. Tab. 154. fig. 13. pag. 264. 

Die selten im Grünsand des Lusberges vorkommenden Steinkerne gewähren uns nicht Anhalt¬ 
punkte genug um die Ansicht von Reufs pag. 18, II. zu unterstützen, oder zu wiederlegen, nach 


29 


welcher er L. designala unter Pholadomya designata aufführt und für identisch hält Gonyomya 
consignata Roemer Tab. 10. fig. 3. pag. 75. 

Gonyomya designata Geinitz. Nachtrag Tab. 2. fig. 4. 

Pholadomya Agassizii D’Orbigny. Tab. 163. fig. 1 — 3. pag. 352. 

Mya Liane 

1. Mya elongata Römer. Tab. 10. fig. 5. pag. 75. 

Ein vor uns liegendes Exemplar rechnen wir hierher; die Buckel sind vorstehend, liegen faßt 
am vordem stark gerundeten Rande. Das Gehäuse ist zweimal so lang, als hoch. Die längere 
Seite wird allmählig schmäler. 

Fanden wir bis jetzt nur in einem Exemplar mit erhaltener Bedeckung im Grünsand am 
Schindanger. 

sSvicittia Lamarck. 

1. * A. Gryphaeoides Sow. Bei Römer Tab. VIII. fig. 16. pag. 64. 

Wir fanden von dieser Art bis jetzt Steinkerne einzelner Schalen mit starker Wölbung im 
Feuerstein des Aachner Waldes. Wir können nicht umhin zu bemerken , dafs unsere Exemplare 
stark an Exogyra erinnern und als eine neue Species vielleicht dahin zu rechnen sein mögen. 
Das Vorkommen ist selten. 

2. A. pectinoides Reufs. Tab. 32. fig. 8, 9. pag. 23. 

A. pectiniformis Geinitz. Tab. 20. fig. 37. pag. 79. 

Das vor uns liegende Exemplar stimmt genau mit der angeführten Zeichnung und Beschrei¬ 
bung bei Reufs, nicht so mit dem Bilde bei Geinitz überein. 

Aeufserst selten im Grünsand bei Vaels, 

3. A. modioliformis Müller Tab. II. fig. 14. a. b. 

Der vordere Flügel ist kurz , gerundet, mit dem vorderen Rande sanft zusammenfliesend. Der 
hintere längere läuft mit dem entgegengesetzten hintern Rande in gleicher W r eise zusammen. 
Beide sind vom ziemlich stark gewölbten Rücken nur schwach abgesetzt. Die runde Buckel 
ragen nur wenig über die Flügel hervor. Diese Art unterscheidet sich ferner wesentlich von der 
vorhergehenden durch die weit schmälere und gestrecktere Form. Die ganze Oberfläche ist [mit 
feinen gleichmäfsigen concentrischen Linien bedeckt, welche nicht wie bei der vorigen Art nach 
dem längeren Flügel hin bogig einschweifen. Unter der Loupe zeigen sich auch noch feine 
ausstrahlende Linien. Die Schale ist ausserordentlich dünn. 

Wir fanden bis jetzt nur ein vollständig erhaltenes Exemplar im Grünsand bei Vaels. 

€*ermUia Säefrance. 

1. G. soleuoides Defr. Goldfufs Tab. 115. fig. 10. a. b. pag. 124. — Reufs Tab. 32. fig. 13, 
14. pag. 23. II. 

Selten und nur als Steinkern im Grünsand am Schindanger und im Aachner Wald. 


30 


-oQQ&o- 

Inoceramus Goldfuss. 

Diese Gattung, welche auch in der hiesigen Kreide sehr stark vertreten ist, bietet hei der 
Bestimmung der Arten allgemein anerkannte , grolse Schwierigkeiten dar. Die bis dahin aus der 
Kreide angeführten Species haben in vielen Fällen so wenige Unterscheidungspunkte , dafs si¬ 
cherlich viele nur eine und derselben Art angehören. Sind es doch meist nur Steinkerne und 
Abdrücke , die dazu mehr oder weniger verdrückt sind und selten nur Theile der sehr fasrigen 
äufseren Schalenschichte tragen. Dazu kommt der Wechsel der Formen in den verschiedenen 
Altersstufen und der Umstand , dafs die Abdrücke der innern Schale , der Textur der äufsern 
Schale nicht gleicht. Renfs pag. 24, 25, 26. II. zieht daher mit Recht eine 3Ienge Arten zusam¬ 
men und pflichten wir demselben , so w r eit wir nach unserm Material urtheilen konnten voll¬ 
kommen bei. Wir glauben in unserm Gebiete zu unterscheiden : 

1. Inoceramus concentricus Parkinson. Bei Gold fit fs Tab. 109. fig. 8. pag. 111. desgl. 

I. propinquus. Münster. Tab. 109. fig. 9. pag. 112. und 

1. striatus Tab. 112. fig. 2, pag. 115. II. 

Kommt nicht selten im Kreidemergel bei Vaels vor. 

2. I. Cripsii Mantell. Bei Goldfufs Tab. 112. fig. 4. a — d. pag. 116. II. 

Diese Art kommt an demselben Fundorte sehr häufig vor und ist die einzige, welche auch 

im Grünsand des Lusberges und des Aachener Waldes auftritt. Im letzteren trifft man meist 
jüngere Exemplare, wie sie bei JRen/'Tab. 37. fig. 10. und 12. genau abgebildet sind. Die meisten 
Exemplare sind flach gedrückt, andere mehr oder weniger gewölbt, theils länglich-eiförmig , 
theils mehr gerundet. Auch kommen Exemplare , wie bei Goldfufs Figur d. mit rundlichen un- 
regelmäfsigen Grübchen im Grünsand vor. Einige gröfsere Individuen zeigen auf den stark her- 
votretenden concentrischen Rippen bis zur Hälfte der Schalen Knötchen, welche in die Falten 
Radiallinien ausstrahlen. 

3. * 1. planus v. Münster. Goldfufs. Tab. 113. fig. 1. pag. 117. — Reufs Tab. 37. fig. 11. 
junges Exemplar pag. 25. 

I. orbicularis von Münster. Goldf. Tab. 113. fig. 2. pag. 117. II. 

Unterscheidet sich von allen andern Arten leicht durch die fast flache Wölbung und durch die 

fast regelmäfsigcn concentrischen Falten und Linien. 

Kommt selten im Kreidemergel bei Vaels vor. 

4. * I. Brogniarti Parkinson. Goldfufs". Tab. 111. fig. 3. pag. 115. und dieselbe Tafel fig. 2. 

1. Lamarkii Mantell. 

I. alatus Goldfufs . Tab. 112 fig. 3 pag. 116. und daselbst fig. 1. 

I. undulatus Mantell. 

Reufs pag. 24, 25. II. und Geinitz ziehen noch andere Formen zu derselben Species, wir 
glauben indessen uns darauf beschränken zu müssen , nur oben genannte Arten zu vereinigen. 
Die Form Goldf. Tab. 111 fig. 3. I. Brongnarli prägt sich dabei am schärfsten aus. Die w ulstigen 


31 


concentrischen Ringe treten stark vor und sind dieselben, so wie die von ihnen gebildeten 
Zwischenräumen mit Linien und schmalen Rinnen bedeckt , welche selbst auf den Steinkernen 
noch sichtbar sind. 

Die Form undulatus (Goldf. Tab. 112. fig. 1) scheint nach unsern etwas gröfsern Exemplaren 
die mittlere Alterstufe zu sein. Die vier bis fünf äufsersten Rippen sind schärfer und der Flügel 
gröfser, als bei vollwachsenen Individuen. 

5. * 1. Cuvieri Sow. Goldf. Tab. 111. lig. 1. a — c. pag. 114. 

Nach dem vor uns liegenden Exemplar können wir der Ansicht von Reufs nicht beistimmen , 
wonach er die Abbildung bei Goldf. Tab. 113. fig. 1. b. (I. planus) hieher zieht. Charakteristi¬ 
scher ist für I. Cuvieri die bedeutende Einbiegung unter dem Buckel und die glatte etwas ein¬ 
fallende Ausweitung, auf welcher die concentrischen unregelmäfsigen Falten nicht fortlaufen, wie 
dies bei I. planus der Fall ist. 

Nur selten als Steinkern bei Vaels. 

I*ecten hamarck. 

A. Pieuronectes Roemer. 

Mit glatter oder concentrisch gestreifter Schale. 

1. P. laminosus Mantell. Goldfufs Tab. 99. lig. 9„ pag. 76. II. 

Reufs Tab. 39, fig. 5. pag 27. II. 

Diese sehr dünnschalige Art kommt im Grünsand bei Aachen und Vaels ziemlich selten vor. 
Die vor uns liegenden Exemplaren sind mehr gerundet, als die angeführten Zeichnungen sie 
darstellen. 

2. * P. laecis Nilssoti. Bei Reufs Tab. 38. fig. 22 und 23. pag. 26. Geinitz Tab. 21. fig. 9. 

Nicht selten im Grünsand bei Aachen und Vaels, Die meisten Exemplare kommen in der Gröfse 
wie die Abbildung bei Reufs fig. 22, vor nnd zeigen dem unbewaffneten Auge Anwachsstreifen 
und dazwischen liegende feine concentrische Linien. Auch finden sich hier Individuen von mehr 
gerundeter Form , wie in dem Sandsteine bei Mastricht. 

3. * P. membmnaceus. Nils. Bei Goldfufs Tab. 99, fig. pag, 75 , 76 *. — Reufs Tab. 39. 
fig. 4, pag. 26, II. 

P. spatulatus Roemer Tab. 7. fig. 5. pag, 50. 

Diese Art fanden wir bis jetzt nur im Feuerstein des Aachner Waldes und zwar häufig. Un¬ 
sere Exemplare stimmen mit fder angeführten Abbildung bei Goldfufs am meisten überein, 


•*) Goldfuss gibt liier Könrad (Kunraadj mit dem Zusatz bei Aachen als Fundort an , wir glauben anuaerken zu 
müssen dass wir diese versteinerungsreiche Gegend, zwischen Hcerlen und Falkcnberg vorerst in unser Bereich 
nicht mit aufgenommen haben , sondern uns lediglich auf die Umgegend Aachens beschränken. Wir werden 
übrigens am Schlüsse unserer Arbeit auf diese Lokalität zurückkommen. 



33 


übertreffen dieselbe nur noch an Gröfse. Die Form variirt etwas, bald ist sie mehr rund , bald 
etwas länger gezogen, wie bei der folgenden Art. 

4. * P. Nilssoni Goldfufs Tab. 99. fig. 8. pag. 70. — Reufs Tab. 39. fig. 1, 2, 3, pag. 26. 

Vorkommen wie die vorige Art. Wir theilen durchaus die Ansicht von Reufs , nach welcher 
diese Art in die vorige zu verfliefsen scheint, ja wir möchten noch weiter gehen und beide Arten 
für identisch halten. Die Abbildungen bei Reufs stellen nur junge Exemplare dar, wir besitzen 
deren, welche die Gröfse der Zeichnung bei Goldfufs fig. 8. a. haben. 

B. Arcuati Roemer. 

Mit ausstrahlenden seitwärts gebogenen dicbotomen Streiffen. 

5. P. arcuatus Soiv. Bei Reufs Tab, 39. fig. 7. pag. 27. II. 

Dafs unter P. arcuatus verschiedene Arten angeführt wurden, war augenfällig. Das seltene 
Vorkommen gut erhaltener Exemplare machte die Bestimmung selbst schwierig und die Unter¬ 
scheidung neuer verwandter Arten fast unmöglich. Wir selbst fanden mehr als hundert Exemplare , 
welche wir anfangs alle für P. arcuatus hielten, bei näherer Betrachtung unterschieden wir aber 
bald zwei Species. Reufs ist uns zuvorgekommen und unterscheidet nun sogar drei Arten , von 
welchen indessen unser Gebiet nur die beiden erstem aufweiset. 

Charakteristisch für P. arcuatus halten wir die starke Einbiegung an der vorderen langem 
Schlofskante, der Mangel der concentris^hen Linien, die gröfse Ungleichheit beider Ohren; das 
vordere der linken Klappe ist doppelt so grofs und viel schmäler , als das hintere. Auch scheint 
uns die Wölbung unter der Buckel bedeutender, als bei der folgenden Art. 

Ist im Grünsand des Lusberges, des Aachner Waldes , des Schindangers , und bei Vaels 
häufig.- Scheint gesellig gelebt zu haben, denn in einzelnen Stücken der Muschelschichten fanden 
wir fast nichts anders, als diese Art mit P. quadricostatus. Die Zerbrechlichkeit der Schale er¬ 
schwert indessen das Herausklopfen unglaublich. 

6. P. divaricatus Reufs. Tab. 39. fig. 6. pag. 28. II. 

P. arcuatus Goldf. Tab. 91. lig. ö.pag. 50. 

Ist im Ganzen mehr gerundet, als die vorhergehende Art, ferner sind die ausstrahlenden 
Linien noch mit starken eoncentrischen durchstreift, die beiden Schlofskanten sind gleich, die 
Ohren breiter und fast gleich grofs. Selbst ganz junge Individuen zeigen schon die concentri- 
trischen Linien, während dieselben bei P. arcuatus fast glatt erscheinen und nur unter der Loupe 
am Rande ganz feine ausstrahlende Linien zeigen und gleich die länglichere Form annehmen. 

Was die Ohren betrifft, so würden wir darauf allein kein so grofses Gewicht legen, denn die 
beiden Klappen könnten ja ungleich geohrt sein , bis dahin haben wir indessen noch kein dop- 
pelschaliges Exemplar gefunden und können darüber nicht urtheilen. Die anderen Unterschei¬ 
dungen sind aber hinreichend diese Art zu begründen. P. concentrice punctatus Reufs scheint 
uns weniger haltbare Unterscheidungen zu haben. Kommt bis jetzt hier nicht vor. 

P. divaricatus ist seltener, als arcuatus, sonst an denselben Fundorten. 




C. Radiati Reufs. 

Mit glatten Radialrippen oder Linien. 

7 * P. Pulchellus Nilsson Tab. 9. fig. 12. 

P. miscellus v. Münster. Goldfufs. Tab. 9i. fig. 8. pag. 51. II. 

Bis jetzt fanden wir nur ein einziges vollkommen erhaltenes Exemplar im Feuerstein des 
Aachner Waldes, welches genau mit den angeführten Zeichnungen und Beschreibungen über¬ 
einstimmt. 

D. Neithea Drouet. 

Eirund dreiseitig ungleiclischalig und gerippt ; die eine Schale halbkugelich gewölbt , die andere ganz flach ; 

Ohren fast gleich , etwas spitzwinkelig. 

8. P. quadricostatus Sow. Bei Goldfufs Tab. 92. fig. 7. a, b, c. pag. 54. II, Die Figuren 
7. d und e halten wir für rechte Schalen von P. aequicostatus. 

Reufs pag. 31, 32 II. hält die Art mit P. quinquecostatus Sow. für identisch und führt sie auf 
P. versicostatus Lamarck zurück. Wir besitzen nicht die nöthigen literarischen Hülfsmittel um 
uns von der Richtigkeit dieser Behauptung ganz überzeugen zu können. 

Kommt im Grünsand des Aachner Waldes , des Lusberges und des Schindangers häufig vor. 

9. * P. quinquecostatus Sow. Bei Goldf. Tab. 93. fig. 1. a. b. pag. 55. 

Selten als Steinkern im Feuerstein des Aachner Waldes und daher schwer zu unterscheiden 
von der vorhergehenden Art und ebenso von 

10. * P. strialo-costatus Goldfufs Tab. 93. fig. a—g. pag. 55. 

Selten im Grünsand bei Yaels und bei Aachen. 

11. P. aequicostatus Lamarck. — Goldfufs Tab. 92. fig. 6. pag. 54. — Reufs Tab. 39. fig. 
22. a, b. und Tab. 40. fig. 2, 3. pag. 32. II. 

P. longicollis Rocmer. Tab. 7. fig. 8. pag. 54 ist wohl nur ein junges Individuum von 
P. aequicostatus. 

Die Deckelklappe ist stets gerundet, die sechseckigen Schalen gehören zu P, quadricostatus 
oder quinquecostatus. 

Die Form bei P. aequiscostatus ist etwas länglicher, als bei den genannten Arten. Ziemlich 
selten im Lusberg und Aachner Wald. 

Liima JLamarck, 

A. Aequales Roemer. 

Fast gleicljseit'g ohne Ilöfchen. 

1. L. semisulcata Deshayes. Bei Goldfufs Tab. 104. fig. 3. pag. 90. II. 

Kommt selten im Kreidemergel des Schneeberges bei Vaels vor, meist nur als Abdrücke mit 
theilweise erhaltener Schale, wobei wir bemerken, dafs die ausstrahlenden Linien auch auf den 

5 


34 


@s-°~ 

Seiten durchlaufen, obgleich die deckende Schale feine, dichte concentrischc Linien zeigen. 
Dasselbe sehen wir im Innern der Schalen und halten daher L. decussata von Münster bei Gold- 
fufs Tab. 104. fig. 5. pag. 91 und Reufs Tab. 38. fig. 15. pag. 32. II. für dieselbe Species. 

B. truucatae Reufs. 

Sehr ungleichseitig, vorne ahgeslutzt, mit deutlichem Höfchen 

2. * L. multicostata Geinitz. Tab. 8. fig. 3. pag. 28. — Reufs Tab. 38. fig. 7, 8, 18 pag. 
34. II. Bis jetzt nur als Steinkern im Kreidemergel bei Yaels. 

Spondylws Sfesfoayes. 

A. Podopsis Lamarck. 

1. Sp. truncatus Lamarck. Bei Goldfufs Tab. 106. fig. 4 pag. 97. und 98. II. — Reufn 
Tab. 45. fig. 18. pag. 36. II. 

Wir fanden bis jetzt nur unzweideutige Spuren des Vorkommens im Grünsand des Lusbergs 
und bei Vaels. 

B. Dianeliora Sowerby. 

2. Sp. lineatus Goldf. Tab. 106. fig. 3. pag. 97. II. - Reufs Tab. 40. fig. 7, 8, 9. pag. 
36. II. — Geinitz Tab. 20. fig. 39. pag. 25. 

Kommt äufserst selten im Kreidemergel bei Vaels vor. 

Pinna lAnne, 

3. * P. quadrangularis Goldf. Tab. 127. fig. pag. 166. — d'Orbigny Tab. 333. fig. 4, 5 
pag. 256. II. 

Fanden wir bis jetzt nur in Bruchstücken mit theilweise erhaltener Schale im Grünsand bei 
Vaels. 


Mytilus Ziinne. 

A. Mytilus Lamarck. 

* 1. Mytilus lineatus d'Orbigny. Tab. 337. fig. 7—9. pag. 266, 267. III. 

Diese Art ist länglich-eiförmig, hochgewölbt, gebogen. Die ganze Oberfläche ist mit feinen 
ausstrahlenden Linien bedeckt, welche von Anwachsstreifen durchkreuzt werden. Die ausstrah¬ 
lenden Linien verlieren sich nach der einwärts gebogenen Seite in der Nähe der Wirbel, sind 
aber unter der Loupe noch deutlich zu sehen. D’Orbigny sagt, diese ausstrahlenden Linien 
fehlten auf der Biegung der Pallealgegend. Die Wirbel sind gerundet, das concave Pallealende 
ist schmal, das Analende stark erweitert, letzteres ist schief abgerundet. 

Findet sich selten im Grünsand des Lusbergs mit der Schale, häufiger als Steinkern. Unsere 
Exemplare sind kaum halb so grofs, wie die Zeichnungen bei d'Orbigny sie darstellen. 


35 


2. M. scalaris Müller Tab. II. fig. 11. a. in natürlicher Gröfse. b. vergröfsert. 

Es unterscheidet sich diese Species ganz wesentlich von der vorigen durch folgende Merk¬ 
male. Sie ist weit stärker gewölbt, die Wirbel sind spitzer mehr nach Innen gedreht und gleich¬ 
sam aufgerollt. Das Pallealende ist stärker eingebogen, schmäler und erweitert sich plötzlich, 
das Analende ist gerundet. Die ganze Oberfläche ist mit regehnäfsigen, erhabenen, ausstrahlenden 
Linien bedeckt, welche glatte Zwischenräume bilden. Unter dem Pallealende, wo die plötzliche 
Ausweitung der Muschel beginnt, erheben sich bis zum Analende drei bis vier starke Absätze 
in ungleicher Entfernung von einander. Die Ränder dieser Absätze erscheinen durch die erhabenen 
Linien , welche von denselben gleichsam unterbrochen werden, wie gezähnelt. 

Wir fanden einzelne Exemplare im Grünsand des Schindangers und bei Vaels. 

3. Mytilus inflatus Müller. Tab. II. fig. 9. a. in natürlicher Gröfse. b. vergröfsert. 

Die Gestalt dieser Art ist eiförmig. Die Wirbel sind spitz , plötzlich nach der nur kaum ein¬ 
fallenden Pallealseite gedreht, etwas eingebogen. Gleich unter den Wirbeln erweitert sich das 
Gehäuse gleichmäfsig und bildet von Innen gesehen fast einen Kreis. Die Wölbung ist sehr stark, so 
dafs die giöiste Convexität, welche in der Milte liegt, der Höhe der Schale gleichkommt. Das Analende 
ist völlig gerundet. Die ganze Oberfläche ist mit äusserst zarten Radialrippchen besetzt, welche 
durch Anwachsstreifen durchschnitten werden. Diese letztere bilden immer kleine Absätze und 
werden häufiger und gedrängter nach dem Analende. Die Schale ist äusserst dünn und verliert 
bei der geringsten Verwitterung die ausstrahlenden Rippchen. Wir hielten diesen Mytilus dem 
äufsern Ansehen nach anfangs für eine neue Species von Cardium und gelangten nur zur Ge- 
wilsheit der Gattung durch Aufopferung zweier Exemplare. 

Sehr selten wohlerhalten im Grünsand bei Vaels, als Steinkern auch am Schindanger. 

4. * M. lanceolatus Sow. Bei Reufs Tab. 37. fig. 5. pag. 15. — d'Orbigny Tab, 338. fig 
5 — 6. pag, 270. III. 

Meist a! c Steinkern , doch auch mit theilweise erhaltener Schale im Grünsande des Lusberges, 
im Aachner Wald, am Schindanger. 

5. M. tegulalus Müller. Tab. II. fig. 12. a. und b. in natürlicher Gröfse. 

Diese Art hat in der Form viel Aehnlichkeit mit der vorhergehenden , unterscheidet sich aber 
wesentlich von derselben. Der Bogen, welcher die Pallealseite vom Wirbel bis zum Analende 
bildet, ist weit gröfser, die Pallealseite i«t abschüssiger und fast doppelt so breit, wie bei M. 
lanceolatus. Die Buckel sind runder , die ganze Form weniger gestreckt und nach dem obern 
Ende breiter als M. lanceolatus. Die Oberfläche ist mit zarten, concentrischen, erhabenen Linien 
bedeckt, welche nach dem Analende stärker hervortreten. Die Schale scheint aus mehreren 
dachziegelförmig übereinander geschobenen, scharf abgeschnittenen Stücken zu bestehen , 
>velche nacli dem Analende schmäler werden. Dies letztere ist schief abgerundet. 

Kommt im Grünsand am Schindanger und bei Vaels seilen vor. 

6. * M. falcatus. d'Orbigny Tab. 341. fig. 11 — 13. pag. 280. III. 

Unsere Tab. II. fig. 10. a, b, c, d. in natürlicher Gröfse. 


86 


-o-S’SC -0 " 

Die Beschreibung bei d'Orbigny stimmt mehr mit unseren Exemplaren überein , als dessen 
Zeichnungen und haben wir deswegen dieselben nochmals abbilden lassen und dies um so mehr, 
als diese Species , so weit uns bekannt, in der deutschen Kreide noch nicht aufgefunden 
worden ist. 

Dieser Mytilus ist länglich, stark gebogen. Die Schalen sind glatt, mit Ausnahme des scharfen 
Kieles, welcher die äufsere Kante der Pallealgegend bildet. Auf demselben zeigen sich stark 
hervortretende runzelige Linien, welche eine Art Kamm bilden. Die Buckel sind ganz spitz , 
stark nach Innen gedreht. Die Pallealseiten bilden eine gröfsere Concavität, als bei irgend 
einem uns bekannten Mytilus. Von den Buckeln aus nach dem Analende weitet sich die Schale 
bedeutender und schneller, als bei Mytilus Imceolatus. 

Findet sich sehr selten im Grünsand bei Vaels. 

Zwischen Mytilus lanceolatus und falcatus gibt es eine Uebergangsform, welche wir Mytilus 
intermedius nennen würden, wenn viele Exemplare sie als constant heraussteilen, werden. Sie 
hat die starke Biegung von M. falcatus, ist aber auf dem Kiele nicht gekerbt; von M. lanceo¬ 
latus unterscheidet sie sich durch gerundetere Kiele und breitere Pallealseiten , so wie überhaupt 
durch eine kürzere , gedrängtere Form und ein breiteres Analende. 

ß. Modiola Lamarck. 

7, M. faba Maller. Tab. II. fig. 13. a, b. 

Die Species steht in der Mitte zwischen lithodomus Archiacii d'Orbigny Tab. 344. fig. 10—12. 
und Mytilus aequalis Soiv. bei Reufs Tab. 33. fig. 10. pag. 15 II. Sie unterscheidet sich indessen 
von den beiden angeführten Arten , mit denen sie den Umrifs im Ganzen gemein hat, schon 
durch ihre schmälere und längere Gestalt, so wie durch die geringere Wölbung, am meisten 
aber und ganz wesentlich durch die regelinäfsigen, concentrischen und gerundeten Rippen , 
zwischen welchen tiefe Furchen liegen. Diese Rippen treten am Analende am stärksten hervor 
und stehen dort am weitesten von einander entfernt; nach den Buckeln hin werden sie schwä¬ 
cher , rücken immer mehr zusammen und verlieren sich endlich in ganz feine Linien , so dafs 
der dritte Theil der Schale von den Buckeln aus völlig glatt erscheint. Das Gehäuse ist äusserst 
dünn und zerbrechlich. 

Bis jetzt sehr selten im Grünsand bei Yaels. 

Isitfoodomsis Cuvier. 

1. L. discrepans Müller. Tab. II. fig. 15. a. Seitenansicht; b. Ansicht der Pallealseile; 
c. die innere Schale , alle etwas vergröfsert. 

Aach d'Orbigny 1. c. pag. 287 und 288 ist die Gattung Lithodomus in der Kreide noch weit 
verbreiteter, als in der Juraformation. Wir finden bei den deutschen Paleontologen dieselbe mit 
Modiola, oder Mytilus vereinigt; nur bei Reufs sehen wir die Gattung mit einer Art Lithodo¬ 
mus spatulata vertreten. Tab. 36. fig. 10. pag. 16. II. (Modiola spatulata Geinitz Tab. 21. fig. 7 
pag. 79.) 

Wir schwankten längere Zeit ob wir unser Exemplar nicht auch zu Modiola ziehen sollten , 


gy 

bei näherer Betrachtung der Eigentümlichkeiten desselben, glaubten wir indessen doch die 
Gattung Lithodomus darin zu erkennen , obgleich wir eingestehen müssen , dafs wir zwar die 
meisten, doch nicht alle Merkmale, welche d’Orbigny dafür aufbringt, an unserm Exemplar 
wahrnehmen konnten. Ein doppelschaliges Stück des vordem Endes , welches wir nach Vollen¬ 
dung der Tafel fanden ist stark eingefallen, fast platt gedrückt und scharf, wie der Rand der 
Analseite, was in der Zeichnung zu berichtigen ist. 

Das Gehäuse dieser Art ist sehr verlängert, schotenförmig, viermal so lang, als hoch. Die 
stärkste Wölbung, in der obern Hälfte der Schale , kömmt der Höhe derselben fast gleich. Die 
Wirbel sind rund und etwas von einander klaffend. In ihrer Nähe ist das Gehäuse am schmäl¬ 
sten. Von den Wirbeln aus bildet die Pallealseite fast eine grade Linie, welche nur in der Mitte 
eine ganz schwache Einbiegung hat. Von den sanft gewölbten Rändern der Pallealseite fallen die 
Schalen nach allen Richtungen ganz allmählig ab, vereinigen sich aber in eine scharfe Schneide 
am untern Rande. Dieser letztere läuft von dem Buckel bis zum entgegengesetzten Ende in ei¬ 
nem sanften Bogen. Die Oberfläche der Schalen zeigt eine dreifache Zeichnung. Auf der Palle¬ 
alseite laufen unregelmäfsige , faltige Längslinien, welche besonders nach dem innern Rande 
tiefe Furchen bilden. Diese Linien sind von äufserst feinen Quprlinien durchkreuzt. Von den 
Buckeln nach dem untern Rande gränzt eine Furche einen Theil der Schalen förmlich ab; auf 
diesem laufen vom Rande aus, der Länge der Muschel nach, bis zu jener Furche stark hervor¬ 
tretende faltige Linien , zwischen welchen feine Rinnen liegen. Der übrige bei Weitem gröfsere 
Theil der Schale ist mit einem netzförmigen Geflechte überzogen , welches von sich durchkreu¬ 
zenden Linien gebildet wird, wovon die einen divergirend nach der Pallealseite, die andern 
dichter gedrängt in gleicher Weise nach dem untern Rande laufen. 

Diese Species fanden wir im Grünsand bei Vaels äufserst selten. 

Ostreu Rtamarch* 

A. Gryphaeatae. Reufs. 

1. 0. vesicularis Lamarck. Goldf. Tab. 81. fig. 2. a—b. pag. 23. 24. — Reufs Tab. 29, 
fig. 21, 22. Tab. 30. fig. 1-8. dann fig. 11. pag. 37, 38. II. 

Wir begnügen uns mit vorstehenden Citaten, weil bei jenen Schriftstellern die vollständige 
Literatur über diese Species nachgewiesen wird. Den angeführten Beschreibungen haben wir 
ebenfalls nur Weniges zuzufügen. 

Wir besitzen in unserer Sammlung sämmtliche: oben angeführte Formen und selbst noch meh¬ 
rere Abweichungen, unter welchen wir noch eine besonders hervorheben , die wir aviculiformis 
benennen möchten. Sie zeigt deutlich zwei Flügel, von welchen der eine sich stark erhebt, 
der entgegengesetzte gerundet ist und mit dem Rande zusammenfliefst. Die Varietät hat eine Länge 
von 5% auf eine Breite von 3% Zoll. Es ist das Exemplar an einem Belemniten mit den Flügeln 
angewachsen, woher denn die Eigentümlichkeit der Gestaltung zu entstehen scheint. Beim Ver¬ 
gleich einer sehr grofsen Anzahl von Exemplaren läfst sich überhaupt erst recht nachweisen, 

, wie diese Species nach der Verschiedenheit des Anwachsens die äufserordenllich grofse Manig- 


38 


faltigkeil der Form entwickelt. Wenn die ganze Fläche an den Wirbeln angewaehsen ist, so 
gewinnt die Auster die Form eines Pferdehufes; je kleiner die Anwachsflächen, desto mehr 
biegen die Wirbel sich um , die Gestalt verlängert sich und die Form der Gryphiten tritt mehr 
oder weniger stark hervor. 

Was die Gröfse vollwachsener Individuen anlangt, so übertreffen die Exemplare unserer Samm¬ 
lung die bei Goldfufs Tab. 181. fig. 2. bei d. f. p. abgebildeten um mehr als l / 3 . Die Form bei 
d. ist das im Kreidemergel bei Yaels gewöhnlichere Vorkommen. Bei Vetschau und Maslrieht 
kommen so grofse Exemplare nicht vor, sondern nur die Formen bei e, i, h, n, m und 1 und 
bemerkten wir dabei, dafs selbst, wenn die Exemplare etwas gröfser, als die angegebenen 
Figuren bei 1 und m sind, die Schalen nie die Dicke und Festigkeit der Exemplare aus dem 
Mergel hei Vaels erreichen. 

Uebrigens scheint es uns auch , als wenn die Muskular-Eindrücke bei den Exemplaren von 
Mastricht und Vetschau (meist in der Gröfse und Gestalt wie die Figuren bei e und i) mehr 
nach dem Rande hin lägen und verhältnifsmäfsig schmäler und länglicher w'ären, als dies bei 
den Exemplaren von Vaels der Fall ist. Uebrigens verdient noch bemerkt zu werden , dafs diese 
kleinere Formen zu hunderten zusammen gefunden werden, während die gröfsere stets nur ver¬ 
einzelt Vorkommen. Die Radiallinien, welche Reitfs auf den Deckelklappen bei den böhmischen 
Exemplaren nicht bemerken konnte , sind bei den meisten kleineren Exemplaren von Mastricht 
und Vetschau sehr deutlich , bei den grösseren von Vaels zeigt sich indessen davon keine Spur. 
Die gröfsere oder geringere Concavität der Deckelklappcn hängt nicht nur vom gröfsern Alter, 
sondern noch mehr von der Form ab. Die der älteren Individuen und die von mehr gerundeter 
Gestalt sind stark concav. 

Ganz junge Exemplare, wie Reufs sie Tab. 29. figl 21 , 22 abbildet, sind hier sehr selten 
und ähneln gar sehr der ostrea calceola Goldfufs, bei Roemer Oolith Nachtag Tab. 18. fig. 19. 
pag, 25. 

Wir lassen es vorläufig dahin gestellt sein , ob die Formen von Mastricht und Vetschau , so 
wie auch die bei Reufs Tab. 30. fig. 5, 6, 7, 8 und 11. nicht doch eine eigene Species 
ausmachen. 

Im Grünsand bei Aachen trifft man keine Spur dieser Species. 

13. Qstreae simplices. 

a. P L I C A T A E. 

2. 0, carinata Lamarck. Bei Goldfufs Tab. 74, fig. 6. a — m. pag. 9. II. 

Wenn bei der vorhergehenden Species das Alter und die Art und Weise der Anheftung schon 
eine sehr grofse Verschiedenheit der Form bewirkten, so findet dies bei O. carinata in noch 
höherem Grade Statt. Die Bestimmung wird aber noch durch den Umstand erschwert , dafs der 
hiesige Grünsand fast nur Steinkerne dieser Art, wenn auch ziemlich häufig enthält. Die jugend¬ 
lichen Formen sind am häufigsten und zw r ar in grofser Manigfaltigke.it. Yollwachsene Exemplare 
finden wir bis jetzt noch nicht. Ob 


39 


0. prionota Goldfufs. Tab. 74. fig. 8. pag. 10. II. und 

0. rectangularis Roemer. Oolilli. Nachtrag Tab. 18. fig. 15. pag. 24. hieher zu ziehen sind , 
vermögen wir nicht zu unterscheiden. 

3. 0. fabelliformis Nilsson. Bei Goldfufs Tab. 76. fig. 1. pag. 12, 13. II. — Reufs Tab. 
28. fig. 16 und Tab. 29. fig. 19 , 20. pag. 39. II. 

Häufiger als die vorhergehende Art im Grünsand des Lusberges und des Schindangers. Eine 
in die Quere verlängerte Form ist die häufigste. Die Anzahl der Falten, welche meist in der 
Nähe des Randes erst anfangen , ist ganz ungleich und schwerlich zu bestimmen. 

4. * 0. Larva Lamarck. Bei Goldf. Tab. 75. fig. 1. a—e. pag. 10, 11. II. 

Bis jetzt fanden wir nur ein einziges junges Exemplar im Kreidemergel bei Vaels. 

5. 0. armata Goldfufs. Tab. 76. fig. 3. pag. 13. II. 

Bis jetzt war nur die obere Schale dieser schönen Species bekannt und der einzige, genannte 
Fundort Dülmen in Wcstphalen. Wir fanden im Grünsand am Schindanger beide Schalen und 
zwar ausgezeichnet wohl erhalten. Diese Muschel ist vollkommen rautenförmig von Gestalt. Die 
Zeichnung bei Goldf. ist an den Wirbeln zu rund gehalten. Beide Schalen sind flach gewölbt , 
und völlig gleich gezeichnet. Unter den Buckeln sind sie fast glatt nur mit runzlichen, faltigen, 
concentrischen Linien bedeckt, erst von dem Punkte wo die stärkste Wölbung ist, laufen aus¬ 
strahlende , hohe und scharfe , gebogene , schuppige Falten über die ganze Oberfläche, welche 
an den Rändern scharfe, nach Innen sehr veiLefte Zähne bilden. Aus diesen Falten, wovon 
einzelne dichotomiren, treten hin und wieder stachelige Spitzen hervor , welche als röhren¬ 
förmige Verlängerungen derselben erscheinen. Bei jungen Individuen sind diese Stachel am 
zahlreichsten und verlieren sich mit dem Alter fast gänzlich. Die Abbildung bei Goldfufs stellt 
ein jüngeres Exemplar dar, vollwachsen erreicht diese Auster fast die doppelte Gröfse. Die 
Schale ausgewachsener Exemplare ist aufserordenllich dick. Der grofse, concentrisch gestreifte, 
länglichrunde, tiefe Muskulareindruck liegt in der untern Hälfte der Schalenhöhe. Die innere 
Fläche der Schale ist vollkommen glatt. 

Wir fanden bis jetzt drei Exemplare von verschiedenen Altersstufen am Schindanger und ein 
starkes Bruchstück im Aachner Walde. 

b. L A E V E S. 

6. * 0. hippopodium Nilsson. Bei Goldf. Tab. 81. fig. 1. a—h pag. 23. II. Reufs Tab. 20. 
fig. 10-15, 17, 18. Tab. 29. fig. 1- 18. Tab. 30. fig. 13-14. pag. 39, 40. 

\ 

Findet sich ziemlich häufig im Mergel bei Vaels und Vetschau meist in jüngeren Alterstufen 
auf Belemnitcn, Echiniten und Ostrea vesicularis. 

7. * O. minuta Roemer. Tab. 8. fig. 2. pag. 46. Reufs Tab. 27. fig. 29—35. pag. 41,42 11. 

Kommt selten vor im Grünsand am Schindanger und im Kreidemergel bei Vaels. 

Die Exemplare von letzterem Fundorte sind etwas länglicher als die aus dem Grünsand , die 


•» 


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feinen concentrischen Anwachsringe sind eher feine Linien , die Schale erscheint gluti und 
glänzend. Ein ganz vollständiges Exemplar auf einem Stück Echinit hat an einer Seite vier stark 
hervortretende Punkte. 

8. * O. multiformis Koch et Dunker. Tab. V. fig. li. a—h. und n, nicht aber i, k, 1 
und m. pag. 45 , 46. 

Wir müfsten sehr irren , wenn nicht eine grofse Suite Exemplare , welche wir sämmtlich am 
Lusberg in einem grofsen Stück zusammen fanden , dieser Species angehörte, obgleich Koch 
und Dunker ihre Exemplare in der oberen Jurabildung fanden. Wir stellen sie zu den glatten 
Arten , weil wir bei keinem Exemplar Spuren von Falten sahen. Eine neue Art daraus zu bil¬ 
den , vermochten wir nicht. Auffallend ist der Umstand , dafs sie in der Jurabildung ebenso zu- 
sammengetroffen werden , wie wir sie in der Kreide fanden , das eben bezeichr.ete Stück war 
gleichsam auch nur ein Konglomerat dieser Austern. 

Wir sind bei der Bestimmung der Austern mit der gröfsten Vorsicht zu Werke gegangen , 
nicht unbekannt mit den Schwierigkeiten, welche diese Gattung selbst dem geübtesten Paleon- 
lologen darbietet, und haben daher lieber manche Formen bei Seite gelegt, als es unternommen 
neue Species daraus zu bilden, bis wir von den einen zahlreichere Seiten, von den andern 
besser erhaltene Exemplare besitzen, endlich auch bis wir im Stande sein werden , dieselben 
mit Exemplaren bereits beschriebener Species aus der Kreide zu vergleichen , welche wir noch 
zu erwerben gedenken. Ob z. B. Ostrea Nilssoni von Hagenow, Jahrbuch 1842 pag. 546, 547, 
welche wir hier auch vermuthen, wie Reufs meint, zu Ostrea hippopodium zu ziehen sei, lassen 
wir unentschieden, bis ein genauer Vergleich uns Gewifsheit gibt. 

Ecvogyra Sotverby, 

1. E. lateralis Reufs Tab. 27. fig. 38—47. pag. 42, 43. II. 

Ostrea lateralis Nilsson, bei Goldfufs Tab. 82. fig. 1. a —d. pag. 24. II. 

Eine nicht unbedeutende Anzahl vor uns liegender Exemplare bestimmt uns nach der Be¬ 
schaffenheit des Wirbels beider Schalen die Muschel nach Reufs zu Exogyra zu stellen. Der 
ausführlichen und genauen Beschreibung dieses Paleontologen haben wir nichts weiter hinzuzu- 
fügen , als dafs die hier vorkommenden Individuen durchschnittlich gröfser sind , als sie in der 
böhmischen Kreide Vorkommen. Viele unserer Exemplare erreichen die Gröfse der Zeichnung 
a. bei Goldfufs. 

Wir fanden beide Schalen häufig einzeln , selten zusammen. Bruchstücke kommen in zahlloser 
Menge vor und bezeugen das häufige Vorhanden gewesen seyn dieser Species. 

Sie findet sich im Kreidemergel bei Vaels und im Feuerstein des Aachner Waldes. 

2. E. laciniata Goldfufs. Tab. 86. fig 12. a—d pag. 35, 36. 

Diese für die hiesige Gegend bezeichnende Art ist an Gröfse und Gestalt sehr verschieden. 
Wir besitzen Exemplare aus dem Grünsund des Lusbergs und dem Kreidemergel bei Vaels , 
welche die Figur b um ein Drittel an Gröfse übertreffen. Die untere Schale ist länglich rund 


4t 


sehr bauchig, die obere ist ganz flach. Der rechte Seitenland dieser Schale ist sehr dick und 
hat eine tiefe Rinne in der Mitte. Dei-selbe wird allmählig dünner, so dafs der linke Rand nur 
noch die Dicke eines Kartenblattes hat. Die stark gewölbte untere Schale ist mit runzelichen 
Streifen bedeckt und laufen vom Rückenkiele 4—5 hochaufliegende von letzterem divergirende 
Falten bis zum Rande, wo sie sich in Röhren endigen. Zuweilen treten ausserdem aus den Falten 
mehrere spitzige Röhren auf der Oberfläche hervor. Im Innern der Schale machen die Falten 
entsprchende Vertiefungen. Die Seite unter dem Wirbel verlängert sich flügelartig und umfafst mit 
zahlreichen Fallen und Vertiefungen den Wirbel selbst dergestalt , dafs das Ende seiner W in¬ 
dung nicht zu erkennen ist. Die obere Schale erscheint wie aus übereinanderliegenden Blättern 
zusammengesetzt. Bis über die Mitte zeigen sich eng gedrängte ausstrahlende Linien von con- 
centrischen Anwachsstreifen durchkreuzt, der untere Theil nach dem Rande hat nur concen- 
rische Linien. Eine wohlerhaltene obere Schale gehört zu den Seltenheiten , untere Schalen mehr 
oder weniger mit erhalten sind häutig. Zuweilen lindet man Knäuel von 4—5 Stück aul einander 
sitzend, wobei sich deutlich zeigt, dafs sie mit der ganzen Fläche der rechten Seite angeheftet 
sind. Die Schale ist im Verhältnifs zur Gröfse der Muschel dünn. Der grofse schief-eirunde Mus- 
kular-Eindruck liegt dicht unter dem Wirbel. 

3 * E. cornu arietis Goldfuß. Tat». S7. fig. 2. a , b. pag. 36. II. 

Diese Art ist der vorhergehenden ganz nahe verwandt. Sie unterscheidet sich von derselben 
durch den sich plötzlich aufrollenden bis zur Seite sichtbaren Wirbel, durch eine stärkere Wöl¬ 
bung und eine mehr längliche, als runde Form. Ein stark hervortretender Rückenkiel theilt die 
Schale in zwei sehr ungleiche Hälften, von denen die kleinere linke steil abfällt, die gröfsere 
rechte Hälfte sich sehr bauchig erweitert und am Rande einen starken Bogen bildet. Die Schlofs- 
rinne ist sehr schmal und vertieft und läuft verdeckt in die Windungen. Sie ist an ihrem Anfänge 
durch eine dicke , stark hervortretende , zahnähnliche Schwiele begränzt. Was die Bedeckung 
der Schale betrifft, so hat sie mit Exogyra laciniata die gröfste Aehnlichkeit, die knotigen 
Falten gehen aber nicht bis zum Rande und prägen sich im Innern nicht als Vertiefungen aus. 
Die Schale ist übrigens mehr als einmal so dick , als bei jener. 

Die untere wohlerhaltene Schale fanden wir im Grünsand am Schindanger, die obere ist uns 
bis jetzt noch unbekannt. 

4. E. plicata Goldfuß Tab. 87. fig. 5. a—f. pag. 37. II. 

Ein vor uns liegendes Exemplar der untern Schale hat am meisten Aehnlichkeit mit fig. 5. 
b und glauben wir fast, dafs fig. 5. d und e anderen Arten angehören. Fast alle Falten unseres 
Exemplares laufen ziemlich regelmälsig concentrisch über die ganze Oberfläche ; nur hin und 
wieder zeigen sich auf der obern Hälfte der Schale einzelne knotige Erhöhungen , die sich aber 
nicht als Falten fortsetzen. Die Ansatzstelle ist am Wirbel, welcher seitwärts eingerollt ist und 
deutlich etwas hervortrilt. Bei einem jüngeren Exemplar , welches wir hieher ziehen, ist er 
undeutlicher. 

Wir fanden bis jetzt nur die untere Schale im Grünsand am Schindanger. 


6 




5. * E. decussata Goldfufs. Tab. 86. fig. 11. a—c. pag. 35. II. 

Wir fanden bis jetzt nur die untere Schale.Der vom Wirbel auslaufende gerundete Kiel theilt 
die Schale in zwei sehr ungleiche Hälften, dergestalt , dafs die rechte Seite mehr als doppelt 
so breit ist, als die linke. Die Wirbel-Windung ist sehr breit und dick mit ausstrahlenden vom 
Kiele divergirenden, feinen Rippchen geziert. Dieselben werden nach der Mitte der Schale hin 
immer dicker, so dafs sie endlich knoligeFalten bilden. Einzelne conccntrische Anwachs-Streifen 
durchkreuzen jene Rippen. Ein jüngeres Exemplar hat mehr die Form von Exogyra virgula 
Goldfufs Tab. 86. fig. 3. a —c. pag. 33. Die feinen Rippen sind über der ganzen Oberfläche fast 
gleich grofs , und gleichmäl'siger vertheilt. 

Wir fanden bis jetzt nur jene beiden Exemplare im Kalkmergel bei Vetschau. 

6. * E. Haliotoidea Sowerby Goldfufs Tab. 88. fig. 1. a —e pag. 38. Reufs Tab. 27. fig. 

5, 9, 10 und Tab. 31 fig. 8, 10 nicht 9 pag. 44. 

Den angeführten Zeichnungen und Beschreibungen ist nichts zuzusetzen. wir fanden beide 
Schalen im Mergel bei Vetschau. 

Aufser den angeführten Arten fanden wir noch Bruchstücke von E. harpa Goldf. bei Vetschau, 
und ein Exemplar im Grünsand bei Aachen , welches wir für E. reniformis Goldfufs zu halten 
geneigt sind. Vollständige Exemplare werden uns erst Gewifsheit darüber verschaffen. 


Von den Brachiopoden Seite 14 und 15 bleibt uns noch nachzuholen die Gattung 

Crania ttetzius. 

1. * C. parisiensis Defrance. Bei Höninghaus Beitrag zur Monographie der Gattung cra¬ 
nia fig. 8. pag. 9, 10. Bei Golufufs Tab. 162. fig. 8. pag. 293 , 294. II. 

Diese Species, welche in der weifsen Kreide zu Meudon bei Paris so häufig ist, dafs wir da¬ 
selbst 5 Stück derselben auf einem Exemplar von Ananchytes ovata fanden , erscheint bis jetzt 
in der deutschen Kreide nur selten. Roemer fand sie in der obern Kreide bei Gofslar und in der 
untern bei Peine ; Reufs nur undeutliche Unterschalen im untern Plänerkalk bei Bilin und eine 
obere Klappe im Ilippuritenkalk von Grofsdorf. 

Einzelne wohlerhaltene Unterschalen fanden wir im Kreidemergel bei Vaels. 

Die angeführten Zeichnungen geben kein genaues Bild der Versteinerung, wir vermissen bei 
ihnen auf dem ganzen Rande die runden Poren, welche selbst bei jungen Exemplaren auch dem 
unbewaffneten Auge überall sichtbar sind. 

2. C. Nummulus Lamarck. Hoeninghaus 1. c. fig. 5. a—c. pag. 5. Bei Goldfufs Tab. 62' 
fig. 5. pag. 292. II. — Nilsson Tab. 3. fig. 11. a —c. pag. 38. 

Ostracites minimus Bcutli Juliae et montium subterranea, series 7. Nro. 46. pag. 130. 

Diese Species ist mit der vorhergehenden sehr nahe verwandt, die Ränder sind aber nicht 




43 

mit Poren, wie bei jener, sondern mit unregelmäfsigen , sehr zahlreichen, wellen r örmigen, 
ausstrahlenden Linien versehen. 

Kommt im Mergel bei Vetschau und Vaels sehr selten vor. 

3. C. antiqua Defrance. Hoeninghans 1. c. fig. 6. a—f. pag. 7, 8. Bei Goldfufs Tab. 162 
fig 6. pag. 293. 

Wir fanden bis jetzt nur eine gehörig bestimmbare untere Schale im Kreidemergel bei Vaels. 


CMJSTACEEFf. 


j Pollicipes ijftmarck. 

1. P. ornatissimus Müller. Tab. II. fig. 16. a in natürlicher Gröfse, die Rückenseite, b. 
dieselbe vergröfsert, c. Seitenansicht*). 

Als Philippi 1835 seinen Pollicipes carinatus aus dem Tertiärgebilde beschrieb , kannte man 
nur zwei Species aus der Kreide, welche Sowerby beschrieb. Durch die Forschungen von A. 
Roemer, Koch und Reufs sind uns jetzt deren bereits zwölf bekannt. Wir fügen denselben vor¬ 
läufig nur eine Species hinzu, welche wir für neu halten ; von andern besitzen wir Bruchstücke, 
welche wir mit Sicherheit nicht bestimmen können und daher zurücklegen. 

Von allen uns bekannten Pollicipes hat keiner die scharfe und schöne Zeichnung des vorlie¬ 
genden und nannten wir ihn deshalb omatissimus. 

Die Form der von uns aufgefundenen Vulven ist genau die eines Vogelschnabels, dessen 
scharfe Spitze etwas übergreift. Von dieser gebogenen Spitze aus laufen über den Rücken bis 
zur Basis zwei scharfe divergirende Rippen oder besser Kiele. Der Rücken selbst ist gerundet, 
ziemlich stark gewölbt und fallen die Seiten ganz steil ab. Mit diesen Rückenkielen parallel läuft 
auf jeder Seite ebenfalls von der Spitze aus eine stark hervortretende Linie, welche auf dem 
Seitenrande einen Bogen bildet. Zwischen den Rückenkielen und diesen Linien ist die Schale 
etwas eingefallen , vertieft. Ueber den Rücken laufen von der Spitze bis zur Basis ganz regel- 
mäl'sige, spitzwinklige Figuren, deren Schenkel über die Rückenkiele bis zu den scharfen Sei¬ 
tenlinien fortsetzen. Von diesen Linien aus bis zum Rande sieht man dann 6—7 paarige Rippen; 
zwischen jedem Paare läuft eine schwach vertiefte Rinne , in welcher sich noch zarte Linien 
zeigen, die mit den Rippen parallel laufen. Unter der Loupe erkennt man über dem ganzen 
Körper aufserdem noch sehr feine Längslinien. Die Seitenränder sind scharf und ohne alle Ein- 


) Die Abbildung entspricht dem Originale in manchen Details nicht , welche die Beschreibung angibt. 





fassung; nach dem Innern fallen sie sanft ab und bilden eine nachenförmige Concavität. Nach 
der Spitze hin sind die Ränder sanft ausgeschweift. 

Wir fanden bis jetzt nur zwei Valven im Kreidemergel bei Yaels. In der Sammlung des Herrn 
Bosquet zu Mastricht sahen wir genau dieselben Valven aus der chloritischen Kreide von Ciply. 


Um dem Einwande zu begegnen, dafs in der vorstehenden ersten Abtheilung unserer Mono¬ 
graphie einige Petrefacten nicht aufgeführl seien, welche Goldlufs für das Aachner Gebiet an¬ 
gibt , bemerken wir ausdrücklich, dafs wir nur diejenigen Gattungen und Arten beschrieben 
oder blos angeführt haben, welche wir selbst hier fanden und besitzen. Die Fundorte konnten 
daher mit der gröfsten Zuverlässigkeit angegeben werden. Von einigen Arten bei Goldfufs kön¬ 
nen wir das hiesige Vorkommen daher vorläufig nur nicht bestätigen , ohne dasselbe dadurch 
verneinen zu wollen. 

Die zweite Abtheilung mit deren Ausarbeitung wir schon vorgerückt sind, wird die Cephalo- 
poden und Gasteropoden umfassen, woran die Gegend sehr reich ist. Für die dritte Abtheilung 
bleiben uns dann die Fische und Polyparien nebst der allgemeinen Auffassung des Gebietes und 
einer systematischen Aufstellung der Fauna desselben. 








und IS er ichf fgtiiftgen. 


Seite 8, Zeile 9 von oben : 

Ein vollständiges, jedoch etwas kleineres Exemplar, als das unserige von salenia anlhophora 
sahen wir neulich in der Sammlung des Herrn Henkelius zu Mastricht aus dem Petersberg. 

l 

Seite 8, Zeile 10 von unten. 

Zu Catopygus pyriformis Goldfufs gehören Tab. 43 fig. 7, nur d, e und f: die Abbildungen 
a, b und c bilden eine neue Art. 

2. Catop. Goldfufsii Müller. Wir fanden im Laufe des Herbstes zwei Exemplare dieser Art bei 
Vetschau. Der ganze Umriss , wie die richtig gezeichneten Figuren bei Goldfufs schon zeigen . 
ist ein völlig anderer, als bei C. pyriformis. Bei C. Goldf. ist die Form fast kreisrund , bei 
C. pyriformis länglicli eiförmig. Bei jenem liegt die Afteröfhiung ganz nahe am Rande, bei 
diesem fast in der Hallte der Höhe. Die ganze Bedeckung bei C. Goldfufsii besteht in zarten 
mit Rinnen umgebenen Wärzchen, welche auf der untern Fläche gröfser und häutiger stehen , 
bei C. pyriformis zeigt sich von solchen Wärzchen keine Spur, es laufen auf den Zwischen- 
Fühlerfcldern zwei Reihen, durch Furchen abgegränzte Täfelchen, welche bis zur Mundöffnung 
fortsetzen. Diese letztere wird bei C. Goldfufsii von fünf halbkugeligen durchbohrten Erhaben¬ 
heiten umsetzt, zwischen welchen sich eine fünfblätterige Blume bildet, bei C. pyriformis tre¬ 
ten die Fühlergänge um die Mundöffnung etwas hervor und erscheinen als gespaltene Erhaben¬ 
heiten , ZAvischen je zwei derselben zeigt sich ein stark hervorragender Stachel, von einer 
Blumenbildung ist keine Spur zu sehen. Wir halten uns fest überzeugt, dafs Goldfufs die untere 
Seite seiner Figur f. nicht hat beobachten können. Endlich laufen die Fühlergänge bei C. Gold¬ 
fufsii vom Scheitel nur bis zur Hälfte der Höhe hinab , bei C. pyriformis laufen alle Fühlergänge 
deutlich vom Scheitel nur bis zum After durch, was selbst bei minder gut erhaltenen Stein¬ 
kernen noch bemerkbar ist. C. Goldfufsii ist ausserdem um V 3 gröfser als C. pyriformis; er- 
sterer ist selten , bis jetzt nur bei Vetschau , letzterer sehr häufig im Aachener Wald , fast nur 
als Steinkern. 

Seite 13, Zeile 12 von oben. 

Soll es anstatt Rliyncholilhes crelaceus heifsen Rhyncholithes aquisgranensis. Der Name cretaceus 
gehörte bereits einer von Herrn von Hagenow beschriebenen Art. Jahrbuch von Leonhard und 
Bronn 1842 pag. 507 und 568, Monographie der Rügen’schen Kreide III. Abtheilung. Der von 
uns aufgefundene , war also auch nicht die erste Art aus der Kreide, wie wir vermutheten. 
Herr von Hagenow hatte die Freundlichkeit uns eine Zeichnung seines Rhyncholithes zum Ver¬ 
gleiche mit unserm Exemplar mitzutheilen, weil dieselbe im Jahrbuch fehlt. Wir haben nun die 
vollkommene Ueberzeugung gewonnen, dafs der von uns beschriebene Rhyncholithes eine neue 
Art ist, wie auch aus den Beschreibungen schon erhellet. Die ersten Bogen dieser Arbeit waren 
schon abgedruckt, ehe uns die dritte Abtheilung der angeführten Monographie zur Benutzung 
vorlag, daher der Irrthum. 



46 


Seite 14, Zeile 6 von unten. 

Hinter Terebratula Gisii von Hag. fehlt das Cital : Monographie der Rügen'schen Kreide, Jahr¬ 
buch 1842 pag. 357 und 358. Unsere Exemplare waren nach vorliegenden Individuen von Rü¬ 
gen bestimmt; wir glaubten, dafs die Species in einer guten Abbildung vorhanden sei. ver¬ 
missen dieselben indessen 1. c. und werden daher eine Zeichnung nachliefem. 

Seite 14, Zeile 8 von unten. 

Zu Terebratula Chrysalis fügen wir noch hinzu, dafs dieselbe Species an Grül'se und Gestalt, 
so wie auch in der Berippung sehr verschieden ist. In den Exemplaren von Yaels glauben wir 
zwei von einander abweichende Bildungen zu unterscheiden. 

a. Die Normalform ist länglich und schmal erst gegen die Mitte sich erweiternd : zwischen 
den gröfsern Falten, welche von den Buckeln bis zum Stirnrande durchgehen, liegen 1 — 2 fei¬ 
nere Rippen, welche nur bis zur Hälfte der Schale hinaufgehen. Hieher gehört auch F. Fau- 
jasii bei Reufs Tab. 26. fig. 4. a , b. pag. 50. 

b. Das Gehäuse ist länger gestreckt und fast doppelt so breit, als die Normalform; aulser- 
dem liegen ganz regelmäfsig zwischen zwei stärkeren Rippen, w elche von der Buckel bis zum 
Stirnrande gehen, zwei schwächere w r elche vom Stirnrand aus bis w r eit über die Hälfte der 
Schale fortsetzen. Die Flügel sind bei beiden mit körnigen Rippen versehen. Die bis zur Schna¬ 
belspitze durchlaufenden Rippen bilden dort hervorstehende Spitzen, w ie die Zeichnung b. bei 
Reufs es schwach andeutet. 

Terebralula Eaujasii Roemer Tab. 7. fig. 8. a , b. pag. 40. Ter. locellus Delrance in lit. von 
Hagenow Jahrbuch 1842 pag. 537. scheint uns nur eine Uebergangsform zu Terebratula Gisii 
von Ilagenow; ja selbst nur die ausgebildete , vollwachsene Form dieser Species zu sein. Von 
Hagenow bemerkt schon, dafs beide Arten nur ausnahmsweise und nicht an allen Exemplaren 
gespaltene Rippen zeigen, was die unsrigen ebenfalls naclnveisen. Wir besitzen Exemplare wie 
Roemer sie darstellt, vermögen es aber nicht, sie von T. Gisii charackteristisch zu unter¬ 
scheiden. 

Seite 14 zu der Anmerkung fügen wir hinzu : 

und was Nilsson in seinem Werke ; Petrilicata Suecana pag. 32. an den noch lebenden Arten 
selbst beobachtet hat, 

Seite 15 hinter Zeile 7 von oben einzufügen : 

Terebratula carnea Sow. von Buch pag. 94, 95. — Reufs Tab. 26. fig. 9—11. pag. 50, II. 

Selten wohlerhalten im Kreidemergel bei Vaels , häufiger im Feuerstein des Aaclmer Waldes. 

Seite 15 , Zeile 10 von oben. 

Bei T. minor Nilsson fügen wir hinzu das Citat Tab, 4. fig. 4. a—c. pag. 34. 

Seite 15 , Zeile 3 von unten. 

Zu Trigonia alaeformis (aliformis) ist nachzutragen das Citat : d’Orbigny Tab. 291. fig. 1—3. 
pag. 143—144, II, Sind Exemplare von mittler Gröfse. 



47 




Erklär uns der Tafeln. 

Tabula 1. 

Figura 1. Salenia anthophora Müller, a. Ansicht von der Seite, b. stark vergröfserte Eiertäfel- 
chen , c. Gröfseverhältnifs. pag. 7. 

» 2. Spatangus hieroglyphicus Müller, a. Ansicht von oben, b. untere Seite , c. Queran¬ 

sicht. pag. 9. 

y> 3. Ophiura Fürsten])ergii M. a. in natürlicher Gröfse , b. bedeutend vergrößert mit frei¬ 
gelegten Annen. c. die obere Seite des Sterns noch stärker vergröfsert, c. con- 
jecturirte untere Seite , e. und f. vergrösserte Arniglieder, pag. 6 . 

v 4. Rhyncholithes aquisgranensis M. a. und b. Ansicht von oben , c. von der Seite, d. 
von unten pag. 13—14 und 45. 

» 5. Nucula Foersteri M. a. linke Schale in natürlicher Gröfse , b. Queransicht beider 

Schalen pag. 16 — 17. 

55 6. Pectmiculus Hoeninghausü M. a. rechte Schale in natürlicher Gröfse , b. innere Schale 

vergröfsert. pag. 18. 

55 7. Cardium Becksii M. a. und b. beide Schalen, c. Queransicht in natürlicher Gröfse. 

pag. 21 . 

» 8 . Cardium semipustulosum M. a. in natürlicher Gröfse , b. stark vergröfsert. pag. 21. 

•» 9. Cardium Debeyanum M. a. und b. in natürlicher Gröfse. pag. 21—22. 

55 10. Cardium Marquartii M. in natürlicher Gröfse. pag. 22. 

Tabula II. 

Figura 1. Nucula tenera M. a. und b. die beiden Schalen, c. Queransicht in natürlicher Gröfse. 
pag. 17. 

55 2, Cardium galeatum M. a. die linke Schale in natürlicher Gröfse, b. Queransicht und 

c. Ansicht der Buckel, pag. 22. 



48 


- 0 ^ 0 ^»- 

Figura 3. Astarte caelata M. a. und b. die beiden Schalen in natürlicher Gröfse, c. vergröfsert. 
pag. 22, 23. 

t 4. Venus tumida M. a. und b. die rechte und linke Schale . c. und d. Queransichten, 
alle in natürlicher Gröfse. pag. 25. 

„ 5. Venus mmismalis M. a. die eine Schale , b. Queransicht in natürlicher Gröfse. pag. 25. 

„ 6. Corbula lineata M. a. die linke Schale in natürlicher Gröfse . b. vergrößert, c. Quer r 

ansicht pag. 26. 

„ 7. Corbula obtusa M. a. rechte Schale, b. Queransicht in natürlicher Gröfse. pag. 26,27. 

r 8. Corbula striatula Sowerby. a. linke, b. rechte Schale in natürlicher Gröfse, c. linke 

Schale vergröfsert, d. Queransicht pag. 25 , 26. 

* 9. Mytilus inflätus M. a. natürliche Gröfse. b. vergrölsert. pag. 35. 

» 10. Mytilus falcatus d’Orbigny a — d. in natürlicher Gröfse. pag. 35—36. 

» 11. M^ßilm scalaris M. a. natürliche Gröfse, b. vergröfsert pag. 35. 

» 12. Mytilus legulatus M. a—b in natürlicher Gröfse. pag. 35. 

A 13. Modiola faba M. a. Gröfseverhältnifs , b. vergröfsert. pag. 36. 

» 14. Avicula modioliformis M. a. Längemaafs , b. vergröfserte Schale, pag. 29. 

r. 15. Lithodomus discrepans M. a. Seitenansicht , b. Queransicht, c. das innere der Schale, 
alle etwas vergröfsert. pag. 36. 

fl 16. Pollicipes ornatissimus M. a. Rückenansicht in natürlicher Gröfse, b. dieselbe ver¬ 
gröfsert , c. Seitenansicht, pag. 43, 44. 



Druck von J. J. BEAUFORT. 





Tab.L 



fß( 

m- 


Lüh/, v. Camv&Mathieu/ in/ Jachen/. 


















Tab.K 



• Veuiin aer cLe(. 


Littk , v. Ca ’un ß' - Ifüthieu. Aachen 
































MONOGRAPHIE 


der Petrefaeten 


DER 


AACHENER KilEIDEFORMATION 


VON 

Pr. JOSEPH; MÜLLER, 


Oberlehrer am Gymnasium zu Aachen, Ritter des rothen Adler-Ordens IV. Klasse, Mitglied der 
deutschen geologischen Gesellschaft in Berlin und mehrer andern 
gelehrten Gesellschaften und Vereine. 


Zweite Abtheilung mit 4 lithographirten Tafeln. 


Herausgegeben vom naturhistorischen Verein der preufsischen Rheinlande und Westphalens. 



Monn , 

in Kommission bei HENRY & COHEN. 
1.8 5 f. 











3 ^ ^ 









- 





























Einleitung. 


Hi rst nachdem die Hauptgrundzüge der Geologie, die mit jedem Tage einen höheren Auf¬ 
schwung nimmt, durch den nie zu ermüdenden Fleifs und den bewunderungswürdigen Scharfsinn 
ausgezeichneter Forscher aller Nationen festgestellt worden sind, bleibt es den Monographen 
Vorbehalten, die grofsen Ergebnisse der Forschung zu erhärten und die vereinzelten Thatsachen 
mit neuen Beweisen zu belegen. Abgesehen von der Bereicherung der Fauna mit einer Menge 
bis dahin unbekannter Wesen, ist das genauere Erforschen einer Gegend weit geeigneter, dem 
Geiste eine klare Vorstellung der Urmeere, welche dieselbe einst durchwogten, und deren 
Bewohner zu verschaffen, als es eine allgemeine Auffassung der Wissenschaft möglich macht. 
Wenn wir nach Analogien von den Jetztmeeren auf die Urmeere schliefsen dürfen, so waren 
die Bewohner dieser letzteren, nach Verschiedenheit der Wasser-Temperatur, der Tiefe und 
Beschaffenheit des Meeresgrundes, der Nähe oder Ferne vom Festlande u. s. w. ebenso ver¬ 
schieden, wie die Bewohner der Jetztmeere unter den angegebenen Verhältnissen es heute 
noch sind. Man kann daher mit Beeilt und Zuversicht von den Resten einer untergegangenen 
organischen Welt, welche uns die verschiedenen Formationen in ihrem Schoofse aufgehoben 
haben, auf die Meere und ihre Beschaffenheit schliefsen, worin sie einst lebten. Sind doch die 
Gesetze, nach welchen der Schöpfer die Natur ordnete, ewig und unabänderlich dieselben. 
Wenn daher Gattungen der Mollusken, welche Küstenbewohner der heutigen Meere sind, sich 
in einer Lokalität in zahlreichen Arten versteinert vorfinden, so liegt der Gedanke nahe, dafs 
einst ein Meer hier eine Küste bespülte; denn so wie jene Gattungen in den Jetztmeeren nur 
an den Küsten leben können, in bedeutender Tiefe aber und fern vom Lande verschwinden, 
so bestanden dieselben Gattungen in dem Urmeere nur unter denselben Verhältnissen. Es erhel¬ 
let hieraus, wie erspriefslich und nothwendig, ja unentbehrlich dem Paläontologen eine genaue 
und umfangreiche Kenntnifs der lebenden Meeresgebilde ist. Die Gasteropoden, welche der 
Gegenstand dieser Bogen sind, geben häufig Gelegenheit zu Vergleichen und Schlüssen, wie 
wir sie oben angedeutet haben. 

Die Gasteropoden waren unter den Mollusken der Urwelt ebenso, wie die der Jetztwelt, ab¬ 
gesehen von der weit höheren Stufe der Organisation, zahlreicher an Gattungen und Arten, 
manchfacher an Form und Gestalt und reicher an äufserer Bildung und Präge, als die Acepha- 
len. Sie reichen vom sibirischen Kalk bis in das Tertiäre hinauf, welches allein an die 5000 
Species derselben enthält. Bei dem grofsen Reichthum derselben in allen Formationen hat man 

1 




* 

indessen nur sehr wenige als sogenannte Leitmuscheln aufgestellt, vielmehr fast nur Conchiferen, Echi- 
nodermen und Ammoneen als solche gelten lassen; wir sind aber der Meinung, dafs die Gasteropo- 
den in dieser Beziehung eine gröfsere Beachtung verdienen und dafs man bei genauer Prüfung nicht 
nur für die grofsen Formationen, sondern auch für die Schichten derselben characteristische Species 
aufstellen könne 1 ). Namentlich hat man in der Kreideformation dieselben aus diesem Gesichtspunkte 
gänzlich vernachlässigt. So finden wir z.B. in Bronn’ s vortrefflicher Lethcea geognostica aus dem Reich¬ 
thum der Gasteropoden der Kreide nur Dentalmm Mosce und eine nicht bestimmte Species Rostellaria 
abgebildet. Wir verkennen dabei nicht, dafs von allen Gasteropoden der Kreide wohl % erst in 
dem letzten Dezennium bekannt gemacht worden sind 2 ). Die Meinung, dafs man dieselben in der 
Kreide mit erhaltener Bedeckung nicht fände, ist wenigstens für das Aachener Gebiet irrig, 
denn wir fanden dieselben bei den meisten von uns beschriebenen Species mit der Schale ver¬ 
sehen, ja einen grofsen Theil derselben, wie die chemische Untersuchung herausgestellt hat, 
vollständig silicificirt. Aus diesem Umstande erhellet, dafs die Kieselbildungen in der Kreide 
wohl nicht blos von Infusorienschalen herstammen, sondern dafs sie auch noch anderen chemi¬ 
schen Prozessen zuzuschreiben sind. Bei den Echinodermen der Kreide finden wir sehr häufig 
das Innere mit Silex erfüllt, während die äufsere Bedeckung noch kalkhaltig ist, bei den silici— 
ficirten Gasteropoden ist dagegen das Innere ganz leer oder mit Sand erfüllt, die ganze Schale 
aber in Silex verwandelt, ohne Zurücklassung von Kalkgehalt. Bei den Echinodermen rührt 
offenbar die Ausfüllung von Infusorien her, welche hier einst Aufenthalt und Nahrung fanden 
und deren Schalen eine hyalinische Masse zu Silex verband; allein bei den silicificirten Schalen 
der Gasteropoden können wir diese Bildung nicht annehmen. Wärzchen und Ringe, wie wir 
sie bei der Verkieselung der Austern und Gryplueen so häufig finden, konnten wir, selbst bei 
sehr starker Vergröfserung, nicht entdecken 3 J. 

Durch den regen Eifer des rühmlichst bekannten französischen Paläontologen d’Orbigny 4 ) 
ist eine sehr grofse Anzahl neuer Gattungen und Species aus der Kreideformation Frankreichs 
beschrieben worden, so dafs die Zahl verschiedener Arten für dieselbe bereits 325 beträgt. Die 
übrigen uns bekannten europäischen urweltlichen Faunen erscheinen dagegen bis jetzt noch 
dürftig. Bei Nilsson finden wir aus der schwedischen Kreide nur 8 Species Gasteropoden be¬ 
schrieben, aus der böhmischen bei Reufs 99, aus der norddeutschen bei Roemer 83, aus der 


*) Desliayes bemerkt schon (1831) in seiner description de coquilles caracteristiques des terrains, pag 
124, wo er von den Univalven spricht und sie mit den Bivalven vergleicht : les coquilles univalves, 
plus nombreuses en especes et en genres donnent aux observateurs des inoyens plus frequens pour 
reconnaitre les terrains. 

-) Die sehr empfehlungsvverthe Schrift : Grundrifs der Versteinerungskunde von Hans Bruno Geinitz, 
Dresden 1846, in welcher die neuesten Forschungen benutzt worden sind, enthält eine gröfsere 
Anzahl Gasteropoden der verschiedenen Formationen, als andere derartige Arbeiten. 

3 ) Vergl. L. von Buch über Silicilication organischer Körper in den Verhandlungen der Berliner Akademie 
der Wissenschaften. 1828. p. 43 ssq. — Ebenso Bronn, Handbuch einer Geschichte der Natur Band II., 
pag. 694—712. 

*) Paleontologie frangaise, Terrains cretaces, Tom. II. 



sächsischen bei Geinitz 55, aus der rügenschen bei von Hagenow 9 und aus aus der polnischen 
bei Pusch nur 5, zusammen 259 Species, welche sich noch nicht auf die Hälfte reduziren, 
wenn man die in den genannten Ländern gemeinsam vorkommenden davon abzieht. Ueber die 
englische Kreide lag uns nur das Werk von Fitton s ) zur Benutzung vor, worin 49 Arten Ga- 
steropoden beschrieben sind, welche sich zumeist auch in der deutschen Kreide finden. Das 
kleine Gebiet um Aachen lieferte uns im Laufe der Zeit das Material, die Zahl der aus der 
vaterländischen Kreide beschriebenen Arten fast um die Hälfte zu vermehren. 

D’Orbigny hat sich unter allen Paläontologen am ausführlichsten über die Gasteropoden der 
Kreide verbreitet und wenn wir auch in vielen Stücken seinen Ansichten beitreten, so müfsen 
wir in manchen andern denselben widersprechen. Die Behauptung pag. 416—417 Tom. II., dafs 
in den fünfEpochen der Kreidebildung, die er annimmt, auch fünf völlige Vernichturtgs-Epochen 
(aneantissement complel) Statt gefunden hätten und keine Species von einer Schichte in die 
andere übergegangen sei, halten wir für sehr gewagt, zu voreilig und gar nicht begründet. 
Ebenso wenig können wir der Ansicht beitreten, dafs die Gasteropoden sich an Zahl der Spe¬ 
cies von den untern nach den obern Gliedern der Kreide vermehren pag. 406. Tom. II. Um das 
Zahlenverhältnifs herauszubringen ist er aber genöthigt die beiden untern Glieder der Kreide, 
das Terrain aptien und neocomien, so wie die beiden obern das Terrain senonicn und turonien 
wieder zu verbinden. Aber auch so stimmen die Zahlen mit der Behauptung nicht; die beiden 
untern Schichten zählen dann 90, das in der Mitte liegende Terrain aptien oder der Gault ent¬ 
hält nur 77 und die folgenden beiden obern Schichten weisen zusammen 158 Arten auf, wovon 
aber auf die oberste Schichte, die weifse Kreide nur 24 kommen. Später hält d’Orbigny die 
Kreide wieder in 5 Epochen auseinander und widerlegt dadurch seine eigene Behauptung. Wir 
sind, so weit uns die Kreide aus Schriften und auf Reisen nach eigener Forschung bekannt ge¬ 
worden ist, zu der festen Ueberzeugung gelangt, dafs die mächtige Schichte der sogenannten 
weifsen Kreide am dürftigsten mit Gasteropoden versehen ist. Wir weisen hier auf das oben 
angegebene Zahlenverhältnifs der schwedischen, rügenschen, polnischen und französischen 
Kreide zurück und finden die ausgesprochene Ueberzeugung durch die Schichten bei Vaels und 
Henry-Chapelle noch bestärkt. 

Auf Seite 422—423 versucht d’Orbigny für seine fünf Kreideepochen Gattungen aufzustellen, 
welche dieselben charakteristisch bezeichnen sollen. Auch den dort ausgesprochenen Behaup¬ 
tungen müssen wir entgegentreten, lassen aber als Widerlegung die nachstehenden Species 
selbst reden und führen hier nur beispielvveise an, dafs d’Orbigny bemerkt, die Gattung Phorus 
sey bezeichnend für die obere weifse Kreide (Terrain senonien) und käme in der tiefem Schichte 
(Terrain turonien) nicht vor. Diese Behauptung widerlegt das unbezweifelte Vorkommen von 
Phorus in unserem Grünsand auf das entschiedenste, den wir doch nach allen darin vorkom¬ 
menden Petrefakten und namentlich nach seinen Gasteropoden nicht zur obern weifsen Kreide 
zählen können, wozu wir aber die Vaelser Mergel rechnen, in welchen nur äufserst wenige 


*) Observations on some of tlie strata between the Chalk and Oxford Oolite, in the South-East of Eng¬ 
land. London. 1836. 



4 

-^©<§- 0 - 


Species derselben Vorkommen. Mit Sicherheit ist daraus nur zu bestimmen Pleurotomaria linearis, 
Mantell. (PI. plana Münster bei Goldf. Tab. 187, Fig. 4. pag. 76, III.) Dasselbe ist der Fall mit 
den Horn- und Feuersteinen des Aachener Waldes, welche wir demnach nach paläonlologischen 
Grundsätzen mit den Mergeln für gleichalterig halten. 

Ehe wir zur Beschreibung der Gattungen und Species übergehen, möchten wir noch einen 
Grundsatz aufstellen, zu dessen Unterstützung unsere Arbeit einige Beiträge liefert. Wir sind 
nämlich der Ansicht, dafs Gattungen, welche in einer ältern Formation und dann erst wieder 
im Tertiären auftreten auch in der Kreide ihre Repräsentanten haben, wenn sie auch bis jetzt 
in derselben noch nicht aufgefunden wurden. Denn die Natur sucht überall Uebergänge und 
duldet keine gewaltsame Sprünge. Wenn Helix, Bulla u. s. w. im Jura nicht selten Vorkommen 
und im Tertiären aufserordentlich häufig werden, so müssen diese Gattungen auch ihre Vertreter 
in der Kreide haben, wenn wir die Richtigkeit der Gattungsbestimmungen in der ältern For¬ 
mation nicht bezweifeln wollen. Wie schwer es ist, namentlich bei verwandten Gattungen mit 
Sicherheit das richtige Genus zu bestimmen, zumal, wenn das Innere des Petrefaktes nicht blos 
zu legen ist, wissen die Paläontologen und Conchiliologen aus eigener Erfahrung. Wer ist im 
Stande Fusas, Bleurotoma, Pirula u. a. mit Bestimmtheit zu unterscheiden, wenn die Mundöff- 
nung im Gestein sitzt und das Petrefact uns gleichsam den Rücken zuwendet? So weit es mög¬ 
lich war, haben wir daher, nicht ohne Aufopferung mancher Exemplare, das Innere der Petre- 
facten blos gelegt, und wo dies nicht thunlich war es bei der Beschreibung jedesmal angege¬ 
ben. Viele Steinkerne, welche uns zur sichern Bestimmung der Gattung nicht Anhaltpunkte 
genug darboten haben wir auf Seite gelegt um die Wissenschaft nicht mit Namen zu behelligen, 
die oft nur zu bald eine Last für weitere Forschungen werden, wie dies leider jetzt schon in 
der Paläontologie nur zu häufig der Fall ist. Bei sehr vielen der bekannten Species konnten 
wir autoptische Vergleiche anstellen, bei andern mufsten wir uns auf die naturgetreuen Zeich¬ 
nungen und gewissenhaften Beschreibungen verlassen. Sollten wir trotz aller Sorgfalt hin und 
wieder geirrt haben und etwas bekanntes für neu hingestellt haben, so mag der Umstand uns 
entschuldigen, dafs uns aufser unserer Sammlung und Bibliothek nur noch geringe Hülfsmittel 
zu Gebote standen. Was die Terminologie betrifft, so haben wir die von Lisler eingeführte 
und von d’Orbigny J ) befolgte Bezeichnung nicht angenommen, sondern uns nach Lime, La- 
marck * 2 ) und den deutschen Paläontologen gerichtet und die Windung mit der Mundöffnung 
als die unterste und die entgegengesetzte mit der Spira als die oberste bezeichnet. 


’) Paleontologie fran^aise, terrains cretaces Tom. II. pag. 7. 

2 ) Animaux sans vertebres Tom. VII. ssq. 



GASVERRPROA, IlYfiER. 

i3aucl)fnfofr. 

(Einkammerige Schnecken.) 

' 3 0 Cr - 

Dentalium , 0 JLinne . 

1. D. glabrum, Geinitz. Tab. 18, fig. 18, pag. 74. — Dessen Nachtrag * 2 ) Tab. 1, fig. 27, 
pag. 11. 

Die Röhre ist ganz glatt, wohlerhalten erscheint sie ’glänzend und fast durchscheinend. Sie 
ist nur wenig gebogen und im Durchschnitt fast rund. Kommt nicht selten vor am Lusberg und 
im Grünsand bei Vaels. 

2. D. ellipticum, Sow. Bei Reufs Tab. 11, fig. 20, pag. 41, I. 

Kommt wie die meisten Dentalien nur in Bruchstücken vor und sind wir zu der Ansicht ge¬ 
neigt, dafs dieses Petrefact wohl zu Serpula gehören möchte. Fundort wie bei der vorstehen¬ 
den Species. 

3. D. ulternans, Müller. Tab. 3, fig. 1, a—b. 

Hat beim ersten Anblick Aehnlichkeit mit D. striatim Sow., unterscheidet sich aber von 
demselben ganz wesentlich. Unsere Species ist der Länge nach mit erhabenen, gedrängt ste¬ 
henden Linien versehen, wovon immer zwei stärkere eine schwächere einfassen. Die Zwischen¬ 
räume sind glatt ohne alle Querlinien. An dem unteren Ende sind die abwechselnden Linien 
plötzlich durch einen Ring abgeschnitten, unter welchem in geringer Entfernung ein zweiter 
steht. Von dem ersten Ringe bis zur Basis befindet sich eine grofse Anzahl gleichförmiger, 
dicht gedrängter, feiner Längslinien. Die Länge beträgt 3" und mehr; die stärkere Biegung ist 
in der obern Hälfte. Kommt nur selten mit erhaltener Bedeckung vor dem Königsthore 3 ) vor. 


’) Was die Einreihung der Gattung Dentalium in die Gasteropoden betrifft, so verweisen wir auf die 
Monographie derselben von Deshayes in den meraoires du mus. d’hist. nat. 1825. Ebenso auf die 
Schrift desselben Descript. de coquilles caracteristiques des terrains pag. 125. — Lain. anim. sans 
vertebres Tom. V pag. 588. 

2 ) Die Versteinerungen von Kieslingswalda und Nachtrag zur Charakteristik des sächsisch-böhmischen 
Kreidegebirges. Dresden und Leipzig 1843. 

3 ) Um Irrthiimern zu begegnen müssen wir bemerken, dafs wir mit diesem Namen in Zukunft die Lokalität be¬ 
zeichnen werden , welche wir in dem ersten Theile unserer Monographie und an andern Orten Schindanger 
nannten. Der Ort hat nämlich in den letzten Jahren seine Bestimmung verloren und führt durch den¬ 
selben jetzt ein schöner Weg nach Septfontaines und Melaten. Die dort aufgeschlossene Sandgrube 




6 

-0&W 

4. ? D. rugosum, Müller. Tab. 3, fig. 2. 

Die Schale dieser Species ist sehr dünn und zeigt auf der ganzen Oberfläche unregelmäfsige 
Querfalten. Vollständig erhaltene Exemplare besitzen wir von dem Petrefact nicht, und ist es 
möglich, dafs dasselbe sich später als Serpula ausweiset. Bei Bruchstücken, welche den obem 
Theil mit der Biegung nicht haben, bleibt es immer zweifelhaft, ob sie zu Dentalium, Serpula 
oder gar zu Fistullana gehören; von letzterer Gattung sind solche Bruchstücke oft nur der ver¬ 
schmälerte Theil des offenen Endes. Bis jetzt kommt die Species nur am Lusberg vor. 

5. D. Mosae, Bronn. Leth. geogn. Tab. 33, fig. 18. — Besser bei Goldfufs Tab. 166, fig. 

10. a—c. pag. 2. III. 

Nur bei Vetschau und in dem Gerolle über der obersten Mergelschichte auf dem Lusberg, 
worin zugleich die Vetschauer und Mastrichter kleinen Korallen, Fischzähne und Bruchstücke 
von Zähnen des Mosasaurus Hoffmanni nebst Schnecken der Quaternärbildung und Bruchstücken 
von Knochen noch lebender Thiere Vorkommen. Das bezeichnete Gerolle mit seinen Petrefac- 
ten befindet sich demnach offenbar auf sekundärer Lagerstätte, denn weder in dem Grünsand des 
Lusbergs noch bei Vaels, noch in den anstehenden Mergeln kommt dies Petrefact vor. Noch 
augenfälliger wird dieser Umstand durch die häufigen Reste zweier Species von Cervus, welche 
die oft tiefen Spalten und Klüfte der unterliegenden Mergel mit diesem Gerolle erfüllen. 

Vermetus 9 Adanson. 

1. V. cochleiformis, ’) Müller. Tab. 3, fig. 3. a—b. 

Im Ganzen sind nur sehr wenige Species dieser Gattung bekannt und bis jetzt aus der deut¬ 
schen Kreide noch keine, es freut uns daher um so mehr diese neue Species in einem voll¬ 
ständig erhaltenen Fxemplar gefunden zu haben, was bei der grofsen Zerbrechlickeit des Ge¬ 
häuses immer zu den Seltenheiten gehört. Das niedliche Gebilde gleicht einer zugespitzten 
Schraube in Form des obern Theiles eines Korkziehers. Die Windungen laufen sehr schräg und 
stehen weit voneinander ab. Das Ganze ist mit feinen doch scharf markirten Querlinien bedeckt. 
Die Mundöffnung ist kreisrund. Kommt im Grünsand vor Königsthor, am Lusberg und bei Vaels 
vor. 


mit ihren Muschelschichten gehört zu den reichsten Fundorten von Petrefacten und zeigt den Geologen 

die Lagerungsverhältnisse der hiesigen Kreide sehr deutlich. Wir haben uns zu dieser Anmerkung um 

so mehr veranlafst gefühlt, weil wir sehen , dafs die Benennung Srhindanger bereits in auswärtigen 
\ 4 

Schriften übergegangen ist. 

’) Es gibt wohl kaum eine Zusammensetzung, welche in den Naturwissenschaften so häufig vorkäme, wie 
die Bildungen mit formis. Die Regel, dafs bei solchen Zusammensetzungen das Suhstantivum ohne 
Rücksicht auf die Deklination auf ein kurzes i ausgeht, wird dabei sehr häufig namentlich bei den 
Substantiven der ersten Deklination vernachläfsigt, indem ae statt i gesetzt wird z. B. squamaeformis. 
chamaeformis, alaeformis, mitraeformis, limaeformis und viele andere in den neuern Schriften. Bei 
Limit u. a. sorgfältigem Schriftstellern finden wir sprachrichtig araneiformis, limiformis, harpifor- 
mis, aliformis u. s. w. Bildungen wie borealiforrais, nodosiformis rugosaeformis sind gar nicli 
zu rechtfertigen. 



7 

Itulla , JLinne „ 

1. B. cretacea, Müller. Tab. 3, fig. 4. a—c. 

Aus der europäischen Kreide ist bis heute noch keine Species dieser Gattung nachgewiesen, ’) 
obgleich aus dem Oolithengebirge * 2 ) bereits eine Anzahl derselben beschrieben ist. Im Ter¬ 
tiären mehren sich die Arten aufserordentlich und überragen die noch lebenden um mehr als 
das Doppelte. 

Das Gehäuse ist cylinderförmig, lang gestreckt, nach unten nur wenig aufgetrieben, ohne 
alles sichtbare Gewinde, mit tiefem Nabel. Die Mundöffnung ist so lang als das ganze Ge¬ 
häuse. Der Mundrand glatt, scharf, ragt nach oben noch etwas hervor und erweitert sich 
ein wenig nach unten. Die Schale äufserst dünn und ihre ganze Oberfläche mit höchst zar¬ 
ten , dichtgedrängten Querlinien versehen. Das Petrefact kommt vor am Lusberg , vor dem Kö¬ 
nigsthor und im Grünsand bei Vaels. 

Scaiaria, JLamarck. 

1. Sc. pulchra Sow. bei Fitton Tab. 18, fig. 11. pag. 343. — Weniger gut bei Geinitz Tab. 

15, fig- 14—15 pag. 45. 

Diese Species war lange die einzige aus der europäischen Kreide beschriebene. D'Orbigny 
pag. 50 und pag. 59. II. behauptet die Gattung trete erst in der Kreideformation auf, Roemer 
fand aber Sc. Münsteri im Coral rag und nicht Eine Species in der Norddeutschen Kreide. Graf 
Münster beschreibt sogar eine Sc. antiqua aus dem devonischen Kalk. Bis dahin stehet diese 
Species noch vereinzelt da und es ergibt sich nach den neuesten Forschungen, dafs die Gat¬ 
tung in der Kreide erst eine bedeutendere Anzahl Arten entwickelt. 

Das Gehäuse von Sc. pulchra ist thunnförrnig, besteht aus 8 — 9 convexen, ziemlich breiten 
Windungen, welche der Länge nach mit stark hervortretenden, stumpfen, wenig gebogenen 
Rippen (45) Versehen sind. Die Rippen der untern Windungen sind der Länge nach gespalten. 
Dieselben stehen genau übereinander. Zwischen ihnen ist die Schale völlig glatt. Im Ganzen hat 
das Petrefact sehr grofse Aehnlichkeit mit Scalaria vulgaris Lin. Es findet sich selten vor dem 
Königsthor und am Lusberg. 

2. Sc. striatocostata , Müller. Tab. 5. fig. 3. 

Diese Species unterscheidet sich von der vorhergehenden durch folgende Merkmale. Die Längs¬ 
rippen sind schmäler, treten nur sehr schwach hervor, sind halbmondförmig gebogen und stehen 
weit enger zusammen, als bei jener. Zwischen den Rippen laufen dichtgedrängte Querlinien, 
welche mit denselben ein zartes Netz bilden. Nach der Spitze hin verlieren sich die Rippen 

') In Mortons Synopsis of tlie organic remains of the cretaceous Group of the United. States. Illustrated 
by XIX plates. Philadelphia 1834, linden wir pag. 46 Steinkerne von Bulla aus der Kreide erwähnt 
jedoch ohne Beschreibung und Abbildung. Es heifst dort wörtlich : 1. Casts not very unlike bulla 
lignaria. Frora New Jersey. Und 2. A solitary cast of a large, ventricose species was found in 
Alabama. — Die ad 1. angeführten Steinkerne werden wohl die Bulla Mortoni Lyell sein, welche in 
der 81. Lieferung der Naturgeschichte der drei Reiche pag. 486. verzeichnet ist. 

2 ) Siehe die Einleitung pag. 4. 



8 

-+3M&0- 


fast gänzlich, bei Sc. pulchra sind dieselben noch deutlich zu erkennen. Die einzelnen Umgänge 
sind kugelförmig, die Nähte weniger tief als bei der vorhergehenden Species. 

3. Sc. Philippi, Reufs. Tab. 44, fig. 14. pag. 124. II. 

Die Abbildung ist genau, der Beschreibung ist nichts zuzufügen. Das Petrefact ist nicht ganz 
selten im Grünsand bei Vaels. 

4. Sc. macrostoma, Müller . Tab. 3. fig. 7. a—b. 

Diese Species steht in der Mitte zwischen der vorhergehenden Art und der Scalaria Rauli- 
niana bei d’Orbigny Tab. 155, fig. 1—4. pag. 57—58., unterscheidet sich indessen augenfällig 
von beiden. Sie hat förmlich die Gestalt eines Turbo mit 4 bis 5 niedergedrückten, bauchigen, 
stark gerundeten, verhältnifsmäfsig schmalen Windungen , welche fest aneinander schliefsen. 
Jede derselben ist mit zahlreichen Längsrippen versehen, welche mit vielen zarten Querlinien 
durchkreuzt werden, die im Durchschnittspunkte Knötchen bilden. Die Mundöffnung ist im Ver- 
hältnifs zum’,Ganzen grofs, völlig rund und mit einem breiten, ganz glatten, dicken Rande ver¬ 
sehen, der nach Aufsen sich umschlägt und einen Wulst bildet. Wir besitzen bis jetzt nur Ein 
Exemplar aus dem Grünsand bei Yaels. 

ttissoa 9 Freminville. 

I. Turbiniformes, d’Orbigny. 

1. R. costata, Müller. Tab. 3, fig. 5. 

Das Petrefact nähert sich der Form von Buccinum; wir haben die Mundöffnung nicht ganz 
blofs legen können, der starke Wulst des Mundsaumes und der ganze Habitus bewog uns in¬ 
dessen, dasselbe hieher zu stellen. Das Gehäuse besteht aus 4—5 bauchigen Windungen, 
welche mit schwach hervortretenden Längsrippen versehen sind. Zwischen diesen und über 
dieselben laufen feine Querlinien. Der sehr verdickte Mundsaum ist fast glatt. Findet sich vor 
dem Königsthor. 

2. Melanoides, d’Orbigny. 

2. R. Winkleri, Müller. Tab. 3, fig. 6 a—b. 

Das Gehäuse hat ganz die Form einer Melania, es besteht aus 8 nur schwach gewölbten 
Windungen, welche dem unbewaffneten Auge glatterscheinen, unter der Luppe aber schwache 
Längsfalten zeigen, die auf dem untersten Umgang ganz deutlich hervortreten. Der Wulst 
auf demselben ist stark umgeschlagen, hoch aufliegend und beträgt y 3 der Breite der ganzen 
Yfindung, er wird von regelmäfsigen Längsfalten gebildet. An der Spindel befindet sich eine 
gewundene, sehr erhabene, breite Schwiele, welche oben und unten mit dem äufsern Saume 
zusammenfliefst. Die Mundöffnung ist halbmondförmig, länglich gezogen. Herr Winkler, dem 
wir unser Exemplar verdanken, fand das Petrefact im Aachener Walde im Sandstein. 

Eulima, Misso. 

Auch diese Gattung vermifsten wir bis jetzt in der Kreideformation; d’Orbigny beschrieb zu¬ 
erst Pag. 64—68, II. vier Species derselben aus der Kreide Frankreichs. Die Gattung hat am 


9 

meisten Aehnlichkeit mit Melania. Bei Lamarck in der zweiten Ausgabe von Deshayes und 
Milne Edwards Tom. VIII, pag. 449—456 ist dieselbe daher bei Melania als besondere Gattung 
eingeschoben. 

1. Eu. acuminata, Müller. Tab. 3, fig. 8. a—c. 

Das kleine, niedliche Gehäuse ist thurmförmig und besteht aus 7 Windungen, welche sich 
mit fast unbemerkbaren Nähten aneinander schliefsen und alhnählig in eine Spitze auslaufen. Die 
Windungen sind bauchig und unterscheidet sich die Species dadurch schon von Eu. albensis 
d’Orb. Tab. 155, fig. 14—15 pag. 64—65. Die Mundöffnung ist länglich rund, der Mundrand 
scharf. Die Spindel, so wie das ganze Gehäuse sind vollkommen glatt. Das Petrefact ist durch¬ 
scheinend und bei seiner Zartheit und äufserst dünnen Schale so vollkommen erhalten, dafs die 
Ansicht d’Orbigny's , als hätte diese Schneckengattung im Innern von Asterien gelebt, wie dies 
bei Stilifer, Sowerby der Fall ist, sich auch uns aufdrängt. Selten im Grünsand bei Vaels. 

2. Eu. lagenalis , Müller. Tab. 3, fig. 9. a—b. 

Die Gestalt des Gehäuses ist flaschenförmig. Es besteht dasselbe aus 6 Windungen, von wel¬ 
chen die unterste so grofs ist, als das ganze übrige Gewinde. Dieser unterste Umgang ist bau¬ 
chig, stark aufgeblasen, der zunächst folgende noch schwach convex und die 4 übrigen Um¬ 
gänge fast flach. Diese letztem, welche gleichsam den Hals der Flasche bilden, verschmälern 
sich sehr rasch und stehen etwas gebogen, was mit zu den characteristischen Zeichen der 
Gattung gehört. An den Nähten der beiden untersten Windungen sind schwache Rinnen bemerk¬ 
bar. Die Oberfläche ist durchaus glatt. Findet sich mit der vorstehenden Species zusammen, bis 
jetzt nur sehr selten. 

Chemnitsia , d Orbigny 

1. Ch. Kochi, Müller Tab. 4, fig. 7. a— b. 

Das Gehäuse ist thurmförmig und besteht aus 10—11 Windungen, welche nur schwach ge¬ 
wölbt sind; die unterste derselben ist am breitesten, jede der folgenden verschmälert sich ver- 
hältnifsmäfsig und nur nach der Spitze hin ist die Abnahme der Breite plötzlicher. Die Nähte 
zwischen den Windungen sind schmal, jedoch scharf markirt. Das ganze Gehäuse ist mit 
äufserst zarten, sehr dicht gereihten, gleich starken Querlinien bedeckt, (etwa wie bei Cy~ 
clostoma elegans, nur dafs jene Linien dichter und feiner sind) am Mundrande zeigen sich einige 
Querfalten. Die Höhe des Petrefactes beträgt 10"' Rh. Fundort : Vaelsbrug im Grünsand und 
am Lusberg. 

Pyramidelia , Sjamarck. 

1. P. involuta, Müller. Tab. 3, fig. 10. 

Das Gehäuse ist schlank, thurmförmig und besteht aus 6 Windungen, welche durch tiefe Naht¬ 
furchen von einander getrennt sind und sich gar nicht berühren. Die Windungen erscheinen 
daher becherförmig in einander geschoben. Die unterste Windung ist die längste und nehmen 
die folgenden an Dicke und Breite ganz alhnählig ab, was die Gattung noch als bezeichnendes 
äufseres Merkmal von Actwon unterscheidet. Die Oberfläche der Windungen ist mit scharf mar- 

2 


IO 

kirten, kahlen Gürtelchen bedeckt, zwischen welchen tiefe Rinnen liegen. Wir fanden bis jetzt 
nur ein vollständiges Exemplar am Lusberg. 

l olvaria, Lamarck. 

1. V. lenuis, Renjs. Tab. 10, fig. 20. pag. 50. I. 

Das Gehäuse ist cylindrisch, aufgeblasen, oben und unten kaum merkbar verschmälert. Das 
Gewinde ist nach innen aufgerollt, so dafs der Rand des äufsersten Umganges etwas hervortritt 
und die übrigen vertieft liegen. Unsere Steinkerne zeigen noch schwach die feinen Querlinien, 
womit die Oberfläche bedeckt war. Die Spindel haben wir nicht sehen können. Das Petrefact 
kommt sehr selten am Königsthore vor. 

Actaeon 9 ’) Mont fort. 

Tornatella, Lamarck; auctorum. 

Wenn d'Orbigny pag 125. II. der Ansicht ist, dafs die Gattung Aclceon dein Neoco?nien be¬ 
sonders eigen und in der cldoritischen Kreide kaum vertreten sei, so widersprechen unsere 
Resultate dieser Meinung gar sehr, denn grade an Species dieser Gattung ist unser Grün¬ 
sand reich. 

1. A. giganteus, Sow. 

Tornatella gigantea Sow. Bei G oldf. Tab. 177, fig. 12, pag. 48. III. 

Das Gehäuse ist eiförmig, bauchig, glatt, die unterste Windung ist dreimal so hoch, als das 
übrige Gewinde, welches kegelförmig in eine Spitze ausläuft. An der Spindel sind drei starke, 
schräglaufende Falten, wovon die oberste stärker hervortritt und doppelt so w r eit von den bei¬ 
den tiefem entfernt liegt, als diese unter sich voneinander stehen. Wir fanden vier Exemplare 
völlig silicificirt im Sande des Aachner Waldes, von welchen das gröfsere mit vollkommen er¬ 
haltener Spindel die Zeichnung bei Goldfufs noch um die Hälfte an Gröfse übertrifft. 

2. A. afßnis, Sow. 

Tornatella afßnis, Sow. bei Fitton. Tab. 18, fig. 9, pag. 343. 

Nur die Figur in natürlicher Gröfse rechts ist vollkommen naturgetreu. 

Tornatella afßnis, d'Orbigny. Tab. 167, fig. 4 —6, pag. 117 gehört nicht hierher, sondern 
bildet eine neue Specie^. Fitton selbst setzt pag. 242 ein Fragezeichen hinter Tornatella, wir 
haben uns indessen durch Exemplare, die nichts zu wünschen übrig lassen, völlig überzeugt, 
dafs Sowerby die Gattung richtig erkannt hatte, wir haben nur den altern Namen derselben her- 
gestetlt. Das Gehäuse ist oval, besteht aus fünf Windungen, die in eine Spitze auslaufen. Die 
unterste derselben ist nur um etwas gröfser, als das übrige Gewinde. Alle Umgänge sind mäfsig 
gewölbt. Die Schale ist mit Querrippchen versehen, zwischen welchen sich Furchen befinden, 
in denen scharf markirte, höchst regelmäfsige Längslinien viereckige Vertiefungen bilden. Die 
Mundöffnung ist ohrförmig, der Mundrand platt; auf der Spindel stehen zwei starke Falten in 


’) Nicht Actcon wie bei d’Orb/f/ny u. a. Vergl. Ilerrmajinsen indicis generum malacozoorum vol. I. pag. Id 



-o-^SI^ro- 


ziemlich starker Entfernung von einander, wovon die untere stärker ist, als die obere. Wenn 
Sowerby die untere Falte doppelt nennt, so beruht dies wohl nur auf einem Irrthum. Kommt am 
Lusberg und im Grünsand bei Yaels vor. 

3. A. Doliolum, Müller. Tab. 3, fig. 11. 

Die Gestalt dieses Actaeons ist eiförmig-kegelig, die unterste Windung ist stark aufgetrieben 
und doppelt so lang als das übrige Gewinde , welches von derselben durch eine tiefe Naht 
getrennt ist und noch aus vier nur schwach gewölbten etwas niedergedrückten Umgängen be¬ 
steht. Die Oberfläche ist mit Querlinien in regelmäfsigen Abständen geziert. Diese Species hat 
Aehnlichkeit mit Tornatella pulla (Actaeon pullus) Bunker und Koch Tab. II, fig. 11 a—c, 
pag. 33, die nur 2"' grofs ist. Vollständig erhaltene Exemplare sind höchst selten, Bruchstücke 
und Steinkerne häufiger vor Königsthor und am Lusberg. 

4. A. cylindraceus, Müller. Tab. 3; fig. 12. 

Das Gehäuse ist schlank, walzenförmig, besteht aus fünf Windungen, welche sich nur ganz 
allmählig verschmälern, nur wenig gewölbt sind und bei den Steinkernen wie übereinander ge¬ 
schobene Cylinder erscheinen. Die unterste Windung ist nicht völlig doppelt so lang, als das 
übrige Gewinde. Die Schale ist mit zarten, etwas rückwärts gebogenen faltenartigen Längslinien 
versehen, welche von regelmäfsigen Querlinien durchkreuzt werden. Vor dem Königsthor und 
am Lusberg. 

5. A. bulliformis, Müller. Tab. 5, fig. 4. 

Diese Species ist länglich-oval und erinnert sehr an Bulla spirata Roemer aus dem obern 
Coral rag Tab. 9, fig. 32, pag. 137. Das Gehäuse endet oben und unten in eine Spitze. Die 
unterste Windung ist mehr, als doppelt so lang, als die drei übrigen Umgänge zusammen, 
dazu mäfsig stark aufgeblasen, während die übrigen Windungen nur schwach convex sind. Die 
Oberfläche ist mit feinen Querlinien bedeckt. Kommt an denselben Fundorten mit den beiden 
vorstehenden Species vor. 

6. A. acutissimus, Müller. Tab. 3, fig. 13. 

Das Bild stellt das Petrefact etwas vergröfsert dar. Das Gehäuse besteht aus sechs Windun¬ 
gen, die unterste derselben ist bauchig viel länger, als die übrigen fünf zusammen, welche sich 
rasch verschmälernd in eine scharfe Spitze enden. Dieselben sitzen wie ein Kegel auf der un¬ 
tersten Windung. Die Oberfläche ist mit feinen Querlinien versehen. Die Spindel haben wir nicht 
sehen können, vielleicht wird diese Species sich später als zu Actceonella gehörend ausweisen. 
Wir fanden das Exemplar am Lusberg. 

7. A. coniformis, Müller. Tab. 3, fig. 14. 

/ 

Diese Species erinnert sehr an Conus, sie ist eiförmig. Die unterste Windung ist sehr bauchig, 
dreimal so lang, als das übrige Gewinde, das aus drei schwach convexen Umgängen besteht. 
Nach den Hohlabdrücken war die Schale sehr fein querliniirt. Auch hier haben wir die Spindel 
nicht blos legen können. Findet sich beim Königsthor und am Lusberg. 


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Avcllana , d'Orbigny. 

Cassis, Auricula auctorum. 

1. A. Archiaciana, d'Orbigny. Tab. 169, fig. 7—9. pag. 137. II. 

Das Gehäuse ist oval, bauchig; es besteht aus vier stark convexen Windungen, von welchen 
die unterste % der ganzen Schnecke ausmacht. Alle Windungen sind mit Querrippen versehen, 
die unterste zählt deren 22—24, zwischen diesen liegt eine gleiche Anzahl Querfurchen, in 
welchen sich dicht gereihte, vertiefte Punkte befinden. Die feinen Längslinien auf den Rippchen, 
deren d'Orbigny erwähnt, vermögen wir nicht zu erkennen. Der Mundsaum ist mit einem brei¬ 
ten, nach aufsen umgeschlagenen, glatten Wulst versehen. Das Innere haben wir bis jetzt eben¬ 
sowenig wie d'Orbigny sehen können. Nicht selten vor dem Königsthor, am Lusberg und im 
Aachner Wald. Von letzterm Fundort ist auch das Exemplar, welches d’Orbigny beschreibt, 
wobei er aber den Aachner Wald nach Belgien verlegt. 

2. A. paradoxa, Müller. Tab. 3, fig. 17. a—b. 

So lange es uns nicht gelungen war, das Innere dieser Species völlig blos zu legen, und 
ganz deutlich und bestimmt die Bezahnung, wie die Figur 17 sie genau darstellt, zu sehen, 
haben wir dieselbe für Avellana cassis d'Orbigny. Tab. 169, fig. 10 — 13, pag. 138 gehalten. 
Und in der That vermögen wir, bei der sorgfältigsten Untersuchung und der gewissenhaftesten 
Vergleichung beider Species, im Aeufsern derselben keine Verschiedenheit aufzufinden. Vielleicht 
würde eine autoptische Vergleichung auch hier kleine Unterscheidungs-Merkmale ergeben. Das 
Innere unserer Species ist indessen von der A. cassis völlig verschieden. 

A. paradoxa ist bauchig, oval doch mehr kugelförmig, als A. Archiaciana. Sie besteht aus 
vier flachconvexen Windungen, von welchen die unterste fast 3 / 4 der ganzen Schnecke aus¬ 
macht. Das Gehäuse ist mit Querrippen besetzt, zwischen denen sich Furchen bilden, in wel¬ 
chen sich ziemlich dicht gereihte, etwas vertiefte Längslinien oder Streifchen in gröfster Regel- 
mäfsigkeit ausprägen. Die Schale ist dick. Der Wulst am Mundrande ist breit, mit starken Längs¬ 
falten versehen, nach Aufsen stark umgeschlagen. An der Spindel sind drei starke Zähne , 
wovon der mittlere der stärkste ist; eine gleiche Anzahl Zähne und fast von gleicher Stärke 
stehen auf der entgegengesetzten innern Lippe. Der Spindel entlang befindet sich eine Schwiele. 
Die Mundöffhung ist ohrförmig. Wegen der abweichenden Bezahnung von allen bis jetzt be¬ 
kannten Avellanen nannten wir diese Species paradoxa. Wir fanden das Petrefact vor Königs¬ 
thor. 

4. A. Humboldti, Müller. Tab. 3, fig. 15. a —c. 

Das Gehäuse ist oval, bauchig, besteht aus vier convexen Windungen, wovon die unterste 
stark aufgetrieben ist. Ueber dasselbe laufen ziemlich breite, schwach gekörnte Querrippen, 
zwischen denen tiefe, platte Furchen liegen. Aufserdem sind für diese Species noch charakte¬ 
ristische Merkmale der am Mundrande nach aufsen schwach umgeschlagene Wulst, welcher 
von oben nach unten allmählig breiter wird und fast glatt ist. An der Spindel, die mit einer 
schwachen Schwiele bedeckt ist, befinden sich 2 Zähne, von welchen der untere der stärkere 
ist. Die der Spindel entgegenstehende Lippe scheint sehr [schwach bezahlt gewesen zu sein. 




Mit erhaltener Bedeckung nur im Grünsand bei Vaels, als Steinkerne vor Königsthor und am 
Lusberg. 

4. A. Hagenowi, Müller. Tab. 3, fig. 16. a—b. 

Diese Species hat Aehnlichkeit mit Ringinella inflata d’Orbigny. Tab. 168, fig. 1 -4. pag. 128. 
II. sie ist aber eine wirkliche Avellana. Das Gehäuse ist länglich oval, etwas kegelförmig; es 
besteht aus 5 convexen Windungen, von welchen die unterste aufgetrieben, bauchig und noch 
etwas länger, als das übrige Gewinde ist. Zarte Querrippchen bedecken das Ganze, dieselben 
verschwinden aber immer mehr nach der Spitze, so dafs die obern Windungen fast glatt er¬ 
scheinen. Zwischen den Rippchen sind feine Furchen in denen bei starker Vergröfserung sich 
tiefliegende Punkte zeigen. Der Wulst des Mundrandes ist glatt, im Verhältnifs zum ganzen Ge¬ 
häuse breit. An der Spindel stehen 2 Zähne nach Art der Gattung Actceon, die entgegenstehende 
Lippe ist aber mit 8 scharf hervortretenden ziemlich gedrängt stehenden Zähnen versehen. Exem¬ 
plare mit abgebrochenem Wulste und diesen Zähnen sind daher von Actceon nicht zu unter¬ 
scheiden. Nicht gar selten am Lusberg, vor dem Königsthor und im Grünsand bei Vaels. 

Gtobiconcha , d'Orbigny. 

D'Orbigny pag. 143. II hält für wesentliche Unterscheidungs-Merkmale dieser Gattung von den 
andern der Familie der Actäonideen den Mangel der Falten und der Zähne auf der Spindel 
und der entgegengesetzten Lippe. Aufserdein die kugelförmige Gestalt und der eigentümliche 
Habitus des Gehäuses. D'Orbigny beschreibt 4 Species dieser Gattung, von welchen er indessen 
bis jetzt nur Steinkerne fand, wir selbst waren nicht glücklicher, als er. Eine zuverläfsige Diag¬ 
nose der Gattung vermögen wir daher ebenfalls nicht aufzustellen und nehmen vorläufig die 
mehr negative des Auctors derselben an , obgleich wir geneigt sind der Ansicht von Geinitz 
beizutreten, der sie mit Actceon vereinigt. D'Orbigny bezeichnet die Gattung als charakteristisch 
für die chloritische Kreide. (Terrain turonien.) 

G. nana, Müller. Tab. 3, fig. 18. a—b. 

Das Gehäuse dieser Species ist fast kugelförmig, beinahe so breit als lang; es besteht aus 4 
Windungen, von denen die 3 obern nur schwach über die unterste hervortreten, welche letz¬ 
tere sehr bauchig und aufgeblasen ist. Der Mundrand ist nach Innen gebogen. Die Bedeckung 
der Schale, welche wohl sehr dünn gewesen sein mufs, scheint uns nach Andeutungen auf 
dem Steinkern mit Querlinien bedeckt gewesen zu sein. Bis jetzt nur selten am Königsthor. 

NaiicMae , d'Orbigny. 

a. Natica, Lamarck. 

1. N. canaliculata, Sow. 

Sowerby bei Fitton. Tab. 11, fig. 12. a—c und Tab. 18, fig. 6, pag. 336. 

Geinitz. Tab. 15, fig. 25 (Steinkern), fig. 26 (verdrückter Steinkern), pag. 47. 

Reufs. Tab. 11, fig. 1, pag. 49. I und 113—116. II. 

Natica Gaultina, d'Orbigny. Tab. 173, fig. 3—4, pag. 156. II. 

Diese Species ist bezeichnend für die Kreideformation. Mit Unrecht beschränkt d'Orbigny ihr 


14 


Vorkommen auf den Gault; Fitton fand sie im Gault und im Grünsand von Blackdown, Reufs 
in verschiedenen Schichten, auch im untersten Quader *_) von Thyssa; Geinitz im Pläner von 
Strehlen und Roemer im oberen Kreidemergel bei Quedlingburg und Dülmen. Nach unserer 
Ansicht ist diese Art characteristisch für die mittlere der drei Kreide-Epochen. Volhvachsene 
Exemplare mit erhaltener Bedeckung sind selten, dann aber auch leicht von allen anderen Spe- 
cies zu unterscheiden. Die breite Rinne vor der Naht auf der untersten Windung, welche nach 
Aufsen durch eine vorstehende Kante begränzt wird, zeichnet diese Species besonders aus. 
Die grobem und feinem, gedrängten Längslinien, welche die Oberfläche bedecken, hat sie mit 
mehrern Arten gemein; dafs diese Linien aber in der Rinne fast quer laufen und sich dann 
bedeutend rückwärts biegen und stärker hervortreten, ist ebenfalls characteristish. Es ist dies 
in den Zeichnungen bei Reufs und Fitton , doch nur Tab. 18, fig. 6, richtig herausgehoben. 
Die oberen Windungen scheinen uns bei Reufs etwas zn flach gehalten. Kommt vor dem Kö¬ 
nigsthor und am Lusberg vor. 

2. N. acutimargo Roemer. Tab. 12, fig. 14, pag. 23. 

Reufs und Geinitz ziehen diese Species, wie wir glauben, mit Unrecht zu N. canaliculata. Ein 
Steinkern vom Lusberg verglichen mit Steinkernen der letzteren ergibt sich als eine verschie¬ 
dene Species. Sie übertrifFt N. canaliculata wohl noch an Gröfse, zeigt weder Rinne noch 
Kante auf der untersten Windung, welche ganz convex bis zur Naht fortläuft; ein wesentlicher 
Unterschied besteht ferner darin, dafs alle Windungen fast in einer Ebene liegen. Die Beschrei¬ 
bung bei Roemer pafst nur theilweise auf unser Petrefact. Vielleicht sind wir, wenn mehrere 
Exemplare aufgefunden sein werden, veranlafst, eine neue Species daraus zu bilden. Diese und 
die vorstehende Natica sind die bis jetzt bekannten gröfsten Arten der Kreide. 

3. N. vulgaris, Reufs. Tab. 10, fig. 22, pag. 50, I. 

N. lamellosa, Roemer.? Tab. 12, fig. 13, pag. 83. 

N. cretacea, Goldf. Tab 199, fig. 12, pag. 119, III. 

Geinitz, Nachtrag, Tab. 1, fig. 21—23, pag. 10. Die unterste Windung ist etwas zu 
bauchig und zu lang; eine bessere Abbildung befindet sich in dessen Grundrifs, Tab. 15, 
fig. 18. a-b. pag. 339. Nur ein junges Individuum. 

Unsere Exemplare aus allen Lokalitäten des hiesigen Grünsandes stimmen mit N. vulgaris 
überein, nur vermögen wir die feinen, vertieften Querlinien, welche nach Reufs die Längslinien 
durchkreuzen sollen, huf den besterhaltencn Exemplaren nicht zu entdecken. Zur nähern Be¬ 
zeichnung vergleichen wir diese Species mit 

4. N. Klipsteini, Müller. Tab. 5, fig. 1. a—b. 

Wir besitzen das Petrefact so.wie die vorstehende Species mit völlig erhaltener Schale aus 
dem Grünsand bei Vaels und als Steinkern vom Lusberg und andern Orten. N. Klipsteini ist der 
Länge nach mit runzlichen, sehr unregelmäfsigen, stark rückwärts gebogenen Linien und Falten 


') Beim Vergleiche der von Reufs aus dem untersten Quader, und von Roemer aus dem Obern Kreide¬ 
mergel von Quedlinburg beschriebenen Petrefacten, können wir uns der Ansicht nicht erwehren, so¬ 
wohl jene unterste Quader, als diese obern Kreidemergel für die mittlere Kreideepoche anzusprechen. 



15 

versehen. Sie hat nur 4 bauchige Windungen, wovon die unterste sehr aufgetrieben ist und 
mehr als doppelt so lang ist, als das übrige niedergedrückte Gewinde. JV. vulgaris hat 5 Win¬ 
dungen, wovon die unterste weniger bauchig ist als bei JV. Klipsteini, das übrige Gewinde ist 
aber bei N. vulgaris mehr hervortretend, kegelförmig. Bei JV. Klipsteini scldiefsen sich die Win¬ 
dungen gerundet in sanften Bogen aneinander, bei JV. vulgaris bilden dieselben schwache Kan¬ 
ten und flachen sich vor den Nahten ab, was besonders auf der untersten Wirkung stark her¬ 
vortritt. Die zuletzt angegebenen Merkmale machen auch die Steinkerne beider Arten noch 
kenntlich. Aufserdem hat JV. Klipsteini einen tiefen, breiten, ohrförmigen Nabel , und über dem¬ 
selben eine längere Schwiele; letztere ist bei N. vulgaris nur schwach angedeutet, dabei fliefst 
der schmale, wenig vertiefte Nabel mit dem Mundsauine zusammen. Die Schale ist bei unserer 
Species stark und dick, bei der verglichenen dünn und schwach. 

5. N. exaltata, Goldf. Tab. 199, fig. 13, pag. 119. III. — Nicht aber Geinitz, Grundrifs, 

Tab. 15, fig. 19. 

Wir halten diese Species für verschieden von JV. vulgaris, womit Reufs pag. 113. II. sie 
vereinigt und nur als eine schmälere Varietät ansieht. Der ganze Habitus scheint uns indessen 
bei N. exaltata ein anderer. Sie ist länglich gezogen , die Windungen sind nur schwach ge¬ 
wölbt, treten einzeln gesonderter hervor und nehmen nach der Spitze hin mehr allmälig ab, 
so dafs sich das Petrefact mehr der Gattung Paludina nähert. Die Bedeckung ist uns unbekannt, 
ebenso haben wir das Innere nicht blos legen können. Sie kommt bis jetzt nur am Lusberg vor. 

Wir sind der Meinung, dafs bei der Gattung Natica und ähnlichen selbst ein geringerer Form¬ 
unterschied , eher zu einer neuen Species berechtigt, als bei anderen, wenn man bedenkt, wie 
schwer es fallen würde, die noch lebenden Arten zu unterscheiden, wenn Färbung und Be¬ 
deckung ihnen fehlten. 

6. N. unicarinata, Geinitz. Tab. 18, fig. 17, pag. 74. 

N. carinata, Roemer. Tab. 12, fig. 15, pag. 83. 

Wir besitzen vom Lusberg das Petrefact ganz genau so, wie es bei Roemer l. c. abgebildet 
und beschrieben ist, und Dr. Geinitz erkannte dasselbe, beim Besuche meiner Sammlung, für 
N. unic. an, wir können uns indessen bei genauer Betrachtung desselben der Ansicht nicht 
entschlagen, dafs die Querrippe auf dem letzten Umgänge von einer abgebrochenen Windung 
herrühre. Roetner erwähnt, wie auch unser Exemplar zeigt, nur einer Querrippe auf dem 
untersten Umgang, Geinitz will dieselbe auch anf den übrigen Windungen erkannt haben. Es 
bedarf diese Species wohl noch der Bestätigung. 

7. JV. Geinitzi, Müller. Tab. 3, fig. 19. 

JV. exaltata, Geinitz. Grundrifs. Tab. 15, fig. 19, pag. 340. 

Es gehört diese Species zu der Abtheilung natica; prcelongce bei d'Orbigny pag. 148.11., denn 
sie ist viel länger, als breit. Das Gehäuse besteht aus 5 wenig gewölbten Windungen, welche 
mit sehr tiefen Nähten gleichsam lose an einander gefügt sind. Die unterste Windung ist 
länger, als das ganze übrige Gewinde, wovon sich die 3 obersten Umgänge rasch verschmälern. 
Die dünne Schale ist mit Längslinien und Längsfalten bedeckt, welche die Zeichnung nicht 
zeigt, da der Abdruck der Tafel schon Statt gefunden hatte, ehe wir ein ganz vollkommen 


i6 

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erhaltenes Exemplar besafsen. Die MundöfFnung ist länglich rund, ohrförmig. Der Nabel ist eng 
und wird von einer Schwiele fast bedeckt. Nur selten im Grünsand bei Vaels. 

I). Naticella, von Münster. 

Obgleich wir Naticella nicht füglich als eigene Gattung betrachten können, so sehen wir sie 
dennoch als eine passende Unterabtheilung von Natica an, welche von Klipstein pag. 197, ssq. 
der eine grofse hierhergehörende Anzahl Species beschrieben hat, sehr bezeichnend verzierte 
Naiicas nennt. Aus der Kreide sind nur erst wenige beschrieben, welche man hierher zählen 
könnte, so Natica nodosa, Geinitz; N. rugosa, Hoeninghaus; N. fasciata, Goldf. Wir stellen dazu : 

8. N. Strombecki, Müller. Tab. 3, fig. 20. 

Das Gehäuse dieser Species ist sehr bauchig, kugelig und besteht nur aus 3 Windungen, 
von welchen die unterste stark aufgeblasen und vielmal breiter ist, als die beiden andern zu¬ 
sammen. Letztere treten kaum als Gewinde hervor. Der Nabel ist verdeckt, der Mundrand glatt, 
die Oeffnung länglich, halbkreisförmig. Die vollständig erhaltene, äufserst dünne Schale ist mit 
scharfmarkirten Querlinien oder vielmehr glatten Querrippchen geziert, zwischen welchen unter 
der Louppe sich glatte Zwischenräume zeigen. Die Steinkerne sind ganz glatt. Kommt am 
Lusberg und Königsthor vor. 

Ljitorina , Sotverby. 

L. rotundata, Sow. 

Turbo rotundus, Sow. 

Auricula spirata, Roemer. Tab. 9, fig. 4, pag. 77. 

Bei Reufs , Tab. 10, fig. 15, pag. 49, I. — Bei Geinitz wohl nur Tab. 14, fig. 10, pag. 45. 
Dagegen scheinen uns die Abbildungen Tab. 13, fig. 7 und Tab. 15, fig. 16 und 17, nicht 
hierher zu gehören. 

Das Gehäuse besteht aus 4—5 Windungen, wovon die unterste sehr bauchig, aufgeblasen 
und höher ist, als das übrige Gewinde, welches sich plötzlich'verschmälert thurmförmig erhebt. 
Die Schale ist dünn, zart längsgestreift, fast glatt. Die Mundöffnung ist länglich eirund, der 
Mundrand scharf, glatt. Steinkerne dieser Species sind am Lusberg und vor dem Königsthor 
nicht selten. Vollständige Exemplare, welche das Innere sehen lassen, werden sich vielleicht 
als Natica erweisen, ,gewifs aber nicht als N. exaltata, wozu Geinitz dieselbe zieht. Unsere 
Exemplare haben mit N. exaltata auch nicht eine entfernte Aehnlichkeit. 

Cassidaria Ijamarh . 

Bis jetzt sind nur erst wenige Species dieser Gattung in dem Tertiären aufgefunden worden 
aus der Kreide ist uns noch keine bekannt, wir fanden eine solche und nannten sie : 

’) A. v. Klipstein, Mittheilungen aus dem Gebiet der Geologie und Paläontologie. Giesen 1843. 

2 ) In der neuen Ausgabe Lamarcks les animaux sans vertebres sind nur Species aus dem Tertiären 
Frankreichs angeführt. L. v. Buch bat in der Verhandlungen der Berliner Akademie 1830. pag. 61. 
559. Zwei neue Arten Cassidaria depressa und concellata aus Mecklenburg vortrefflich abgebildet und 
beschrieben. Die Cassidaria cancellata Lam. ist eine Cassis und bleibt daher Cassidaria cancellata von 
Buch bestehen. 



17 


1. C. cretacea, Müller. Tab. 3, fig. 21. 

Wir besitzen nur das abgebildete Exemplar aus einem festen, weifsen Sandstein des Aachener 
Waldes. Das Gehäuse ist eiförmig, es besteht aus 4—5 Windungen; die unterste derselben ist 
dick, aufgeblasen, länger, als das übrige Gewinde, dessen Umgänge sich nach der Spitze 
allmählig verschmälern. Auf den Kanten der Windungen stehen in geringer Entfernung von 
einander stark hervortretende Knoten, 0 welche auf den oberen Umgängen allmählig verschwinden. 
Von den Kanten der Windungen bis zur Naht bildet sich eine deutliche Fläche. Am Mundrand 
ist ein ziemlich breiter, flacher Saum, welcher mit dem Kanal zusammen fliefst. Dieser letztere 
ist kurz, rückwärts gebogen und läfst, obgleich er etwas abgebrochen ist, deutlich erkennen, 
dafs wir eine Cassidaria und keine Cassis vor uns haben. Wollte man sie mit einer lebenden 
Schnecke vergleichen, so würde man an Cassis erinaceus Lin. denken. 

Strombus 9 Ijitmarck. 

D'Orbigny hat diese Gattung in 2 Species zuerst für die Kreide nachgewiesen, Reufs fügte 
eine dritte St. ventricosus pag. 46, I, Tab. 9, fig. 11, hinzu. Davon gehört St. Dupinianus 
d’Orb. Tab 217, fig. 3, pag. 313—314 dem Gault, St. inornatus d’Orb. 214, pag. 314—315 
und die Art bei Reufs der oberen Kreide an, das Mittelglied der Kreide wird daher auch 
Representanten der Gattung haben, wenn wir auch bei den nachstehenden Species in der 
Gattung geirrt hab^n sollten. So weit bis jetzt bekannt, tritt dieselbe erst in der Kreide auf, 
entwickelt sich sehr im Tertiären und erreicht die höchste Ausbildung an Formmanisfaltio-keit 
und Zahl der Species in den jetzigen Meeren. Wir glaubten unsere beiden Petrefacten hierher 
rechnen zu dürfen, bemerken aber ausdrücklich, dafs wir nicht im Stande waren dieselben 
blos zu legen, und daher nur nach dem ganzen Habitus mit der flügelartigen Ausweitung urtliei- 
len konnten. 

1. St. fenestratus, Müller. Tab. 3, fig. 22. 

Dieses Species hat 5—6 Windungen. Die unterste derselben fast doppelt so lang, als das 
übrige Gewinde ist mehr flach, als bauchig. Ueber das ganze Gehäuse laufen der Länge nach 
Wulste, welche besonders auf der Kante der untersten Windung stark hervortreten, nach 
dem Kanäle hin sich allmählig verschmälern und endlich verschwinden. Der Quere nach laufen 
ziemlich breite, in regelmäfsigen Abständen von einander liegende, etwas hervortretende Li¬ 
nien, welche die Wulste durchkreuzen. Diese Linien gehen aber nur bis zu der flügelartigen 
Ausweitung der Schnecke; auf diesem Flügel laufen Längsfalten bis zum Kanal. Der Mundrand 
ist verdickt und nach aufsen etwas umgebogen. Der Kanal ist ziemlich breit, kurz, etwas rück¬ 
wärts gebogen. Wir besitzen diese Species nur in Einem Exemplar aus dem Grünsande bei 
Vaels. 

2. St. inermis, Müller. Tab. 3, fig. 32 a—b. 

Wir stellen diese Species mit gröfserem Bedenken zu Strombus, als die vorhergehende, es 
ist möglich, dafs sie zu pirula zu verweisen ist. Sie besieht aus vier gewölbten Windungen, 

') Die Knoten sind in der Abbildung etwas zu rund gehalten; auch ist die Umbiegung des Kanals zu 
schwach hervorgehoben. 


3 





von denen die unterste viermal so lang ist, als das übrige nur wenig vorragende Gewinde. In 
der Zeichnung ist dieselbe etwas zu eckig gehalten. Die flügelartige Ausweitung der untersten 
Windung ist am Rande glatt. Nach dem Steinkern zu urtheilen war die Oberfläche mit zarten 
Längslinien bedeckt. Der Kanal ist ziemlich breit, kurz, etwas rückwärts gebogen, was uns ab¬ 
hielt das Petrefact für Conus zu halten. Kommt am Königsthor vor. 

Mostellaria, Lamarck, 

Mit Recht bildete Lamarck aus der zu zahlreichen linneischen Gattung Strombus, welche alle 
Flügelschnecken umfafste, neben derselben noch die Gattungen Pterocera und Rostellaria. Diese 
letztere scheint uns ganz natürlich zwischen Strombus und Pterocera in der Mitte zu stehen 
und bald mehr in die eine, bald mehr in die andere Gattung überzugehen. Die Rostellarien 
mit glatten Flügeln lehnen sich an Strombus an, während die mit gefingerten Flügeln den 
Uebergang zu Pterocera bilden. Davon ausgehend haben wir die nachstehenden Rostellarien in 
zwei Gruppen gebracht und glauben, dafs die übrigen bekannten Species aller Formationen so 
geordnet werden können. Selbst Species, von denen der Flügel unbekannt ist, werden sich 
leicht in die Abtheilungen bringen lassen, denn nach unserer Beobachtung bilden alle Species 
Finger auf dem Flügel, welche auf der untersten Windung Querrippen oder Kiele haben, ist 
dieselbe dagegen glatt oder nur mit Längsrippen versehen, so ist der Flügel nicht gefingert. 

1. Rostellariae rostrvs planis. (Stromboides.) 

2. Rostellariae rostris digitatis. (Pteroceroides.) 

Was die Verbreitung der Gattung betrifft, so hat dieselbe nach den bis jetzt bekannten Re¬ 
sultaten ihre gröfste Entwickelung in der Kreide-Epoche erreicht, sie tritt im Jura, vielleicht 
schon im Muschelkalk und buntem Sandstein, zuerst auf und ist im Tertiären noch ziemlich zahl¬ 
reich vertreten. Ob einzelne Species der Kreide zur Gattung Chenopus (Philippi) zu zählen sein 
möchten, ist schwer oder gar nicht zu unterscheiden, da dieselbe mehr nach der Organisation 
des Thieres, als nach charakteristischen äufseren Merkmalen aufgeslellt ist. Wefshalb Deshayes 
und Milne Edwards in der neuen Ausgabe Lamarcks Tom. IX. pag. 657 vermuthen, dafs einige 
der Rostellarien mit 2 oder 3 Finger aus dem Oolith zu Chenopus zu ziehen seien, ist uns aus 
ihren Angaben nicht ersichtlich, da doch die Fingerung des Flügels keinen Anhalt dazu gibt. 

I 

I. littsstcBBariae rostris piauis. 

1. R. papilionacea, Goldf. Tab. 170, fig. 8, pag. 18 III. 

R. Schlotlieimi, Roemer. Tab. 11, fig. 6, pag. 77. Bruchstück eines Steinkerns. 

Reufs. Tab. 9, fig. 6, pag. 44 I. 

Strombites papilionatus, von Schlotheim, pag. 154. 

Unsere Exemplare stimmen mit der Zeichnung bei Goldfufs fast in allen Theilen ganz genau 
überein, nur reicht bei ihnen der untere Theil des Flügels tiefer hinunter und zeigt die scharfe 
Einbiegung nicht. Dies Letztere hat Reufs in dem jungen Individuum, welches das Bild darstellt 
richtig angegeben. Das Gehäuse ist spindelförmig und besteht aus 8—9 wenig convexen Win¬ 
dungen, welche mit Längsrippen versehen sind. Auf der untersten Windung treten nur noch 


IS 

-o-35>H<ig-o- 

4 —5 dieser Rippen nach der Spindel hin hervor, verschwinden aber nach dem Flügel hin und 
auf demselben gänzlich. Die Versteinerung ist mit abgebrochenem Flügel und als Steinkern gar 
nicht selten am Königsthor und am Lusberg. 

2. R. inornata, d’Orbig. Tab. 210, fig. 4—5. pag. 296. 

Diese Species unterscheidet sich von allen übrigen durch ihre völlig glatte Oberfläche, welche 
nur äufserst zarte Wellenlinien zeigt. Unter den Nähten laufen einige 4—6 feine, dichtgereihte 
Querlinien, die zusammen ein kleines Band bilden. Das Gehäuse ist länglich, die einzelnen 
Windungen sind nur sehr wenig gewölbt. Dieselben nehmen ganz allmählig nach der Spitze zu 
an Breite ab und gränzen mit kaum sichtbaren Nähten aneinander. Nach umserm besten Exemplar 
mit fünf Windungen zu urtheilen bestand das Ganze aus 7— 8 derselben. D’Orbigny kennt den 
Flügel des Petrefactes nicht, wir besitzen ein Exemplar mit grofsentheils erhaltenem Flügel. 
Derselbe ist so breit, wie der ganze unterste Umgang, ja er scheint denselben noch etwas über¬ 
ragt zu haben. Die Mundöffnung in der Zeichnung bei d’Orbigny ist darnach zu berichtigen, sie 
geht bis zur ersten Naht hinauf. Das Uebrige des Bildes ist genau und stimmen unsere Exem¬ 
plare vollkommen damit überein. Wir fanden das Petrefact am Lusberg und im Grünsand bei 
Vaels. D’Orbigny’s Exemplar stammt von dem berühmten Fundort für Kreidepetrefacten Sainte 
Katharinenberg bei Rouen. 

3. R. Roemeri, Müller. Tab. 5, fig. 5. 

Die ersten Bruchstücke dieser Species hielten wir für R. papilionacea, vollständigere Exem¬ 
plare belehrten uns später, dafs wir eine neue Species vor uns hatten. Das Gehäuse ist völlig 
glatt, während R. papilionacea auf allen Windungen Längsrippen hat, welche auch auf den 
Steinkernen noch deutlich hervortreten. Die unterste Windung ist nicht ganz so lang, wie das 
übrige Gewinde, welches noch aus 7—8 Umgängen besteht, die sich nach der Spitze rasch 
verjüngen. Der glatte Flügel dehnt sich grade und nur mit schwacher Einbiegung nach dem 
Kanäle hin aus; er umfafst noch die zweite Windung auf unserem Exemplar und scheint noch 
höher empor geragt zu haben. Kommt am Lusberg und am Königsthor nur selten vor. 

4. R. minuta, Müller. Tab. 3, fig. 26. 

Ohne Flügel erscheint das Gehäuse einer Paludina nicht unähnlich; es bestellt aus 5 — 6 
drehrunden, flach gewölbten Windungen. Die unterste derselben ist etwas aufgetrieben und fast 
so lang, wie das übrige Gewinde. Der Flügel ist so wie das ganze Petrefact glatt, breiter, als 
der ganze unterste Umgang. Von der Spitze des Kanales geht derselbe in einem spitzen Win¬ 
kel bis zur Höhe der zweiten Windung, wo er sich dann an dieselbe anlehnt. Wir fanden bis 
jetzt nur Ein Exemplar am Lusberg. 

IS. HostelBariae rostrig digitatis. 

5. R. calcarata, Sow. 

R. Stenoptera, Goldf. Tab. 170, fig. 6. a, pag. 18. III. 

Reufs. Tab. 9, fig. 5. a—b. — Geinitz. Tab. 18, fig. 2, pag. 70. — D’Orbigny. Tab. 

207, fig. 3-4, pag. 285 II. 

Wir besitzen bis jetzt nur Steinkerne aus den Muschelschichten am Königsthor von der Gröfse 




wie die Abbildung- bei Goldfufs, alle andere Darstellungen dieser Species sind bedeutend klei¬ 
ner. Dieselbe ist leicht kenntlich durch den starken, gekielten Finger, welcher von der Mitte 
der untersten Windung über den Flügel geht. Ein zweiter schwächerer Finger liegt in einiger 
Entfernung vom erstem. Diese Species scheint zu den verbreitetsten der Kreide zu gehören und 
die Mittelepoche derselben zu characterisiren. 

6. R. anserina, Nilsson. Tab. 3, fig. 6, pag. 13. — Reufs. Tab. 45, fig. 19, pag. 111. II. — 
Roemer. Tab. 11, fig. 7 b, pag. 78. 

Wir sind der Ansicht, dafs Reufs mit Unrecht auch Rostellaria vespertilio Goldf. hierher zieht, 
wenn Zeichnung und Beschreibung nicht völlig täuschen. Die Abbildung bei Nilsson ist gar zu 
dürftig um eine deutliche Vorstellung von der Species zu gewinnen. Er bemerkt selbst, dafs 
er nur zerbrochene und unvollständige Exemplare gehabt habe, und ihm erst, als das Bild fertig 
gewesen, bessere zugeführt worden seien. O Die Abbildung bei Reufs ist im Ganzen gut, nur 
die Form des Flügels ist verschieden von der bei Nilsson , welcher richtig beobachtete, dafs 
der Flügel bis zur dritten Windung hinaufragte , was auch wir bestätigen können. Das thurm¬ 
förmige Gehäuse hat 9 Windungen, welche sich von der dritten an nach der Spitze schnell 
verjüngen. Dagegen hat Rostellaria vespertilio deren nur 6—7, die sich nur ganz allmählig 
verschmälern. 

In Bezug auf den Flügel läuft bei R. anserina von dem stärksten Kiele der untersten Win¬ 
dung, welcher in der obern Hälfte derselben liegt, auch der stärkste Finger über denselben. 
Der Finger über dem letztem, und 2—3 Finger unter demselben sind schwächer und divergiren 
erst bedeutend gegen den Flügelrand; bei R. vespertilio sind auf der untersten Windung drei fast 
gleich starke Kiele, von dem obern und untern laufen stark hervortretende Finger über den 
Flügel; der etwas schwächere Mittelkiel hat keinen Fortsatz auf dem Flügel. Die Finger diver¬ 
giren gleich von der Mündung aus, und ist daher die Divergenz am Flügelrande viel bedeuten¬ 
der, als bei R. anserina. Das Petrefact fanden wir bis jetzt nur im Grünsand bei Vaels. 

7. R. Vespertilio, Goldf. Tab. 70, fig. 4. pag. 17. 

Bronn Lethcea geognostica, Tab. 33, fig. 18. a—b. 

i 

Die Beschreibung geht schon theilvveise aus dem Vergleich mit der vorstehenden Species 
hervor; zur Vervollständigung setzen wir noch hinzu, dafs die unterste Windung, aufser den 
oben angeführten 3 Kielen, über dem obersten und unter dem untersten noch ein zartes Reifchen 
zeigt. Die Kiele sind mehr oder weniger gekörnt. Längsrippen bedecken alle Windungen; die¬ 
selben gehen aber auf der untersten Windung nur bis zum zweiten Kiele. Kommt am Lusberg 
und beim Königsthor vor. 


') Nilsson war der erste, welcher die Gattung Rostellaria in der Kreide nachwies, er hatte daher um 
so mehr Anlafs auch schwache Bruchstücke zeichnen zu lassen, er sagt darüber 1. c. : cum vero, quan- 
tum scimus, nulla hucusque hujus generis inventa in formatione cretacea haud ineptum aut superlluum 
judicamus, quae invenimus, quamvis incompleta, publici juris faccre. 





8. R. Parkinsoni Sow. — Geinitz, Tab. 15, fig. 1 , 2. und Tab. 17, fig. 3. pag. 70. — Ob 
auch Reufs, Tab. 9, fig. 7? — Die Abbildungen bei d'Orbigny, Tab. 208, fig. 1, 2, 
scheinen uns nicht hierher zu gehören. Dagegen möchte R. marginata Sow. bei Fitton 
Tab. 11. fig. 18. hierher zu ziehen sein. 

Diese Rostellaria ist von allen andern Species der Gattung sehr leicht durch den dem Ge¬ 
winde entlang emporstehenden Finger zu unterscheiden. Die 6—7 Windungen sind mit scharfen 
Längsrippen versehen, über welche noch feine Querlinien laufen. In der obern Hälfte der un¬ 
tersten Windung liegt ein dicker Kiel, welcher als zweiter Finger fast in grader Linie über den 
Flügel geht und demnach mit dem ersten Finger einen rechten Winkel bildet. Zur Frkennung 
der Steinkerne ohne den Flügel, der nur selten erhalten ist, bemerken wir hier, dafs dieselben 
immer noch den Kiel der untersten Windung zeigen und von diesem bis zur Naht eine Con- 
cavität bilden. Die meisten Bruchstücke von nicht bestimmbaren Rosteilarien haben bis jetzt das 
Loos, Rostellaria Parkinsoni sein zu müssen. Kommt am Lusberg, am Königsthor und im 
Grünsand bei Vaels vor. 

9. R. striata, Goldf. , Tab. 170, fig. 7. a — b. pag. 18. III. 

Wir führen hier diese Species der Vollständigkeit wegen nur an. Wir besitzen mehrere Bruch¬ 
stücke, wie sie bei Goldfufs abgebildet sind, wir haben indessen nie eine Spur der Flügel¬ 
bildung gesehen. Die Mundöffnung, welche wir theilweise blofs legen konnten, scheint mehr 
auf Ceritliium hinzudeuten. 

10. R. furca, Müller, Tab. 3, fig. 29. 

Das Gehäuse besteht aus 5—6 Windungen, welche alle stark gewölbt sind. Die unterste Win¬ 
dung hat nach der Naht hin einen ziemlich breiten Kiel, welcher sich über den Flügel in einen 
Finger verlängert, in der Hälfte theilt sich derselbe und biegt sich im Bogen plötzlich abwärts. 
Der Kanal ist lang, auswärts gebogen und läuft in eine scharfe Spitze aus. Wir besitzen den 
Steinkern vom Lusberg. 

11- R. Nilssoni, Müller , Tab. 3 , fig. 30. 

Das Gehäuse ist thurmförmig, kurz und besteht aus 6 Windungen. Die unterste derselben hat 
5 stark hervortretende Querlinien, von welchen die zweite unter der Naht sich zu einem schar¬ 
fen Kiele erhebt. Dieser und die Linien zunächst über und unter demselben verlängeren sich 
als Finger über den Flügel. Die folgenden Umgänge haben in der Mitte einen scharfkantigen 
Kiel, unter und über demselben eine zarte Linie. Von den Kielen bis zu den Nähten dachen 
sich die Windungen stark ab. Die Schale der Schnecke war aufser den Kielen und Linien völlig 
glatt. Den vollständigen Flügel kennen wir nicht. Das ganze Gebilde erinnert stark an R. te- 
nuistriata von Münster, bei Goldfufs Tab. 169, fig. 9. a—b. Wir fanden bis jetzt nur das ab¬ 
gebildete Exemplar und ein Bruchstück mit den 5 oberen Windungen mit ganz erhaltener Schale 
bei Vaels im Grünsand. 

12. R. granulosa, Müller, Tab. 3, fig. 27. 

Das erste Exemplar ohne Flügel, welches wir fanden, hielten wir für eine scharfe Ausprä¬ 
gung von R. vespertilio, wir erlangten aber bei fernerm Nachsuchen noch zwei andere in völlig 
constanter Form und beanstanden nun nicht mehr, eine neue Species darin aufzustellen. Das 


22 


Gehäuse ist thurmförmig, hat 7—8 Windungen mit schwächerer Verjüngung nach der Spitze, als 
hei R. anserina und etwas stärkerer, als bei R. vespertilio. Die unterste Windung trägt 7 Rei¬ 
chen, von welcher die vier obern stärker hervortreten und scharf geknröt sind. Die Körnchen 
oder Knötchen sind durch zarte Längsrippchen verbunden, so dafs sich zwischen je vier Knöt¬ 
chen eine Vertiefung bildet. Von den gekörnten Reifchen ist das zunächst unter der Naht 
das schwächste und das darauf folgende das stärkste. Das übrige Gewinde ist mit scharf aus¬ 
geprägten Längsrippen versehen. Der Flügel ist äufserst dünn. Von dem zweiten und vierten ge¬ 
körnten Reifchen laufen sehr erhabene Finger über den Flügel. Bis jetzt nur im Grünsand bei 
Vaels. 

13. R. arachnoides, Müller. Tab. 3, ßg. 28. 

Diese Species ist unstreitig eine der merkwürdigsten der Gattung, ja man könnte versucht 
sein, ein neues Genus daraus zu bilden. Zu Pterocera konnten wir sie nicht stellen, weil, von 
der zweiten Windung an, das Gewinde vom Flügel nicht mehr berührt wird. Das Gehäuse ist 
thurmförmig und besteht aus 7 Windungen, die sich terrassenförmig ohne sichtbare Naht über 
einander setzen. Jede Windung trägt 2 scharfe Kiele (die unterste 3), wovon der untere etwas 
schwächer ist. Auf den oberen Umgängen bilden dieselben nur noch erhabene Linien. Der Kanal 
ist schmal, fast so lang, wie das ganze übrige Gehäuse, er ist auswärts gebogen und mit zwei 
Fingern versehen, wovon der innere abwärts, der äufsere aufwärts gerichtet ist. Sie endeten 
wohl beide in eine scharfe Spitze, die bei dem äufseren noch vollkommen erhalten ist. Von 
dem stärksten Kiele der untersten Windung geht in schwachem Bogen ein sehr langer scharf 
gekielter Finger aus, aus welchem ungefähr gegen die Mitte nach unten und nach oben ein 
neuer Finger entspringt. Der untere scheint sich abermals getheilt zu haben. Wir glauben, dafs 
die Finger durch eine dünne Schale mit einander verbunden gewesen sind. Wir fanden das 
abgebildete (Exemplar und noch 2 andere, ohne erhaltene Finger, mit vollständig erhaltener 
Bedeckuno- silicificirt im Grünsand bei Vaels. Dr. Geinitz, besitzt, wie er uns mittheilte, dieselbe 
Species von Lemberg und überliefs uns die Ehre der Bestimmung dieses wunderbaren Ge¬ 
bildes. 


< Mitra , JLamarck . 

So zahlreich die Species dieser Gattung noch lebend Vorkommen, und in dem Tertiären ge¬ 
funden werden, eben so selten erscheinen dieselben in der Kreide-Epoche, worin sie wohl 
zuerst auftreten. Sowerby beschreibt aus der oberen Kreide Mitra cancellata, welche dOrbigmj, 
ohne jedoch von der Identität des von ihm aufgefundenen Petrefactes mit der Scncerby'schen 
Art völlig überzeugt zu sein, Tab. 221, fig. 5, pag. 329.11, als solche abgebildet und beschrie¬ 
ben hat. In dem aachener Grünsande fanden wir drei neue Species, die wir ohne alle Beden¬ 
ken zu Mitra stellen. Wir bemerken noch, dafs wir die Hauptunterscheidung in den Falten auf 
der Spindel finden, die übrigen in der Diagnose von Lamarck, Tom. 10, pag. 294 angegebe¬ 
nen Merkmale sind nicht stichhaltig. Die Falten auf der Spindel laufen schräg, unter sich paral¬ 
lel, die untersten sind die schwächsten und erbreiten sich allmählig nach oben, bei I oluta 
sind dagegen die untersten die stärksten und verschmälern sich allmählig nach oben. Bei glei- 


SS 

cher Stärke aller Falten entscheidet bei lebenden Mollusken der als verschieden nachgewiesene 
Organismus der Thiere beider Gattungen, bei Petrefacten bleibt es dann aber unmöglich zu 
entscheiden, ob sie zu Mitra oder Voluta gehören, die äufsere Form mufs dann maafsgebend 
sein. 

1. M. Murchisoni, Müller. Tab. 3, fig. 23. a—b. 

Beim ersten Anblick erinnert das Petrefact an Voluta elongata Sow. bei d'Orbigny, Tab. 220, 
fig. 3, ist aber davon in allen Stücken verschieden. Die Gestalt desselben ist langgestreckt, nach 
oben thurmförrnig zugespitzt, nach unten läuft es in einen sich allmählig verschmälernden lan¬ 
gen Kanal aus. Die glatte Spindel trägt drei scharf hervortretende Falten, von welchen die 
unterste schwächer ist, als die beiden oberen. Das Gehäuse ist mehr als 4 Zoll lang und in 
der Mitte über 1 Zoll breit. Es besteht aus 5 — 6 Windungen, wovon die unterste mehr als 
dreimal so lang ist, als das übrige Gewinde. Die Umgänge reihen sich so dicht aneinander, 
dafs die Nähte fast verschwinden. Die Schale ist mit breiten, fast viereckigen, scharf hervor¬ 
tretenden Knotenreihen der Quere nach versehen. Die Knoten liegen aber auch senkrecht über¬ 
einander und sind unter sich durch Vertiefungen sowohl der Quere, als der Länge nach von 
einander getrennt. Aufserdem laufen der Länge nach über das Ganze wellenförmige Linien, 
welche sich nach dem Mundrande hin in immer stärkern Längsfalten gestalten, zwischen wel¬ 
chen starke Vertiefungen sind. Die Knoten verschwinden fast gänzlich auf diesen Falten. Der 
Mundsaum ist wulstig, dick. An den Nähten bildet sich ein etwas vertieft liegendes Band von 
3—4 feingekörnten Querlinien. Beim Herausklopfen hatten wir das Unglück, das Petrefact 
zu zerbrechen, wir haben dasselbe daher genau so zeichnen lassen, wie es sich in unserer 
Sammlung befindet, es stammt dies bis jetzt einzige Exemplar aus dem Grünsande bei Vaels. 

2. M. nana, Müller, Tab. 3, fig. 24. a—b. 

Die Gestalt dieser Mitra ist genau die eines Fusus, wozu wir das Petrefact unbedenklich 
gezählt hätten, wenn es uns nicht gelungen wäre, die Spindel an mehren Exemplaren völlig 
blofs zu legen. Es dient diese Species, wie so viele andere zum Beweis, mit wie geringer 
Sicherheit man selbst die Gattung nach dem Habitus allein zu bestimmen im Stande ist, wenn 
das Petrefact noch in der Masse liegt oder gar nur als Steinkern vorhanden ist. 

Das Gehäuse besteht aus 6 — 7 nur wenig gewölbten Windungen, welche in schönem Verhält- 
nifs sich verschmälern und in eine scharfe Spitze endigen. Das Ganze ist mit niedlichen, ge¬ 
drängten Längsrippchen versehen. Die Schale ist äufserst zart und dünn, die Mundöffnung läng¬ 
lich, der Mundrand, welcher mit dein kurzen Kanal zusammen (liefst, ist dünn, glatt, scharf. Auf 
der Spindel stehen drei scharf markirte, schmale Falten, von welchen die unterste die zarteste 
ist. Bis jetzt fanden wir die Species nur im Grünsand bei Vaels. 

3. M. piruliformis, Müller, Tab. 3, fig. 25. a — b. 

So wie die vorstehende Species der Gestalt nach der Gattung Fusus, so nähert sich diese 
auf der einen Seite der Gattung Pirula und schliefst sich auf der andern Seite der Abtheilung 
Cimbiolae der Voluten genau an. Die 3 Falten auf der Spindel, wovon die unterste die schwächste 
ist, lassen aber keinen Zweifel über die Gattung. Das Gehäuse bestellt aus 4 Windungen, von 
denen die unterste viermal so lang ist, als die übrigen drei, welche ein niedergedrücktes Ge- 


24 


vvinde mit kaum sichtbaren Nähten bilden. Die Schale ist mit ganz regelmäfsigen Querreifchen 
bedeckt, zwischen welchen sich glatte Zwischenräume befinden. Die MundöfFnung ist weit und 
verschmälert sich nach dem Kanäle hin wie bei Pirula, Der Kanal selbst ist kurz, etwas rück¬ 
wärts gebogen. Wir fanden das Petrefact am Lusberg und im Grünsand bei Vaels. 

Murecc , Ltinne 

Die bis jetzt geltenden Diagnosen der von dem linneischen Murex getrennten Gattungen 
Pleurotoma, Ranelia, Triton etc. pafsten nicht auf unser Petrefact. Die ganze Form desselben 
und besonders der fistulöse Kanal neben dem Hauptkanal veranlafsten uns dasselbe vorläufig zu 
Murex zu stellen, obgleich wir an demselben keine Wulste («ances), welche diese Gattung 
characterisiren, fanden. Vielleicht erweisen sich ganz vollständig erhaltene Exemplare als zu 
der von Deshayes aufgestellten Abtheilung Triphora gehörig, oder gar als neue Gattung. Bis 
jetzt ist die Gattung Murex in der Kreide noch nicht vertreten, denn Murex qnaclratus Sow. 
wird von Sowerby bei Fition , pag. 343, Tab. 18, fig. 17 als Fusus quadratus berichtigt. Wegen 
der Annährung an Pleurotoma nennen wir unsere Species 
1. Murex pleurotomoides, Müller Tab. 3, fig. 31. 

Das Petrefact besteht aus 6—7 Windungen, von welchen die unterste bauchig, aufgetrieben 
und so lang ist, wie das übrige Gewinde. Dies letztere ist thurmförmig, in eine Spitze auslau¬ 
fend. Alle Windungen tragen sehr stark hervortretende Längsrippen, welche einzeln in ihrer 
Mitte verdickt sind, und sich nach oben und unten verschmälern. Diese Rippen sind auf allen 
Windungen so lang, wie die Windungen selbst, auf der untersten gehen sie nur bis zum ober¬ 
sten Mundwinkel. Zwischen den Rippen und über dieselben laufen ziemlich breite Qucrlinien, 
welche von sehr zarten wellenförmigen Längslinien, die in der Nähe des Mundrandes faltenartig 
werden, durchkreuzt sind. Die Rippen aller Windungen stehen senkrecht übereinander. Unge¬ 
fähr in der Mitte des untersten Umganges zeigt sich eine Querrinne, wie bei Pleurotoma , den 
Einschnitt am Mundrande konnten wir aber nicht erkennen, indem grade an der Stelle das Pe¬ 
trefact etwas beschädigt ist. Die MundöfFnung ist länglich rund und endet in einen kurzen und 
schmalen Kanal, neben welchem ein zweiter, ziemlich breiter, fistulöser Kanal liegt. Beide sind 
rückwärts gebogen. Die sonst glatte Spindel ist der ganzen Länge nach mit einer häutigen, 
dünnen Schwiele versehen, welche oben mit dem rechten Mundsaume und unten mit dem fistu¬ 
lösen Kanal zusammen fliefst. Der Mundsaum selbst ist ohne allen Wulst. Wir fanden bis jetzt 
nur das abgebildete Exemplar im Grünsand bei Vaels. Die Rückseite desselben ist mit einer 
Species Anthophyllum (wahrscheinlich conicum Roemer) bedeckt. 


’) Ausführliches iiher die Gattung Murex und die verwandten Familien findet sich in Polens Paläonto¬ 
logie hei Pusch, pag. 130 ssq. — Ferner in der neuen Ausgabe von Lamarck. Tom. IX, pag. 537 ssq. 



25 


TurriteUa , *) Ssammrck, 


Unter den vielen Gattungen der Gasteropoden gibt es nur wenige, welche so zahlreich an 
Species sind, wie diejenige der Turritellen. In dem Enumerator paleontologicus der weitver¬ 
breiteten Naturgeschichte der drei Reiche (Geschichte der Natur von Dr. H. G. Bronn, III. 
Band, 2. Theil, pag. 391—397) sind nicht weniger als 266 Arten Turritellen namhaft gemacht, 
welche sich geologisch also vertheilen : 

auf die Kohlenperiode kommen. 36 Arten, 

„ „ Salzperiode. 60 „ 

„ „ Oolithperiode. 16 „ 

„ „ Kreide. 46 „ 

„ „ Molasse 2 ). 108 „ 

266 „ 

Davon kommen 14 Arten aus dem oberen Tertiären und dem Diluvium noch lebend vor, bei 
einigen anderen ist dies noch zweifelhaft. 


Es erhellet aus dieser Aufstellung, dafs die Gattung Turritella von der ältesten Periode bis 
in die jüngsten Bildungen hinaufragt. Mit Unrecht behauptet daher Ale. d’Orbigny im zweiten 
Bande seiner Paleontologie frangaise terrains cretaces, pag. 33, dafs die Turritellen im Ueber- 
gangskalk und der Juraformation nicht vorkämen, sondern dafs sie zuerst in der Kreide auf¬ 
träten. Die weitere Behauptung d’Orbigny’s , dafs je jünger die Kreidebildung, desto zahlreicher 
die Turritellen-Species würden, widerspricht offenbar den bisherigen Forschungen; dafs aber 
die Zahl derselben, wie er ferner bemerkt, sich im Tertiären unglaublich vermehre, ist eine 
unbestrittene Thatsache. Was die noch lebenden Turritellen betrifft, so berichtet uns derselbe 
Schriftsteller, dafs sie sich sehr zahlreich in bedeutender Tiefe am Littorale aller Meere auf¬ 
hielten und zahlreicher seien in den heifsen, als in den kalten Regionen. 

Nehmen wir diese Aufenthaltweise der lebenden Arten als genau und bestimmt an und 
schliefsen davon auf eine analoge Aufenthaltweise der ausgestorbenen, so sind die Turritellen 
für das Gebiet sehr bezeichnend und tragen zur Erhärtung der Ansicht meines Freundes, Herrn 
Dr. Debey, nicht wenig bei, dafs unsere Gegend einst eine Meeresbucht gewesen sei. Keine 


*) Diese Abhandlung über die Gattung Turritella wurde bereits am 23. September 1847 in der dritten 
Sitzung der geologischen Section bei der Versammlung der deutschen Naturforscher in Aachen vor¬ 
getragen und findet sich in dem amtlichen Berichte derselben, pag. 234 — 244, abgedruckt. Da aber 
aus Mangel an Geld die lithographische Tafel jenem Berichte nicht beigegeben werden konnte und 
weil der Vollständigkeit wegen sie in der Monographie nicht wegbleiben durfte, so ist dieselbe hier 
mit unerheblichen Veränderungen abgedruckt. 

-) Wie bedeutend die Anzahl der Arten in der neueren Zeit sich gemehrt hat, mag man daraus ersehen, 
dafs Lamarck in seiner Histoire naturelle des animaux scins vertebres (1822), tom. VII, pag. 59 und 
pag. 561- — 564 aus dem Tertiären nur erst 12 Species aufführt. In der neuen Ausgabe Lamarck’ s 
(1843) von Deshayes und Milne Edwards , tom. IX, pag. 247— 275 , ist die Zahl erst auf 25 gebracht. 

4 









26 

Gattung ist nämlich in unserem Grünsande so zahlreich an Arten, als eben die der Turritellen. 
Auf einem Raume von nur wenigen Quadratfufs findet man hier der Anzahl nach fast die Hälfte 
der Turritellen der Kreide von ganz Europa und in unserem Gebiete allein so viele, als in dem 
übrigen Deutschland, soweit literarischer Nachweis uns darüber vorliegt, zusammen genommen. 
Nach der obigen Zusammenstellung sind 46 ’) Species aus der Kreide beschrieben, das Aachener 
Gebiet zählt deren uns bis heute zur Kenntnifs gekommenen 23, worunter wir 12 für noch 
nicht beschriebene Arten zu erkennen glauben. 

Fast alle lebten, nach den Bruchstücken und Steinkernen zu urtheilen, in grofser Anzahl 
zusammen. Wir sagen, nach den Bruchstücken und Steinkernen zu urtheilen, denn vollständig 
erhaltene Exemplare werden immer zu den Seltenheiten gehören. Die Schale fast aller Arten ist 
dünn wie Papier und springt daher beim Herausklopfcn leicht ab, ebenso zerbrechen sie leicht 
in den einzelnen Windungen und namentlich werden die sich häufig verjüngenden Windungen 
der Spitze nur höchst selten mit dem unteren Theile zusammen gefunden. 

Nach den Ländern vertheilen sich die Turritellen der Kreide in folgender Weise : 

Nach Renfs enthält die böhmische Kreide. 5 Species, eigenthiimlich 1 

Nach Geinitz die sächsische. 5 ,, „ 3 

Nach Roemer die norddeutsche. 5 „ „ 5 


Bei Goldfufs und von Münster sind aus der deutschen Kreide noch angeführt. 9 


also wirklich verschiedene Species. 18 

Dazu aus der französischen Kreide nach d’Orbigng . 14 

Auf England und Belgien kommen noch. 11 

und aus der amerikanischen Kreide. 3 

Die Zahl der bekannten Ivreidespecies ist also. 46 


Was die Kreideformation in Schweden und auf der Insel Rügen betrifft, so scheint die Gat¬ 
tung darin gar dicht vertreten zu sein, denn wir finden keine einzige Art angeführt, weder bei 
Nilsson, noch bei von Hagenow. Eben so finden wir bei Pusch (Polens Paläontologie, Stuttgart 
1837) keine Species Turritella der Kreide Polens, Volhyniens und der Karpathen erwähnt. 

Der Reichtlnun und die grofse Mannichfaltigkeit an Turritellen, welche uns das hiesige Gebiet 
lieferte und der Vergleich einer nicht unbedeutenden Anzahl Arten aus anderen Formationen, 
den wir anstellen konnten, veranlafsten uns, eine Eintheilung oder vielmehr Gruppirung aller 


*) Die Zahlenverhältnisse sind durcli die neuesten Forschungen nur wenig verändert worden und nament¬ 
lich für die Kreideformation. In der tüchtigen Arbeit von Pictet und Roux, description des malusr/nes 
fossiles (/ui se trouvent. dans les Gres verts des environs de Genaue, 1S49, finden wir pag. 166, Tab. 
16, fig. 1, a — b, eine neuo Species, Tur. Taucignyana, und eine andere in den Versteinerungen des 
Kreidemergcls von Lemberg und seiner Umgebung von Rudolph Kner , Wien 1S4S, pag. 14, Tab. III, 
fig. 2, a — b, Tur. biqcmiun beschrieben und abgebildet. Demnach würde die Zahl sich dann auf 4S 
stellen. 















2% 

Turritellen zu versuchen. Von Klipstein fühlte, so viel uns bekannt, zuerst das Bedürfnis, 
bei dem grofsen Reichthum der Cassianer Turritellen, dieselben in Gruppen zu theilen und 
fafste dieselben in fünf Abtheilungen, nach der Bedeckung der Schalen mit Knoten oder Stacheln 
(armatce), mit Rippen (costatce), mit Spirallinien oder Leisten allein (einet ce), mit Zuwachs- 
Streifen allein (striatce') und ganz glatte (nudoe). 

Nachstehende Eintheilung, welche wir nach dem ganzen Habitus der Turritellen aufgefafst 
haben, zerfällt nur in drei Gruppen, Globiformes, Sealares, Turritce, und glauben wir, dafs 
die verschiedenen Arten aller Formationen in dieselben eingereiht werden können. Die einzel¬ 
nen Gruppen würden wir dann folgendermafsen charakterisiren : 

I. Globiformes. 

Singuli anfractus globulos efßciunt, sutura inter singulos anfractus profunda, lata. 

Die einzelnen Windungen bilden Kugeln, die Naht zwischen den Windungen ist tief und breit. 

II. Scalnres. 

Singuli anft'aclus tegidiformes, sutura profunda, angusta. 

Die einzelnen Windungen sind dachförmig, die Naht ist tief und eng. 

MI. Tumtae. 

Singidi anfractus appropinquati, ut quasi cohcerentes videanlur, sutura angusta, peene 
distinguenda. 

Die einzelnen Windungen schliefsen sich aneinander und scheinen gleichsam zusammen zu 
hängen, die Naht ist eng, kaum zu unterscheiden. 

I. ^lofoiforsites. 

1. Turrilella multistriata, Reufs. Tab. 10, fig. 17 und Tab. 11, fig. 16, pag. 51, I und 

pag. 114, II. 

T. quadricincla, Goldf. Tab. 196, fig. 16, a—b. 

T. quinque-cincta, Goldf. Tab. 196, fig. 17, a, b und c, pag. 106, III, welche Goldfufs 

selbst schon nur für eine Varietät der Quadricincta hält. Wohl auch 

T. Dupiniana, d’Orbigny. Tab. 151, fig. 1—3, pag. 34. II. 

Unsere Tab. 3, fig. 1. 

Die Figuren bei Reufs sind völlig mifslungen, die auf Tab. 11 läfst gar keine Vorstellung von 
dem Petrefacte zu, Reufs selbst nennt sie schlecht. Die erstgenannte Figur bei Goldfufs gibt 
ein richtigeres Bild der Versteinerung. Das Charakteristische dieser Species besteht in den kah- 


*) Mittheilungen aus dem Gebiete der Geologie und Paleontologic, I. Rand, pag. 172. Giefsen bei G 
Fr. lleyers. 1845. 



28 

-o-^jg<g-o- 


len, scharf hervortretenden, gleich weit von einander abstehenden 4 Querreifen jeder Windung, 
zwischen welche noch viele feine Querlinien liegen. Die einzelnen Umgänge sind stark gewölbt 
und durch eine breite und tiefe Naht bedeutend eingeschnürt. 

2. T. quinquelineata, Müller. Tab. 3, fig. 3. 

Diese Species ist schlanker als die vorhergehende. Die einzelnen Windungen sind weniger 
gewölbt und weit schmäler, die Naht ist bei weitem nicht so tief und breit, daher nur eine 
schwache Einschnürung. Jede der 10—11 Umgänge ist mit 5 scharf hervortretenden Querlinien 
umgeben, zwischen welchen jedesmal noch eine feinere Linie zu erkennen ist. Aufserdem zei¬ 
gen sich über und unter der Naht auf jeder Windung noch 2 feine Querlinien von der Mittel¬ 
stärke der bereits angegebenen Linien. 

o ö 

3. T. Hagenoiviana, Goldf. Tab. 197, fig. 5, a—b, pag. 108, III. 

Wir glauben, diese Species, welche Goldfuß aus der grünen Kreide von Haldem anführt, in 
unseren Exemplaren aus dem Grünsand vor dem Königsthor zu erkennen. Sie unterscheidet sich 
ganz wesentlich von der vorigen Art durch stärker gewölbte und breitere Windungen, breitere 
und tiefere Nähte und weit größere Einschnürungen. Jede Windung ist mit 5 scharf hervortre¬ 
tenden Linien oder vielmehr Gürteln umzogen, zwischen welchen sich eine Concavität bildet. 
Die Zwischenräume der Gürtel sind erheblich breiter, als bei Quinquelineata. Ferner liegen über 
dem fünften Gürtel nach der oberen Naht noch drei schwächere Querlinien, von welchen die 
mittlere jedoch immer etwas stärker ist, als die beiden anderen. Unter dem ersten Gürtel nach 
der unteren Naht zeigt sich ebenfalls noch eine zarte Querlinie. Diese Art ist bei gleicher 
Zahl der Umgänge um die Hälfte länger als die vorige. 

4. T. sexlineata, Roemer. Tab. 11, fig. 22, pag. 80. 

T. sexcincta, Goldf. Tab. 197, fig. 2, a—b, pag. 107, III. 

T. difßcilis, d’Orbigny. Tab. 151, fig. 19—20, pag. 39 — 40, II. 

Unsere Tab. 3, fig. 2. 

Die Zeichnung bei Roemer ist so mangelhaft, dafs Goldfuß seine besseren Exemplare für 
eine neue Species halten konnte. Die angeführte Figur bei Goldfuß ist naturgetreuer. Diese 
Art gehört zu den gröfseren der Gattung, bei einigen Exemplaren erreicht die Windung an der 
Mundöffnung die Dicke eines Zolles und die Höhe 3’/ 2 Zoll. Die Windungen sind mäfsig ge¬ 
wölbt, von 6 starken Gürteln umzogen, welche zuweilen etwas knotig erscheinen. Dieselben 
stehen gleich weit von einander entfernt, nur der sechste ist unbedeutend entfernter vom fünf¬ 
ten, als die übrigen unter sich es sind. Zwischen je zwei Gürteln liegen 3 — 5 feinere Querli¬ 
nien , von denen die mittlere auffallend stärker ist und die dem unbewaffneten Auge sich deut¬ 
lich zeigt. Doch nur bei höchst vollständiger Erhaltung sind die feineren Querlinien zu erkennen, 
bei minder guten Exemplaren etwa noch die Mittellinie, bei den meisten erscheinen die Zwi¬ 
schenräume glatt. Die Naht ist sehr breit und tief. 

5. T. Reufsiana, Müller. Tab. 3, fig. 5. 

Diese Art iibertrifft die vorige noch an Gröfse und mifst bis 4 Zoll. Sie unterscheidet sich 
von derselben ganz wesentlich dadurch, dafs alle sechs Gürtel knotig sind, dafs der sechste 


29 

vom fiinfien bedeutend entfernter steht, als die übrigen; dann durch die glatten Zwischenräu¬ 
me zwischen den Gürteln, ferner durch wellenförmige Längslinien, welche besonders auf dem 
untersten Umgänge stark hervortreten lind endlich noch dadurch, dafs von dem sechsten Gürtel 
bis zur Naht sich eine dachförmige Fläche bildet, welche allmälig in jene übergeht, während 
bei T. sexlineata ein plötzlicher Ucbergang zur Naht Statt findet. Die Windungen 10 — 12 sind 
etwas mehr gewölbt, als bei der vorigen Art. Vor dem Königsthore in Bruchstücken und Stein¬ 
kernen nicht selten. 

6. T. multilineata, Müller. Tab. 3, fig. 4 und fig. 6. 

Wir glaubten anfangs, diese Species mit T. sexlineata vereinigen zu können, indessen haben 
wir uns durch charakteristische Exemplare aus dem Grünsande von Vaels die völlige Ueber- 
zeuguno- verschafft, dafs sie durchaus eine eigene Art ausmacht. Sie hat statt Gürtel ganz und 
gar nur scharfe Linien, zwischen welchen bald nur eine, bald zwei, bald drei nur etwas 
schwächere, jedoch scharf markirte Linien hervortreten, dergestalt, dafs man sie mit den sechs 
stärkeren hin und wieder fast für gleich stark ansehen kann. Besonders bezeichnend für diese 
Species sind dann noch die beiden Querlinien über der sechsten Querlinie, avo die Windung 
sich sanft wölbend in die obere Naht übergeht. Die Umgänge 9 — 10 sind weit bauchiger und 
gerundeter als bei T. sexlineata. Auch am Königsthor. 

7. T. Carnalliana, Müller. Tab. 3", fig. 14. 

Es erinnert diese Species an T. nodosa, Roemer, allein der ganze Habitus unterscheidet sie 
auf den ersten Blick von derselben. Sie hat 10—12 gerundete, in der Mitte etwas bauchige 
Windungen, welche ganz allmälig nach der Spitze hin abnehmen und durch sehr breite Naht¬ 
furchen von einander getrennt sind. Jede Windung hat 4 Reifen, von welchen die drei unteren 
in gleichen Abständen von einander liegen, von diesem ist der mittlere bedeutend dünner. Vom 
dritten bis zum vierten etwas tiefer liegenden Reifen ist der Abstand gröfser, als bei den übri¬ 
gen dreien unter sich. Alle sind mit runden, von einander ziemlich entfernt stehenden Knoten 
versehen, welche bei dem erwähnten dünneren Reifen verhältnifsmäfsig zarter sind. Nur zwi¬ 
schen den Nahtfurchen laufen dicht stehende Querlinien. Längsstreifen, wie bei T. nodosa, 
sind nicht vorhanden. Kommt vor dem Königsthore und am Lusberg nicht selten vor. 

8. T. gotliica, Müller. Tab. 3, fig. 8. 

Es gehört diese Species zu den niedlichsten und zierlichsten Turritellen. Sie ist kaum 6'" 
lang und die stärkste Windung V“ breit. Sie zählt 19— 20 Umgänge, welche sich nach der 
Spitze hin rasch verjüngen. Die Windungen sind mäfsig gewölbt und trägt jede derselben 4 
Reifchen in gleichen Abständen von einander. Die Zwischenräume sind glatt, nur zwischen dem 
dritten und vierten Reifchen ist eine zarte Linie sichtbar. Die Nähte zwischen den 6 ersten 
Umgängen sind tief und breit, verschwinden aber gänzlich bei den oberen Umgängen. Fundort 
im Grünsand bei Vaelsbrug und selten vor dem Königsthore und am Lusberg. 

9. T. microscopica, Müller. 

Diese Turritelle ist die kleinste aller uns bekannten Species. Sie ist nur etwas länger als 1"' 
und nur dick. Die 8—9 Umgänge sind stark gewölbt, erscheinen glatt und nur bei starker 
Vergröfserung schwach wellenförmig längsgestreift. Charakteristisch ist bei dieser Species noch, 


30 

dafs fast alle Windungen von gleicher Dicke sind, nur die drei obersten nehmen sichtlich an 
Stärke ab. Die tiefen Nähte sind daher zwischen allen Umgänge deutlich zu unterscheiden. Wir 
besitzen diese Species nur in einem vollständigen Exemplare aus dem Grünsande von Vaels. 

10. T. socialis, Müller. Tab. 3, fig. 9. 

Als man vor einem Jahre auf der Höhe des Lusbergs eine Strecke desselben zur Gewinnung 
von Mergelsteine für den inneren Ausbau des hiesigen Rathhauses abbaute, fand sich unter 
der Quader-Mergel-Schichte ein lockerer grüner Sand und unter diesem ein festes Conglome- 
rat von Conchilien und gelbem Sand, bei welchem uns sogleich die Menge einer kleinen Tur- 
ritellen-Spicies auffiel, welche mit Fungia coronula fast das ganze Gestein bildet. Man wird 
beim Anblick desselben unwillkürlich an den Paludienen-Kalk erinnert und könnte dasselbe füg¬ 
lich Turritellen-Kreide nennen. 

Diesem Vorkommen gemäfs wählten wir die Benennung Turritella socialis. Das Petrefact hat 
7—8 stark gewölbte Windungen, welche alle durch tiefe, jedoch weniger breite Nähte von 
einander getrennt sind. Die Bedeckung dieser Species mufs äufserst zart gewesen sein. Bis 
jetzt kommt die Art nur als Steinkern vor, nach den Hohlabdrücken zu urtheilen war dieselbe 
fast glatt, nur höchst schwach quergestreift. Sie kann mit der vorhergehenden Art durchaus 
nicht verwechselt werden, indem sie kegelförmig zugespitzt und jeder einzelne Umgang von 
unten auf verhältnifsmäfsig dünner und kleiner wird. 


II. Sealares. 

11. T. scalaris, Müller. Tab. 3, fig. 13. 

In dieser Species zeigt sich der Charakter der Abtheilung recht deutlich Sie hat 8—9 
Umgänge, welche sich mit tiefen und engen Nahtfurchen aneinander reihen. Die Umgänge sind 
concav, gleichsam ausgehöhlt und mit 4—5 Reifchen umzogen, zwischen welchen noch feine 
Gürtelchen laufen. Von dem fünften Reifchen bis zur Naht erhebt sich dachförmig ein breiter, 
starker WulsJ, welcher mit feinen Querlinien bedeckt ist. Die Windungen nehmen in schönem 
Verhältnifs nach der Spitze hin allmählig ab. Fundort in der Wolfsgracht bei Gimmnich. Selten. 

12. T. Eichwaldiana, Goldf. T. 197, pag. 108. III. — Unsere Tab. 3, fig. 10. 

Das Gehäuse ist kegelförmig und besteht aus 10—12 Umgängen. Jede derselben zeigt zwei 
stark hervortretende, 'gerundete, wulstige Kiele, von denen der nach der oberen Nahtfurche 
immer breiter und stärker ist, als der nach der unteren, zugleich geht der erstere in flacli- 
concaver Abdachung zur Naht, während der schwächere Kiel völlig gerundet ist. Unter dem 
stärkeren Kiele laufen zwei Gürtel, von denen der untere etwas stärker ist, unter dem schwä¬ 
cheren Kiele befindet sich ebenfalls ein Gürtel, welcher noch deutlicher hervortritt, als die 
beiden anderen. Auf der Abdachung des stärkeren Kieles und ebenso zwischen den Kielen und 


2 ) Während wir diese Abhandlung schrieben, ging uns die dritte Lieferung der Palaontographica (.Cassel 
bei Theodor Fischer, 1847) zu, worin Dunker pag. 133, Tab. 18, fig. 10, eine neue Species Turri- 
tella acuticarinata aus dem Tertiären von Java beschreibt, welche ebenfalls den Typus der Sealares 
recht deutlich zeigt. 



31 

-o^3§€-°- 

Gürtelchen zeigen sich unter der Loupe noch zarte Querlinien. Findet sich im Grünsand hei 
Vaels und bei Aachen. 

13. T. afßttis, Müller. Tab. 3, fig. 11. 

Der ganze Habitus dieser Species nähert sich der vorhergehenden, wir haben aber keinen 
Anstand nehmen können, sie als neue Art hinzustellen. Sie charakterisirt sich wesentlich durch 
folgende Merkmale. Die beiden Kiele jedes Umganges sind fast gleich stark, der obere dacht 
sich flacher und schärfer ab, als bei der vorhergehenden Art, unter demselben liegen 5 Gür¬ 
tel, wovon der mittlere der stärkste ist; unter dem Kiele nach der unteren Nahtfurche liegen 
endlich stets 2 Gürtel. Die Anzahl der Umgänge ist 10—12. Vorkommen wie die vorhergehende 
Art, nur seltener. 

14. T. Omaliusi, Müller. Tab. 3, fig. 12, a —b. 

Sie ist kegelförmig, besteht aus 12-14 Windungen, welche sich nach der Spitze hin rasch 
und stark verjüngen. Jeder Umgang hat drei schwach gekörnte Kiele, in gleichen Abständen 
von einander, wovon der mittlere etwas zarter als die beiden anderen erscheint. Die Zwischen¬ 
räume zwischen den Kielen sind concav. Unter dem Kiele über der Nahtfurche ist ein zartes 
Gürtelchen und unter dem Kiele unter der Nahtfurche zwei desgleichen, wovon das obere 
das stärkere ist. Zwischen den Kielen und Gürtelchen zeigen sich unter starker Loupe noch 
feine concentrische Linien. Bis jetzt nur am Lusberg. 

15. T. acutissima, Müller. Tab. 3, fig. 19, a-b. 

Diese Turritelle bildet den Uebergang von den Scalaren zu den Turriten. Sie hat 17 Um¬ 
gänge, welche sich wie in- und übereinander geschobene Becher darstcllen. In Bezug auf die 
Anzahl der Umgänge oder Windungen bei den Turritellcn scheint cs, dafs dieselbe desto grö- 
fser, je zarter die Bildung des Gehäuses. Jeder Umgang unserer Species trägt 3 Kiele in gleich 
weiten Abständen von einander. Zwischen den Kielen bemerkt man unter der Loupe eine zarte 
concentrische Linie. Die Windungen nehmen nach der Spitze hin unter sich ganz allmälig ab, 
so dafs die letzte eine scharfe Spitze bildet. Die Nahtfurchen erscheinen als glatte Bänder. 
Kommt bis jetzt nur im Grünsand bei Yaels vor. 

III. Ttmitse. 

16. T. Nceggerathianci , Goldf, Tab. 197, fig. 1, a—b, pag. 107. 

Die Gestalt dieser Species ist kegelförmig, das Gehäuse ist der Länge nach wellenförmig 
gestreift. Die 10—12 Windungen schliefsen sich mit sehr enger Naht aneinander und nehmen 
nach der Spitze hin ganz allmälig ab. Jeder Umgang hat 5 schwach gekörnte Gürtel, wovon 
die drei mittleren in gleich weiten Abständen von einander, die beiden äufseren aber von die¬ 
sen etwas entfernter stehen. Die Zwischenräume sind concav mit feinen concentrischen Linien 
durchzogen, welche sich zwischen dem unteren Gürtel und der unteren Naht sehr häufen, bei 
anderen Exemplaren erscheinen die Zwischenräume fast glatt. Kommt vor im Aachener Wald, 
am Lusberg und vor dem Königsthore. 


32 

17. T. nodosa, Roemer. Tab. XI, fig. 20, stellt blos die drei unteren Windungen dar. 

Unsere Tab. 3, fig. 18. 

Sie hat mit der vorstehenden Art fast gleichen Habitus; die 10—12 Windungen sind nur 
noch enger aneinander gerückt und ist daher das ganze Gehäuse mehr thurmförmig. Der Länge 
nach ist dasselbe wellenförmig gestreift, der Quere nach mit feinen Linien bedeckt. Jeder Um¬ 
gang hat vier Reifchen, wovon die beiden oberen breit, wulstig und mit starken, dicht gereih¬ 
ten, etwas länglich gezogenen Erhabenheiten versehen sind. Von diesen beiden Reifchen ist das 
untere das stärkere. Der Reifen über der Nahtfurche ist schmäler, tritt aber schärfer gekielt 
hervor und ist mit denselben Erhabenheiten versehen, wie die beiden anderen. Das darauf fol¬ 
gende Reifchen ist das zarteste, liegt etwas vertieft und ist nur schwach gekörnt, so dafs es 
bei nicht völlig gut erhaltenen Exemplaren nur als eine Linie erscheint, die nicht selten sogar 
ganz verwischt ist. Vorkommen wie die vorhergehende Art. 

18. T. Althausi, Müller. Tab. 3, fig. 16. 

Eine sehr schlanke kegelförmige Turritelle mit scharf markirter Bereifung. Die Anzahl der 
Umgänge vermögen wir nicht anzugeben, indem wir bis jetzt noch kein vollständiges Exemplar 
besitzen. Jede Windung trägt 5 Reifchen, von denen die beiden unter der Naht wulstig und 
stark geknotet sind, von den dreien über der Naht ist das mittlere wie die beiden vorgenann¬ 
ten beschaffen, tritt nur noch etwas mehr hervor, die beiden dasselbe umfassenden Reifchen 
sind schmäler und glatt. Ueber der Naht zeigen sich noch einzelne schwach angedeutete con- 
centrische Linien. Bis jetzt nur vor dem Königsthore gefunden. 

19. T. Ilumboldti, Müller. Tab. 3, fig. 17. 

Eine der schlankesten uns bekannten Species. Die Nähte sind an derselben kaum zu unter¬ 
scheiden, so dafs das ganze Gehäuse wie aus einem Stück gemeifselt sich darstellt. Die unte¬ 
ren Windungen mit der Mundöffnung haben wir bis jetzt noch nicht gesehen. Die 10 —11 Win¬ 
dungen, welche uns vorliegen, verjüngen sich rasch nach dür Spitze hin. Jede derselben hat 
4 Reifchen in fast gleichen Abständen von einander und ebenso von fast gleicher Stärke. Das 
erste Reifchen über der Naht und das zweite unter der Naht sind nur um etwas dicker. Drei 
der Reifchen erscheinen dem unbewaffneten Auge völlig glatt und nur das zweite unter der 
Naht ist stark gekörnt. Bei mäfsiger Vergröfserung zeigen aber auch die drei übrigen eine 
schwache Körnung. Zwischen den Reifchen laufen dann noch höchst zarte Querlinien. Findet 
sich am Lusberg und vor dem Königsthore. 

20. T. acantliophora, Müller. Tab. 3, fig. 15. 

Die Behauptung, dafs die Turritellen auf den Reifchen, Gürteln oder Kielen, womit fast alle 
bekannte Arten überzogen sind , weder Wulste, noch Knoten, noch Stacheln trügen 0? hat sich 

J ) Lamarcl: in seiner histoire naturelle des animaux saus rer lehr es (Paris 1S22) Tom. YII. pag. 55, 
sagt ausdrücklich : „Cos coquillcS sont la plupart nninies de stries ou de carcnes transverses, mats 
aucune d’elles, parmi les especes connues, n’offre ni cötes vcrticales , ni bourrelcts, ni tubercules 
epineu.r.“ In der zweiten Ausgabe von 1843, toiu. IX, pag. 248 unverändert abgedruckt. 

Fr. Adolph Iloemcr in den Versteinerungen des norddeutschen Oolithen-Gebirges (Hannover 1830) 
pag. 154, hält es für eines der Unterscheidungs-Merkmale von Cerithium, „dafs die einzelnen Win- 



3 3 

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als völlig unhaltbar erwiesen, was schon von Klipstein in seinen geologischen und paläontolo- 
gischen Mittheilungen (1845), pag. 172 ssq., (nachweiset. Die vorliegende Species ist so weit 
uns bekannt aus der Kreide die erste, welche auf den Reifen vielmehr Stacheln als Knoten 
trägt. Die einzelnen Windungen sind in der Mitte etwas bauchig, jede derselben hat fünf Rei¬ 
fen, von welchen die vier oberen in gleich weiten Abständen stark hervortreten, der fünfte 
über der Nath ist schwächer und der Abstand zum folgenden nicht so weit, als bei den übri¬ 
gen; alle sind mit Stacheln besetzt. In den Zwischenräumen der Reifen und selbst über diese 
letztere laufen sehr zahlreiche wellenförmige Querlinien, welche mit feinen, ebenfalls wellenför¬ 
migen Längslinien durchbrochen sind und dadurch ein zartes Netz bilden. Wir besitzen von 
dieser Species , welche wir vor dem Königsthore fanden , nur die vier unteren Windungen. 

21. T. alternans, Roemer. Tab. XI, fig. 23, pag. 80. 

Ris jetzt fanden wir vor dem Königsthore und am Lusberg nur Rruchstücke, welche wir zu die¬ 
ser Species rechnen. Wie Roemer nach dem abgebildeten schwachen Bruchstücke die Windungen 
der Species zahlreich nennen kann, ist uns nicht klar geworden, vielmehr scheint sie uns nach 
dem uns vorliegenden oberen Theile zu schliefsen, zu den Arten zu gehören, welche weniger 
zahlreiche Windungen haben, man müfste denn eine plötzliche und starke Verjüngung der Spitze 
annehmen, wozu kein Grund vorhanden ist. Jede Windung hat 3 Reifchen, wovon das über 
der Naht belegene am stärksten hervortritt. Zwischen den Reifchen zeigen sich viele feine 
Querlinien. 

22. T. cingulato-lineata , Müller. Tab. VI, fig.|5. 

Von dieser Species besitzen wir bis jetzt nur 8 Windungen der Spitze und glauben darnach 
sie zu Turritella stellen zu müssen. Sie scheint zu den kleineren Arten zu gehören. Jede Win¬ 
dung hat über der Naht einen stark hervortretenden, gerundeten, wulstigen Gürtel, über wel¬ 
chem fünf zarte, unter der Loupe mit schwachen Längsrippchen verbundene Reifchen liegen; 
von diesen sind die drei mittleren etwas stärker, als die sie einfassenden. Die Windungen selbst 
sind etwas gewölbt, in der Mitte aufgetrieben. Kommt vor dem Königsthore vor. 

23. T. Buchiana, Goldf. Tab. 197, fig. 7, pag. 108, III. 

Wir verdanken das einzige in unserem Besitz befindliche Exemplar der Güte des hier leben¬ 
den eifrigen Naturfreundes Herrn Winckler, welcher dasselbe im Eisensande des Aachener 
Waldes auffand. Wir sind nicht völlig überzeugt, ob diese Species zu Turritella zu zählen sei, 
die Zeichnung bei Goldfufs gibt uns, weil sie die Mundöffnung nicht darstellt, wenig Anhalt, 
vielmehr deutet sie, wie auch unser sehr mangelhaft erhaltenes Exemplar, eher auf Buccinum, 

düngen der Turritellen nie mit Knoten, Wulste oder Stacheln, vielmehr nur mit einfachen Querlinien 
und gebogenen Anwachsstreifen versehen sind.“ Derselbe Verfasser führt in der norddeutschen Kreide 
(Hannover 1841), pag. 80, Tab. II, fig. 20, Turritella nodosa auf mit knotigen Querrippen und wi¬ 
derlegt dadurch faktisch seine frühere Ansicht. Man vergleiche noch unsere T. Carnaliana , T. Alt- 
hausii , T. Humboldtii , welche alle knotige Reifen haben; ferner bei d’Orbigny pag. 35, Tab. 151, 
fig. 4—6, Turritella angulata, welche auf den Windungen Wulste trägt und einem Cerithium ganz 
ähnlich sieht, und endlich die obenstehende T. acanthophora mit Stacheln wie bei Cerithium serratum 
Brug. aus dem Tertiären. 


5 



34 

als auf Turritella. Wir lassen die Sache bis zum Auffmden eines besser erhaltenen Exemplares 
unentschieden. Die Anzahl der Umgänge beträgt nur 5—6 mit scharf markirter Nahtfurche. Jede 
Windung hat drei Kiele, von welchen der unter der Naht doppelt so breit ist und mehr als 
einmal so weit entfernt liegt. Unter dem stärkeren wulstigen Kiele läuft eine etwas erhabene 
Linie. Das ganze Gehäuse ist mit stark rückwärts gebogenen, wellenförmigen Längslinien bedeckt. 
Sollte sich das Petrefact als Turritella erweisen, so würde diese Art die dickste und zugleich 
die am wenigst zahlreiche an Windungen sein. 

Aufser den angeführten Species besitzen wir noch eine Anzahl Steinkerne und Bruchstücke 
mit mehr oder weniger ausgeprägter Bereifung, welche wir zu Turritella zählen, allein wir 
tragen Bedenken, dieselben schon jetzt als neue Species aufzuführen, was namentlich bei Stein¬ 
kernen stets mifslich ist und selbst die tüchtigsten Paläontologen zu Irrthümern verleitet hat. 
So ist beispielweise in Bronn’ s Lethcea geognostica, Tab. XI, fig. 14, Turrilites scalatus und 
auf derselben Tafel, fig. 15, (Steinkern), Turbinites dubius ein und dieselbe Species. Eben so 
wenig können wir uns der Ergänzungs- und Restaurationsweise d’Orbigny’ s anschlielsen, welcher 
nur gar zu häufig nach mangelhaften und schwachen Exemplaren schöne Zeichnungen liefert. 

Fsisus, Sjumarcte. 

Die Gattung Fusus war im Vergleich zu anderen verwandten Gattungen in der deutschen 
Kreide lange Zeit sehr arm an Species. Bei Lamarck vol. 9, pag. 442, wird das Vorkommen 
der Gattung in der Kreideformation noch bezweifelt (1843). Roemer führte für Norddeutschland 
eine einzige Species an, von Münster und Goldfufs fügten aus der westphälischen Kreide fünf 
Species hinzu und Reufs beschrieb deren vier aus der böhmischen Kreide. Bei Nilsson, Pusch, 
Geinitz und von Hagenow finden wir nicht eine Art aus den von ihnen beschriebenen Kreide¬ 
bildungen. D’Orbigny dagegen beschreibt 16 Arten aus der französischen Kreide. Im Aachener 
Gebiete war bis jetzt noch keine Species der Gattung aufgefunden, obgleich dieselbe hier sehr 
stark vertreten ist, wie aus Nachstehendem erhellen wird. 

1. F. Renauxianus, d’Orbigny. Tab. 223, fig. 10, pag. 339. II. 

Das Gehäuse ist spindelförmig und besteht aus 6 — 7 Windungen, welche von der zweiten 
Windung aufwärts sich rasch verschinälernd in eine Spitze auslaufen. Der Länge nach laufen 
in regelmäfsigen Abständen wulstige Erhabenheiten. Der Quere nach laufen über diese und 
durch die Zwischenräume scharf gezeichnete Linien oder vielmehr Reifchen. Der Kanal ist lang, 
eng, scharf zugespitzt. Die Kolumelle ist ohne Wulst. Unsere Exemplare, die im Uebrigen mit 
der Zeichnung bei d’Orbigny übereinstimmen, haben aber kaum ein Drittel der Länge und Breite 
von jener. Fundort Vaelsbrug und Lusberg. 

2. F. Clementinus, d’Orbigny. Tab. 223, fig. 8—9, pag. 339. II. 

F. Marrotianus, d'Orb. Tab. 225, fig. 2, pag. 342. II. 

F. nodosus, Reufs. Tab. 10, fig. 1, pag. 43, I. 

Wir tragen kein Bedenken, diese als drei verschiedene Species aufgeführte Versteinerung 
unter einen Namen zu fassen. Reufs selbst hält 1. c. F. nodosus für sehr nahestehend dem F. 


35 

Clementinus. D’Orbigny hat, wie uns scheint, aus einer Species deren zwei gemacht, wie nicht 
selten auch in anderen Fällen, weil die erstgenannte im Gault, die andere in der chloritischen 
Kreide befunden wurde. 

Das Gehäuse ist spindelförmig, es besteht aus 4 bauchigen Windungen, von denen die 
unterste in einen langen Kanal ausläuft, dieselbe ist mehr als doppelt so breit als die darauf 
folgende Windung und bis zur Spitze des Kanales fast viermal so lang, als das ganze übrige 
Gewinde, welches nur wenig hervortritt. Auf allen Windungen zeigen sich fern von einander 
stehende Knoten, die nach der Spitze hin immer schwächer werden. Nach den Hohlabdrücken 
zu urtheilen war das Gehäuse mit Querlinien geziert. Kommt bis jetzt nur als Steinkern in der 
Masse am Königsthor vor. 

3. F. Buchi, Müller. Tab. V, fig. 15. 

Diese Species hat einige Aehnlichkeit mit F. Requienianus, d'Orb ., Tab. 225, fig. 3, unter¬ 
scheidet sich aber beim Vergleiche von demselben in allen Stücken. Das Gehäuse bestellt aus 
6 Windungen, ist ziemlich breit, etwas abwärts gebogen, kurz, in eine Spitze endigend. Alle 
Windungen sind mit ziemlich dicht gereihten, länglichen Wülsten versehen, die in der Mitte 
am dicksten sind und sich nach oben und unten verdünnen. Ueber das ganze Gehäuse laufen 
starke wellenförmige Querlinien, von welchen einzelne auf der untersten Windung stark her¬ 
vortreten und auf den Wülsten derselben scharfe Knötchen bilden, welche die Zeichnung 
nicht scharf genug hervorgehoben hat. Auf den drei obersten Windungen verschwinden die 
Querlinien ganz allinälig. Die Kolumelle ist glatt. Bis jetzt nur bei Vaelsbrug im Grünsand in 
vortrefflicher Erhaltung. 

4. F. Decheni, Müller. Tab. V, fig. 16. 

Das Gehäuse bestellt aus 7 Windungen, es trägt so ganz den Typus der Gattung, fast genau 
in der Mitte ist es etwas aufgetrieben und verläuft dann allmälig nach beiden Enden hin in 
eine Spitze, indem sich die Windungen nach oben in dem schönsten Ebenmaafs verjüngen und 
nach unten hin ein langer Kanal sich allmälig zuspitzt. Ueber die ganze Schnecke laufen der 
Länge nach dicht gereihte, sanft erhabene Wulste, welche sich auf der untersten Windung 
unvermerkt nach der Spitze hin verlieren. Der Quere nach ist das Petrefact mit zarten, jedoch 
sehr deutlichen zahlreichen Linien versehen. Die Kolumelle ist glatt. Bestimmbare Exemplare 
fanden wir bis jetzt nur bei Vaelsbrug. 

5. F. Noegger athi , Müller. Tab. V, fig. 20. 

Das Gehäuse besteht aus 5—6 Windungen, die unterste mit dem ziemlich langen, graden 
Kanal ist fast doppelt so lang, wie das übrige Gewinde. Das Ganze ist mit glatten, scharf her¬ 
vortretenden Längsrippen versehen, ohne alle Querlinien. Ein ganz auffallendes Merkmal dieser 
Species sind die gekörnten Ringe oder Gürtel vor der Naht, welche bei den 3 unteren Win¬ 
dungen deutlich heraustreten, bei den beiden oberen indessen verschwinden. Die Anzahl der 
Körner stimmt genau mit der Anzahl der Längsrippen überein. Jede Windung hat deren 14 bis 
15 und reihen sich die Körner an diese gleichsam an. Kommt vortrefflich erhalten bei Vaelsbrug 
im Grünsand vor, am Lusberg und am Königsthor nur Bruchstücke. 


36 

6. F. Salm-Dykianus, Müller. Tab. V, fig. 19. 

Diese Form von Fusus nähert sich schon der Gattung Pyrula. Die unterste "Windung mit dem 
Kanal ist mehr als dreimal so lang, als das übrige Gewinde, welches noch aus 4 Umgängen 
besteht, wovon die 3 obersten sich sehr rasch verjüngen. Die Windungen tragen scharf mar- 
hirle Längsrippen, welche am Rande der gröfsten Windung Knoten bilden. Vom Rande bis zur 
Naht ist eine Rinne. Ueber das ganze Gehäuse laufen Querlinien, die fast vertieft erscheinen. 
Der Kanal ist sehr schmal und lang und etwas auswärts gebogen. Fundort wie bei der vorher¬ 
gehen Art. 

7. F. Burkhardi, Müller. Tab. V, fig. 17. 

Das Gehäuse besteht aus 5—6 Windungen, wovon die unterste mehr als doppelt so lang ist, 
als die übrigen zusammen. Die Gestalt ist spindelförmig, in der Mitte stark aufgetrieben, nach 
oben und unten spitz zulaufend. Die Windungen sind mit dicken Knoten oder Wülsten verse¬ 
hen, die auf den oberen Windungen allmälig verschwinden. Diese Knoten stehen auf den Kan¬ 
ten der Windungen, von den Kanten aus bilden sich dann schräge Flächen und von diesen 
aus erhebt sich bis zur wirklichen Naht ein Fortsatz der Windung, welcher die folgende Win¬ 
dung aufnimmt, wir sagen bis zur wirklichen Naht, denn die Stelle, wo jener Fortsatz beginnt, 
erscheint dem ersten Blicke ebenfalls wie eine Naht. Der Quere nach laufen über das ganze 
Gehäuse ziemlich breite, erhabene Linien. Der Kanal an dem vor uns liegenden Exemplar ist 
theilweise abgebrochen, mufs aber, nach dem ganzen Habitus des Petrefactes zu urtheilen, 
lanof und schmal sein. Fundort Vaelsbrug. 

8. F. Nysli, Müller. Tab. V, fig. 13. 

Wir trugen anfangs Bedenken, ob wir dies Petrefact zu Fusus stellen sollten, weil uns ein 
Theil der untersten Windung fehlte und es uns zweifelhaft schien, ob es nicht eine Rostellaria 
sei, indessen haben wir uns durch neu aufgefundene, zwar jüngere Exemplare, als die Zeich¬ 
nung darstellt, überzeugt dafs wir einen Fusus vor uns haben. Das Gehäuse ist spindelförmig, 
es besteht aus 7 Windungen, die sich nach der Spitze hin ganz allmälig verschmälern. Alle 
Windungen sind mit scharf hervortretenden zahlreichen Längsrippen versehen, im Uebrigen 
erscheint das Ganze glatt und nur unter der Loupe unterscheidet man noch äufserst zarte 
Querlinien. Der Kanal ist lang und schmal. Fundort Vaelsbrug. 

9. F. Dunkeri, Müller. Tab. V, fig. 18. 

So ungern wir auch nur Bruchstücke zeichnen und daraus eine neue Art bilden, so haben 
wir uns doch diesmal dazu verleiten lassen, weil die Gattung uns nicht zweifelhaft schien und 
das Stück als solches die Schale mit vollständiger Bedeckung und Ausprägung derselben erhal¬ 
ten hat. Die Windungen sind mit einwärts gebogenen, sich nach unten verdickendenden Rippen 
versehen und mit feinen Querlinien bedeckt. Vor dem Kanal treten 5 scharf markirte Linien 
hervor und unter der ersten Naht 3 schwächere, welche die dort sich sanft verlaufenden Rip¬ 
pen durchkreuzen und in den Durchschnittspunkten Knötchen bilden. Vorkommen bei Vaelsbrug. 

10. F. glaberrimus, Müller. Tab. 5, fig. 21. 

Das Gehäuse ist spindelförmig und besteht aus 8 gewölbten Windungen, die sich ganz all¬ 
mälig verjüngen. Die unterste Windung bis zur Spitze des Kanals ist genau so lang, als das 


37 

übrige Gewinde. Der Kanal ist schmal, mäfsig lang. Das Petrefact erscheint völlig glatt und 
zeigen die Hohlabdrücke nur einige wenige zarte Linien unter den Nähten. Kam bis jetzt nur 
am Königsthore vor. 

11. F. Budget, Müller. Tab. V, fig. 14. 

Das Gehäuse ist spindelförmig und besteht aus 8 Windungen, welche in schönem Verhältnifs 
sich allmälig nach der Spitze verjüngen. Die Umgänge sind mit Längsrippen versehen, welche 
sich von den Nähten aus nach unten verdicken. Von diesen Rippen treten auf jedem Umgänge 
zwei als förmliche Wulste hervor nach Art vieler Cerithien. Die Wulste liegen in schräger 
Richtung auf den verschiedenen Windungen übereinander. Ueber das Ganze laufen feine Quer¬ 
linien, welche unter den Rippen der letzten Windung stärker hervortreten und durch eine zarte 
Querfurche von denselben getrennt sind. Die Nähte sind wenig vertieft, vor denselben befindet 
sich ein schmales Bändchen, was den Schlufs jeder Windung bildet. Der Kanal ist kurz und 
schmal. Die MundölFnung war an den bis jetzt gefundenen Exemplaren nicht vollständig erhal¬ 
ten. Bei Vaelsbrug. 

12. F. Göpperti, Müller. Tab. VI, fig. 6. 

Diese Species steht auf der Gränze zwischen Pyrella 0 und Fusus, der ganze Habitus mit 
dem hervortretendem Gewinde veranlafste uns indessen sie hieher zu stellen. Das Gehäuse ist 
spindelförmig und besteht aus 4 Windungen, von welchen die unterste sehr bauchig und 1% 
Mal so lang ist, wie das übrige Gewinde. Die beiden unteren Windungen tragen stark hervor¬ 
tretende, entfernt stehende Längsrippen, die sich auf den oberen allmälig verlieren. Die unterste 
Windung dacht sich nach der Naht und ebenso nach dem Kanäle hin ab und bilden sich auf 
den Längsrippen da, wo die Abdachungen anfangen, Knoten. Ueber das ganze Gehäuse laufen 
scharf marquirte Querlinien. Der Kanal scheint mäfsig lang zu sein, bis jetzt fanden wir nur 
Exemplare mit theilweise erhaltenem Kanal am Königsthor. 

13. F. Hüpschianus * 2 ), Müller. 

Rostellaria elongata, Roemer. Tab. 11, fig. 5, pag. 78. 

Die Abbildungen bei Reu/s, Tab. 9, fig. 10, a, b, c, d, pag. 43, die er für identisch mit 
Rostellaria elongata hielt und Pleurotoma Roemeri nannte, später aber zu Fasciolaria zählen 
möchte, gehören nicht hierher. Rostellaria elongata bei d’Archiac, Tab. 25, fig. 5, pag. 345, 
hat noch weniger damit gemein. Ueber die Gattungsbestimmung des Petrefacts aus der Tourtia 
und über dessen Identität mit Rost, elongata, Roemer, äufsert aber auch d'Archiac selbst 1. c. 
die gröfste Bedenklichkeit. Dafs Geinitz im Quadersandstein-Gebirge, pag. 138, auch Pyrula 
fenestrata, Roemer, Tab. 11, fig. 14, pag. 79, hieher ziehen will, ist uns unerklärlich, indem 


*) Siehe unten bei der Gattung Pyrula. 

2 ) Wir haben diese Species nach dem Freiherrn von Hüpsch genannt, welcher zu denjenigen gehört, die 
zuerst über rheinische und westphälische Petrefacten schriebeu und zwar in seinem Werke : Natur¬ 
geschichte des Nie'derdeutschlands etc., mit sieben ausgemahlten Kupfertafeln. Nürnberg bei Gabriel 
Nikolas Raspe, 1781. Er gshört also zu den Vätern der Versteinerungskunde am Rheine und halten 
wir es lur unsere Pflicht, dessen Andenken zu ehren und sein rülimliches Streben anzuerkenuen, wenn 
auch seine Schrift für den jetzigen Standpunkt der W; ssens chaft von geringer Bedeutung ist. 




38 


letztere nicht die mindeste Spur von Aehnlichkeit mit Rostellaria elongata hat. Pleurotoma re - 
mote-lineata, Geinitz, in den Versteinerungen von Kieslingsvvalda, Tab. 5, fig. 6, nähert sich 
in etwa der Pyrula fenestrata, Roemer, ist aber keineswegs identisch damit, eben so wenig 
wie mit Rost, elongata. Das Pretrefact, wie Reufs meint, zu Fasciolaria, Lam. zu stellen, 
schien uns unthunlich, denn diese Gattung bietet zu wenig characteristische Merkmale, als dafs 
sie selbstständig bestehen könnte. Quoy und Gaimard haben nachgewiesen, dafs die Thiere bei 
Fusus und Fasciolaria keine Gattungsverschiedenheiten zeigen und vereinigen demnach Fascio¬ 
laria wieder mit Fusus, Lamarck, Tom. 9, pag. 431, Ausgabe 1843. Dazu kommt nun; auch 
noch der Mangel der Falten auf der Spindel bei dem in Rede stehenden Petrefact. 

Das Gehäuse des F. Hüpschianus ist lang gestreckt, schlank und spindelförmig, es besteht 
aus 5 gewölbten Windungen mit starkhervortretenden Längsfalten oder vielmehr Längsrippen 
in weiten Abständen, aufserdem ist dasselbe fein querliniirt. Vollwachsene Exemplare sind 2 
Zoll 8 Linien lang. Die unterste Windung ist 2 Linien länger, als das übrige Gewinde. Die 
gröfste Breite bat das Petrefact an der Naht des untersten Umganges, wo sie 10Linien beträgt. 
An den Nähten zeigen sich dicht gereihte schmale Längsfalten. Die unterste Windung verlängert 
sich in einen ziemlich breiten, langen Kanal. Die Spindel ist glatt, der Mundsaum scharf, etwas 
nach Aufsen gebogen, so dafs Roemer das Petrefact leicht türRostellaria halten konnte. Ueberall 
im hiesigen Grünsande als Steinkern häufig. 

]P§p'Ml€z , Ztamarck. 

Beim Anblick der vielen lebenden Species, welche zur Gattung Pyrula gezählt werden', 
konnte es keinem Beobachter entgehen, dafs sich hier eine so grofse Mannigfaltigkeit der äufse- 
ren Form der Species findet, wie es sonst bei keiner Gattung der Fall ist. Dasselbe gilt auch 
von den urweltlichen Species. Viele Autoren haben dies lange vor uns eingesehen und man¬ 
cherlei Vorschläge gemacht, ohne sie zur Ausführung zu bringen. Soioerby in den Gen. of 
Schells will die Gattung auf die Form von Pyrula ficus Linne beschränken, Pusch trennt die¬ 
selbe in zwei Gattungen, Pyrula uud Melongena, andere wollen sie ganz wegfallen lassen und 
theils mit Fusus , tlieils mit Murex und anderen verwandten Gattungen wieder vereinigen. Nach 
näherer Betrachtung der lebenden Arten fanden wir, dafs alle bekannten Species sich auf vier 
Hauptformen zurückführen lassen und fanden beim Studium der Literatur, dafs diese Ansicht 
schon ausgesprochen war der wir uns nun auch für die urweltlichen Species anschliefsen. 
1. Pyrula, wobei als Typus Pyrula ßcus, Lam. (Murex ficus, Lin.) gilt, 2. Melongena, Schu¬ 
macher, mit dem Typus von Pyrula melongena, Lam. (Murex melongena, Lin.), 3. Pyrella, 
Swains, mit dem Typus von Pyrula spirillus, Lam. (Murex spirillus, Lin.) und 4. Rapa, Klein, 
wobei Murex rapa, später Bulla rapa, Lin. als Typus dient. 


’) A. N. Herrmannsen indicis generum malacozooruiu. Vol. II , pag, 380. „Pyrula e muricibus quibusdara 
et bullis auctorum constitutum genus, absque dubio reformandum. Disjungendie videntur : Ficula. 
Melongena , Pyrella et Rapa; qua; restant species sive Fusis, sive Purpuris inserends,“ 



39 

I Pyrula, Laauarck. 

Testa ficoidea, ventricosa, depressissima; spira brevissima, vix exerta; suturis vix distinguendis. 

1. P. minima, Rceninghaus, Lei Goldfufs Tab. 172, fig. 10, pag. 27, III. 

Unsere Tab. VI, fig. 1, ein Steinkern. 

Das Gehäuse ist bimförmig mit einem sehr kurzen, kaum aus dem untersten Umgänge her¬ 
vorragenden Gewinde. Das Ganze ist mit Querlinien versehen, welche von etwas faltigen Längs¬ 
linien durchkreuzt werden, der Kanal ist kurz, etwas auswärts gebogen. Wir fanden Exemplare 
mit der dünnen Bedeckung, meist aber Steinkerne, am Lusberg und beim Königsthor. 

Meioiigeisa, gcläiisssarher. 

Testa pyriformi, ventricosa, spira brevi, valde exerta, acuminata; sutura profandissima, lata. 

1. M. fenestrata, Roemer. 

Pyrula fenestrata , Roemer. Tab. XI, fig. 14, pag. 78. 

Wir besitzen zwar nur die unterste Windung dieser Species, dieselbe ist aber so vollkom¬ 
men erhalten, dafs wir nicht den mindesten Zweifel an der Identität mit der von Roemer 1. c. be¬ 
schriebenen Art hegen können. Nach Roemer beträgt das Gewinde nur drei Sechszehntel der 
ganzen Länge. Diese Kürze des Gewindes und die weite Ausbuchtung des untersten Umganges 
der ganzen Länge nach ist charakteristisch für die Abtheilung Melongena. Die knotigen Quer¬ 
rippen, die breiten, flach concaven Zwischenräume und die starken Längsfalten, welche mit 
den Querrippen Gitter bilden, machen die Species leicht kenntlich. Kommt bis jetzt nur bei 
Vaelsbrug vor. 

3. Pyrella, Swaiais. 

Testa anterius ventricosa, inflata, longe caudata; spira brevi, mamillifera (?); sutura lata. 

1. P. planidata, Nilsson. Tab. III, fig. 5, pag. 13. (Pyrula planulata'). Roemer. Tab. XI, 
fig. 11, pag. 78. 

Trägt ganz den Charakter der Abtheilung und gleicht der Pynda spirillus, Lam. im ganzen 
Habitus. Wir fanden bis jetzt nur Steinkerne, die mit der Zeichnung bei Roemer übereinstim- 
stimmen, wo die drei bis vier Querkiele, die auch bei unseren Exemplaren scharf hervortreten, 
herausgehoben sind, die wir aber bei Nilsson vermissen. Ueber die Bedeckung müssen wir auf 
die angeführten Schriftsteller verweisen, weil unsere Exemplare keine Spur davon tragen. 

2. P. Bcuthiana Q, Midier. Tab. VI, fig. 7. Steinkern. 

Diese Species erinnert der Form nach etwas an Murex haustellum , Lin. Das ganze Gehäuse 
ist bimförmig, sehr bauchig und besteht aus 4 sehr convexen Windungen, von welchen die 


0 Diese Species haben wir dem Pater Franciscus Beutli zu Ehren benannt; er gehört, wie Hüpsch, zu 
den ehrenwerthen Männern, die mit äufserst schwachen Hülfsmitteln die Petrefactenkunde des Rhein¬ 
landes aufzuhellen bemüht waren, die der Zeit für ein Studium schon begeistert waren, dessen Be¬ 
deutsamkeit in der Zukunft sie nicht ahnen konnten. Wenn wir auch aus Francisci Beutli ,, Julien et 



40 


unterste fast doppelt so lang ist, als das übrige Gewinde. Die beiden unteren Umgänge tragen 
breite, gerundete, der Länge nach laufende Erhabenheiten mit flachen Zwischenräumen. Die 
Nähte sind breit und tief. Nach der Analogie mit lebenden Species zu urtheilen mufs der Kanal 
lang sein. Kommt vor am Königsthor. 

4. ülapa 9 Klein. 

Testa rapiformi, anterius ventricosissima; cauda brevi, lata; spira brevi, retusa; sutura impresso. 

1. R. coronata, Roemer. Unsere Tab. VI, fig. 2. 

Pyrula coronata, Roemer. Tab. 11, fig. 13. 

Wir glauben in dem vor uns liegenden Petrefact die Pyrula coronata Roemer zu erkennen, ob¬ 
gleich einige unwesentliche Einzelheiten davon abweichen. Das Gehäuse besteht aus 3 Winduns 
gen, von welchen die unterste sehr bauchig und dreimal so lang ist, als das übrige, wenig vorste¬ 
hende Gewinde. Die unterste Windung ist oben stumpf gekantet, mit breiten, dicken Längs¬ 
rippen versehen, welche von stark aufliegenden, faltigen Querlinien durchkreuzt werden. In den 
Durchschnittspunkten bilden diese Querlinien auf den Rippen Knoten, die an den Kanten als 
Höcker hervortreten. Zwischen den Höckern und der Naht ist eine Einbiegung, hinter dieser 
letzteren erhebt sich aber die Windung wieder und überwächst gleichsam die Naht derge¬ 
stalt, dafs dasjenige, was die zweite Windung zu sein scheint, nur ein Fortsatz der untersten 
Windung ist. Unter den oben angegebenen Längsrippen laufen über den breiten und kurzen 
Kanal stark hervortretende Querfalten. Am Lusberg und am Königsthor. 

2. R. Monheimi, Müller. Tab. V, fig. 22 und 23. 

Das Gehäuse ist bimförmig, es besteht aus 4 Windungen, wovon die eine die andere wie 
mit einem Bande uinfafst. Die unterste Windung ist mit sehr stark hervorragenden, plötzlich 
abbrechenden Längswulsten versehen, zwischen welchen sich sehr tiefe Furchen bilden. Diese 
Wulste sind- der Quere nach durch feine Rinnen in vier Knoten getheilt. Die obersten Knoten 
bilden die Kante, von welcher bis zum nächsten Umgang nur feine Querlinien laufen. Die übri¬ 
gen Windungen tragen keine Wulste, sondern nur gerundete Knoten. Der Kanal ist ziemlich 
kurz und beginnt gleich unter den Wülsten, über dieselben laufen in schräger Richtung hoch- 
aufliegende Querlinien. Fig. 22 ist nach einem mit der Bedeckung erhaltenen Exemplar von 
Vaelsbrug gezeichnet, fig. 23 ist ein Steinkern vom Königsthor. 

Voluta 9 Läinne ♦ 

1. V. d’Orbigniana, Müller. Tab. V, fig. 27, a—b. 

Diese Species hat eine sehr auflallende Aehnlichkeit mit Voluta Gasparini, d’Orbigny, Tab. 
220, fig. 5, pag. 325, Tom. II, so dafs wir geneigt waren, sie dahin zu ziehen. Bei näherem 


Montium subterranea etc.“ Rüsseldorpii 1776, für die Wissenschaft wenig gelernt haben, so sind 
wir doch dadurch auf manche Fundorte aufmerksam gemacht worden. Was aus dem Museum des Herrn 
Beutli zu Düsseldorf geworden ist? 

*) Zum genaueren Verständnifs des hier Gesagten vergleiche man die lebende Voluta vespertilio, Lin. 





Vergleich unterscheiden sich die beiden Species im Wesentlichen dadurch, dafs die Umgänge 
bei Vol. Gasp. Kanten, dagegen bei unserer Species dieselben sanft gerundete Convexitäten 
bilden, ohne Spur einer Kante. Das spindelartige Gehäuse hat 6 Umgänge, von welchen der 
unterste um */ 3 länger ist, als das übrige Gewinde. Der ganzen Länge der Windungen nach 
laufen scharf hervortretende, in ihrer ganzen Ausdehnung gleich starke Längsrippen, zwischen 
welchen sich tiefe Zwischenräume bilden. Die unterste Windung zählt 16 solcher Rippen. In 
den Zwischenräumen zeigen sich feine Querlinien. Die Spindel trägt zwei Falten. Der Mund¬ 
saum ist glatt. Vollständig erhalten bei Vaelsbrug. 

2. V. cingulata, Müller. Tab. V, fig. 24, a—b. 

Das Gehäuse ist spindelförmig und besteht aus 5—6 Windungen, welche mit dicken, ziemlich 
entfernt stehenden Längsrippen versehen sind, die in ihrer Mitte etwas stärker sind. Der unterste 
Umgang zählt deren neun. Ueber das Ganze laufen noch höchst feine, dicht gereihte Quer¬ 
linien, die nur unter der Loupe deutlich sind. Vor der Naht einer jeden Windung befindet sich 
als Fortsatz der Umgänge ein schmaler Gürtel oder schwaches Band, auf welchem sich schwache 
Längsfalten zeigen, die sich in den Vertiefungen zwischen den Rippen fortsetzen. Die Spindel 
zeigt zwei deutlich hervortretende Falten und unter der Loupe noch zwei schwächere. Voll¬ 
ständig erhalten bei Vaelsbrug. 

3. F. nitidula, Müller. Tab. V, fig. 25, a—b. 

Das Gehäuse ist länglich eiförmig und besteht aus vier Windungen, von welchen die unterste 
doppelt so lang ist, als das übrige Gewinde. Alle Windungen sind stark convex und reihen sich 
mit wenig vertieften Nähten eng aneinander. Der Länge nach ist das ganze Gehäuse mit dicht 
gereihten erhabenen Linien bedeckt, welche durch Querlinien in gleichen Abständen durch¬ 
kreuzt werden und dadurch dem Ganzen ein ganz regehnäfsig gekörntes Ansehen geben. Die 
Spindel trägt zwei starke Falten. Kommt beim Königsthor, am Lusberg und bei Vaelsbrug vor. 

4. V. Benedeni, Müller. Tab. VI, fig. 5, a —b. 

Das Gehäuse hat ganz die Form eines Fusus, wozu ich es bereits gezählt hatte, ehe es 
mir möglich war, bei einem Exemplar die Spindel völlig frei zu machen. Es besieht aus vier 
Windungen, von welchen die unterste mehr als doppelt so lang ist, als das übrige Gewinde. 
Das Ganze zeigt wulstige Längsrippen mit vertieften Zwischenräumen, über beide laufen erha¬ 
bene Querlinien oder vielmehr Reifchen. Die Spindel hat zwei starke Falten. Bei Vaelsbrug. 

5. V. laticostata, Müller. Tab. V, fig. 26, a —b. 

Pleurotoma suturalis, Goldf. Tab. 170, fig. 12, pag. 19, III. 

Pleurotoma semiplicata, v. Münster bei Goldfnfs, Tab. 170, fig. 11, pag. 19, III, ist 
wohl auch hieher zu ziehen. 

Nachdem die Tafel V vollendet war, gelangten wir erst in Besitz von vollständigeren Exem¬ 
plaren, welche sich ganz unzweideutig als Voluta ausweisen. Auf der Spindel sind drei Falten, 
wovon die untere sehr stark hervortritt, die zweite schwächer und die dritte wenig bemerkbar 
ist. Die Zeichnung ist darnach zu berichtigen. 


6 


-e-2>Q'5-°' 


Der ganze Habitus der Schnecke hat viel Aehnlichkeit mit der lebenden Species Mitra tul- 
pecula, Lam. Das Gehäuse besteht aus 5—6 Windungen, die schlank aufeinander gelhürmt sind. 
Alle Windungen tragen äufserst scharf hervortretende breite Längsrippen in verhältnifsmäfsigen 
Abständen; in den dadurch entstehenden tiefen Zwischenräumen und selbst auf den Rippen 
der untersten Windung laufen Längsfalten, welche sich auf den etwas rückwärts gebogenen 
untersten Theil derselben zusammen schürzen. Die Windungen stofsen mit einem ziemlich brei¬ 
ten , faltigen Bande aneinander. Auf der dritten Windung machen sich noch ganz feine Querli- 
nien bemerkbar. Wir besitzen bis jetzt nur Exemplare mit 4 Windungen von Vaelsbrug. 

Aufser den vorstehenden Arten führt Roemer noch pag. 80 Voluta ambigua, Mantell, von 
Aachen an, welche wir indessen bis jetzt noch nicht aufgefunden haben. 

Conus 9 Isinne. 

1. C. cylindraceus, Geinitz. Tab. 18, fig. 18, pag. 72. — Reufs. Tab. 11, fig. 11 und 19, 
pag. 47, I. Dagegen scheint uns fig 15, auf Tab. 44 nicht hierher zu gehören. 

Das äufserst kleine, aus drei Windungen bestehende Gehäuse ist cylindrisch, nach unten sich 
allinälig verschmälernd; das Gewinde erscheint fast flach und nur in der Mitte schwach erha¬ 
ben, die unterste Windung bildet daher oben eine Kante. Die Bedeckung haben wir nicht 
gesehen, nach Geinitz und Reufs ist dieselbe mit feinen Querlinien bedeckt, welche von ent¬ 
fernteren, feinen Längslinien durchkreuzt werden. Bis jetzt nur selten am Königsthor. 

Turbo 9 JLinne. 

Die Gattungen Turbo und Trochus haben, wie schon Desliayes in seiner descriplion de co- 
quilles caracteristiques des terrains, pag. 186, bemerkt, so viele feine, fast unmerkliche Ueber- 
gänge zu einander, dafs es schwer wird mit scharfen Gränzen zu bezeichnen, wo Turbo auf¬ 
hört und wo Troclms anfängt 1 ). Dies gilt schon von den lebenden Gattungen, um so mehr 
aber von den urweltlichen, wo es sehr häufig schwer hält, die Mundöffnungen blos zu legen. 
Wir haben die Gattungen Turbo und Trochus getrennt und uns dabei von der äufseren Form 
leiten lassen. Die Individuen mit mehr oder weniger scharfen, kantigen Rändern an der Basis 
oder auch an den übrigen Windungen, so wie die mit Längsrippen auf den Windungen zählen 
wir zu Trochus, die übrigen zu Turbo. 


*) Deshayes und Milne Edicards bemerken in ihrer Ausgabe von Lamarck, Tom. 9, pag 121, nachdem 
sie die neuesten Forschungen über Trochus, Turbo, Delphinula und Monodönta besprochen haben 
„11 est resulte pour nous de tout ce qui precede que tous ces genres doivent etre fondus en un seul 
dans lequel il sera necessaire, indispensable meine de faire un grand nombre de groupes etc.“ Es 
wäre gewifs eine verdienstliche Arbeit, wenn Jemand, dem ein reiches Material zu Gebote steht, in 
einer Monographie die vier Gattungen unter Trochus vereinigte und eine Gruppirung derselben vor¬ 
nähme. 



43 

1. T. laevis, Nilsson. (Trochus laevis, Nilsson). Tab. III, fig. 2, pag. 12. 

Wir fanden bis jetzt nur Steinkerne am Lusberg, genau so, wie die angeführte Abbildung 
sie darstellt. Das Gehäuse besteht aus 4 convex gerundeten Umgängen. Das Gewinde tritt ziem¬ 
lich stark hervor. Die Nähte sind lief. 

2. T. concinnus, Roemer. (Trochus concinnus, Roemer.) Tab. 12, fig. 9, pag. 81. 

Das Gehäuse ist schlank, kegelförmig, es hat 6 gewölbte Umgänge, wovon jeder mit zahl¬ 
reichen, etwa 10—12 Querlinien und glatten, etwas breiteren Zwischenräumen versehen ist. 
Die Nähte sind tief. Am Lusberg und am Königsthor, selten mit erhaltener Bedeckung. 

3. T. cyclostomoides, Müller. Tab. V, fig. 28. 

Diese Species steht der vorstehenden am nächsten, die Steinkerne unterscheiden sich leicht 
durch die Anzahl der Windungen, deren sie nur 4 zählen. Die Umgänge sind gewölbt und mit 
mehr als doppelt so zahlreichen, etwa 20—24 feinen Querlinien bedeckt, wie bei T. concinnus. 
Die Nähte sind weniger tief. Die Mundöffnung ist kreisrund. Die ganze Form und Bedeckung 
ähnelt gar sehr der lebenden Cyclostoma elegans. Vorkommen wie bei der vorstehenden Art. 

4. T. quinquecinctus, Müller. Tab. V, fig. 8. 

Das Gehäuse ist schlank, kegelförmig, mit stark hervortretendem Gewinde. Es hat 5—6 Win¬ 
dungen, wovon jede 5 gerundete, etwas gekörnte Gürtelchen trägt. Die Nähte sind sehr breit 
und trennen dadurch die einzelnen Windungen auffallend von einander. Die Mundöffnung ist 
länglich rund. Kommt bei Vaelsbrug und am Königsthor vor. 

5. T. quadricinclus, Müller. Tab. V, fig. 7, a—b. 

Das Gehäuse ist niedrig, kreiselförmig und besteht aus 5 Windungen. Jede derselben trägt 
4 stark gekörnte Gürtelchen, zwischen diesen finden sich vor und über der Naht ganz feine 
gekörnte Linien, welche auf den beiden untersten Windungen selbst mit dem unbewaffneten 
Auge sichtbar sind. Die Nähte der beiden untersten Umgänge sind breit und trennen dieselben 
sehr auffallend, die übrigen Windungen verlaufen in einander ohne bemerkbare Naht. Die Mund- 
öffnung ist eirund. Bis jetzt nur am Lusberg. 

6. T. Walfredini, d’Archiac f). Tab. 24, fig. 6, a—b, pag. 341. 

Von dieser Species sind uns bis jetzt nur Steinkerne vorgekommen, welche 4—5 Windungen 
haben, die alle stark gerundet sind und rückwärts gebogene, feine Längsfalten zeigen. Die Ein¬ 
schnürungen an den Nähten sind tief, die Mundöffnung kreisrund, der Mundrand von der Win¬ 
dung getrennt. Der Nabel tief. Am Lusberg und vor dem Königsthor. 

7. T. glaber, Müller. Tab. V, fig. 6, a —b. 

Hat einige Aehnlichkeit mit der vorstehenden Species. Das Gehäuse ist mehr niedergedrückt 
als erhaben. Die Windungen 4—5 sind gerundet, bilden aber vor den Nähten schmale Flächen. 
Die Nähte sind kaum bemerkbar. Die Mundöffnung ist schief, mehr viereckig als rund, der 
Mundsaum ist glatt und mit der Windung zusammen gewachsen. Der Nabel ist tief. Um den Nabel¬ 
rand stehen deutlich hervortretende Rippchen, die sich nach Innen und Aufsen ganz allmälig 


*) Rapport sur les fossiles du Tourtia, par M.. le vicomte d’Archiae; dans les memoires de la societ* 
g£ologique de France. Deuxidme sdrie. Tome deuxieme. — Deuxieme partie. Paris 1847. 






verlaufen. Dem unbewaffneten Auge erscheint das Gehäuse völlig glatt, bei genauer Betrach¬ 
tung ist dasselbe aber mit äufserst feinen, ganz regelmäfsigen Querlinien bedeckt, welche von 
etwas faltigen Längslinien durchschnitten werden. Vollständig erhalten bei Vaelsbrug, als Stein¬ 
kern auch am Lusberg und vor dem Königsthor. 

7. T. paludiniformis, d’Archiac. 1. c. Tab. 23, fig. 10, a, b. 

Unsere Tab. V, fig. JO’)• 

Das Gehäuse besteht aus 5 Windungen, die sich in schwach convexen Windungen thurmför¬ 
mig erheben. Die Nähte sind ziemlich tief. Die Umgänge sind mit gedrängt stehenden, fein ge¬ 
körnten Reifchen versehen. Die Körnchen stehen schräge übereinander und sind dufch feine 
Längslinien verbunden, dadurch bilden je 4 und 4 Körnchen in dem Zwischenraum ein Viereck. 
Die Mundöffnung ist grofs, fast rund. Bei Vaelsbrug, am Lusberg und vor dem Königsthor. 

Trochus , JAnne. 

1. T. onustus * 2 j, Nilsson. Tab. III., fig. 4, A B, pag. 12. 

Das Gehäuse besteht aus 4—5 schmalen, flachen Windungen, so dafs dasselbe viel breiter, 
als hoch ist. Die beiden obersten Windungen liegen fast in einer Ebene, oder stehen nur 
schwach hervor. Der unterste Umgang hat einen scharfen, hin nnd wieder überhängenden, ge¬ 
bogenen Rand. Die beiden untern Windungen sind grubig und runzlich mit aufsitzenden frem- 
den Körpern, im Uebrigen sind dieselben ohne alle Zeichnung. Die Basis ist völlig glatt, der 
Nabel eng, ziemlich tief; die Mundöffnung länglichrund. Die Nähte sind kaum bemerkbar. Was 
die natürliche Bedeckung und Gröfse betrifft, so stimmen dieselben mit Trochus cumulans Brongn. 
überein, der ganze Habitus aber mehr mit Trochus agglutinans Lamarck. Wir fanden bis jetzt 
vier Exemplare vor dem Königsthor, die aber alle um mehr als ein Drittel kleiner sind, als die 
Figuren bei Nilsson sie darstellen. Das Petrcfact bei Goldfufs Tab. 181, fig. 10., pag. 50 III. 
gehört nach Zeichnung und Beschreibung nicht hieher 3 }. 

2. T. Konincki Müller. Tab. V, fig. 11. 

Nach unsern oben bei der Gattung Turbo ausgesprochenen Ansichten stellen wir dies Petre- 
fact zu Trochus , was sonst zu Delphinula Lam. gehören würde, womit dasselbe in den meisten, 
Avenn auch nicht in allen Stücken übereinstimmt. Aus guten Gründen verwerfen Deshayes und 


0 Es gibt leider die Figur nur ein schwaches Bild des Petrefacts, die Windungen sind zu convex und 
namentlich die letzte derselben zu bauchig gehalten, auch die Körnung ist mangelhaft gezeichnet. 

’) D’Orbighy in dem mehrerwähnten Werk trennt Phorus Mont fort, vielleicht nicht mit Unrecht, von 
Trochus. Diese Species würde dann offenbar zu Phorus gehören. Ueber die Ansicht d’Orbigny‘s in 
Betreff des Vorkommens von Phorus vergl. Seite 3 unserer Einleitung. 

3 ) Wir haben das von Aachen herstammende Exemplar des ausgezeichneten Bonner Museums mit den 
unsrigen verglichen und die völligste Uebereinstimmung damit gefunden. Die Zeichnung bei Goldfufs 
mufs daher nach einem Exemplar aus der Sammlung des Herrn Grafen von Münster genommen sein. 
Bei Pr. Äug. Kranz in Bonn sahen wir Exemplare aus der Kreide von llaldem in Westphalen, die 
an Gröfse und Form der Abbildung bei Goldfufs ganz gleich kommen. 



45 

Milne Edwards bei Lamarck. Tom. 9, pag. 84—86 die Gattung Delphinula. Was d’Orbigny 
darüber 1. c. Tom. II., pag. 208 beibringt, vermag unsere Ansicht nicht zu ändern und pafst 
seine Diagnose der Gattung weder auf unser Petrefact noch überhaupt auf die bis jetzt bekann¬ 
ten Species, die zu Delphinula gerechnet werden. Das auffallendste Unterscheidungs-Merkmal 
der Abtheilung von Trochus, wozu Delphinula dann zu zählen sei, ist der sehr vertiefte Nabel, 
welcher sich mit einer tiefen, breiten Rinne dem ganzen innern Mundrand entlang fortsetzt. 
Man vergleiche die lebende Species Delphinula laciniata Lamarck (Turbo delphinus Linne). Auf 
diese eigenthümliche Rinne ist soviel uns bekannt noch nicht gehörig aufmerksam gemacht 
worden. 

Das Gehäuse besteht aus vier Windungen, die mit kaum bemerkbaren Nähten Zusammenhän¬ 
gen. Jeder der drei untern Umgänge ist durch einen scharfen und dabei faltigen Kiel in zwei 
Hälften getheilt. Die unterste Windung hat unter diesem Hauptkiele, der scharfe Spitzen trägt, 
einen zweiten etwas schwächern, zwischen diesen bildet sich eine tiefe concave Rinne, in wel¬ 
cher sich rückwärts gebogene Linien und Falten befinden. Diese Windung ist mit übereinander 
liegenden Falten bedeckt, die auf der folgenden Windung immer schwächer werden und von 
unregelinäfsigen Querlinien durchsetzt werden. Die Schale ist dünn; die Mundöffnung grofs, 
länglich rund. Der Mundsaum ist glatt, scharf, nach Aufsen an der Windung angewachsen, nach 
Innen erhebt er sich und bildet mit einer franzigen Fortsetzung des Nabelrandes eine tiefe, im 
Innern faltige Rinne bis zum untersten Mundwinkel. Der Nabel selbst ist tief. Wir fanden bis 
jetzt nur ein Exemplar dieses Petrefactes iu ausgezeichneter Erhaltung bei Vaelsbrug. 

^Pleurotoma, Lamarck. 

Es fällt oft sehr schwer Versteinerungen aus der Kreide und den ältern Formationen mit Si¬ 
cherheit zu dieser Gattung zu zählen, \iele Arten, welche wir in Sammlungen sehen, und an¬ 
dere, welche wir nur nach den Zeichnungen kennen, möchten sich bei Auffindung besser erhal¬ 
tener Exemplare wohl theils als Fusus , theils als Voluta und Phasianella ausweisen. Wo 
der die Gattung karakterisirende Ausschnitt (fissura vel sinus) gar nicht oder nur schwach 
und undeutlich zu erkennen ist, mag die meist ziemlich stark vertiefte Rinne auf der Windung 
noch einen Anhalt zur Bestimmung geben, wo auch diese fehlt, sollte man stets die Gattung 
unentschieden lassen. Wie aber Kner ') bei der Beschreibung eines vermeinten Fusus procerus 
pag. 21 überhaupt bemerken kann, er müsse bekennen, dafs er in Hinsicht der beiden Gattun¬ 
gen Fusus und Pleurotoma eine Trennung nicht für nothwendig und naturgemäfs halten könne, 
ist uns auffallend. Er bezieht sich dabei auf die Ansicht von Pusch, der freilich in seiner Schrift 
C1837J über Polens Paläontologie pag. 142 die Gattung Pleurotoma angreilt, übersieht aber da¬ 
bei die Forschungen der spätem Zeit, die auch den verschiedenen Organismus der Thiere der 
beiden Gattungen nachgewiesen haben. In denselben Fehler ist auch d'Orbigny verfallen, der 


*) Versteinerungen des Kreidemergels von Lemberg und seiner Umgebung von Professor Dr. Rudolph 
Kner mit 5 Tafeln, abgedruckt aus den naturhistoriseben Abhandlungen von W. llaidinger. Band 111, 
Abtheilung' 2, Wien 1848. 



46 

aufser Pleurotoma auch noch Pyrtila, Fasciolaria und Cancellaria mit Fasus vereint. Nur bei 
Fasciolaria finden wir die Vereinigung mit Fusus begründet. 

1. P. Heisiuna, Müller. Tab. V, fig. 12. 

Das Gehäuse ist kurz, gedrängt, spindelförmig in der Mitte stark aufgetrieben, so dafs die 
ganze Gestalt sich der Form von Trochus sehr nähert und diese Species zu der früher von La- 
marck aufgestellten, später eingezogenen Abtheilung (Clavalula ) mit kurzem Kanäle gehören würde. 
Das Petrefact besteht aus 4 Windungen, von welchen die unterste mehr als doppelt so lang 
ist, wie die drei übrigen, dieselbe hat der Quere nach eine tiefe Rinne, welche nach Aufsen 
von zwei scharfen etwas lappigen Kielen begränzt werden. Zwischen der Rinne laufen der 
Länge nach feine Falten, welche durch eine Querlinie in der Mitte getrennt werden. Der Aus¬ 
schnitt ist kurz, von gleicher Rreite mit der Rinne. Die folgenden Windungen tragen in der 
Mitte einen scharf hervortretenden Kiel. Ueber das ganze Gehäuse laufen feine Querlinien, aufser- 
dem zeigen sich noch vor der Naht des untersten Umganges zarte Körnchen. Die Nähte sind kaum 
sichtbar Der Kanal ist kurz und bis zu der beschriebenen Rinne mit schräglaufenden starken 

O 

Linien versehen. Wir fanden bis jetzt zwei wohlerhaltene Exemplare bei Vaelsbrug. 

2. P. induta, Goldfufs. Tab. 170, fig. 10, pag. 19, III. 

Wir haben die Exemplare des Bonner Museums und noch besser erhaltene bei Herrn Dr. 
August Kranz, sämmtlich von Haldem in Westphalcn herstammend, genau angesehen, so wie 
auch die Pleurotoma semilineata Münster, von ebendaher und glauben uns überzeugt zu haben, 
dafs sämmtliche von Goldfufs aus der Kreide herslaminende als Pleurotoma beschriebenen Arten 
nicht zu Pleurotoma gehören. Reufs streicht pag. 110, II, seine Pleurotoma Roemeri, Tab. 9, 
fig. 10, a, b, c, d, so wie auch Pleurotoma remote-lineata, Geinitz, Tab. 17, fig. 5, pag. 70 
und dessen Nachtrag Tab. 5, fig. 6, und verweiset sie zu Fasciolaria , wir stellten die¬ 
selbe pag. 37 zu Fusus. Bei Lamarck Tab. 9, pag. 345, bemerkt Deshayes über Pleurotoma 
(1845) : »H y a un fait remarquable, c’est que, jusqu’ä present du moins il n’y en a pas une 
seule espece au-dessous des terrains tertiaires.« Wir haben den Namen PL induta beibehalten, 
bis wir die Gattung zuverläfsig zu bestimmen im Stande sein werden. Geinitz im Quadergebirge 
pag. 138 macht daraus, vielleicht mit Recht, Voluta induta. Das Petrefact kommt vor in der 
Wolfsgracht bei Gymnich und bei Kunraad. 

Pieurotomaria , Ebefrance. 

Von dieser in der Kreideformation in ziemlich zahlreichen Arten vertretenen Gattung finden 
wir bis jetzt in unserer Umgebung nur wenig Representanten und zwar : 

1. PL gigantea, Sow. bei Fitton, Tab. 14, fig. 16, pag. 339. — Bei Goldfufs Tab. 187, 
fig. 6, a, b, c, pag. 77, III. — Reufs, Tab. 7, fig. 18, pag. 47, I. — Geinitz, Nach¬ 
trag Tab. 5, fig. 5, pag. 10 und dessen Grundrifs Tab. 15, fig. 3, 4, pag. 356. — Mit 
Reufs auch Troclius jurensisimilis, Roetner, Oolilh Tab. X, fig. 13, pag. 151, hieher- 
zuziehen scheint uns bedenklich. 

Diese Species verdient mit Recht ihren Namen, denn Soicm-by sah ein Exemplar von 7 Zoll 
Durchmesser. Sie ist so breit wie hoch, mit 5 schwach gewölbten, ebenen, sich dachförmig 


47 

erhebenden Windungen. Wir sahen bis jetzt nur glatte Steinkerne. Nach Sowerby war die 
Schale nur mit Querlinien gestreift (concentrically striated), nach Goldfufs sehr fein gegittert. 
Die Basis ist flach-convex, fast eben, scharfkantig, weit und tief genabel. Bis jetzt nur Stein¬ 
kerne vor dem Königsthor und in der Wolfsgracht, selten. 

2. Pl. linearis, Mantell. Bei Reufs Tab. 10, fig. 8, a, b, pag. 47, I und pag. 111, II, wo 
derselbe eine Menge später entstandener Species auf diese eine zurück führt. Wir ha¬ 
ben uns von der Richtigkeit der Ansicht, so weit unsere literarischen Quellen reichen, 
überzeugt und müssen im Uebrigen auf die angeführten Stellen bei Reufs verweisen- 
Wir halteu demnach für identisch mit Pleurotomaria linearis, Mantell : 

Pl. distincta, Dujardin. Bei Goldfufs Tab. 187, fig. 1, a, b, c, pag. 75 und 76, III. 

Pl. velata, Goldf. Tab. 187, fig. 2, a, b, c, pag. 76, III. — Nicht hieher zu gehören 
scheint uns dagegen Pl. velata bei Kner Tab. 3, fig. 12, pag. 18, 19, welche, wenn 
sie nicht zu Pl. gingantea gehört, wohl eine neue Species bilden mufs. 

Pl. granulifera, v. Münster. Bei Goldfufs Tab. 187, fig. 3, a, b, pag. 76, III. 

Pl. plana, v. Münster. Bei Goldfufs Tab. 187, fig. 4, a, b, pag. 76, III. 

Pl. perspectiva, d’Orbigmj. Tab. 196, fig. 1—5, pag. 255, II. 

Pl. Mailleana, d’Orbigny. Tab. 195, fig. 1—10, pag. 253, II, ebenso die bei Kner unter 
demselben Namen Tab. 3, fig. 11 und Tab. 4, fig. 2, pag. 18, abgebildeten und be¬ 
schriebenen Exemplare. 

PL Haueri, Kner. Tab. 4, fig. 1 und 1 a, pag. 18. 

Wie es möglich ist, dafs aus einer und derselben Species so viele scheinbar verschiedene 
Arten aufgestellt werden können, wird dem am leichtesten klar, der Gelegenheit hat, mit eige¬ 
nen Augen zu sehen, wie verschieden die Exemplare derselben Art und derselben Lokalitäten er¬ 
scheinen und zwar durch Zerdrückung, durch mehr oder minder erhaltener Bedeckung, durch 
Verschiedenheit der Altersstufe u. s. w Die Beschreibung bei Reufs 1. c. stimmt mit einem 
unserer ganz gut erhaltenen Exemplare völlig überein. Das Gehäuse ist breit, kreisrund, niedrig 
kegelförmig, kaum halb so hoch als breit, mit 5 gewölbten, über der Mitte gekanteten Um¬ 
gängen, die an der Oberfläche mit erhabenen, ziemlich dicht gereihten Querlinien bedeckt sind ; 
über diese laufen bei gut erhaltenen Exemplaren noch feine Längslinien. Die Basis mit dem 
Nabel haben wir nicht blofs legen können. Nach Reufs ist derselbe weit. Kommt im Mergel 
bei Vaels vor. Die grofse Verbreitung, welche dies Petrefact hat, machen dasselbe zu einer 
Leitmuschel der oberen Kreide. 

► 

Triton , ILmnarcU. 

1. T. crelaceum, Müller. Tab. V, fig. 2, a, b. 

Es ergänzt dies Petrefact eine bis dahin in der Kreide noch nicht nachgewiesene Galtuhg. 

Wir würden grofses Bedenken getragen haben, dasselbe dahin zu rechnen, wenn das vor uns 
liegende Exemplar nicht alle Zweifel beseitigte, und uns nicht volle Gewifsheit über die Gat¬ 
tungs-Bestimmung gäbe. Wir halten uns dabei an Lamarck' s Diagnose : tesla ovata vel oblonga, 




basi canaliculata; varicibus vel alternis vel raris aut subsolitariis, seriesque longitudinales ne- 
quaquam formantibus. Apertura oblonga. Es beweiset dieser glückliche Fund wieder, wie Unrecht 
es ist zu behaupten, dafs diese und jene Gattungen in der Kreideformation nicht vorkämen, 
wie d’Orbigny pag. 330, II, bei der Familie Muricidae thut, wo es heifst : les genres Ranelia, 
Murex, Triton manquent au sein des terrains cretacees, n’ayant paru sur le globe qu'avec les 
terrains tertiaires. Das Kreidegebirge ist in seinem paläontologischen Theile noch zu wenig er¬ 
forscht, als dafs apodictische Sätze über das Vorkommen von Klassen und Gattungen aufgestellt 
werden könnten. 

Das Gehäuse ist länglich-eiförmig; es besteht aus 5 gewölbten Windungen, wovon die unterste 
bis zur Spitze des Kanales noch etwas länger ist, als das übrige Gewinde. Die Bedeckung be¬ 
steht aus zarten Querlinien, welche durch etwas stärker hervorstehende, gebogene Längsrippen 
durchschnitten werden. Die bezeichnenden Wulste treten stark heraus und stehen schräge über¬ 
einander, jeder der drei unteren Umgänge trägt zwei solcher Wulste, auf den oberen verlieren 
sich dieselben. Die Mundöffnung ist wulstig, oval. Der Kanal ist kurz, etwas nach Aufsen ge¬ 
bogen. Bis jetzt nur im Grünsand bei Vaelsbrug in bester Erhaltung. 



1. C. fasciatum, Reufs. Tab. X, fig. 4, pag. 42, I. 

Wir haben der sonst genauen Beschreibung von Reufs berichtigend hinzuzusetzen, dafs voll¬ 
ständig erhaltene Exemplare, wie sie vor uns liegen, 13 —14 Windungen zählen. Ferner ist das 
thurmfönnige Gehäuse nicht stumpf, sondern nadelspitz. Die drei obersten Windungen sind 
meistens abgebrochen und so konnte der Irrthum bei Reufs leicht entstehen. Die beiden Kör¬ 
nerreihen auf jeder Windung und das feiner gekörnte, vor der Naht etwas vertieft liegende 
Reifchen machen die Art leicht kenntlich. Alle Exemplare haben nur die bei Reufs angegebene 
Gröfse. Ob Roemer’s C. binodosum Tab. XI, fig. 16, pag. 79, hieher zu ziehen sei, bleibt 
zweifelhaft, denn dafs angegeben wird, es habe dies etwa 6 Windungen, kann nichts entschei¬ 
den. Wie man überhaupt aus den beiden unteren Windungen auf die Anzahl der Windungen 
des Ganzen, namentlich bei einem Cerithium schliefsen kann, bleibt uns unerklärlich. Die Win¬ 
dungen des C. fasciatum beweisen dies auffallend, denn die drei untersten Windungen dessel¬ 
ben sind länger als die darüber stehenden 10—11 zusammen genommen. C. fasciatum fanden 
wir bei Vaelsbrug. 

2. C. foveolatum, Müller. Tab. VI, fig. 2. 

Das Gehäuse ist sehr schlank, thurmförmig, spitz und besteht aus 16—17 Windungen. Jeder 
Umgang trägt drei Reifchen, welche in regelmäfsigen Zwischenräumen von Längsrippen durch¬ 
schnitten werden. Von diesen letzteren hat jede drei spitze Erhabenheiten. Zwischen je vier 
und vier dieser Erhabenheiten bildet sich eine länglich runde, ganz glatte Vertiefung. Der Rand 
der Mundöffnung war an unserem Petrefact abgebrochen. Die Verschiedenheit dieser Species 
von Cerithium reticulatum, Soio., bei Reufs Tab. XI, fig. 22, pag. 42, I, ist augenfällig, ob¬ 
gleich sie demselben zunächst steht. Bis jetzt nur bei Vaelsbrug im Grünsand. 


-c*-g>>ig@=o- 


3. C. Rhyckholli, Müller. Tab. V, fig. 9. 

Das Bild stellt nur ein junges Exemplar dar, wir besitzen davon Steinkerne mit theilweise 
erhaltener Bedeckung von fast dreifacher Gröfse. Das Gehäuse ist thurmfönnig mit breiter Basis, 
es bestellt aus 6 Windungen. Dieselben schliefsen mit kaum sichtbarer Naht dicht aneinander. 
Die Windungen biegen sich vom Rande zur Naht etwas einwärts. Der Rand der Windungen ist 
mit wulstigen, länglichen Knoten versehen. Ueber diese Knoten, so wie auch über das ganze 
Gehäuse laufen deutlich hervortretende, dicht gereihte Querlinien. Die Mundöffnung ist grofs, 
den Mundsaum haben wir nicht beobachten können. Nicht selten am Lusberg, vor dem Königs¬ 
thor und zu Vaelsbrug im Grünsand. 

4. C. Sarlorü Müller. Tab. VI, fig. 4, a—b. 

Das Gehäuse ist thurmförmig, schlank und besteht aus 13 bis 14 Windungen, die sich nach 
der Spitze hin rasch verjüngen. Jede Windung trägt eine Doppelreihe Knoten. Die Knoten der 
oberen Reihe sind etwas schwächer, als die der unteren. Gleichsam mitten in den Nähten liegt 
ein mit feinen Körnchen bedecktes Reifchen, welches von zwei Linien eingefafst ist, wovon 
die untere unter der Loupe noch ganz zarte Körnchen zeigt. Auf den untersten Umgängen sind 
zwischen den Knotenreihen noch einzelne Querlinien sichtbar. Der Kanal ist kurz. Die Mund¬ 
öffnung bildet einen starken Wulst mit feinen Längsfalten. Bemerkungswerth ist noch der be¬ 
deutende Wulst auf der untersten Windung der Mundöffnung gegenüber, indem auf keine der 
folgenden Windungen sich Wülste zeigen. Das Petrefact fanden wir bis jetzt nur im Grünsand 
bei Vaelsbrug, jedoch in vortrefflicher Erhaltung. 

5. C. Geinitzii, Müller. Tab. VI, fig. 8. 

Das Gehäuse ist thurmförmig und besteht aus etwa 10 Windungen, wenn wir eine nicht zu 
rasche Verjüngung der Spitze annehmen, die an unseren Exemplaren abgebrochen ist. Die Win¬ 
dungen sind stark gewölbt. Jeder Umgang zeigt fünf Reifchen mit Knoten besetzt. Die Knoten 
der Mittelreihe sind stärker als die der beiden darunter und darüber liegenden. Die Knoten 
stehen etwas schräge übereinander und sind der Länge nach schwach verbunden, so dafs da¬ 
durch ein Gitter entsteht und allemal sich zwischen vier derselben eine Vertiefung zeigt. Auf 
den drei unteren Windungen zeigen sich keine Wulste, die folgenden haben aber solche, die¬ 
selben stehen aber nicht übereinander, sondern wechselnd. Ueber das ganze Gehäuse laufen 
noch äufserst feine Querlinien. Der Kanal ist kurz; vor demselben stehen drei etwas schräg 
laufende scharfe Kiele. Die Mundöffnung haben wir nicht blos legen können. Am Lusberg und 
vor dem Königsthor selten. 

6. C. Mer ei, v. Münster. Goldf. Tab. 174, fig. 3, pag. 34, III. 

Wir glauben diese Species in vielen Bruchstücken mit den 7 oberen Windungen von Vaels¬ 
brug und von dem Königsthor erkannt zu haben, wir sind aber nicht vollkommen gewifs über 
die Identität der bei Goldfufs beschriebenen Art. Derselbe sagt, sie habe 12 vierseitige Win- 


*) Benannt nach dem Nestor der Aachener Aerzte und Brunnen-Inspektor Herrn Dr. von Sartorius, der 
mit besonderer Vorliebe für Naturwissenschaften alle dahinzielende Studien mit Begeisterung und 
Aufopferung fördern hilft. 


7 



50 

düngen mit etwas gebogenen Längsreihen, die keine regelmäfsige Längsreiben bildeten. Geinitz 
itn Quadersandstein-Gebirge pag. 142 gibt aucli das Vorkommen der Species bei Aachen an. 

7. C. binodosum, Roemer. Tab. 11, fig. 16, pag. 79. 

Wir stellen diese Species der Vollständigkeit wegen hierher, obgleich wir bei unserem mehr 
als zwanzigjährigen Sammeln dieselbe hier noch nicht aufgefunden haben. Dadurch soll aber 
die Richtigkeit der Species und das hiesige Vorkommen nicht in Frage gestellt werden. 

Capulus , Mont fort* 

Mil Recht haben die neueren Schriftsteller den älteren Gattungsnamen beibehalten und die 
Benennung Pileopsis von Lamarck fallen lassen. Unseres Wissens ist bis jetzt nur eine einzige 
Species aus der Kreide beschrieben und zwar Pileopsis elongata (Capulus elongatns) c. Münster, 
bei Goldfufs Tab. 168, fig. 12, pag. 12, III. Die Gattung reicht übrigens bis in den ältesten 
Silurischen Kalk hinauf, ist in einer ansehnlichen Zahl von Arten im Bergkalk vorhanden, zeigt 
sich in der Oolithenperiode und entwickelt sich sehr mannigfaltig im Tertiären, nach unserem 
früher aufgesteüten Grundsätze konnte sie daher in der Kreide nicht fehlen und sind wir über¬ 
zeugt, dafs dieselbe noch eine Anzahl Arten birgt, die den Uebergang zu den zahlreichen 
Arten des Tertiären vermittelt. Wir fanden noch drei neue Species. 

1. C. militaris, Müller. Tab. VI, fig. 9. 

Das Gehäuse erhebt sich zuerst ganz allmälig und mit geringer Abnahme der Breite von der 
Basis aus. Das oberste Drittel desselben verschmälert sich aber rasch und endet in eine gebo¬ 
gene, etwas seitwärts gekrümmte, stumpfe Spitze, das Ganze sieht daher einer Schlafmütze 
ähnlich. Die Oeffnung ist sehr schräge, oval und wird dadurch der hintere Theil, im Verhältnifs 
zum vorderen, weit kürzer. Die vordere Seite ist glatt, die hintere etwas gerunzelt, besonders 
gegen den Mundsaum hin. Kommt vor beim Königsthor. 

2. C. carinifer, Müller. Tab. VI, fig. 10. 

Dieser Capulus zeichnet sich durch den Rand aus, der den hinteren Theil des Gehäuses um¬ 
gibt, es scheint uns, als wenn derselbe das Ganze umgeben hätte. Das Gehäuse ist niederge¬ 
drückt, gewölbt, sich ganz allmälig in eine Spitze verschmälernd und mit dem oberen Theile 
etwas seitwärts gebogen. Die Spitze an unserem Exemplar ist abgebrochen, scheint aber stumpf 
gewesen zu sein. Von der Spitze aus laufen nach dem Rande hin divergirende gekielte Rippen 
mit flachen Zwischenräumen. Vom Rande bis zur Hälfte der Schale hinauf zeigen sich faltige 
Querlinien, die sich nach der Spitze hin mehr und mehr verlieren. Fundort wie bei der vorste¬ 
henden Species. 

3. C. Trosclieli, Müller. Tab. VI, pag. 11. 

Pileopsis compressa ’), Müller. 

Das Gehäuse bildet von der Vorderseite gesehen ein Dreieck. Dasselbe erhebt sich nur wenig, 
doch fast senkrecht. Die Vorderseite ist schwach convex, mit Querfalten versehen, die nach 

*) In den Verhandlungen der Naturforscher zu Aachen pag. 302. Goldfufs beschrieb aber schon eine Pi¬ 
leopsis compressa aus dem devonischen Kalk. 



51 

der Spitze bin allmälig schmäler werden. Die Hinterseite erscheint concav und die Falten 
kaum sichtbar. Durch die Einbiegung der Hinterseite erscheint das Petrefact wie aus zwei 
Schalen zu bestehen, die beim Zusammentreffen eine Kante bilden. Die Spitze ist stumpf, die 
Basis elliptisch. Kommt ebenfalls am Königsthor vor. 

Aus derselben Lokalität liegen noch zwei andere Species vor uns, die wir aber wegen Man¬ 
gelhaftigkeit der Exemplare vorläufig bei Seite legen. 

Fissurella 9 Hruguiere. 

F. Icevigata, Goldfufs. Tab. 167, fig. 14, pag. 8, III. 

Wir müssen bekennen, dafs wir dies Petrefact bis heute noch nicht aufgefunden haben, da 
wir dasselbe aber auch anderwärts, als aus dem Grünsand von Aachen stammend angeführt 
finden, so nehmen wir keinen Anstand, die Beschreibung von Goldfufs hierher zu setzen, ohne 
Gewährleistung für das hiesige Vorkommen geben zu können. Das Gehäuse ist kreiselförmig, 
glänzend, mit unregelmäfsigen, sehr feinen concentrischen Streifen. Der Scheitel liegt aufser 
dem Mittelpunkte, seine Oeffnung scheint oval zu sein. Der Umfang ist eiförmig. 


Bis jetzt war uns diese Gattung nur aus dem Tertiären bekannt und selbst darin ist die Zahl 
der dahin gehörenden Arten verhältnifsmäfsig gering. 

1. C. cretacea, Müller. Tab. VI, fig. 12. 

Das Gehäuse ist sehr gewölbt, nach beiden Seiten gleichmäfsig abfallend. Die Gestalt ist 
länglich rund, nach der Spitze hin schmäler und nach dem unteren Rande sich erweiternd. Die 
Spitze ist stark seitwärts gedreht, mit einem kurzen, fast flachen Gewinde, wie bei einer Ha¬ 
liotis. Das Ganze ist mit zarten Querfalten bedeckt, welche von der Spitze bis zur Hälfte des 
Gehäuses von feinen, etwas gebogenen Längslinien durchschnitten werden. Im Innern ragt die 
Platte, welche die Gattung characterisirt, ziemlich stark hervor und setzt sich nach dem rechten 
Rande etwas fort. Zu Exogyra konnten wir das Petrefact nicht zählen. Wir besitzen bis jetzt 
nur ein wohl erhaltenes Exemplar aus dem Grünsande bei Vaels. 


Es erscheint uns nicht unangemessen, zum Schlüsse dieser Abtheilung eine tabellarische Zu¬ 
sammenstellung der Gattungen aus der hiesigen Kreide mit numerischer Angabe der Species 
derselben beizufügen. Wir stellen dabei des Vergleiches wegen vier Rubriken auf, von welchen 
die erste die Namen der Gattungen, die zweite die Anzahl der Species, welche nach Geinits 
im Quadergebirge pag. 124—144 bis jetzt in ganz Deutschland aufgefunden wurden, die dritte 
die Anzahl der im Aachener Gebiete vorkommenden und endlich die vierte die Zahl derjenigen, 
welche wir für neue Species hallen, nachweiset. Es wird daraus dann leicht erhellen, welche 
Gattungen für die Kreideformalion neu sind und wie sich die Zahlenverhältnisse ihrer Species 
zu einander heraussteilen. Die mit einem Asteriskus bezeichnelen Gattungen waren auch in 





den übrigen Kreidebildungen aufserhalb Deutschlands noch nicht nachgewiesen. Eine fünfte Rubrik 
mit der Angabe der Fundorte haben wir nicht für nölhig erachtet, weil mit Ausnahme der ein¬ 
zigen Species Pleurotomaria linearis alle übrigen Gattungen und Species aus dem Grünsande 
herstammen. 


Tabellarische Uebersiclit 

der Gattungen der Gasteropoden der deutschen Kreideformation und der numerischen Verhältnisse der Arten. 



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Namen der Gattungen. 

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Anmerkungen. 

1. Turritella, Lamarck. 

10 

24 

16 

Ad 1. Die srofse Differenz der 

2. *BuIIa, Linne. 


1 

1 

Zahlen erklärt sich theilweise 
dadurch , dal's hei Geinitz 

3. Scalaria, Lamarck. 

i 

4 

2 

mehrere Species von Goldfufs 
als synonym aufgeführt sind, 
die wir als besondere Species 
behandelt haben. 

Ad 3. Wir vermissen bei Gei- 

4. Rissoa, Freminvilie. 


2 

2 

5. Eulima, Risso. 

3 

2 

2 

6. Chemnitzia, d'Orbigny. 


1 

1 

nitz Scalaria Philippi , Reu/s. 

7. Pyramidella, Lamarck. 

1 

1 

1 


8. Nerinea^ Defrance. 

3 




9. Actaeon, Montfort. 

2 

7 

5 


10. Actoeonella, d’Orbig-nv. 

2 



Ad 10. Die Gattung Äctceonclla 

11. Yolvaria, Lamarck. 

1 

1 


haben wir von Actwon nicht 
getrennt. 

Ad 12. Geinitz hat Avellana 

12. Avellana, d’Orbigny. 


4 

3 

13. Ringicula, Deshayes. 

4 



mit Ringicula verbunden. 

14. Globiconcha, d’Orbignv. 


1 

1 

3 


’ = J :. 

15. Natica, Lamarck. 

7 

8 


16. Nerita, Linne. 

3 



17. Litorina, Sowerby. 

18. Pleurotoma, Lamarck. 


1 

9 

1 

Ad. 17. Litorina rotundata fährt 
Geinitz als Natica vulgaris 
auf. 




Zu übertragen. 

37 

59 

38 














































Namen der Gattungen. 


Anmerkungen. 


53 



Uebertrag 

19. Trochus, Linne j 

20. Turbo, Linne ( 

21. Solarium, Lamarck. 

22. *Cassidaria, Lamarck.. 

23. Pleurotomaria, Defrance. 

24. Rostellaria, Lamarck. 

25. Strombus, Linne. 

26. Conus, Linne. 

27. Voluta, Lamarck. 

28. ,>: 'AncilIaria, Lamarck. 

29. Mitra, Lamarck. 

30. * :: 'Murex, Linne. 

31. ‘"'Triton, Lamarck. 

32. Fusus, Lamarck 

33. Pyrula, Lamarck 

34. Buccinum, Lamarck.. 

35. Cerithium, Bruguiere. 

36. Capulus, Montfort_ 

37. ‘“Crepidula, Lamarck. 

38. Fissurelia, Bruguiere. 

39. Emarginula, Lamarck, 

40. Acmoea, Escliolz. 

41. Dentalimn, Linne.... 

42. *Vermetus, Adanson . 



37 

32 

2 

8 

13 

8 

2 

6 

1 


15 

3 

11 

1 

3 

2 

9 

6 


159 


Anzahl der bei Aachen 

vorkommenden Al ten. 

Davon halten wir für 

neue Arten. 

59 

38 

9 

5 

1 

1 

2 

— 

13 

6 

2 

2 

1 

— 

5 

5 

1 

1 

3 

3 

1 

1 

1 

1 

20 

14 

1 

1 

7 

4 

3 

3 

1 

1 

1 

— 

5 

2 

1 

1 

136 

89 


Ad 19 & 20. Geinitz hat Turbo 
mit Trochus vereint, dem wir 
hier gefolgt sind. 


Ad 32 & 33 wie oben bei 19 & 
20, sind hier Fustis und Py¬ 
rula verbunden. 







































5# 

Das Erscheinen der zweiten Abtheilung unserer Monographie ist durch manche unausweich- 
bare Hemmnisse länger hinausgeschoben worden, als wir bei der Veröffentlichung der ersten 
Abtheilung voraussetzen durften, zumal da dieselbe schon derzeit im Wesentlichen vollendet 
war. Uebrigens erschienen die drei ersten Bogen der vorliegenden Abtheilung nebst Tab. IU 
bereits im September 1849 im Programm des Aachener Gymnasiums, dem wir damals durch 
Separatabdriicke der Abhandlung eine möglichst grofse Verbreitung im geologischen Publikum 
verschafften. Diese Verzögerung des Erscheinens hat aber der Arbeit nur nützen können, denn 
wir benutzten dazu noch manche interessante Belehrung, welche uns während der Zwischenzeit 
durch Männer der Wissenschaft in persönlichem Verkehr mit denselben zu Theil wurde. Wir 
zählen dazu die Herren Alexander von Humboldt, Leopold von Buch, von Dechen, Noeggerath, 
Göppert, Koch, Geinitz, F. Roerner, Murchison, Pradt, De Köninck, Dumont u. A. Nicht wenig 
verdanken wir auch den brieflichen Mittheilungen der für die Wissenschaft zu früh dahingeschie- 
denen Herren Goldfuß und Becks, so wie auch vorzüglich denen des Herrn von Eagenoic und 
der Herren de Rhyckholt und Bosquet. Was die literarischen Hülfsmiitel betrifft, so waren wir 
meistens auf unsere eigene Bibliothek angewiesen, in manchen Fällen unterstützten uns auf das 
bereitwilligste die Herren von Dechen, Noeggerath und F. Roemer mit einzelnen Schriften, die 
uns fehlen. Wir führen dies deshalb an, damit uns der Vorwurf nicht treffe, als hätten wir 
manche Schriftsteller oder die Citate Anderer nicht gehörig berücksichtigt. Alle Stellen, welche 
wir anführten, sind gewissenhaft von uns verglichen worden, sollten dennoch im Drucke Irrthü- 
mer eingeschlichen sein, so bedarf es wohl kaum der Entschuldigung bei solchen, welche mit 
derartigen Arbeiten vertraut sind. 

Was die Lokalitäten betrifft ‘4, so sind dieselben überall genau angegeben, was wir mit um 
so gröfserer Zuverlässigkeit thun konnten, weil wir alle von uns beschriebenen Petrefacten an 
Ort und Stelle selbst gesammelt haben oder unter unseren Augen von wifsbegierigen Schülern 
herausgefördert wurden. Wenn wir bei vielen Petrefacten als Fundort blos Vaelsbrug angeben, 
so soll damit nicht bezeichnet werden, dafs sich das Vorkommen auf diese kleine Strecke be¬ 
schränkt, sondern damit meinen wir auch das naheliegende Bauerfeld, den Escherberg, kurz, 
den Vaelser Grünsand, auf den wir in unserer ersten Abtheilung zuerst aufmerksam machten. 
Zugleich müssen wir noch bemerken, dafs dieser Sand in paläontologischer Beziehung den 
Muschelconglomeraten vor dem Königsthor, am Lusberg, am Grundhaus und im Aachener 
Walde fast gleich steht. Denn im Verlaufe der Zeit haben wir an genannten Stellen die meisten 
Gattungen und Species des Vaelser Grünsandes aufgefunden. Dieser £rünsand ist aber das 
vollständigste Aequivalent des Blackdowner Grünsandes, wie uns die englischen Geologen und 
ganz neulich noch J. T. Bowerbank versicherten, der hinzusetzte, dafs er sowohl die Vaelser 


*) Wie unzuverläfsig, namentlich in manchen älteren Schriften, Fundorte angegeben werden, ist unglaub¬ 
lich und erfordert daher das wissenschaftliche Interesse die gröfste Gewissenhaftigkeit und Genauig¬ 
keit. Um hier ein Beispiel anzufiiliren, so gibt von Schlotheim in seiner Petrcfactenkunde. pag. 3lG, 
311 und an anderen Stellen, als Fundort von Kreidcpetrefacten Cosfcld bei Aachen an ; wohl nur 
eine Verwechselung mit Coesfeld in Westphalen. 



33 


Masse, als auch die daraus geförderten Petrefacten von den Blackdowner nicht zu unterschei¬ 
den vermöchte. Terebrateln und Echinodermen fehlen indessen unserem Grünsand ganz und gar. 
Der über dem Grünsande liegende Mergel enthält die Petrefacten der oberen weifsen Kreide 
von Rügen, Meudon, Dover, Chatam und anderer Lokalitäten, er ist reich an Terebrateln und 
Echinodermen, enthält aber fast gar keine Gasteropoden, woran der Grünsand so überaus reich 
ist. Das Gestein in der Wolfsgracht und noch mehr das bei Iloselt stimmt petrographisch und 
paläontologisch mit den Schichten von Haldem in Westphalen überein und scheint uns unzwei¬ 
felhaft dem Grünsande anzugehören. Wir erwarten darüber die Bearbeitung der westphälischen 
Kreide von F. Roemer, wie wir mit Vergnügen aus einem Briefe desselben an Herrn L. von 
Buch in der deutschen geologischen Gesellschaft, Band II, Heft I, pag. 12—14, ersehen. Wir 
haben die Ueberzeugung, dafs derselbe, wenn er die Petrefacten von Haldem dabei einer 
näheren Untersuchung unterwirft, viele von uns aufgestellte Species des Grünsandes darin be¬ 
stätigen und gewifs noch manche neue aulTinden wird. Die Kreidebildung bei Aachen ist aber 
nach ihren organischen Einschlüssen offenbar eine zweifache, eine jüngere und eine ältere, 
welche durch ihre Petrefacten sehr scharf geschieden sind. Nehmen wir an, dafs die Maslrich- 
ter Schichten noch über der weifsen ') Kreide liegen, so hätten wir dann selbst eine dritte 
Bildung bei Vetschau, wo die Fischzähnc, die kleinen Korallen, die Echinodermen und die 
meisten Petrefacten von Mastricht Vorkommen, die bei Vaels theilweise, und im Grünsand fast 
gänzlich fehlen. Die Mastrichter und Vetsehauer Schichten sind daher leichter mit den Vaelser 
Mergeln zu verbinden, als diese letztere mit dem Grünsande. Die Petrefacten des Grünsandes 
gehören daher in dem Verzeichnis bei Geräts jedenfalls nicht zu dem oberen, sondern müssen 
zu dem mittleren, mit Uebergängen in den unteren Quadermergel gezählt werden. Das Ver¬ 
zeichnis des Herrn Geinitz hallen wir, abgesehen von der Eintheilung des Quadergebirges, 
für eine sehr mühevolle, verdienstliche und gewifs tüchtige Arbeit, wenn wir auch in manchen 
Punkten der dort geübten Kritik, besonders was die Species betrifft, entgegengesetzter Ueber¬ 
zeugung sind, die wir an anderer Stelle auszusprechen und darzulegen beabsichtigen. 

Der Grund, weshalb in diese Abtheilung die Cephalopoden, wie ursprünglich unser Plan war, 
nicht mit aufgenommen worden sind, ist einzig der, weil diese Abtheilung im Verhältnifs zu 
der ersten und noch folgenden dritten zu umfangreich geworden wäre. 

Geinitz zählt in seiner Tabelle bereits 1500 Bewohner der Quadermeerc auf, allein die Zahl 
derselben, so bedeutend sie auch schon erscheinen mag, wird sich in nicht gar ferner Zeit 
verdoppeln. Wir glauben dies mit um so gröfserer Zuversicht aussprechen zu dürfen, wenn wir 
die aufserordentliche Verbreitung der Kreidebildungen , wie L. von Buch 2 J sie zuerst in so 
genialer Weise darlegt, in’s Augen fassen und dabei berücksichtigen, wie wenig Lokalitäten 


’) Nach L. von Buch ist die obere Kreide mir weifs im nördlichen Europa, dagegen in der Schwei* 
schwarz, in Italien rotli. 

; ) Betrachtungen über die Verbreitung und die Grenzen der Kreidebildungen. Mit einem Theile der Welt¬ 
karte in Merkator’s Projektion. In den Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der preufsischen 
Itheinlande und Westphalens. Sechster Jahrgang, 1849, pag. 211 — 242. 



56 

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bis heute noch einer näheren und genügenden paläontologischen Untersuchung unterzogen wor¬ 
den sind. Nach brieflichen Mittheilungen des Herrn von Hagenow ist derselbe mit einer aus¬ 
führlichen Bearbeitung der Korallen aus der Kreide beschäftigt und wird dabei nicht unterlassen, 
die Menge Novitäten anderer Familien und Gattungen aus Rügen selbst, und was er in reicher 
Ausbeute in Schweden sammelte, zu veröffentlichen. Ebenso versprechen wir uns viel von der 
Bearbeitung der Belgischen Kreide, womit die Herren de Köninck und Nyst die Literatur be¬ 
reichern werden. 

Mögen unsere Beiträge zur Paläontologie einen neuen Beweis liefern, wie unermefslich die 
Lebewelt jener Meere war, und welche unendliche Schätze der Schoofs der Erde noch birgt! 
Sie warten nur auf die fördernde Hand und den forschenden Geist, um an das Licht zu treten 
und Gottes Gröfse und Allmacht mit zu verherrlichen. 






Nachträge und Berichtigungen 

zur ersten und zweiten Ahtheilung. 




Seit dem Erscheinen der ersten Abtheilung unserer Monographie (1847) ist uns manches Neue, 
was wir damals noch nicht kannten, in die Hände gekommen, Anderes, was wir zurücklegten, 
durch bessere Exemplare bestimmbar geworden. Nur was zuverläfsig und sicher erschien, thei- 
len wir in diesen Nachträgen mit. Mehr als 50 Petrefacten aus unserer Kreide mufsteu wir 
daher auch jetzt noch zurücklegen und würden wir sie gern einem kühneren Enträthseler, als 
wir sind, überweisen, wenn der Wissenschaft damit ein Dienst geleistet würde. Wir unseres 
Theils, wir wollen die Zeit abharren, die bedächtig und ruhig uns die Schleier lüften hilft, die 
aber ein gewaltsames Zerreilsen und Eindringen nur mit Irrthum straft. 


Zur ersten Abflieilimg. 

Seite 5, hinter Ast. Dunkeri : 

3. Asterias punctata, v. Hagenow in literis. 

Wir hatten bei Ast. quinqueloba bereits darauf aufmerksam gemacht, dafs wir Täfelchen ge¬ 
funden hätten, bei welchen die ganze Oberfläche siebförmig durchlöchert sei. Unser verehrter 
Freund, Herr von Hagenow, dem wir solche Exemplare zuschickten, sandte uns ganz dasselbe 
Petrefact von Rügen, wo dasselbe, wie er bemerkt, häufig vorkommt. Er bestimmte die Species 
als Ast. (Goniaster) punctata. Sie unterscheidet sich von Ast. quinqueloba dadurch, dafs ihre 
ganze Oberfläche siebförmig durchlöchert ist, während bei Ast. quinqueloba nur die Mittelfläche 
so durchbohrt ist, um welche aber ein kahles, glattes Bändchen als Einfassung sich herumzieht. 
Exemplare aus der Kreide bei Chatham von Ast. quinqueloba mit vielen zusammenhängenden 
Täfelchen stimmen darin überein. Von Hagenow fand noch 5 neue Species in der Rügener 
Kreide und scheint dieselbe demnach reich an Species dieser Gattung. Leider sind die Täfel¬ 
chen nicht leicht aufzufinden und zusammenhängende Stücke höchst selten. Ast. punctata kommt 
vor im Mergel bei Vaels. 

Seite 6 vor Cidarites einzuschalten : 

J&mirguetocvinus , d'Orbigny. 

B. ellipticus. 

Encrinus ellipticus, Schlotheim, Nachtr. z. Petr., Tab. 25, fig. 1. 

Apiocrinus ellipt., Miller, bei Goldfufs Tab. 57, fig. 3, pag. 186, I. — Reufs, Tab. 20, 

fig. 28—33, pag. 59, II. — Bronn, Leth. geog., Tab. 29, fig. 12, pag. 603. 

Wenn wir auch nie gezweifelt hatten, dafs nach den übrigen Petrefacten zu urtheileu die 
Vaelser Mergel nicht ohne Crinoiden seien, so wollte es uns früher doch nicht gelingen, Theile 

8 






58 

-o3>ß5-€r°- 

davon aufzufinden. Die neuere Zeit liefs uns aber einzelne dahin gehörige Säulenglieder in die 
Hände kommen. Stellenweise finden sich dieselben in dem Hornstein des Aachener Waldes 
sehr häufig. 

Seite 8 bei Galerües zuzusetzen : 

3. Galerües vulgaris, Lamarck. Bei Goldfufs Tab. 40, fig. 20, a, b, pag. 128, I. 

Galerites abbreviatus, Lamarck. Bei Goldfufs Tab. 40, fig. 21, pag. 128, I. 

Galerües pyramidalis, Desmoul. Nach Roemer pag. 32. 

Bronn, Lethcea geog. Tab. 29, fig. 17, a, b, pag. 616. 

Das Petrefact ist halbkugelig, kegelförmig, stark gewölbt. Die Mundöffnung liegt genau in 
der Mitte, der After dicht vor dem Bande, beide sind kreisrund. Bis jetzt nur selten im Feuer¬ 
stein des Aachener Waldes. 

Seite 10 zu Micraster : 

1. Micraster Bufo, Cuv. In der Description geologique des environs de Paris, par G. Cuvier 
et Alex. Brongniart , Paris 1822, nouvelle edition, von Alex. Brongniart als Spalangus 
Bufo, aufgefiihrt Tab. V, fig. 4, A, B, C, pag. 84. — Bei Goldfufs Tab. 47, fig. 6. 

Wohl zu unterscheiden von Schizaster Prunella, Lamarck, mit dem er sonst grofse Aehn- 
lichkeit hat. Abgesehen von der bedeutenderen Gröfse des M. Bufo liegen bei demselben auch 
die Fühlergänge bedeutend eingedrückt. Kommt vor im Hornstein des Aachener Waldes. 

Seite 10 zu Holaster : 

Holaster suborbicularis , De fr. Bei Cuvier und Brongn. Tab. 5, fig. 5, A, B, C, pag. 
84. — Bei Goldftifs Tab. 45, fig. 6. 

Wir fanden Exemplare im Hornstein des Aachener Waldes und in dem Mergel bei Yaels. 

Seite 12 vor Serpula gordialis, Schloih. 

Serp. iubu, Soic. Bei Fitton Tab. 16, fig. 3, pag. 340. 

Wir können uns mit der Kritik von Geinitz Quadergebirge, pag. 104—106, durchaus nicht 
einverstanden erklären, denn er führt dort eine Menge von Species auf Serp. plexus, Sow. 
zurück, die nach unserer Ansicht ganz verschieden sind, manche davon haben nicht einmal 
Aehnlichkeit mit einander. Wir würden hier zu weitläufig werden müssen, wenn wir eine Kritik 
der dort aufgezählten Species schreiben wollten. Die oben angeführte Art halten wir für eine 
selbständige, die z. B. mit implicata, v. Hag. nichts gemein hat. Wir besitzen viele hundert 
Exemplare von der Gröfse eines bis drei Zoll, die alle mit Serp. tuba übereinstimmen. Es sind 
einfache runde Röhren, meist grad gestreckt, einzelne nur wenig gebogen, von ganz gleichem 
Durchmesser der ganzen Länge nach. Die Bedeckung zeigt schwache Querfalten, die Schale 
ist mittelmäfsig dick, Sowerby gibt sie dünn an, was aber nur bei verwitterten Exemplaren 
richtig ist. Kommt von allen Serpuliten hier am häufigsten vor im Grünsand bei Vaels und am 
Königsthor und Lusberg. Da die ersten hundert Exemplare, die wir fanden, alle fast gestreckt 
waren, so glaubten wir es mit einem Dentalium zu tliun zu haben und schickten sie daher 
unseren Freunden unter diesem Gattungsnamen. Von Hagenow in lit. machte uns zuerst darauf 
aufmerksam, dafs es eine Serpula sei. 




Zu Serpula quadrangularis, Roemer ziehen wir mit Geinitz 1. c. Serpula conteriata, v. Hage¬ 
now , Jahrb. 1840, Tab. 9, fig. 18, pag. 668. Roemer hatte wohl nur mangelhafte Exemplare 
vor Augen und nennt das Petrefact glatt, v. llagenow machte darauf aufmerksam, dafs die ab¬ 
gerundeten Kanten sparrenförmig quergekerbt sind, was wir bestätigen können. 

Seite 12, hinter Serpula quadr angularis vor c. Röhren vierseitig : 

Serpula prolifera, Goldfufs. Tab. 68, fig. 11, a — g, pag. 231, I. 

Wir besitzen aus dem Mergel bei Yaels ein Exemplar, welches mit den angeführten Abbil¬ 
dungen und der Beschreibung so genau übereinstimmt, dafs wir dieselbe Species darin erken¬ 
nen müssen. Es ist uns dabei nicht entgangen, dafs die Bonner Exemplare aus dem Jura bei 
Streitberg herstammen. 

Seite 12, vor der Abtheilung C : 

d. Röhren siebenseitig. 

Serpula heptagona, v. llagenow. Bronns Jahrbuch 1840, pag. 669. — Bei Roemer pag. 101. 

Wir haben der ausführlichen Beschreibung von v. Hagenoio nichts zuzusetzen. Die Species 
ist leicht kenntlich an den 7 Kielen, welche der Länge nach über dieselbe laufen. Sie erreicht 
die Dicke eines Federkieles. Die Röhre scheint sich unter einem rechten Winkel erhoben zu 
haben, drehte sich aber etwas während des Wachsthums auf der eigenen Achse, und stehen 
daher die Kiele nicht senkrecht. Nicht selten bei Yaels und Vetschau. 

Seite 12 vor der Abtheilung D : 

Serpula arcuata, v. Münster, bei Goldfufs Tab. 70, fig. 10, a, b, pag. 237, I. 

Geinitz im Quadergebirge, pag. 102, hält diese Species für identisch mit Serpula flucluata, 
Sow., wozu er auch Serpula undulata, v. Hagenow zieht. Da uns keine Exemplare der letztge¬ 
nannten Species vorliegen, so müssen Avir uns des Urtheils darüber enthalten. Unsere Exemplare 
stimmen mit Zeichnung und Beschreibung bei Goldfufs überein. Selten auf Belemniten bei Vaels. 

Seite 2 am Ende : 

Serpula umbilicata, v. Hagenoio. Bronn’s Jahrbuch 1840, pag. 666. 

Serpula pygmeea, v. Hagenoio , ib. 667, halten wir für nur ganz junge Individuen von Serpula 
umbilicata. Letztere unterscheidet sich von Serpula subrugosa, v. Münster wesentlich dadurch, 
dafs sie glatt ist, während letztere Querfalten zeigt. Auf Belemniten und Terebrateln im Mergel 
bei Vaels. 


Talpinaf von Hagenow. 

Von Hagenoio stellt in der oft erwähnten Abhandlung über die Riigon’schen Kreidepetrefacten, 
pag. 670 und 671, die Gattung Talpina auf und zählt dieselbe den bohrenden Molusken zu. 
Eine genau Avissenschaftliche Diagnose gab er davon noch nicht und sind wir bis jetzt noch 
aufser Stand, mehr darüber zu sagen, als 1. c. angeführt ist, wir können indessen das Vorkom¬ 
men der noch rätselhaften Wesen bestätigen, denn auch auf den Belemniten von Vaels kom¬ 
men die von v. Hagenoio angeführten Arten T. solitaria und T. ramosa und ebenso T. foliacea 
und T. sentiformis vor, rvelche wir durch die Güte des Herrn von Hagenow aus der Kreide 


6© 

von Rügen besitzen und mit unseren Exemplaren vergleichen konnten. Aufser diesen glauben 
wir noch andere Species der fraglichen Gattung auf Belemniten gefunden zu haben, wir führen 
davon nur an T. rotunda, welche sich durch ihre kreisförmige Gestalt von den genannten 
wesentlich unterscheidet. 

Was die Gattung selbst nun aber betrifft, so glauben wir, dafs ein älterer Namen für dieselbe 
schon vorhanden ist. In der ausgezeichneten Monographie der Gattung Productus von L. de 
Köninck (Liege 1847), pag. 254, finden wir eine Gattung Parasiten angeführt, welche in den 
Schalen von Molusken lebte und von Nardo mit dem Namen Vioa in der Revue zoologique de 
la societe cuverienne, Fevrier 1846, bezeichnet wird. Leider stand uns diese Schrift nicht zu 
Gebote und können wir daher über die Identität von Talpina und Vioa kein Urtheil fällen. 
Bronn im Index palaeontologicus, pag. 1215, bemerkt, Talpina ab Entobia vix satis diversa und 
verweiset dabei auf seine Lcthsea geognostica, pag.691, Tab. 34, fig. i2. Wir halten uns aber 
völlig überzeugt, dafs Talpina mit Entobia nichts gemein hat, denn bei Talpina ist von Aus¬ 
höhlungen, wie Entobia machen soll, nicht die Rede. Dafs Talpina ein Parasit ist, unterliegt 
wohl keinem Zweifel. 

Seite 14. Zu Rhyncholithes sollte heifsen Rhyncholithus : 

Rhyncholithus 0 ist offenbar die einzig richtige Bildung aus den Worten £>vyy,og (Schnabel, 
Schnautze) und Xi'&og (Stein), also ein Steinschnabel oder Schnabelstein. Die Schreibweisen 
Ryncolites , Rhyncholites , Rhyncholithes , Rhyncheolithus müssen demnach wegfallen. Bei Herr- 
mannsen Indicis gen. Malacoz. Primordia, vol. II, pag. 394 und 395, wird indessen auch diese 
Benennung auf eine ältere Ramellus, Luid (teste Buch) zurückgeführt. Vol. I, pag. 499, wird 
bei Hamellus angegeben Llwyd 1698. Lith. Brit. num. 609. t. Scheuchz. Sciagr. lithol. Wir haben 
diese Citate nicht vergleichen können, glaubten aber den älteren Gattungsnamen Hamellus, 
Diminutiv von Hatnus (Fischangel) jetzt noch nicht aufnehmen zu dürfen, w r eil wir uns die 
Ueberzeuguog nicht verschaffen konnten, ob wirklich bei den älteren Schriftstellern unter Ha¬ 
mellus dieselben Petrefacten zu verstehen sind, welche die neueren unter Rhyncholithus \e r- 
stehen. 

2. Rhyncholithus Buclii, Müller. Tab. VI, fig. 13, A, B, C. 

Das vor uns liegende Petrefact hätte uns wohl veranlassen können, eine neue Gattung daraus 
aufzustellen, w'ozu der berühmte Gelehrte, dem wir dies Wesen widmeten, uns eher ermun¬ 
terte als entgegenrieth. Da wir indessen bis jetzt nur ein einziges Exemplar des Petrefactes 
besitzen, so haben wir es vorläufig zu Rhyncholithus gestellt, obgleich dasselbe von den sechs 
uns bekannten Arten aus dem Muschelkalk und den beiden aus der Kreide in vielen Stücken 
wesentlich abweicht. 

*) Herrmannsen nimmt die Schreibweise Rhyncheolithus für richtig an und setzt hinzu correctam scrip- 
turam proposuit Menke. Wir halten dagegen diese Bildung fiir ungriechisch; sagt man doch tsiyoy i/.cct, 
isr/6ji voyos , ÖQonf.d'iov , dqoofcl'Cys und nicht in/toif vXcü;, d<i(6mdioy u. s. w. Demnach sind rieh 
tig gebildet Rhynchocoris Westwood, Rhynchosaurus Owen, Rhynchostoma Latreille, Rhynchocephala 
tioldfufs u. v. a. mit (>vyx°S gebildete Zusammensetzungen. Die Wörter aus oj verlieren in der Zu¬ 
sammensetzung ohne Rücksicht auf die Deklination einfach das ?. 



61 

Die Gestalt dieses Rhyncholithen ist fast vierseitig, niedergedrückt. Die Schnabelspitze, fig. 
A, a, ist stark gerundet, fast halbkreisförmig, glatt und erhebt sich mit einer kahlen Fläche 
nur sehr wenig. Seitwärts bilden sich, fig. A, b—b, gleichsam zwei Flügel, die über die glatte 
Schnabelfläche etwas erhaben liegen und deren oberer Theil ebenfalls ohne alle Zeichnung ist. 
Zwischen diesen Flügeln ist eine Vertiefung und in dieser laufen wellenförmige Querlinien, 
welche sich bis auf den unteren Theil der Flügel fortsetzen. Die Vertiefung ist nach hinten 
von einer etwas vorstehenden Linie begrenzt, von dieser Linie fällt der Fortsatz, fig. A, 
c, der sehr kurz und völlig glatt ist, nach allen Richtungen sanft ab und bildet in der Mitte 
der Länge nach eine kahle Rinne. Die untere Seite, fig. B, ist ganz glatt. Dieselbe ist aber 
bis zur Hälfte, d—d, von der oberen Seite getrennt und bildet daher mit jener eine Art Tasche. 
Diese untere Seite ist in der Mitte etwas eingebogen, liegt an der oberen Seite an und ist nur 
an den beiden Seiten, d—d, geöffnet. Der Fortsatz, c, ist concav und hat in der Mitte eine 
Erhabenheit, welcher die auf der entgegengesetzten oberen Seite befindliche Rinne entspricht. 
Wir fanden das Petrefact in guter Erhaltung bei Vetschau zusammen mit einer Menge kleiner 
Korallen im Sand. 

3. Rhyncholithus Debeyi, Müller. Tab. VI, fig. 14, A, B, C. 

Herr Dr. Debey fand im Gyrolithen-Grünsand des Aachener Waldes diesen gut erhaltenen 
Rhyncholithen, der nun bereits die dritte Species aus der hiesigen Kreideformation ist. Mit dem 
von v. Hagenoiv beschriebenen Rhyn. cretaceus von Rügen hat derselbe nichts gemein, was 
wir um so zuverlässiger behaupten können, als Herr v. Hagenoic die Freundlichkeit hatte, uns 
eine Zeichnung seines Rhyncholithen anzufertigen und zuzuschicken, womit wir die obige 
Species vergleichen konnten. Der ganzen Form nach nähert sich derselbe den Rhyncholithen 
des Muschelkalks. Man vergleiche in dieser Beziehung Graf Münsters Beiträge zur Petrefacten- 
kunde, erstes Heft (1843), Tab. V, pag. 68 bis 71. Der vordere Theil, der den Schnabel bil¬ 
det, besteht aus zwei Dreiecken, A, a—a, welche mit ihrer längsten Seite in einen ziemlich 
scharfen Kiel zusammen stofsen. Die der Schnabelspitze entgegengesetzte Seite des Dreiecks 
ist gerade, scharf abgeschnitten, die dritte Seite, die mit dem Kiele die Schnabelspitze, bildet, 
macht eine schwache Einbiegung. Die von den bezeichneten Dreiecken gebildeten Flächen fallen 
jäh ab. Der Fortsatz ist gleich hinter dem beschriebenen Schnabel stark zusammengedrückt. 
Der breite Rücken des Fortsatzes fällt sanft ab, ist oben am Schnabel schmal und erbreitet sich 
allmälig nach unten, wo er stumpf gerundet, fig. A, e, endet. Ueber den eigentlichen Schnabel 
laufen feine, wellenförmige, faltenartige Querlinien, die auf dem Fortsatz nur wenig bemerkbar 
sind. Die untere Seite des Pctrefactes, fig. B, ist ganz eigenthümlich. Der dem Schnabel ent¬ 
sprechende Theil, fig. B, b — b, ist glatt, etwas vertieft, zeigt in der Mitte eine flache Wölbung 
in Form eines Züngleins, das von der Schnabelspitze, sich bis zum Fortsatz ganz allmälig er¬ 
breitet. Der Theil zwischen dieser Erhabenheit und dem Schnabelrande bildet daher Vertiefun¬ 
gen. Der Schnabelfortsatz ist vom eigentlichen Schnabel durch eine schwache Furche, b—b, 
getrennt und liegt etwas erhöhter als dieser. Der ganzen Länge nach laufen auf dem Fortsatz 
unregelmäfsige, erhabene Falten. 


62 


Seite 14. Terebratula zur Abtheilung A. Plicosce v. Buch. 

Terebratula Hagenowi, Müller. Tab. VI, fig. 16, a—b. 

Wir konnten diese Species mit T. granulala von Hagenow, Bronn’ s Jahrb. 1840, pag. 540 
bis 541 nicht vereinigen, ebenso wenig mit Terebratulina Dutempleana d’Orbigny. Tab. 504, fig. 
1 bis 8, womit sie einige Aehnlichkeit hat. 

Die Gestalt der Terabratel ist länglich rund. Die Ventralschale ist nur ganz flach gewölbt, 
hat neun bis zehn starke, perlschnurartige, gekörnte Falten, die von der Schnabelspitze aus nach 
Stirn und Randkanten hin stark divergiren. Die Falten selbst sind am Stirnrand am breitesten 
und verschmälern sich allmälig nach dem Schnabel hin. Die Furchen zwischen den Rippen sind 
glatt. Oberhalb der Stirn zeigen sich einige schwache Anwachsringe. Die Schlofskanten bilden 
einen spitzen Winkel, sie sind scharf und verlieren sich unvermerkt in die Seitenkanten. Die 
Area ist glatt und wird von der umgebogenen Dorsalschale gebildet. Der Schnabel biegt sich 
nur wenig herüber. Die Schnabel-Oeflnung ist rund. Die Dorsalschale ist etwas mehr gewölbt 
als die Ventralschale, ihre Falten sind sowohl an Zahl, als auch was Körnung und Richtung be¬ 
trifft gleich mit letzterer. Die Länge übertrifft die Breite nur wenig, die gröfste Höhe erreicht 
sie vor der Mitte der Länge unter dem Schnabel und fällt dann gegen Stirn- und Randkanten 
stark ab, so dafs dieselben scharf erscheinen. Kommt vor im Mergel bei Vaels. 

Terebratula Bosqueti, Müller. Tab. VI, fig. 17, a, b, c. 

Die Gestalt dieser Species ist kurz gedrängt, fast vierseitig. Die Ventralschale nur mäfsig ge¬ 
wölbt, hat 12 glatte Falten, welche vom Schnabel aus sich nur wenig erbreiten, nach Rand- 
und Stirnkanten schwach divergiren. Diese Falten siud durch concentrische Ringe durchschnit¬ 
ten und bewirken diese Ringe auf der Schale treppenartige Absätze. Die Scldofs-, Seiten- und 
Stirnkanten sind stumpf. Die Area ist glatt und wird von der umgewandten Dorsalschale gebil¬ 
det. Der Schnabel ragt ziemlich stark herüber. Die : Schnabelöffnung ist verhältnifsmäfsig grofs, 
ganz rund. Die Dorsalschale ist sehr stark gewölbt, sie hat dieselben Falten der Ventralschale. 
Die concentrischen Ringe sind aber auf derselben zahlreicher und vermehren sich bedeutend 
gegen den Stirnrand, wo beide Schalen wie mit einem feinen Zahnwerk im Zickzack zu¬ 
sammengreifen. Länge und Breite sind fast gleich. Die Dicke ist im Verhältnifs zu letzterer aufsei— 
ordentlich, die Höhe der vorderen Hälfte bedeutender, als in der Gegend des Schlofses. Es 
gehört diese Species ganz vollkommen zu der Abtheilung Pugnacece v. Buch , pag. 33, in dessen 
Schrift über Terebrateln, diese eigenthümliche Bildung der Form ebenso geistreich als klar 
erläutert ist. Die Species fanden wir im Mergel bei Vaels. 

Terebratula compressa, Lamarck. 

Davon die Form Ter. ala, Marklin, nach Geinilz Quadergebirge, pag. 208. Ter. alata, Geinitz 
Kiesl., Tab. 3., fig. 17, a, b, pag. 18. — Ter. alata, bei Nilsson, Tab. 4, fig. 8, pag. 35. — 
Selten im Mergel bei Vaels. 

Seite 15 vor Tngonia einzuschalten : 




Gastrochaena , Spengler. 

\. G. Amphisbcena, Geinitz, Quadergebirge, pag. 144. 

Serpula Amphisbcena, Goldfufs, Tab. 70, fig. 16, a, b, pag. 239, 1. 

Fistulana Amphisbcena, Geinitz, Kiesl., Tab. 4, fig. 11 —14, pag. 11. 

Serpula Amphisbcena, Reufs, Tab. 5, fig. 29 bis 32, pag. 19. 

Cerambycites, Geinitz, Char., Tab. 3, 4 und 5, pag. 13. 

Schon Goldfufs bemerkt I. c., dafs das als Serpula beschriebene Petrefact wohl eine Bohr_ 
muschel sein dürfte. Unsere Exemplare beweisen auf die unzweideutigste Weise, dafs Geinitz 
mit Recht dasselbe zu Gastroclicena (Fistulana, Teredo Lamarck) verweiset. Ein Exemplar aus 
dem Grünsand von Vaels vermögen wir kaum von den zugleich vor uns liegenden lebenden 
Exemplaren der Fistulana clcwa Lamcirck, zu unterscheiden. Die Exemplare, welche wir im 
Grünsand bei Vaels und Aachen fanden, sind gerade, diejenigen dagegen, die sich im verstei¬ 
nerten Holze finden, sind meist hin und hergebogen. Die Röhre ist dünn, lang, walzenförmig, 
verdickt sich allmälich und schliefst mit einem gerundeten in der Mitte abgeplatteten Ende. Der 
Durchschnitt ist kreisrund. Die Oberfläche zeigt ringförmige, bald kleinere, bald gröfsere An¬ 
wachslinien. Dafs die hiesigen versteinerten Hölzer verschiedene Species enthalten, ist wohl 
kaum zu bezweifeln, allein sie zu unterscheiden hält schwer. Einzelne Holzstücke, welche wir 
besitzen, enthalten mehrere hundert Individuen, oder deren verlassene Bohrlöcher. Wir setzen 
nur noch hierher : 

2. G. voracissima, Müller. 

Cerambycites, Geinitz, Char., Tab. 6, fig. 2, 3 

Teredo Argonnensis, Buvigner bei d’Orbigny, Tab. 348, fig. i— 2, pag. 302, III, ziehen 

wir hieher, nicht aber zu G. Amphisbcena. 

Dieselbe erreicht kaum die Gröfse eines Zolles, verschmälert sich vom dickem Ende aus nur 
wenig und ist dies letztere gewölbt und völlig rund. Diese Thiere scheinen in aufserordentlicher 
Anzahl zusammengelebt zu haben, denn wir besitzen ein Stück versteinerten Holzes, worin 
mehrere hundert dicht nebeneinander gereiht sitzen. Im versteinerten Holze und in Conglome- 
raten des Aachener Waldes. 

Seite 16. 

Bei Trigonia aliformis glauben wir auf die höchst interessanten Bemerkungen des Herrn L. 
v. Buch in der mehrfach erwähnten Abhandlung über die Verbreitung der Kreidebildungen pag. 
230—234 hinweisen zu müssen. Wir haben dadurch erst recht aufmerksam gemacht, uns über¬ 
zeugt, dafs Trig. sccibra, aliformis und carinata nur eine und dieselbe Species ist. Bei einer 
grofsen Menge von Exemplaren der verschiedenen Altersstufen und von den verschiedensten 
Fundorten wurde es uns nicht schwer, die Uebergänge derselben in einander zu beobachten. 
Nach v. Buch bezeichnen die Trigonien die mittlere Kreide. Bei Geinitz finden wir Seite 158 
auch T. aliformis (die Synonymen scabra etc. sind nicht angeführt) in den obern Quadermergel 
verzeichnet. 




Seite 17 zu Nucula vor Pectunculus. 

Nucula siliqua, Goldfufs. Tab. 125, fig. 13, pag. 156, II. — Geinitz, Char., Tab. 20, 
fig. 28 und 29, pag. 77. — Reufs, Tab. 34, fig. 11, pag. 7, II. 

Das Vorkommen dieser Species, welche Goldfufs aus dem Grünsand von Aachen 1. c. schon 
angab, können wir jetzt auch bestätigen, wir fanden Exemplare vor dem Königsthor und am 
Lusberg, jedoch äufserst selten. 

Seite 19. 

Isocardia trigona, Roemer. Tab. 9, fig. 7, pag. 70. 

Ist quer, eirund, dreiseitig, stark aufgeblasen mit hohen gegeneinander, stark seitswärts ge¬ 
bogenen Buckeln. Die Muschel ist breiter als lang, sich nach den Buckeln hin bedeutend ver- 
schmälernd. Die Steinkerne zeigen Spuren von concentrischen Linien und Falten. Bis jetzt nur 
vor dem Königsthor. 

Seite 20 hinter Carditci einzuschalten : 

Cyprina , J^amarck, 

1. Cyp rina rostrata Sow. bei Fitton. Tab. 17, fig. 1, pag. 341. — Bei d’Orbigny. Tab. 
271, fig. 1 bis 5, pag. 98, III. 

Soviel uns bekannt, ist diese Species in der deutschen Kreide noch nicht nachgewiesen, denn 
Geinitz zieht mit Recht die Species von Kiesling sw alda zu Cyp. Ligeriensis d’Orbigny. Beide 
Species sind in der That ganz wesentlich verschieden. Cyp. rost. ist viel länger als breit und 
verschmälert sich bedeutend gegen die Buckel. Die Schale ist sehr stark gewölbt, fällt vor den 
Buckeln etwas ein, hinter denselben bildet sie aber einen stark hervortretenden, der ganzen 
Länge nach laufenden Kiel, von welchem dann die Seite sich mit einer schwachen Einbiegung 
ziemlich steil senkt. Concentrische Linien bilden die Bedeckung. Nach unsern Exemplaren sind 
die Zeichnungen bei Fitton und d’Orbigny zu breit gehalten. Kommt vor am Lusberg und vor 
dem Königsthor. 

2. Cyprina Ligeriensis, d’Orbigny. Tab. 275, fig. 1 — 4, pag. 103, III. — Cyp. rostrata, 
Geinitz, Kiesl. Tab. 2, fig. 12, 13, pag. 13. 

Die Gestalt ist länglich rund, noch etwas breiter als lang, flach gewölbt, nach allen Rich¬ 
tungen gleichmäfsig abfallend. Die Buckel sind abgestutzt, stumpf. Hinter den Buckeln bildet sich, 
wie bei der vorstehenden Art, der Länge nach eine Kante, die aber nur höchst flach zu nennen 
ist im Vergleich zu der bei Cyp. rost. Von der Kante bis zum Rande fällt die Schale ganz sanft 
ab. Die Bedeckung zeigt concentrische Falten und Linien. Kommt vor im Grünsand bei Vaels. 

Die wenigen in den Meeren noch lebenden Arten von Cyprina halten sich nur in der Nähe 
des Festlandes auf. 


’) Ob die Species mit Bronns Cyprina anyulata indentiscli ist, haben wir nicht Leurtheiieu können, da 
uns das Jahrbuch 1827 {nicht zu Gebote stand; sollte dies der Fall sein, so würde dieselbe die 
Priorität für sich haben und C. rostrata Synonym sein. 



©5 

Seite 21. 

Cardium gibbosum, Müller. 

Wir müssen diese Species von C. Becksii trennen. Sie ist mit dieser verwandt, unterscheidet 
sich aber wesentlich von derselben dadurch, dafs sie länglich und weit schmäler ist, hinter 
dem Buckel plötzlich der ganzen Länge nach einfällt und dadurch einen Längskiel bildet. End¬ 
lich dadurch, dafs die Schalen an den Seiten bis zum Rande gerippt sind, während bei C. 
Becksii dort nur feine Längslinien sich zeigen. 

Unser Cardium Becksii, so ähnlich es auch dem C. Ottoi, Geinitz Kiesl., Tab. 1, fig. 31 und 
32, pag. 14 und Grundrifs Tab. 19, fig. 6 und 7, pag. 424 ist, so können wir dasselbe doch 
nicht damit zusammen bringen, denn von den concentrischen Streifen und Linien, die Geinitz 
bei C. Ottoi beschreibt, finden wir keine Spur bei hunderten Exemplaren in bester Erhaltung. 
Auch sind bei C. Becksii die Rippen nicht rund, sondern vielmehr scharf. Wir glaubten uns zu 
dieser Bemerkung veranlafst, weil wir bei Geinitz im Quadergebirge, pag. 154 7 C. Ottoi, von 
Aachen angeführt finden und eine Identifizirung mit unserer Species vermuthen. Das Citat da¬ 
selbst C. bimarginatum\, d’Orbigny, Tab. 250, fig. 4—8, pag. 39, III, veranlafst uns noch mehr, 
C. Ottoi und Becksii für zwei verschiedene Species zu halten und wahrlich, es würde eine 
starke Phantasie dazu gehören, in unserem C. Becksii die sillons etroits, bordes de chaque 
cöte des crenelures assez profondes, fig. 6, herauszufinden. 

Zu Seite 22. 

Cardium Noeggerathi, Müller. 

Dieses Cardium gehört zu den gröfsten bekannten Kreidespecies. Es erreicht die Gröfse von 
Cardium tubuliferum, Goldfufs, mit dem es in der Form selbst grofse Aehnlichkeit hat. Zunächst 
unterscheidet es sich aber von demselben dadurch, dafs es noch weit stärker gewölbt ist und 
nach allen Seiten vom Rücken aus sehr steil abfällt. Die Buckel sind stärker herübergebogen 
als bei C. tubuliferum, etwas seitwärts gedreht, gerundet und berühren sich nicht. Die Scha¬ 
len sind mit sehr breiten, erhabenen Längslinien bedeckt, zwischen diesen laufen derselben 
Richtung nach sehr schmale, glatte Rinnen. Aufserdem zeigen sich auf der Oberfläche in sehr 
verschiedenen Abständen noch starke Anwachsringe. Die Schale selbst ist sehr dick und be¬ 
steht aus mehreren übereinander liegenden Schichten, die sich leicht ablösen. Der Rand ist von 
der Schale durch eine vertiefte, in der Mitte gezahnte Rinne gleichsam getrennt, sehr ver¬ 
dickt und stark gezahnt. Kommt vor bei dem Königsthor und im Grünsand bei Vaels. Als Stein¬ 
kern nicht selten und sowohl an der Form als auch dadurch leicht zu erkennen, dafs die Stein¬ 
kerne fast glatt, mit schwachen Längsstreifen erscheinen, während bei C. tubuliferum nie alle 
Tubuli oder deren Spuren verwischt sind. 

Seite 23 vor Crassalella : 

Astarte F. Roemeri, Müller. Tab. VI, fig. 18. 

Die Schale ist länglich rund, etwas fünfseitig, in der Quere breiter als vom Buckel bis zum 
unteren Rande. Hinter dem Buckel ist sie etwas eingedrückt. Die Schalen sind sehr schwach 
gewölbt, fast flach, sehr dick. Auf derselben zeigen sich sehr stark hervortretende, breite, kahle 

9 


m 

Wulste, die sich nach dem Buckel hin allmälig verlieren. Zwischen den Wülsten liegen tiefe, 
breite, glatte Rinnen. Aus dem Sande des Aachener Waldes. 

Seite 23 zu Crassatella : 

2. Crassatella rugosa, Müller. 

Wir haben lange Anstand genommen, diese Species von Roemer’s Crassatella arcacea zu 
trennen, vollständig erhaltene Exemplare zeigen aber so grofse Verschiedenheiten, dafs sie 
eine neue Art vollkommen begründen. Die Gestalt ist quer-oval dreiseitig, viel breiter als lang. 
Wir besitzen ein Exemplar von 3" 3'" breit und 2" V“ lang, hinten stark gekantet und zu¬ 
sammengedrückt. Die Oberfläche ist bis zur Kante mit ganz unregelmäfsigen, sehr dicken und 
breiten Falten und Furchen versehen, die von der Kante bis zum Rande verschwinden. (Bei 
Crassatella arcacea sind die Querrippen und Furchen ganz regelmäfsigO Das Möndchen ist sehr 
vertieft und herzförmig; so weit dasselbe reicht ist die Schale etwas eingebogen, läuft dann 
aber sanft gerundet abwärts. Das Schildchen ist elliptisch, sehr lang, stark vertieft, fast kahl 
und mit höchst zarten Längsfalten versehen. Die Buckel sind stark gebogen, berühren sich aber 
nicht. Mit der Schale erhalten aus dem Muschelkonglomerate des Aachener Waldes, ohne Be¬ 
deckung nicht selten in der Wolfsgracht und bei Hoselt. 

Seite 23 zu Lucina. 

3. Lucina tenuis, Müller. Tab. II, fig. 5, a—b. 

Die von uns Seite 25 der ersten Abtheilung beschriebene Venus numismalis hat sich bei 
später aufgefundenen Exemplaren als Lucina herausgestellt, da nun aber bereits eine Lucina 
numismalis aus der Kreide vorhanden ist, so legen wir ihr den Namen tenuis bei. Der früheren 
Beschreibung haben wir nichts zuzusetzen. 

4. L. Geinitzii, Müller. 

Erst in den jüngsten Zeiten ist es uns möglich geworden, die Gattung der sonst sehr häufig 
hier vorkommenden Steinkerne zu bestimmen. Die Species gehört zu den gröfsten der Gattung, 
denn sie hat einen Durchmesser von fast 3 Zoll rhein. Sie ist oval, fast kreisrund, nur etwas 
breiter als lang, ganz flach gewölbt, die gröfste Dicke von etwa 6 Linien liegt in der oberen 
Hälfte, an den Rändern laufen die Schalen in eine förmliche Schärfe zusammen. Die ganze 
Oberfläche ist mit feinen concentrischen Linien bedeckt, die nach dem unteren Rande falten¬ 
artig werden. Die Schale ist dünn. Die Buckel sind spitz, liegen etwas seitlich und berühren 
sich nicht. Gar nicht selten vor dem Königsthor, am Lusberg, in dem Hohlweg bei Hoselt, 
doch meist als Steinkern, wobei die Buckel ganz gerundet erscheinen. 

Seite 29 vor Mya : 

Mactra , lAnne. 

1. M. angulata, Sow. Bei Fillon Tab. 16, fig. 9, pag. 341. — Geinilz, Qaiaderg. Tab. 10, 
fig. 5 und 6, pag. 148. 

Sowerby sagt, er habe das Schlofs des Petrefactes nicht gesehen und stellt es daher mit 
einem Fragezeichen zu Mactra, Geinitz bildet ebenfalls das Schlofs nicht ab, auch wir konnten 
bei unseren Exemplaren dasselbe nicht blos legen. Unsere Exemplare sind mit den angeführten 


6 ? 

Abbildungen völlig übereinstimmend, die Gattung bleibt aber zweifelhaft. Mactra? angulata bei 
Geinitz 3. e. Tab. 10, fig. 13, scheint uns eine neue Species zu sein. 

Das Petrefact ist dreiseitig, anscheinend fast glatt, zeigt aber bei näherer Betrachtung feine 
concentrische Linien und nach dem unteren Rande hin einige stärkere Anwachsstreifen. Die 
Seite hinter den Buckeln hat eine deutliche Kante. Die Schalen sind wenig gewölbt, die Buckel 
spitz. Kommt selten vor am Königsthor und im Grünsand bei Vaels. 

Seite 33 zu Pecten bei der Abtheilung C. Radiati, Reufs : 

Pecten cretosus, Defrance. Brongn. env. de Paris, Tab. 3, fig. 7. — Bei d’Orbigny Tab. 
440, fig. 1—7, pag. 617, III. 

Pecten nitidus, Mantell, bei Reufs pag. 28, II. — D’Orlngny zählt mit Unrecht auch 
Pecten curvatus , Geinitz liiesl. Tab. 3, fig. 13, pag. 16, hierher, uns scheint diese Spe¬ 
cies, die auch hier im Grünsand nicht selten ist, mit Pecten arcuatus, Sow. vereinbar 
zu sein. 

Die Form von P. cretosus ist länglich oval, viel länger als breit, sehr schwach gewölbt, mit 
sehr zahlreichen, schwachen Längsrippen versehen, welche hin und wieder mit concentrischen 
Anwachslinien durchkreuzt werden. Die Ohren sind ungleich. In der ganzen Gestalt kommt es 
von den lebenden Arten dem Pecten varians, Latn. noch am nächsten. Bis jetzt nur selten im 
Mergel bei Vaels. 

Seite 34 hinter Lima snlcata : 

3. L. Sowerbyi, Geinitz. 

L. Hoperi, Geinitz, Grundrifs Tab. 20, fig. 14, pag. 473. 

L. Hoperi, Bronn, Leth. Tab. 32, fig. 8. 

Die Schale ist fast halb kreisförmig, etwas schief, die kürzere Seite völlig gerundet, die 
längere mehr gerade, etwas abgeschnitten. Auf der Oberfläche laufen ganz zarte, nach dem 
unteren Rande wenig divergirende Längslinien, welche von concentrischen Linien durchschnitten 
werden. Diese letzteren treten gegen den unteren Rand als starke Anwachsringe sehr hervor 
und bilden förmliche Absätze. Die Ohren sind im Verhältnifs zum Ganzen klein, mit höchst 
feinen Längslinien versehen. Selten im Mergel bei Vaels. Die Abbildungen bei Geinitz und Bronn 
geben kein vollständiges Bild des Petrefactes. 

4. L. rectangularis, d'Archiac. Tab. 15, fig. 7, pag. 308. 

Die Gestalt ist schief-eirund, wenig gewölbt, vor den Buckeln fast geradlinig abgeschnilten, 
hinter denselben mit dem unteren Rande bogig, fast einen Halbkreis bildend. Die Ohren sind 
klein. Die Oberfläche ist mit zarten concentrischen, unregelmäfsigen Linien und Anwachsstreifen 
versehen, welche gegen die Buckel hin zahlreicher und deutlicher sind und dort von einigen 
zarten Längslinien durchkreuzt werden. Wir fanden bis jetzt nur zwei Exemplare bei Vetschau. 

5. L, pseudocardium, Reufs. Tab. 38, fig. 2, 3, pag. 33, II. — Geinitz , Grundrifs Tab. 
19, fig. 5, pag. 424. 

Wir hatten dies Petrefact als neue Species bei Seite gelegt, Herr Geinitz, dem wir dasselbe 
zeigten, erklärte dasselbe für pseudocardium und in der That können wir keine andere Species 
daraus machen. Bis jetzt nur im Mergel bei Vaels. 


©8 


6. L. inflata, Müller. 

Die Gestalt dieser Species ist etwas schief-eirund, sie ist von den uns bekannten Arten die 
am meisten gewölbte. Die Buckel sind spitz. Die Oberfläche der Schalen sind mit 30—32 stark 
hervortretenden Rippen versehen, die von dem Buckel aus gleichmäfsig nach allen Seiten brei¬ 
ter werden und stark divergiren. Die breiten Furchen zwischen den Rippen erscheinen kahl, 
unter der Loupe laufen über das Ganze höchst feine concentrische Linien. Kommt vor im Mer¬ 
gel bei Vaels. 

7. L. dentata, Müller. 

Die Form ist mehr gerundet als bei der vorstehenden Art. Die Rippen, ungefähr gleich an 
Zahl, sind aber viel feiner, weniger stark hervortretend. Sie vereinigen sich ebenfalls in die 
Buckelspitze und divergiren nach den Rändern. Diese Rippen sind durch Anwachsstreifen durch¬ 
kreuzt und bilden diese letztere in den sonst kahlen Zwischenfurchen einen dreieckigen Zahn. 
Die Ohren und die Spitze des Buckels waren abgebrochen. Vielleicht weiset sich das Petrefact 
in besser erhaltenen Exemplaren als ein Cardium aus. Im Mergel bei Vaels. 

Seite 34 hinter Spondylus lineatus : 

3. Spondylus undulatus, Reufs. Tab. 40, fig. 6, pag. 37, II. 

Die Gestalt dieses Spondylus ist breit-eiförmig. Die obere Schale mäfsig stark gewölbt. Die 
Oberfläche ist mit sehr zahlreichen feinen, schwach gekörnten, wellenförmig gebogenen, erha¬ 
benen Linien bedeckt, welche durch sehr zahlreiche Anwachsringe unterbrochen werden. Wir 
konnten nur die obere Schale beschreiben, mit der ganzen unteren Seite sitzt das Petrefact 
auf einer Oslrea vesicularis und mufs daher, wie Renfs richtig bemerkt, flach sein, er nennt 
sie flach-convex oder auch selbst etwas vertieft. Dies Petraefct fanden wir bis jetzt nur einmal 
im Mergel bei Vaels. 

Seite 35, Zeile 1 : 

2. Mytilus gryphoides, Müller. Tab. I, fig. 11, a—b. 

Da von Klipstein in seiner mehr erwähnten Schrift pag. 257, Tab. XVII, fig. 14, a—b, be¬ 
reits den Namen Mytilus scalaris gebraucht, so haben wir die von uns beschriebene Species 
Mytilus gryphoides genannt. Vgl. die Verhandlungen des naturhist. Vereins der preulsischen 
Rheinlande, 1848, pag. 154—455. 

Seite 36 bei Mytilus zur Abtheilung B. Modiola : 

8. Mytilus reversus (Modiola reversa), Soio. bei Fitton Tab. 17, fig. 13, pag. 342. — Bei 
d’Orhigny Tab. 337, fig. 1—2, pag. 264, III. — Geinitz Kiesl. Tab. 3, fig. 11, pag. 15 
und Tab. V, fig. 8, sind fast unkenntlich. — Reufs Tab. 33, fig. 9, pag. 15. 

Wir besitzen ein vollständig erhaltenes Exemplar von fast 2 Zoll rhein. Länge, doppelschalig. 
Die Gestalt der Muschel ist länglich oval, sehr kurz gewölbt, bauchig. Das vordere Ende ist 
kurz, abgerundet, das hintere ist verschmälert, ebenfalls stumpf gerundet. Von der Spitze der 
Buckel läuft der ganzen Länge nach eine gerundete Kante schräge herab , so dafs die Schale 
dadurch gleichsam in zwei gleiche Hälften getheilt ist. lieber das Ganze laufen rückwärts gebo¬ 
gene concentrische Linien und Streifen, die nach den Buckeln hin feiner und regelmäfsig 
stehen, nach den Rändern hin in starke Falten mit breiten, kahlen Zwischenräumen übergehen. 




Die feinen, radialen Linien, deren Reufs und d’Orbigny erwähnt, haben wir nicht bemerken 
können. Kommt vor im Hornstein des Aachener Waldes. 

9. Mytilus? ovifortnis, Müller. Tab. VI, fig. 19. 

Wir sind nicht völlig überzeugt, ob wir diese Species mit Recht zu Mytilus gestellt haben, 
konnten es aber eben so wenig mit Sicherheit zu Lima stellen. Die Gestalt desselben ist läng¬ 
lich-eiförmig, sie hat Aehnlichkeit mit Lima decussata, v. Münster. Das Petrefact ist sehr stark 
gewölbt, auf der ganzen Oberfläche mit scharfen Längsrippchen versehen, von denen die vier 
in der Mitte sich durch gröfsere Dicke von den übrigen auszeichnen. Der Quere nach laufen 
über dasselbe zahlreiche feine Linien und viele Anwachsringe, welche schwache Vertiefungen 
bilden. Die Zeichnung hat uns nicht befriedigt. Kommt vor am Königsthor. 

Seite 36 bei Lithodomus : 

Das 1 c. von uns als Lithodomus discrepans beschriebene Petrefact erkannten wir, durch 
Herrn Bosquet aufmerksam gemacht, als weder dahin, noch zu Mytilus oder Modiola gehörig 
und stellten daher schon während der Naturforscher-Versammlung in Aachen C1847J daraus eine 
neue Gattung auf. Besonders sind es die Muskular-Eindrücke, welche die Gattung wesentlich 
von ihren Formverwandten unterscheiden. Wir nennen die Gattung Modiolina und geben davon 
diese Diagnose : 

Modiolina. 

Testa longitudinalis, siliquiformis, cequivalvis. Nates rotundatce, terminales, parum hiantes. 

Cardo edentulus; impressiones musculares quatuor, ovales, profundce, quarum duce supe- 
riores sublaterales, minores, inferiores, majores. 

Die Schale ist länglich, schotenförmig, gleichschalig. Die Buckel sind gerundet, die Spitze 
bildend, etwas klaffend. Das Schlofs ist zahnlos. Vier länglich-runde, vertiefte Muskular-Ein¬ 
drücke, von welchen die beiden oberen kleiner, die beiden unteren, welche diesen ganz nahe 
liegen, gröfser sind. 

Wir fanden bis jetzt nur die eine Species, welche wir nunmehr 
1. Modiolina Bosqueti nennen. Tab. II, fig. 15, a, b, c. 

Der 1. c. gegebenen Beschreibung der Species haben wir nichts zuzufügen. Die Figuren ge¬ 
nügen, um die Diagnose deutlich zu machen. 

Seite 39 zu Ostrea armata, Goldfufs : 

Wir theilten nach unseren wohlerhaltenen Exemplaren von dieser Species neue Abbildungen 
mit in den Verhandlungen des nalurhistorischen Vereines für Rheinland und Westphalen, Jahr¬ 
gang 1848, Tab. I, fig. 2 und 3, pag. 14. Irrig verinuthet Geinitz im Quadergebirge, pag. 
198, dafs diese Species mit Ostrea semiplana, Sow. und Ostrea flabelliformis, ISilsson zu ver¬ 
binden sei. 

6. Ostrea Bronni, Müller. Tab. 6, fig. 20. 

Wir hätten es nicht gewagt, eine neue Species in diesem Petrefact aufzustellen, wenn die 
Form in vier von uns aufgefundenen Exemplaren nicht so constant wäre, denn wir kennen die 


70 

Schwierigkeiten ganz und gar, die sich durch die unglaublich manchfache Gestaltung einer und 
derselben Austerart bei dem Bestimmen einer neuen Art darbiefen. Das Charakteristische dieser 
Species ist die runde, sehr vertiefte Rinne, welche der Länge nach über die ganze Schale 
läuft, dann die Ausweitung nach der einen Seite hin, die bald etwas breiter, bald etwas schmä¬ 
ler ist, allein bei allen Exemplaren sich constant findet. Wollten wir die Mittelrinne uns als 
eine Dachrinne denken, so bildet der Auswuchs gleichsam die Abgufsrinne. Die Mittelrinne ist 
kahl und offenbar war die Auster damit an länglich-runde Körper angeheftet. Diese Eigentüm¬ 
lichkeit, sich nur an derartige Körper anzulegen, macht die Species auffallend. Im Ganzen ist 
die Schale schmal, oben spitz zulaufend, nach beiden Seiten ziemlich steil abfallend. Von den 
Rändern der Rinne bis zu den unteren Rändern bilden sich starke Falten, welche durch zar¬ 
tere, wellenförmige, dicht stehende Längsfalten bedeckt werden. Im Innern ist die Spitze etwas 
eingefallen, unter derselben zeigen sich an beiden Seiten zahnähnliche Rippchen. DerMuskular- 
Eindruck ist länglich-eirund und liegt seitlich etwas über dem Auswuchs. Die Schale, welche 
wir für die Oberschale halten, ist in der Mitte eben so hoch aufgetrieben, wie die entspre¬ 
chende untere Schale vertieft ist. Der erhabene Rücken ist dann mit sehr runzeligen Falten der 
Quere nach bedeckt. Am meisten Aehnlichkeit hat diese Species mit Ostrea sulcata, Blumen¬ 
bach bei Goldfufs Tab. 176, fig. 2, a, b, pag. 13, II, die bei Geinitz, auf Ostrea semiplana 
zurückgeführt wird. Quadergebirge pag. 198. Kommt vor am Lusberg und vor dem Königsthor. 

Zur Seite 39 bei der Abtheilung b. Lceves : 

7. Ostrea Nilssoni, von Hagenow. Leonh. Jahrbuch 1842, pag. 546 — 547. 

Wir äufserten in der ersten Abtheilung unserer Monographie, pag. 40, Bedenken, ob Ostrea 
Nilssoni, von Hagenow und Ostrea liippopodinm, Nilsson zu trennen seien; durch die Güte des 
Herrn von Hagenow haben wir in der Zwischenzeit Exemplare beider Species aus Rügen erhal¬ 
ten und uns nun augenscheinlich von dem Unterschiede überzeugen können. Ostrea Nilssoni 
findet sich nicht selten auf Belemniten im Mergel bei Vaels. Der ausführlichen Nebeneinander¬ 
stellung beider Arten 1. c. bei von Hagenow ist nichts zuzusetzen. 

Seite 42 hinter Exogyra : 

7. Exogyra Münsteri, von Hagenow. Jahrbuch 1842, pag. 549. 

Auch bei dieser Art haben wir uns durch vorliegenden Exemplaren von Rügen von dem 
Vorkommen derselben bei Vaels überzeugt. Nicht selten auf Belemniten. Nach von Hagenow ist 
Exogyra auricularis bei Roemer, pag. 38, hieher zu ziehen. 

Hinter Exogyra, Seite 42, einzuschalten : 


Orbicula , Csevier '). 


1. Orbicula ciliata, Müller. 

Wir besitzen davon nur zwei Exemplare der unteren Schale. Dieselbe ist kreisrund, ganz 
flach, dünner als Papier. Das Innere läfst die äufsere Zeichnung durchscheinen und ist demnach 


9 Nicht bamarck, Conf, Ucrrmanngrn Index Mqlaeoz. Toni. JI, png. 55. ssq. 





dic Oberfläche mit concentrischen Linien bedeckt, welche durch äufserst feine, ausstrahlende 
Linien durchkreuzt sind. Der ganze Rand des Kreises ist fein gekerbt oder vielmehr gewimpert. 
Nahe ain oberen Rande liegen mehrere Muskular-Eindrücke und über dem Rande eine senk¬ 
rechte, längliche, schmale Falte. Diese Falte erregt bei uns den Gedanken, ob wir nicht eine 
Anomia vor uns haben sollten und ob diese Falte nicht das Ligament bilden könnte. Bis jetzt 
haben wir von den aus der Kreide beschriebenen Species Anomia nur obere Schalen kennen 
gelernt, so bei d’Orbigny, Reufs, Roeiner, Geinitz und Sowerby bei Fitton, wir werden daher 
Sorge tragen, eine genaue Zeichnung unseres Petrefactes zu geben, was uns um so leichter 
werden wird, als das eine Exemplar auf einem Scaphiten aus dem Vaelser Mergel nichts zu 
wünschen übrig läfst; das weniger gut erhaltene Exemplar ist im Hornstein des Aachener 
Waldes. 

Seite 43 zu Crania : 

4. Crania Ignabergensis, Rctzius. 

C. striata, Defrance bei Goldfufs Tab. 162, fig. 10, pag. 294, II. — Die bessere Ab¬ 
bildung bei d’Orbigny Tab. 525, fig. 1 — 6, pag. 141 —142, IV. 

Die Schale ist rundlich, niedergedrückt, der Scheitel derselben etwas erhaben, excentrisch, 
stark nach dem oberen Rande liegend. Das Ganze ist mit erhabenen, ausstrahlenden Linien 
versehen, welche den Rand etwas überragen. Diese Linien sind, wie d’Orbigny schon richtig 
bemerkt, nicht dichotom, sondern zwischen den ausstrahlenden Linien befinden sich einzelne 
selbständige Linien, welche vom Rande nur bis zur Mitte der Schale hinaufragen. Kommt wohl 
erhalten im Hornstein des Aachener Waldes vor. 

Thecidea 9 Defvanee. 

Sowohl bei Vetschau als in dem Gerolle über der obersten Mergelschichte auf dem Lus¬ 
berg finden sich die drei nahstehenden Species nicht selten, doch nie in so grofser Menq-e, 
wie an einzelnen uns bekannten Lokalitäten bei Falkenberg (Faiujuemont), wo sie zu Hunder¬ 
ten zusammen liegen. 

1. Tliecidea papillata, Bronn, Leth. geogn. Tab. 30, fig. 3, pag. 663. 

Thecidea radiata, Goldfufs. Tab. 161, fig. 2, pag. 289, II. — Bei d'Orbygni Tab. 523, 

fig. 1 — 8, pag. 154, IV. 

Einzelne Exemplare fanden wir auch im Mergel bei Vaels. 

2. Thecidea digitata, Sow. — Bei Bronn, Leth. geogn. Tab. 30, fig. 3, pag. 664. — Bei 

Goldfufs Tab. 161, fig. 6, a, b, c, d, pag. 290, II. 

3. Thecidea hieroglyphica, Defrance. — Bei Goldfufs Tab. 161, fig. 5, a, b, c. 

Ganz irrthümlich verbindet Bronn diese Species, pag. 664, mit Thecidea digitata, womit sie 
nur sehr geringe Aehnlichkeit hat, wozu aber die Zeichnung bei Goldfufs leicht verleiten 
konnte, die kaum ein Bild von dem Petrefact gewährt, und doch scheint uns die Beschreibung 
von Goldfufs auf Thecidea hieroglyphica bezogen werden zu müssen. Diese Species hat an 


0 Uebcr dies Gerolle verweisen wir auf pag. 6 der zweiten Abtheilung bei Dentalium Mos<e. 



^>S<So- 


jeder Seite sechs Armfurchen, Tliecidea digitata nur vier. Bei Thecidea hieroglyphica berühren 
fünf dieser Armfurchen die pyramidalische Scheidewand, die unterste sechste berührt den unte¬ 
ren Rand, aufserdem läuft noch am Seitenrand eine siebente Armfurche, worin die übrigen 
gleichsam münden. Die Ränder der Armfurchen sind gekörnt, die zwischen den Armfurchen 
etwas vertieft liegenden feinen Blättchen sind mehr fein gestachelt als gekörnt. Bei Thecidea 
digitata liegen die vier Armfurchen in der unteren Hälfte von der Scheidewand abgewendet 
nach dem Rande hin. Bei nur mittelmäfsig gut erhaltenen Exemplaren ist eine Verwechselung 
der beiden Species unmöglich. Thecidea hieroglyphica ist übrigens seltener als die vorherge¬ 
henden Species. 


Wir haben es für zweckmäfsig erachtet, am Schlufse der Zusätze zur ersten Abtheilung ein 
Bild des hiesigen Vorkommens der dort aufgeführten Petrefacten in Zahlen aufzustellen, wie 
dies bei der zweiten Abtheilung geschehen ist, und haben uns dabei nach Geinitz Quaderge¬ 
birge gerichtet ohne alle Abänderung der dort angegebenen Zahlen. 

Tabellarische Uebersicht 

der Gattungen der Conchiferen, Brachiopoden, Radiaten und Serpuliten der deutschen Kreideformation 

und der numerischen Verhältnisse der Arten. 


Namen der Gattungen. 

Anzahl der his jetzt § 

in Deutschland 
bekannten Arten. 

;,1 

Anzahl der bei Aachen | 

vorkommenden Arten. | 

Davon halten wir für | 

neue Arten. 

Anmerkungen. 

I. Co n cte iferen . 

1. Clavagella, Lamarck.. 

1 




2. Gastrochaena, Spengler.. 

4 

2 

1 


3. Pholas, Linne..... 

2- 

— 

— 


4. Solen, Linne. 

2 

2 

— 


5. Leguminaria, Schumacher,. 

1 

— 

— 


6. Panopaea, Menard... 

7 

2 

— 

Unter Panopaa äst die Gattung 

7. Pholadomya, Sowerby 

7 

1 

— 

Mya mit begriffen. 

Ad 7. Unter Pholadomya ist die 

Zu übertragen..... 

24 

7 

1 

Gattung Lysianassa mit ein¬ 
begriffen. 





























Namen der Gattungen. 


73 

-o-g>jgig-o- 


Anzahl der bei Aachen 

vorkommenden Arten. 

Davon halten wir für 

neue Arten. 

7 

1 

1 

— 

4 

— 

3 

2 

4 

1 

9 

7 

2 

— 

2 

2 

2 

1 

1 

— 

2 

— 

3 

1 

2 

— 

4 

2 

2 

1 

5 

— 

55 

18 1 


Uebertrag 

8. Mactra, Linne. 

9. Annatina, Lamarck.,.„ 

10. Lyonsia, Turton. 

11. Thracia, Leach. 

12. Tellina, Lamarck. 

13. Donax, Linne. 

14. Corbulla, Lamarck. 

15. Venus, Linne. 

16. Thetis, Sowerby. 

17. Protocardia, Beyrich. 

18. Cardium, Linne. 

19. Isocardia, Lamarck. 

20. Opis, Defrance. 

21. Astarte, Sowerby. 

22. Crassatella, Lamarck. 

23. Cardita, Linne. 

24. Cyprina, Lamarck. /. . 

25. Lucina, Bruguiere.. 

26. Trigonia, Bruguiere.. 

27. Nucula, Lamarck.. 

28. Pectunculus, Lamarck.. 

29. Area, Linne 

30. Cucullaea, Lamarck 

Zu übertragen 


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24 

2 

2 

3 
2 
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2 
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19 

2 

1 

10 

5 

2 

5 

4 

5 

6 
3 
5 

12 

11 

29 


169 


Anmerkungen. 


Ad 29 & 33. Obgleich wir in 
der Abhandlung selbst die 
Gattung getrennt haben, füh¬ 
ren wir sie hier vereint auf, 
ohne dadurch diese Vereini¬ 
gung zu billigen. 

10 















































Namen der Gattungen. 


Anmerkungen. 


7# 


Uebertrag 

31. Pinna, Linne. 

32. Myoconcha, Sowerby. 

33. Modiolina, Müller.. 

34. Mytilus, Linne 

35. Modiolina, Lamarck 

36. Lithodomus, Cuvier 

37. Avicula, Lamarck.. 

38. Gervillia, Defrance. 

39. Perna, Lamarck.... 

40. Inoceramus, Sowerby. 

41. Pecten, Bruguiere.... 

42. Lima, Dehayes. 

43. Spondylus, Linne_ 

44. Plicatula, Lamarck... 

45. Ostrea, Lamarck 

46. Exogyra, Sowerby 

47. Anomia, Lamarck- 

48. Chama, Linne. 


II. ßraicliiopoden. 

1. Terebratula, Llwyd. 

2. Thecidea , Defrance. 

Zu übertragen 


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110 

28 

39 

13 

2 

2 

3 

— 

31 

16 

2 


Ad 45 <fc 46. Auch hier habeu 
die in der Abhandlung getrenn¬ 
ten Gattungen verbunden. 
















































Namen der Gattungen. 


Anmerkungen. 


75 

-o-^>ü«g-o- 


Uebertrag 

3. Crania, Retzius. 

4. Hippurites, d’Hombres Firmas_ 

5. Caprina, d’Orbigny. 

6. Orbicula, Cuvier. 


fl/. Ilutliaten. 

A. Seeigel. 

1. Cidarites, Lamarck. 

2. Echinus, Linne. 

3. Galerites, Lamarck. 

4. Clypeaster, Lamarck. 

5. Nucleolites, Goldfufs. 

6. Spatangus, Lamarck. 

7. Ananchytes, Lamarck. 

B. Seeterne. 

8. Asterias, Lamarck. 

9. Ophiura, Lamarck. 

C. Haarsterne. 

10. Pentacrinus, Miller. 

11. Burgetocrinus, d’Orbigny. 

12. Glenotremites, Goldfufs. 

Zu übertragen 



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1 

1 

— 

68 

26 

3 











































76 



Km* zweiten ÄMfiellung* 

Seite 5 : 

Herr Bacon de Rychholt schreibt uns über unser Dentalium alfernans, jedoch ohne nähere 
Angabe, wo er dasselbe beschrieben hat : „Votre Dentalium alternans a ete decrit sous le 
meine nom par moi en 1847.“ 

Seite 6 : 

Derselbe bemerkt bei unserem Dentalium rugosum : „Dentalium rugosum, Müller non De- 
france est bien positivement le Dentalium medium de James Sowerby et non de J. C. Soicerby 
etc. Les deux especes accompagnent partout le Pectunculus sublcevis, c’est-ä-dire se touvent 
partout dans la craie chloriiee moyenne.“ 

Seite 8 ; 

Aus einem Schreiben des Herrn Bosquet ersehen wir, dafs das Beiwort costata, welches 
wir einer Rissoa beilegten, bereits 1832 von Michaud einer noch lebenden Species aus dem 
Mittelmeere gegeben worden ist. Aufserdem entnehmen wir aus Bronns Enum. palaeontologi- 
cus, pag. 398 und 399, dafs dasselbe Beiwort auch noch zwei anderen Species aus dem Ter¬ 
tiären von Adams und Demarest beigelegt worden ist; wir ziehen daher den Namen costata 
zurück und nennen die Species 

Rissoa incrassata. Tab. III, fig. 5. 


✓ 
































ff 

-o^>H <&*- 


Zu den beiden von uns beschriebenen Species haben wir noch eine dritte hinzuzusetzen und 
zwar zu der dritten Abtheilung 

3. Gerithiformes, d'Orbigny. 

3. Rissoa Sandbergeri, Müller. Tab. 6, fig. 22. 

Wir stellen dies Petrefact zu Rissoa, obgleich der untere Theil desselben, wie die Abbil¬ 
dung zeigt, abgebrochen war. Das Gehäuse besteht aus fünf Windungen, von welchen die 
unterste wohl doppelt so lang ist, als das übrige Gewinde. Die vier oberen Windungen sind 
convex, ziemlich stark gerundet und stehen ziemlich steil übereinander gethürmt. Die unterste 
Windung ist bauchig und bildet eine starke, gekörnte Kante auf dem oberen Theile derselben. 
Von dieser Kante bis zur Naht erhebt sich die Windung etwas und bildet eine geneigte Ebene. 
Ueber das ganze Gehäuse, dessen Schale dünn ist, bildet sich ein höchst regehnäfsiges Gitter¬ 
werk, welches durch körnige Längsrippen gebildet wird, die der Quere nach schwach ver¬ 
bunden erscheinen. Zwischen je vier und vier Körnchen ist eine Vertiefung. Der Mundsaum 
besteht aus einem stark gekörnten Wulst, hinter diesem folgen zwei der schon bezeichneten 
körnigen Längsrippen und dann abermals ein Wulst, wie der Mundsaum. Kommt vor am Lus¬ 
berg und im Grünsand bei Vaels. 

Seite 9 zu Chemnitzia : 

Da bereits von Philipp i, wie wir gesehen haben, aus dem Tertiären eine Chemnitzia Kocht 
beschrieben worden ist, so sind wir genölhigt, den Namen zu ändern und nennen dieselbe 
wegen ihrer Aehnlichkeit mit Turritella nunmehr 

1. Chemnitzia turritelliformis. Tab. 4, fig. 7, a—b. 

Zugleich fügen Avir noch eine neue Species hinzu : 

2. Chemnitzia bulimoides, Müller. 

Die Gestalt dieser Species ist länglich-eiförmig. Das Gehäuse ist etwa 4 Linien lang, besteht 
aus 4 Windungen, von welchen die untere mehr als doppelt so lang ist als das übrige Gewinde. 
Beim ersten Anblick erscheint das Petrefact fast glatt, bei näherer Betrachtung zeigen sich 
aber auf dem untersten Umgänge deutliche, etwas rückwärts gebogene Längsf. : !en, die nach 
dem Mundsaume hin gedrängter stehen. Auf dem übrigen Gewinde fehlen diese Falten, dage¬ 
gen zeigen sich dort zarte Querlinien. Die Mundöffnung ist länglich-oval, der Mundsaum scharf, 
die ganze Schale sehr dünn. Kommt vor im Grünsand bei Vaels und am Lusberg. 

Die geringe Anzahl der Windungen dieser Species widerlegt die Angabe d’Orbigng’ s, pag. 
68 — 69, wo er von der Gattung bemerkt : „Cocpiille compose d’un grand nombre de tours.“ 
Bei seiner Chemnitzia inflata, Tab. 156, fig. 2, pag. 71—72, II, die auch nur eine geringe 
Anzahl Windungen hat, fühlte er selbst, dafs die Behauptung von einer grofsen Anzahl Win¬ 
dungen nicht stichhaltig sei und möchte deshalb ein neues Genus aufstellen. Die Anzahl der 
Windungen . möchte aber ein schlechtes Gattungsmerkmal Averden. Wie grofs ist die Verschie¬ 
denheit in der Anzahl der Windungen bei den Arten von Turritella, Cerithilm und anderen 
Gattungen ? 


*8 


Seite 13 : 

Zu Natica canaliculata bemerkt uns Herr von Buch wohl mit Recht : „Diese Species, denke 
ich, wird zu sehr zerschnitten.“ Herr von Ryckholt glaubt, die bei Aachen und Tournai vor- 
kommende Art unterscheide sich durch den Mund und Nabel von der wirklichen Natica cana¬ 
liculata, die dem Gault nur angehörte. Wir werden erst ein bestimmtes Urtheil fällen können, 
wenn wir uns ein Exemplar aus dem Gault verschafft haben werden und durch Autopsie einen 
Vergleich anstellen können. 

Seite 17 

Unser dort als Strombus fenestratus beschriebenes Petrefact stellen wir nach näherer Be¬ 
trachtung zu Pyrula, Seite 39, bei der Abtheilung Melongena und zwar mit dem Namen 
Melongena rigida. Tab. III, fig. 22. 

Seite 22 : 

Unsere Rostellaria avaclmoides scheint uns mit Strombus araclinoides bei Geinitz-, Quadergeb. 
Tab. 9; fig. 5, nicht identisch zu sein. Die von uns gegebene Abbildung ist genau. 

Seite 26 bis 34 : 

Bei den dort beschriebenen Turritellen ist ein grober Irrthum eingeschlichen, indem statt 
Tab. 4 überall Tab. 3 angegeben ist. 

Zu der Abtheilung Turritce, Seite 31, setzen wir hinzu : 

24. Turritella tenuilineata, Müller. Tab. 6, fig. 21, a, b. 

Diese Species hätten wir gern der Sexlineata, Roemer beigezählt, allein sie unterscheidet 
sich davon doch zu auffallend. Die einzelnen Umgänge sind wenig gewölbt, fast vierseitig, 
jeder derselben trägt sechs scharfe Ringe, die aber weit schmäler sind, als bei Sexlineata, 
zwischen je zwei dieser Ringe liegen dann sechs gleich starke, sehr zarte, feine Linien. Die 
Windungen schliefsen sich mit engen Nähten aneinander. Kommt am Königsthore vor. 

Seite 38 zu den zahlreichen Fusus haben wir noch hinzuzusetzen : 

14. F. nanus, Müller. 

Derselbe hat am meisten Aehnlichkeit mit dem von A. Roemer im Oolithgngebirge, Tab. 11, 
fig. 42, beschriebenen Fusus minutus. Unsere Species ist winzig klein, sie beträgt constant 
nur höchstens zwei Linien. Sie hat nur vier gewölbte Windungen, von denen die unterste ver- 
hältnifsmäfsig sehr starke Längsrippen mit kahlen Zwischenräumen hat, die übrigen erscheinen 
glatt. Der Kanal ist sehr lang, ganz spitz zulaufend. Kommt vor am Lusberg und bei Vaels im 
Grünsand. 

Seite 38 hinter Fusus einzuschalten : 

Muccinum , Läamarck, 

1. B. Steiningeri, Müller. 

Diese kleine Species, von etwa 1% Linie lang, ist spindelförmig, schlank; sie besteht aus 
fünf schwach convexen Windungen, von welchen die unterste etwas mehr aufgetrieben ist. Alle 
Windungen tragen zarte, dicht gereihte, etwas gebogene Längsrippchen, die auf den Steinker- 


£9 

nen völlig verwischt sind. Die Mundöffnung ist oval, der Rand glatt. Kommt am Lusberg und 
im Grünsand beisVaels vor, doch wegen der Kleinheit selten wohl erhalten. 

Seite 41 : 

Auch bei Voluta cingulata sind wir genöthigt den Speciesnamen zu ändern, da derselbe für 
eine Voluta aus dem Tertiären schon angewendet worden ist und nennen wir nunmehr unsere 
Species 

Voluta cincta. 

Seite 42 vor Conus einzuschalten : 

Ancülaria , jLamarck. 

Dem glücklichen Funde des Herrn Dr. Debey verdanken wir in der Kreide auch einen Re¬ 
präsentanten dieser Gattung, welche bis jetzt nur in dem Tertiären in sehr zahlreichen Species 
vertreten war. Herr Dr. Debey fand zwar nur einen gut erhaltenen Hohlabdruck in dem eigen- 
thümlichen Feuerstein, welchen er als die Begränzung der oberen und unteren Kreideschichte 
der hiesigen Gegend bezeichnet, allein ein genommener Abgufs in Thon läfst nicht den min¬ 
desten Zweifel über die Gattung- aufkommen. Nach dem Abgufs ist die Zeichnung angefertio-t. 
Wir nennen die Species 

1. Ancillaria cretacea, Müller. Tab. 6, fig. 23. 

Das längliche, cylindrische Gehäuse ist glatt, ohne sichtbare Nähte. Unten auf der Kolum- 
nelle zeigen sich zwei Falten, über denselben sind auf dem Gehäuse zwei bis drei schwache 
Linien bemerkbar und noch eine solche oben, wo die Spira anfängt. 

Beim Rückblick auf die von uns beschriebenen und selbst auf sämmtliche bis jetzt aus der 
Kreide bekannten Gasteropoden ist es auffallend, wie klein und winzig die meisten derselben 
sind im Vergleich zu der Gröfse der Gasteropoden, welche die Jetztmeere hegen. Dasselbe 
läfst sich fast ebenso von den älteren Formationen sagen, denn auch in diesen gibt es keine 
so grofse Gebilde, wie die Cassis, Strombus, Turbo, Triton, Murex u. s. w. der Jetztwelt. 
Daraus folgt, dafs ihre Entwickelung eine fortschreitende gewesen ist, die ihren Kulminations¬ 
punkt erst jetzt erreicht hat. 

In Bezug auf die Art des Versteinerns in hiesiger Gegend müssen wir zu dem, was wir be¬ 
reits in der Einleitung zu den Gasteropoden, pag. 2, bemerkt haben, noch hinzufügen, dafs 
auffallender Weise grade in den Schichten, wo wir alle Petrefaclen vollständig verkieselt fan¬ 
den, die Austern und Exogyren nicht verkieselt waren, sondern verkalkt und zwar in so locke¬ 
rer Masse, dafs wir die Schale nie erhalten konnten, während dieselben im Grünsand am 
Lusberg und vor dem Königsthor mit allen übrigen Petrefacten meist in feste Kalkmasse über¬ 
gegangen sind. 

Nach den aufgestellten Uebersichten enthält die Gegend um Aachen einen aufserordentlichen 
Reichthum an Thieren der Kreidemeere und zwar : Conchiferen 110, Gasteropoden 136, Bra- 
chiopoden 21, Radiaten 26, Serpuliten 15, zusammen 308 Species. 


8 ® 

Wenn wir nun für die noch nicht beschriebenen Cephalopoden und die übrigen Thierklassen, 
Reptilien, Fische, Krebse und Korallen, die gewifs eher zu gering als zu hoch gegriffene Zahl 
150 Species hinzufügen, so würde sich die Summe der hiesigen Petrefacten des Thierreiches 
über 450 Species herausstellen, ein Reichthum, den bis jetzt noch kein Gebiet von so geringem 
Umfange nachgewiesen hat. 

Die Bilder, zu den in den Zusätzen ohne Abbildungen beschriebenen Petrefacten, werden in 
den Verhandlungen des naturhistorischen Vereins für Rheinland und Westphalen nachgeliefert 
werden. 

Aachen, im Oktober 1850. 



Erklärung cf©r Tafeln* 


Figura 

55 

55 

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55 

55 

55 

55 

55 

55 

55 

55 


Tabula 111. 

1. Dentalium alternans. a. In natürlicher Gröfse, b. ein Stück der Schale vergröfsert. 

2. Dentalium rugosum. In natürlicher Gröfse. 

3. Vermetus cochleiformis. Vergröfsert. 

4. Bulla cretacea. a. Mundseite, b. Rückenseite, beide vergröfsert, c. natürliche Gröfse. 

5. Rissoa incrassata (costataJ. In natürlicher Gröfse. 

6. Rissoa Winkleri. a. Vordere, b. hintere Seite in natürlicher Gröfse. 

7. Scalaria macrostoma. a. In natürlicher Gröfse. 

8. Eulima acuminata. a. Hintere, b. vordere Seite vergröfsert, c. Mafsstab der natür¬ 
lichen Gröfse. 

9. Eulima lagenalis. Vergröfsert. 

10. Pyramidella involuta. In natürlicher Gröfse. 

11. Actceon doliolum. In natürlicher Gröfse. 

12. Actceon cylindraceus. In natürlicher Gröfse. 

13. Actceon acutissimus. In natürlicher Gröfse. 

14. Actceon coniformis. In natürlicher Gröfse. 

15. Avellana Humboldli. a. Hintere, b. vordere Seite vergröfsert, c. Mafsstab. 

16. Avellana Hagenowi. a. Stark vergröfsert. 

17. Avellana paradoxa. Vergröfsert. 

18. Globiconclia nana. Vergröfsert. 

19. Natica Geinitzii. In natürlicher Gröfse. 

20. Naticellci Strombecki. In natürlicher Gröfse. 

21. Cassidaria cretacea. In natürlicher Gröfse. 

22. Melongena rigida (Strombus fetieslralus). In natürlicher Gröfse. 

23. Mitra Murchisoni. a. Hintere, b. vordere Seite in natürlicher Gröfse. 

24. Mitra nana. Vergröfsert. 

25. Mitra pyruliformis. a. Hintere, b. vordere Ansicht in natürlicher Gröfse. 

26. Rostellaria minuta. In natürlicher Gröfse. 

27. Rostellaria granulosa. In natürlicher Gröfse. 

28. Rostellaria arachnoides. In natürlicher Gröfse. 


11 



82 

-6-^D3r°- 

Figura 29. Rostellaria furca. In natürlicher Gröfse. 

„ 30. Rostellaria Nilssoni. In natürlicher Gröfse. 

„ 31. Murex pleurotomoides. In natürlicher Gröfse. 


Tabula IV. 


Figura 1. Turritella multistriata, Reufs. In natürlicher Gröfse. 

„ 2. „ sexlineata, Roemer. In natürlicher Gröfse. 

, 3. „ quinquelineata, Müller. In natürlicher Gröfse. 

„ 4 & 6. „ mullilineata. In natürlicher Gröfse. 

„ 5. ,, Reufsiana. In natürlicher Gröfse. 

„ 7. Chemnitzia Kochi. Vergröfsert. 

„ 8. Turritella gothica. Stark vergröfsert. 


9. 

10 . 

11 . 

12 . 


socialis. In natürlicher Gröfse. 

Eickwaldiana, Goldfufs. In natürlicher Gröfse. 
affmis, Müller. In natürlicher Gröfse. 

Omaliusi. Vergröfsert. 


99 

99 

99 

99 

99 

95 

59 


13. 

14. 

15. 

16. 

17. 

18. 
19. 


59 

95 

55 

95 

99 

99 


scalaris. In natürlicher Gröfse. 
Carnalliana. In natürlicher Gröfse. 
acantophora. In natürlicher Gröfse. 
Althausi. In natürlicher Gröfse. 
Humboklti. In natürlicher Gröfse. 
nodosa, Roemer. In natürlicher Gröfse. 
acutissima, Müller. Stark vergröfsert. 


Tabula V. 

Figura 1. Natica Klipsteini. a. Rückseite, b. die untere Seite mit der Mundölfnung und Nabel. 
„ 2. Triton cretaceum. In natürlicher Gröfse a. hintere, b. vordere Seite. 

„ 3. Scalaria striato-costata. In natürlicher Gröfse. 

„ 4. Actceon bulliformis. Steinkern, einmal vergröfsert. 

„ 5. Rostellaria Roemeri. Steinkern in natürlicher Gröfse. 

„ 6. Turbo glaber. In natürlicher Gröfse a. die untere Seite mit dem Nabel, b. die vor¬ 

dere Seite. 


') Wir machen hier abermals auf den Irrthum aufmerksam, dafs bei den Turritellen im Texte diese Tafel 
als Tafel 3 angegeben ist. 





83 

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Figura 

55 

55 

55 

55 

55 

55 

55 

55 

55 

55 

55 

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55 

55 


55 

55 

55 


7. Turbo quadricinctus. Vergröfsert a. die hintere Seite, b. die untere Seite. 

8. Turbo quinquecinctus. Vergröfsert. 

9. Cerithilm Ryckliolti. In natürlicher Gröfse. 

10. Turbo paludiniformis, d'Archiac. Vergröfsert. 

11. Troehus Konincki, Müller. In natürlicher Gröfse. 

12. Pleurotoma lleisiana. In doppelter Gröfse. 

13. Fusus Nysti. In natürlicher Gröfse. 

14. ,, Budgei. In natürlicher Gröfse. 

15. „ Buchi. In natürlicher Gröfse. 

16. „ Decheni. In natürlicher Gröfse. 

17. „ Burkhardi. In natürlicher Gröfse. 

18. „ Dunkeri. Bruchstück in natürlicher Gröfse. 

19. „ Salm-Dychianus. In natürlicher Gröfse. 

20. „ Noeggerathi. In natürlicher Gröfse. 

21. „ glaberrimus. Steinkern in natürlicher Gröfse. 

22 & 23. Rapa Monheimi. In natürlicher Gröfse fig. 22 mit erhaltener Bedeckung, fig. 
23 Steinkern. 

24. Voluta cingidata. In natürlicher Gröfse a. Rückseite, b. Seite mit der Mundöffnung. 

25. Voluta nitidula. Vergröfsert a. hintere, b. vordere Seite. 

26. Voluta laticosta. In natürlicher Gröfse a. hintere, b. vordere Seite mit der Mund- 
ölfnung. 


27. Voluta d’Orbigniana. In natürlicher Gröfse a. hintere, b. vordere Seite. 


TaVtula, VI. 

Figura 1. Pyrula minima, Boeninghaus. Steinkern. 

„ 2. Pyrula coronata, Roemer. In natürlicher Gröfse. 

„ 3. Cerithium foveolatum, Müller, a In natürlicher Gröfse, b. ein Schalenstöck vergröfsert. 

,, 4. Cerithium Sartorii. In natürlicher Gröfse a. die hintere, b. die vordere Seite. 

„ 5. Voluta Benedeni. In natürlicher Gröfse a. vordere, b. hintere Seite. 

„ 6. Fusus Göpperti. In natürlicher Gröfse. 

,, 7. Pyrella Beuihiana. In natürlicher Gröfse, Steinkern. 

„ 8. Cerithium Geinitzii. In natürlicher Gröfse. 

„ 9. Capulus militaris. In natürlicher Gröfse. 

„ 10. Capulus carinifer. Iu natürlicher Gröfse. 

„ 11. Capulus Troscheli. In natürlicher Gröfse a. vordere, b. Seitenansicht. 

„ 12. Crepidula cretacea. In natürlicher Gröfse a. obere, b. innere Ansicht. 



84 

-°^>S€-o 

Figura 13. Rhyncholithus Buchi. A. Obere, B. untere Seite, C. Ansicht des Profils vom Fortsatz 
aus genommen. 

„ 14. Rhyncholithus Debeyi. A. Obere, B. untere Seite, C. Queransicht. 

,, 15. Turritella cingulato-costata. Vergröfsert. 

,, 16. Terebratula Hagenoici. Vergröfsert a. Ventral-, b. Dorsalschale. 

„ 17. Terebratula Bosqueti. Vergröfsert a. Ventral-, b. Dorsalschale, c. Seitenansicht. 

„ 18. Astarte F. Roemeri. In natürlicher Gröfse. 

,, 19. Mytilus oviformis. In natürlicher Gröfse. 

„ 20. Ostrea Bronni. In natürlicher Gröfse. 

„ 21. Turritella tenuilineata. In natürlicher Gröfse. 

„ 22. Rissoa Sandbergeri. In natürlicher Gröfse. 

,, 23. Ancillaria crelacea. In natürlicher Gröfse. 


/ 


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Verzeichnis der Gattungen und Arten. 


(Die römische Ziffer bezeichnet 

Ae 

Actaeon giganteus, 11. 10. 

,, affinis, 11. 10. 

,, Doliolum , 11. 11. 

„ cylindraceus, 11. 11. 

„ bulliformis, 11. 11. 

,, acutissiruus, 11. 11. 

„ coniformis, 11. 11. 

Ananchytes ovata, 1. 10. 

,, striata, 1. 10. 

Ancillaria cretacea, 11. 79. 

Area exaltata, 1. 18. 

„ glabra, 1. 18. 

Astarte cselata, 1. 22. 

„ F. Roemeri, II. 65. 

Asterias quinqueloba, 1. 5. 

„ Bunkeri, 1. 5. 

,, punctata, 11. 57. 

Avellana Archiaciana, 11. 12. 

„ paradoxa, 11. 12. 

„ Humboldti, 11. 12. 

„ Ilagcnowi, 11. 13. 

Avicula gryphoides, 1. 29. 

„ pectinoides, I. 29. 

„ modioliformis , 1. 29. 

Be 

Bulla cretacea, 11. 7. 

Burgetocrinus ellipticus, 11. 57. 
Buccinum Steiningeri, 11. 78. 

G. 

Capulus militaris, 11. 50. 

,, carinifer, 11. 50. 

,, Troscheli, II. 50. 

Cardita Goldfusii, 1. 20. 

Cardium tubuliferum, I. 21. 

„ Becksii, I. '21. 

„ semipustulosura, I 21. 

„ Debeyanuin, 1. 21. 

„ Marquartii, 1. 22. 

„ alutaceura, 1. 22. 

„ galeatum, 1. 22. 

„ Noeggerathi, II. 65. J 

„ gibbosum, 11. 65. 


die Abtlieilung der Monographie, die arabische die Seitenzahl.) 

Cassidaria cretacea, 11. 17. 

Cassidulus lapiscancri, 1. 8. 

Catopygus pyriformis, 1. 8. 

,, Goldfusii, 1 45. 

Cerithium fasciatum , 11. 48. 

„ foveolatura, 11. 48. 

,, Rhyckholti, 11. 49. 

„ Sartorii, 11. 49. 

„ Geinitzii, 11. 49. 

„ Nerei, 11. 49. 

„ binodosum, 11. 50. 

Chemnitzia Kochi, 11. 9. 11. 77. 

,, turritelliformis , II. 77 
„ bulimoides, 11. 77. 

Cidaris vesiculosa, 1. 6. 

Conus cylindraceus, II. 42. 

Corbula striatula, 1. 25. 

„ lineata, 1. 26. 

,, obtusa, 1. 26. 

Crania parisiensis, 1. 42. 

,, nummulus, I. 42. 

„ antiqua, 1. 43. 

,, Ignabergensis, 11. 71. 

Crassatella arcacea, 1. 23. 

,, rugosa, 11. 66. 

Crepidula cretacea, II. 51. 

Cucullaea glabra, 1. 19. 

,, Goldfusii, 1. 19. 

„ texta, 1. 19. 

Cyprina rostrata, II. 64. 

„ Ligeriensis, 11. 64. 

D. 

Dentaliuin glabrum , 11. 5. 

„ ellipticum, 11. 5. 

,, alternans, 11. 5. 11. 76. 

„ rugosum, 11. 6. 

„ Mos*, 11. 6. 

E. 

Echinus, I. 7. 

Eulima acuminata, 11, 9. 

,, lagenalis, 11. 9. 

Exogyra lateralis, 1. 40. 

„ laciniata, 1. 40. 




8 © 


Exogyra cornu arietis, I. 4l. 

,, plicata, I. 41. 

,, decussata, 1. 42. 

,, lialiotoidea, 1. 42. 

„ Münsteri, 11. 70. 

F. 

Fissurella laevigata, 11. 51. 

Fusus Renauxianus, 11. 34. 

,, Clementinus, 11, 34. 

„ Buclii, 11. 35. 

,, Declieni, 11. 35. 

„ Noeggerathi, 11. 35. 

,, Salin-Dykianus , II. 36. 

„ Burkhardi, 11. 36. 

„ Nysti, 11. 36. 

,, Dunkeri, 11. 36. 

„ glabcrrimus, 11. 36. 

,, Budgei, 11. 37. 

,, Göpperti, 11. 37. 

,, Hüpschianus, 11. 37. 

,, nanus, 11. 78. 

G. 

Galerites vulgaris, 11. 58. 
Gastroclnena amphisbsna, 11. 63. 

,, voracissima, 11. 63. 

Gervillia solenoides, 1. 29. 
Globiconcba nana, 11. 13. 


Holaster granulosus, 1. 10. 

,, nodulosus, 1. 10. 

„ radiatus, 1. 10. 

,, suborbicularis, II. 58. 

I. 

Inoceramus concentricus, 1. 30. 
,, Cripsii, 1. 30. 

„ planus, 1. 30. 

,, Brongnarti, 1. 30.' 

,, Cuvieri, 1. 31. 

Isocardia cretacea, 1. 19. 

,, trigona, 11. 64. 

L. 

Lima semisulcata, 1. 33. 

,, multicostata, 1. 34. 


Lima Sowerbyi, II. 67. 

„ rectangularis, 11. 67. 

„ pseudoeardium, 11. 67. 

,, inllata, 11. 68. 

,, dentata, 11. 68. 

Lithodomus discrepans, ’) 1. 36. 11. 69. 
Litorina rotundata, 11. 16. 

Lucina lenticularis, 1. 23. 

,, Geinitzii, 11. 66. 

„ tenuis, 11. 66. 

Lysianassa designata, 1. 28. 


M. 

Mactra angulata, 11. 66. 

Melongena fenestrata, 11. 39. 

,, rigida, 11. 78. 

Micraster cor testudinarium, I, 10. 
„ bufo, 11. 58. 

Mitra Murchisoni, 11. 23. 

„ nana, 11. 23. 

„ pyruliformis, 11. 23. 

Modiola faba, 1. 30. 

Modiolina Bosqueti, 11. 69. 1. 36. 

Murex pleurotomoides, 11- 24. 

Mya elongata, 1. 29. 

Mytilus lineatus, 1. 34. 

„ scalaris, 1. 35. 11. 68. 

,, gryphoides, 11. 68. 

,, inflatus, 1. 35. 

„ lanceolatus, 1. 35. 

,, tegulatus, 1. 35. 

,, falcatus, 1. 35. 

,, reversus, 11. 68. 

„ oviforrais, II. 69. 

N. 


Natica canaliculata, 11. 13. 

,, acutimargo, 11. 14. 

,, vulgaris, 11. 14. 

„ Klipsteini, 11. 14. 

„ exaltata, 11. 15; 

„ unicarinata, 11. 15. 

„ Geinitzi, 11. 15. 

Naticella Strombecki , 11. 16. 
Nucleolites, 1. 8. 


') Die mit Cursivsckrift gesetzten Namen haben wir zurückgezogen. 








Nucula Fcersteri, 1. 16. 

„ caudata, 1. 16. 

„ tenera, 1. 17. 

„ siliqua, 11. 64. 

o. 

Ophiura Fürstenbergii, 1. 6. 

Orbicula ciliata, 11. 70. 

Ostrea vesicularis, 1. 37. 

„ carinata, 1. 38. 

„ flabelliformis, 1. 39. 

„ larva, 1 39. 

„ armata, 1. 39. 11. 69. 
„ hippopodium, 1. 39. 

„ Nilssoni, 11. 70. 

„ minuta, 1. 39. 

„ multiformis, 1. 40. 

„ Bronni, 11. 69. 

P. 


Panopsa plicata, 1. 28. 

Pecten laminosus, 1. 31. 

„ laevis, 1. 31. 

„ membranaceus, 1. 31. 

„ Pecten Nilssoni, 1. 32. 

., arcnatus, 1. 32. 

„ divaricatus, 1. 32. 

„ cretosus, 11. 67. 

„ pulcbellus, 1. 33. 

„ quadricostatus, I. 33. 

,, quinquecostatus, 1. 33. 
„ striato-costatus, 1. 33. 
„ sequicostatus , 1. 33. 

Pectunculus sublaevis , 1. 17. 

Pinna quadrangularis , 1. 34. 

Pleurotoma Heisiana, 11. 46. 

„ induta, 11. 46. 

Pleurotomaria gigantea, 11. 46. 
„ linearis, 11. 47. 

Pollicipes ornatissimus, 1. 43. 

Pyramidella involuta, 11. 9. 

Pyrella planulata, 11. 39. 

„ Beuthiana, 11. 39. 

Pyrnla minima, 11. 39. 

R. 


Rapa Monheimi, 11. 40. 
Rhyncbolithus cretaceus, 1. 13. 


aquensis, 1. 45. 
Buchi, 11. 60. 
Debeyi, 11. 61. 


Rissoa 

costata, 11. 8. 


incrassata, 11. 76. 


Sandbergeri, 11. 77. 


Winkleri, 11. 8. 

RosteUaria papilionacea, 11. 18. 


inornata, 11. 19. 


Roeraeri, 11. 19. 


minuta, 11. 19. 

V 

calcarata, 11. 19. 


anserina, 11. 20. 

?? 

Vespertilio, 11. 20. 


Parkinsoni, 11. 21. 

>) 

striata, 11. 21. 


furca, 11. 21. 

, ;; 

Nilssoni, 11. 21. 


granulosa, 11. 21. 


arachnoides, 11. 22. 


s. 

Salenia anthophora, 1. 7. 

Scalaria pulchra, 11. 7. 


striato-costata, 11. 7. 

yy 

Philippi, 11. 7. 

yy 

macrostoma, 11. 8. 

Schizaster lacunosus, 1. 9. 

yy 

Bucardium, I. 9. 

yy 

Prunella, 1. 9. 

Serpnla socialis, 1. 12. 

yy 

gordialis, 1. 12. 

yy 

implicata, 1. 12. 

yy 

quadrangularis, 1. 12. 

yy 

subtorquata, 1. 12. 

yy 

Lophioda, 1. 12. 

yy 

ampullacea, 1. 12. 

yy 

cincta, 1. 12. 

yy 

conica, 1. 12. 

yy 

subrugosa, 1. 12. 

yy 

tuba, 11. 58. 

yy 

prolifera, 11. 59. 

yy 

heptagona, 11. 59. 


Rapa coronata, 11. 40. 




§8 


Serpula arcuata, 11. 59. 

,, umbilicata, 11. 59. 

Solen compressus, 1. 28. 

,, sequalis , 1. 28. 

Spatangus hieroglypbicus , 1. 9. 
Spondylus truncatus, 1. 34. 

„ lineatus, 1. 34. 

,, undulatus, 11. 68. 

Strombus fenestratus , 11. 17. 11. 78. 

„ inerrais, 11. 17. 

T. 


Talpina, 11. 59. 

Tellina strigata, 1. 27. 

,, costulata, 1. 27. 
„ Goldfusii, 1. 27. 


,, plana, 1. 28. 
Terebratala Pisura, 1. 14. 

,, subplicata, I. 14. 

„ Mantelliana, l. 14. 
„ compressa, 11. 62. 

„ Hagcnowii, 11. 62. 

,, Bosqueti, 11. 62. 

,, striatula, 1. 14. 

,, clirysalis, 1. 14. 


,, Gisii, 1. 14. 

,, , gracilis, 1. 15. 

,, carnea, 1. 46. 

„ semiglobosa, 1. 15. 

,, minor, 1. 15. 

„ pumila, 1. 15. 

Tetragramma variolare, 1. 7. 
Tbecidea papillata, 11. 71. 

„ digitata, 11. 71. 

„ hieroglyphica, 11. 71. 
Trigonia aliformis, 1. 15. 11. 63. 
Triton cretaceum, 11. 47. 
Trochus onustus, 11. 44. 

,, Konincki, 11. 44. 

Turbo lrevis, 11. 43. 

,, concinnus, 11. 43. 

,, cyclostomoides, 11. 43. 

,, quinquecinctus, 11. 43. 

„ quadricinctus, II. 43. 


Turbo Walfredini, 11. 43. 

„ glaber, 11. 43. 

„ paludiniformis, 11. 44. 


Turritella multistriata, 11. 27. 


quinquelineata, 11. 28. 

» 

Hagenowiana, 11. 28. 


sexlineata, 11. 28. 

)) 

Reufsiana, 11. 28. 

yy 

multilineata, 11. 29. 

yy 

Carnalliana, 11. 29. 

yy 

gothica, 11. 29. 

yy 

microscopiea, 11. 29. 

yy 

socialis, 11. 30. 

yy 

scalaris, 11. 30. 

n 

Eichwaldiana, 11. 30. 

yy 

affinis, 11. 31. 

yy 

Omaliusi, 11. 31. 

yy 

acutissima, 11. 31. 

yy 

Jfceggerathiana, 11. 31. 

yy 

nodosa, 11. 32. 

yy 

Althausi, 11. 32. 

yy 

Hnmboldti, 11. 32. 

yy 

acanthopkora, 11. 32. 

yy 

alternans, 11. 33. 

yy 

cingulato-lineata, 11. 33 

yy 

Buchiana, 11. 33. 

yy 

tenuilineata, 11. 78. 


V. 


Venus ovalis, 1. 24. 

„ faba, 1. 24. ’ 

„ plana, 1. 25. 

„ tumida, 1. 25. 

„ numismalis, 1. 25. 11. 66. 

Vermetus cocbleiformis, 11. 6. 
Voluta d’Orbigniana, II. 40. 

„ cingulata, 11. 4l. 

„ cincta, 11. 79. 

„ nitidula, 11. 41. 

„ Benedeni, 11. 4l. 

Iaticosta, 11. 4l. 

„ ambigua, 11. 42. 
Volvaria tcnuis 11. 10. 


Aachen, gedruckt bei J. J. BEAUFORT, Theaterstrafse Nro. 1350. 










Tal). K 



Liäl.v. Caxin & Jlathicu in . dachen 




















Li,h V. Cmm fr Math!ms in/.Mrhrn. 






Lith v CaXin in - iachen. 









. 








Tab.VI. 



lilli. v. Qj/Ain in dachen 











MONOGRAPHIE 


er Petrefacten 


AACHEIER KREIDEFORHATIOI 


VON 


Di*. JOSEPH ȆLLER. 



Supplementheft zur ersten und zweiten Abtheilung, 
mit zwei in Stein radirten Tafeln. 


Aachen , 

Verlag von J. A. MAYER. 

1839 . 














% 


I 



forwort. 


Wenn die geologische und paläontologische Bedeutsamkeit eines Terrains nach dem Umfange 
der darüber erschienenen Literatur ermessen werden darf, so möchte nicht leicht eine Gegend 
Deutschlands sich mit der unserigen zusammenstellen lassen. Die Schriften über die Aachener 
Kreideformation bilden für sich eine kleine Bibliothek, besonders wenn man die Werke hinzunimmt, 
welche einzelne Abhandlungen und Notizen über dieselben enthalten. Die meisten und gedie¬ 
gensten Arbeiten über die geologischen und paläontologischen Verhältnisse unserer Gegend er¬ 
schienen in neuerer Zeit. Es würde uns zu weit führen, wenn wir dieselben hier vollständig auf¬ 
zählen wollten, wir verweisen daher auf die vor Kurzem erschienene Schrift: Die urweltlichen 
Thallophyten des Kreidegebirges von Aachen und Mastricht, von Dr. Math. Hubert Debey und 
Professor Dr. Constantin Ritter von Ettinghausen, mit 3 lithographischen Tafeln, Wien 1859, wo 
pag. 18 bis 21 ein erschöpfender Nachweis jener Schriften geliefert worden ist. J ) Wir fügen 
demselben nur noch hinzu die im Monatsbericht der Königlichen Preufsischen Akademie der Wis¬ 
senschaften zu Berlin im Februarheft 1858 enthaltenen geistreichen Beobachtungen des Herrn lgn. 
Beifselü ber organischen Quarzsand bei Aachen, mit Erläuterungen und Zusätzen von Professor Dr. 
Ehrenberg, pag. 113 — 118, und eben so ein Werk, welches uns, während wir diese Abhandlung 
schrieben, zuging mit dem Titel: Esquisse geologique et paleontologique des couches cretacees 
du Limbourg, avec carte geologique, coupes etc., par J. T. Binkhorst van den Binkliorst, 
Maastricht 1859. Es verdient diese Schrift hier angeführt zu werden, weil sie, was der Titel 
nicht erwarten lässt, auch reichhaltige Aufschlüsse über das Aachener Gebiet enthält. Die Ar¬ 
beit ist mit umfassender Sachkenntnis geschrieben und zeugt von dem Talente und dem Fleisse 
des Herrn Verfassers. 


') Diese Schrift wurde besonders abgedruckt aus dem XVI. Bande der Denkschriften der mathematisch- 
naturwissenschaftliclien Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 




% 


Was nun aber die rein paläontologischen Schriften, die unsere Gegend mehr oder weniger 
betreffen, angeht, so halten wir es für nicht unzweckmässig, die wichtigsten derselben hier 
anzuführen, damit diejenigen, welche näher auf die Sache eingehen wollen, die Quellen kennen 
lernen, woraus sie schöpfen können. Wir werden uns aber auf die Werke beschränken, welche 
die Thierwelt betreffen, in Bezug auf die Pflanzenreste verweisen wir auf die bereits angeführte 
Schrift von Herrn Dr. Debey, deren Fortsetzung wir das beste Gedeihen wünschen. Der bis 
dahin erschienene Text lässt an Gediegenheit und Gründlichkeit nichts zu wünschen übrig, wir 
können aber die Bemerkung nicht unterdrücken, dass die beigegebenen Tafeln unseren Erwar¬ 
tungen nicht entsprochen haben; sie bleiben hinter den Original-Zeichnungen, welche der 
Autor mit der gröfsten Sorgfalt und mit bewunderungswürdiger Genauigkeit angefertigt hatte, 
weit zurück. Wir vermögen dieses Urtheil zu fällen, weil wir oft Gelegenheit hatten, die 
Zeichnungen mit den Versteinerungen selbst zu vergleichen. 

Der fleifsigste Petrefacten-Sammler unserer Gegend war im vorigen Jahrhundert der Missionar 
Franciscus Beutli. In seiner Schrift Juliae et Montium subterranea sive fossilium variorum per 
utrumque ducatum hinc inde repertorum syntagina, Düsseldorpii 1776, führt er eine nicht 
unbedeutende Anzahl Versteinerungen an, welche er bei Aachen am Lusberg, bei Richte- 
rich u. s. w. gefunden hatte. Bald nachher, 1781, bezeichnete Dr. Joh. LeSoinne in seiner 
Dissertatio inauguralis de Thermis aquensibus den Lusberg als einen reichen Fundort von 
Versteinerungen; er nennt ihn, pag. 3, Collis satis excelsa, arenosa, conchyliis petrefactis 
referta. In demselben Jahre erschien die Naturgeschichte des Niederdeutschlandes von Frei¬ 
herrn von Hüpsch mit 7 Tafeln Abbildungen, worin wir auch eine Versteinerung des Lusber¬ 
ges, Tab. III, fig. 25, abgebildet und unter dem Namen Sabellites cochlearis, pag. 30—31, 
beschrieben finden. Auf diese Weise wurde die Aufmerksamkeit auf die Versteinerungen unse¬ 
rer Gegend immer mehr gelenkt und es fehlte an lleifsigen Sammlern am Ende des vorigen 
und zu Anfang dieses Jahrhunderts in Aachen nicht, allein die Schätze geriethen in unkundige 
Hände und wurden daher durch hier weilende Badegäste denselben entzogen und in alle Welt 
verschleppt, so dass man bis vor nicht langer Zeit nirgendwo weniger Aachener Versteinerun¬ 
gen fand, als in Aachen; in den Sammlungen Englands und Frankreichs, sowie in denen de 
Grafen von Münster und des Barons von Schlotheim waren sie zahlreich vertreten. 

Erst im Jahre 1820 gewann die Paläontologie eine für Geologie und Geognosie wissenschaft¬ 
liche und daher gröfsere Bedeutsamkeit durch von Schlotheiin's Werk: die Petrefactenkunde auf 
ihrem jetzigen Standpunkte. Hier wird zuerst eine Reihe Petrefacten aus der Aachener Kreide 


3 

« 

benannt und beschrieben. Endlich erschien das grofse Werk von A. Goldfufs: Abbildungen 
und Beschreibungen der Petrefacten Deutschlands und der angränzenden Länder, Düsseldorf 
1826—1844. Diesem ausgezeichneten Zoologen und Paläontologen verdanken wir die Beschrei¬ 
bung und Abbildung einer sehr grossen Anzahl Petrefacten unserer Kreide. Fr. Adolph Roemer 
in seinen Versteinerungen des norddeutschen Kreidegebirges, Hannover 1841, bestätigte nicht 
nur die von Goldfufs aus der Aachener Kreide aufgestellten Gattungen und Species, sondern 
er vermehrte dieselbe noch durch nicht unerhebliche neue Funde. So weit fanden wir die 
hiesige Kreideformation in paläontologischer Beziehung durchforscht, als wir es übernahmen, 
dieselbe einer neuen und speziellen Untersuchung zu unterziehen. 

Im Jahre 1846 bot das Programm unseres Gymnasiums uns die willkommene Gelegenheit 
dar, die Erstlinge unserer paläontologischen Studien zu veröffentlichen und wurde dadurch die 
Veranlassung zur Herausgabe der Monographie der Petrefacten der Aachener Kreideformation, 
wovon bis jetzt auf Kosten des naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande und West- 
phalens zwei Abtheilungen mit 17 Bogen Text und 6 Tafeln erschienen sind. Die freundliche 
und ermunternde Aufnahme, welche diese Arbeit bei den Geologen und Paläontologen des ln- 
und Auslandes fand, liefs unseren Eifer für diese Studien nicht erlahmen. Der unermefsliche 
Reichthum der Wesen, die das Kreidemeer bewohnten, bot uns im Laufe der Zeit neue, meist 
noch unbekannte Schätze dar. Den einen Theil derselben veröffentlichte das Prooramm von 1855. 
den anderen Theil brachte das diesjährige. Die beiden Programme machen daher ein Ganzes 
aus und erscheinen hier als ein Supplementheft zur ersten und zweiten Abtheilung unserer 
Monographie. 

Während der Herausgabe derselben erschienen aber noch mehre Schriften, welche hier 
nicht unerwähnt bleiben dürfen. Das Quadersandstein-Gebirge oder Kreide-Gebirge in Deutsch¬ 
land, von Hanns Bruno Geinitz, Freiburg 1850, enthält eine kritische Uebersicht der Kreide- 
Petrefacten, nebst Angabe der Fundorte. Ein weit ausführlicheres systematisches Verzeichnifs 
von Deutschlands Petrefacten, nebst Angabe der Synonyme und Fundorte, von C. G. Giebel, 
erschien zu Leipzig 1852. Beide Werke enthalten die bei ihrem Erscheinen bekannten Aache¬ 
ner Versteinerungen. Ein gleiches Verzeichnifs finden wir in d’Orbigtiy’s Prodrome de paleon- 
tologie stratigraphique universelle, Paris 1850. Eine besonders wichtige Schrift für unsere Gegend 
ist aber das vortreffliche Werk von Dr. Fr. von Hagenow: Die Bryozoen der Maastrichler Krei¬ 
debildung, mit 12 Tafeln, Kassel 1851, weil die Korallenschichten bei Vetschau zum gröfsten 
Theil dieselben Bryozoen enthalten. Diese Arbeit, ein Muster in Zeichnungen und Beschrei- 


4 


- /y -&W, < @Zr c ^ 

bungen, ist daher bei der Bestimmung dieser tausendgestaltigen Wesen, die im Kleinen eine 
grofse Welt bilden, auch für unsere Gegend unentbehrlich. 

Schliefslich müssen wir noch der vortrefflichen Monographie unseres Freundes, Herrn Bos- 
quet, eines ausgezeichneten holländischen Conchiliologen und Paläontologen erwähnen: les 
crustaces fossiles du terrain cretace du Duche de Limbourg, Haarlem 1854 *) und die Nachträge 
dazu:*sur quelques Ciripedes recemment decouverts dans le terrain cretace du Duche de Lim¬ 
bourg, Haarlem 1857, welche Schriften unsere Gegend ebenfalls betreffen und dessen bald zu 
erwartende Arbeit über die Brachiopoden der Kreide für das Aachener Gebiet gewifs noch 
manches Neue bringen wird. 


') Extrait du second volume des Memoires de la commission pour la description et la carte geologique 
de la Neerlande. 





JPentacrinus 9 Miller . 

Pentacrinus Agassizi, von Hagenow, im Jahrbuch für Minerologie, Geologie etc. Tab. 9, 
fig. 10, pag. 662. — P. cretciceus et P. cingulatus, von Hagenow, antea in litt. — P. ca- 
rinatus, Roemer, norddeutsche Kreide. Tab. 6, fig. 1, pag. 26. — Unsere Tab. 7, fig. 

1. a. Säulenstück, b. Gelenkfläche vergröfsert. 

Von Hagenow vergleicht diesen Pentakriniten mit P. cingulatus, von Münster, bei Goldfufs. 
Tab. 52, fig. 1 mit P. scalaris Goldfufs. Tab. 52, fig. 3 b. und endlich mit P. moniliferus Gold¬ 
fufs. Tab. 53, fig. 3, und stellt dadurch die unterscheidenden Merkmale des P. Agassizi fest. Die 
Species gehört unstreitig zu den niedlichsten ihres Geschlechtes. Krone und Hülfsarme derselben 
sind noch unbekannt. Die Säule ist fünfseitig, gerundet, mit dicht gekörnten Reifchen versehen, 
wovon immer zwei feinere mit einem dickeren, mehr hervortretenden Reifchen in der Mitte ein 
Gelenk oder Glied bilden. Es erscheinen daher auf der Säule zwischen zwei stärkeren immer 
zwei feinere Reifchen. Die Gelenkflächen zeigen in der Mille den kreisrunden Nahrungskanal 
und um denselben ein höchst niedliches Sternblümchen mit fünf Strahlen oder Blättern. Die 
Blättchen sind oval, m der Mitte ganz glatt, an den Rändern scharf gekerbt oder gezahnt. 

Fundort: Bei Vaels in den Mergeln des Schneebergs, ebenso in denselben Schichten über 
dem Grünsand am „Friedrich“ im Aachener Wald, auch bei Koenrad und in der weifsen Kreide 
bei Mastricht. 


A$terias 9 IsamarcH* 

Asterias polygonala, Müller. Tab. 7, fig. 2 a. in natürlicher Gröfse, b. vergröfserte Täfelchen. 

Das vor uns liegende Petrefact gehört unzweideutig zu dieser Gattung und ist ein Bruchstück 
eines der Strahlen, wie die nebeneinander liegenden beiden Reihen der Täfelchen zeigen. Die 
letzteren sind länglich-viereckig, sie greifen auf der langem Seite mit bogig ausgeschweiften 
Einschnitten zusammen. Diese Form der Täfelchen ist von den uns bekannten lebenden und 
urwelllichen Asterienarten so verschieden, dafs sie allein eine neue Species begründet und 
characterisirt. Im Uebrigen konnten wir auf den Flächen der Täfelchen keinerlei andere Zeich¬ 
nung wahrnehmen. 

Fundort: Aachener Wald im Hornstein, bis jetzt ein Unicuin. 


1 ) Die Abbildung einer Gelenkfläche bei von Hagenow ist gut; ein Stück der Säule findet sich zuerst 1 c. 
bei Roemer, indessen fast unkenntlich und müssen wir vermuthen, dafs die Zeichnung nach einem ganz 
abgeriebenen Exemplar angefertigt worden ist. Wir haben defshalb nach gut erhaltenen Exemplaren 
Zeichnungen anfertigen lassen, zumal aber auch, weil die Arbeit von von Hagenow nicht als separates 
Werk erschienen und daher nicht jedem zugänglich ist. 



-o-^OC- 0 - 


Salenia , Gray. 

Salenia heliopora, Desor, Agassiz, cat. syst. pag. 38. 

Nährt sich am meisten der S. pelalifera Ag. Monogr. I. Tab. 1, fig. 17—24, pag. 9. in Bronns 
Lethaea, Tab. 29., fig. 15 a—b. V. pag 182, dritte Auflage. — Bei d’Orbigny Cours elem. de 
Paleont II., 1., pag. 126 unter dem Namen S. personata. — Die beste Abbildung der S. perso- 
nata Defrance , findet sich indessen in den Memoirs of the Genlogical Survey Dec. I. Tab. 5. 

Sal. heliop. unterscheidet sich von der genannten Species beim ersten Anblick schon durch 
ihre beträchtlichere Gröfse und Höhe der Schale, ferner durch eine bedeutend höhere Wöl¬ 
bung der Scheitel-Scheibe, durch breitere Ambulacral- und schmälere Interambulacral-Felder 
und endlich dadurch, dafs jede der beiden Warzenreihen derselben constant nur drei Warzen 
trägt. Die Warzen selbst sind fast von gleicher Dicke, obgleich das Täfelchen der Mitte gegen 
die beiden andern verhältnifsmäfsig bedeutend gröfser ist. 

Fundort: Bis jetzt im Aachener Wald in Hornstein verwandelt. Nach d'Orbigntj Prodr. II., 
pag. 273 kommt das Petrefact auch bei Mastricht, Ciply u. a. a. 0. vor. 

Goniopliorus pentagonalis, Müller. Tab. 7., fig. 3 in doppelter Gröfse. 

Die Gestalt der Species ist fast kreisrund, fünfeckig, sehr zusammengedrückt und schmal. 
Höhe 2“, Breite 4“. Je jünger die Individuen, desto runder, je älter desto fünfseitiger. Die 
Schale ist aufgebläht, oben und unten sehr abgeplattet, junge Exemplare bilden daher gleichsam 
nur Ringe oder Kränzchen von kaum einer Linie Höhe. Die Scheitel-Scheibe fehlt an allen uns 
vorliegenden Exemplaren und hat uns nur die winklige Form des Petrefactes bestimmt, dasselbe 
zu Goniopliorus zu stellen. Die Interambalacral-Felder sind verhältnifsmäfsig sehr breit, mit 
einer Doppelreihe von je fünf grofsen und durchbohrten Warzen versehen, von denen die mitt¬ 
lere die dickere ist. Die Ambulacral-Felder sind sehr schmal, die Fühlergänge, welche dicht 
gedrängte Poren zeigen, werden durch eine tiefe Furche von einander getrennt. 

Fundort: Im Horn- und Feuerstein des Aachener Waldes, der Schaafskul bei Vaels. Nicht 
selten. 

Wir halten dafür, dafs von Schlotheim in seiner Petrefactenkunde, pag. 317, unter seinem 
Echinites corollatus, wovon er sagt, dafs er sechs Exemplare im Hornstein bei Aachen gefunden 
habe, nichts anderes vor Augen hatte, als das oben beschriebene Petrefact. Er hielt dasselbe 
für identisch mit Cidarites circinnatus, Leske, 1 ') bei Klein, pag. 119 und 120. Tab. 45, fig. 10 und 11. 


’) Aufser diesem Citat verweiset von Sclilotlieiin noch auf List, animal, angliae, Tab. 7, fig. 19. — Oryct. 

nor. Vol. III., Tab.l. 7. cidaris corollaris. — Klein selbst bemerkt 1. c., dafs er seine Abbildung nach 

Rumphius genommen habe und setzt hinzu: secundum exemplar, minus bene conservatum facta esse vi- 
detur. — In Bronns Index palaeont., pag. 381 finden wir Cyphosoma circinnatus Ag. als Synonym für 

Cidarites circinnatus angeführt mit Hinweisung auf Ag. Cat. syst. — Dasselbe ist der Fall bei d'Or- 

bigny, Prodr. II., pag. 273, wo er Echinus circinnatus Lam. zu Cyplios. circin. zieht. Beide weisen 
aber auf keine Abbildung und so hat denn die schwankende Species wohl neue Namen aber keine nä¬ 
here Begründung durch Beschreibung und Zeichnung erhalten. 



7 

Wir haben die Stelle genau verglichen, finden aber weder die Beschreibung noch die Abbil¬ 
dungen daselbst mit unserem Petrefact übereinstimmend. 

Ostrea Lamarck. 

Ostrea semiplana, Sow. Min. conch. Tab. 489, fig. 3, pag. 144 mufs pag. 39 I. unserer 
Monographie die Stelle von Ostrea flabelliformis Nilsson einnehmen. Vergl. d'Orbigny III, Tab. 
488, fig. 4—5, pag. 747 und Geinitz Quadersandsteingebirge pag. 198. Wir bemerkten schon 
pag. 69 II. unserer Monographie, dafs Ostrea armata Goldfufs durchaus nicht hierher zu ziehen 
sei. Dagegen glauben wir zu 0. armata Goldfufs unbedenklich 0. santonensis d’Orbigny III. 
Tab. 484, pag. 736 ziehen zu müssen. 

Ostrea curvirostris Nilsson. Tab. 6, fig. 5 a—b., pag. 30. — Bei Goldfufs. Tab. 87, fig. 2 a., 
b., c., pag. 24. II. — Bei d'Orbigny Tab. 488, fig. 9—11, pag. 750, II. 

Die Figuren bei Nilsson und d'Orbigny stimmen überein und dazu gehören unstreitig auch 

A 

die Ansichten der innern Schalen bei Goldfufs unter b. und c. Die Abbildung a. weicht indessen 
erheblich ab, sie zeigt ausser den concentrischen Anwachsstreifen vor dem Schlosse an beiden 
Rändern Kerbungen, deren weder Nilsson noch d'Orbigny erwähnen. Es möchte daher wohl 
Veranlassung sein aus der Ostrea der Figur a. bei Goldfufs eine neue Species zu bilden. Wir 
fanden dieselbe genau, wie die Figur Tab. 87, 2 a. sie darstellt, im Mergel des Schneebergs bei 
Vaels. Dagegen die Exemplare mit blofs concentrischen Anwachsstreifen in den oberen Lagen 
des Grünsandes. 

Anomia Lamarck. ') 

Anomia pellucida , Müller. Tab. 7, fig. 4 in doppelter Gröfse. 

Wir besitzen bis jetzt nur die obere undurchbohrte Schale. Dieselbe ist äufserst zart und 
dünn, wie bei fast allen Species der Gattung, blendend weifs, silberglänzend. Sie ist länglich 
rund, schwach convex, die Ränder sind etwas einwärts gebogen. Die Oberfläche ist ganz glatt 
und zeigt nur wenige, feine concentrische Anwachsringe. Ganz nahe am obern Rande liegt 
der deutlich hervortretende Wirbel. 

Fundort: Bei Vaels in den Mergeln des Schneebergs. 

Anomia verrucifera, Müller. Tab. 7, fig. 5 in doppelter Gröfse. 

Auch von dieser Species besitzen wir nur die obere Schale. Die Form derselben weicht im 
Ganzen von den uns bekannten Anomien etwas ab, sie ist mehr länglich als rund, fast viersei¬ 
tig, mäfsig convex, nach dem Wirbel hin stärker aufgetrieben. Am untern und dem linken 
Rande ist sie gerundet, rechts fast gradlinig abgeschnitten, am Wirbel einen schwachen Bogen 
bildend. Die Schale ist perlmutter-glänzend, erscheint nur wie angehaucht oder angeflogen 


*) Lamarck beschränkte die Gattung Anomia, wie sie jetzt allgemein anerkannt ist. Wollte man auf den 
Auctor des Namens zurückgehen, so miifste man Fab. Colonna angeben (vergl. von Buch über Tere¬ 
brateln, pag. 3) nicht aber wie d’Orbigny, Giebel u. a. Linne als Auctor angeben, welcher unter Ano¬ 
mia auch Terebratula, Crania etc. begriff. Vergl. Hermannsen. ind. gen. Malacoz. pag. 59—CO. Die 
Schreibweise Anomya, welche d’Orbigny in seinem Prodrome durchweg angenommen hat, ist unrichtig. 



8 

und dennoch ist die Zeichnung auf derselben scharf markirt. Die Oberfläche ist im Ganzen 
etwas runzlich mit vielen schwach erhabenen concentrischen Anwachsringen bedeckt. Aufserdem 
stehen nach dem linken Rande hin vier stark hervortretende perlähnliche Wärzchen. Der 
Wirbel liegt fast am Rande. 

Fundort: Wir fanden dies höchst niedliche Petrefact in vollkommener Erhaltung auf dem 
Rruchstück eines Echiniten im Mergel am Schneeberg. 

JPecten Lamarck . 

Pecten trigeminatus, Goldfufs. Tab. 91, fig. 14, pag. 52 II. — Roemer pag. 53. — Reufs 
pag. 29 II. — Geinitz Quadersand pag. 184. Unsere Tab. 7, fig. 6 in doppelter Gröfse. 

Die Schale ist spitz-eiförmig, etwas schief. Von der Spitze gehen 10 Rippen aus, wovon jede 
sich bald in drei nach dem Rande divergirende Rippen theilt. Die mittlere derselben ist die 
stärkere. Die Furchen zwischen je drei Rippen sind doppelt so breit, als der Zwischen¬ 
raum zwischen den einzelnen Rippen. Die Rippen und Furchen sind glatt. Die Ohren sind un¬ 
gleich, mit einigen Querlinien und Falten geziert. Die Wölbung der Schale ist nur mäfsig. 

Fundort: Im Mergel des Schneebergs bei Vaels. Vorkommen selten. 

Pecten tricostatus, Müller. Tab. 7, fig. 7 in doppelter Gröfse. 

Die Species steht in der Mitte zwischen P. trigeminatus Goldfufs , und P. Dujardini Roemer. 
Auf der Schale bildet sich auch hier gleichsam ein Strahlensystem von drei und drei Rippen 
mit dem Unterschied indessen, dafs hier alle Rippen von gleicher Stärke sind. Die Strahlen 
gehen von der Spitze aus, spalten sich dann in drei Rippen, welche nur durch schmale, glatte 
Zwischenräume getrennt sind. Die Schale ist etwas stärker gewölbt, als bei P. trigeminatus und 
zeigt in der untern Hälfte einen scharf ausgeprägten Amvachsring. Die Form ist länglich, schief 
eiförmig und läfst keine Verwechselung mit P. Pulchellus zu. Das eine nur sichbare Ohr ist 
lang und schmal mit Querlinien versehen. 

Fundort: Im Hornstein des Aachener Waldes. 

Pecten Dujardini, Roemer. Pag. 53. — d’Orbigny. Tab. 439, fig. 5—H, pag. 615.— P.ter- 
natus , Münster, bei Goldfufs. Tab. 91, fig. 13, pag. 52 II. 

Der vor uns liegende Steinkern stimmt in der Zeichnung mit P ternatus Münster beim ersten 

o o 

Rlick ganz überein, bei näherer Retrachtung zeigen sich aber, was Geinitz in seiner Charat. 
pag. 83 schon bemerkt, zwischen je zwei stark hervortretenden Rippen vier kleinere, wovon 
die miltlern die zartesten sind und bei Steinkernen leicht verwischen konnten. Uebrigens stimmt 
die Anzahl der stärkeren Rippen bei unserem Exemplar mit von Münster, sie beträgt 9. Bei 
P. Dujardini gibt Roemer deren 9—11. d’Orbigny 11, Geinitz 10—12 an. 

Fundort: In den Mergeln bei Vaelsbruch. 


J ) Nicht Roemer wie liei d'Orbitjny Prodrome II., pag. 252. Bis dahin bestand die einzige Abbildung der 
Species bei Goldfufs. 



9 

Gervillia Defrance . 

Gervillia silicula, Müller. Tab. 7, fig. 8 in natürlicher Gröfse. 

Die Schale des vorliegenden Exemplars ist ein Zoll lang und bis zur Schlofslinie nur zwei 
Linien breit und ist nach den abgerundeten Buckeln hin fast unmerklich schmäler. Sie ist sehr 
schwach gewölbt, fast flach, wenig gebogen. Die Schlofslinie erhebt sich gleich unter dem 
Buckel und dehnt sich fast über die ganze Länge der Schale aus, sich nach beiden Seiten hin 
sanft verschinälernd. Die Oberfläche erscheint fast glatt und zeigt nur feine Längslinien. Wollten 
wir die Species mit einer andern bekannten vergleichen, so würden wir sie mit Gervillia ') 
Forbesiana d'Orbigmj Tab. 395 KI. zusammenstellen. Sie unterscheidet sich wesentlich davon 
durch eine geringere Biegung, durch die Schlofslinie und die gerundeten Buckel. 

Fundort: In dem obern Mergel bei Vaels. 


Avicula Jjametrck, 

Avicula Beisseli, Müller. Tab. 7, fig. 9 in natürlicher Gröfse. 

Sie hat in der Zeichnung der Schalenbedeckung Aehnlichkeit mit A. semiradiata Reufs Tab. 
32, fig. 7, pag. 23. II. aus dem unterm Quader von Zloseyn. Der Form nach nähert sie sich 
mehr der A. pectinoides Reufs Tab. 32, fig. 8, 9, pag. 23. —Bei Geinitz Charak. Tab. 20, fig. 46, 
47 (male) unterscheidet sich aber wesentlich von beiden, wie aus der Zeichnung und nach¬ 
stehender Beschreibung erhellen wird. Die Schale ist, abgesehen von den Flügeln, länglich, 
schief, eiförmig, die Buckel sind spitz, das Palealende ist sehr gerundet. Die Wölbung der 
Schale ist gering. Die grade Schlofslinie ist fast so lang, wie die Muschel hoch. Der vordere 
Flügel ist klein gerundet in die Schale verlaufend; der hintere Flügel ist sehr lang, spitzwink¬ 
lig, vertieft eingefallen und stark ausgeschweift. Auf dem vordem Drittel der Schale laufen 
vom Wirbel bis zum Rande scharf hervortretende Längsrippen, der übrige Theil ist mit gedrängt 
stehenden, schwachen, ausgeschweiften concentrischen Linien bedeckt. 

Fundort: Im Hornstein des Aachener Waldes fand Herr Ign. Beissel das Petrefact in mehren 
Exemplaren. 

Pinna Zjinne. 

Pinna restituta Iloeninghans, (non Goldfufs) bei Goldf. Tab. 138, fig. 3, pag. 166. II. — 
P. depressa v. Münster, ebenda Tab. 178, fig. 3, pag. 167. II. 

Wir stimmen nicht mit Reufs pag. 14, II. überein, der auch noch P. pyramidalis v. Münster 
und P. decussata Goldf. Tab. 128, fig. 1 und 2 hierherzieht. Die fig. 2, Tab. 37 bei Reufs 
halten wir für die wirkliche P. decussata Goldf., wie Reufs sie 1. c. auch genau beschreibt. 
P. restituta ist von derselben dadurch schon wesentlich verschieden, dafs zwischen den sehr 
entfernt stehenden Rippen keinerlei Querlinien sind und also kein Gitterwerk, wie bei P. decussata 
entstehen kann. Die flachconcaven Räume zwischen den hervortretenden, breiten Längsrippen 


') Gcrvilia, wie d’Orbigny überall schreibt, ist unrichtig. 



IO 

bei P. restituta sind vielmehr völlig glatt auch bei den besterhaltenen Exemplaren. Geinitz 
Quaderg. pag. 166 zieht P. restituta und die andern von Reufs dazu gezogenen Species zu 
P. diluviana v. Schlotheim Petref. pag. 303. d'Orbigny führt im Prodr. pag. 218 P. diluviana 
v. Schlotheim als eine Species des Jura an und verweiset auf Zieten pag. 74, Tab. 55, fig. 6, 7. 

Mytilus Lähme . 

Mytilus? spectabilis , Müller. Tab. 7, fig. 10, a. etwas vergröfsert, b. ein Theil des untern 
Randes stark vergröfsert. 

Dies Petrefact, welches wir nur in vorliegendem Exemplare besitzen, haben wir nach seinem 
ganzen Habitus eher zu Mytilus, als zu Lima stellen zu dürfen geglaubt, obgleich wir weder 
Schlofs noch Muskulareindrücke gesehen haben. 

Dieser Mytilus ist länglich, eliptischrund nach den Buckeln hin sich wenig verschmälernd, 
sehr schwach gewölbt, im letzten Drittel der Schale bis zum 4. Ringe vom untern Rande fast 
flach. Die Schale ist äufsert dünn. Die Skulptur und Zeichnung derselben ist ausgezeichnet 
schön, ln ungleich breiten Abständen stehen auf derselben conzentrische Absatzringe oder 
Stufen, welche die dicht gekörnten oder vielmehr fein gerippten nach den Seitenrändern hin 
divergirenden Längslinien unterbrechen. Diese Linien beginnen daher bei jedem Ringe gleichsam 
von Neuem und bilden gegen die Mitte der Schale, wo die Divergenz anfängt nach dem dar¬ 
über liegenden Absätze in einander geschobene spitze Winkel. 

Fundort: Im Mergel am Schneeberg bei Yaels. 

Auffallend ist noch bei diesem Petrefact seine schöne leicht chokoladbraune Farbe, während 
sonst die hier gefundenen Versteinerungen die weifsgelbliche Farbe des Mergels an sich tragen, 
an eine Beimischung von Eisenoxyd aus dem umgebenden Gestein ist nicht zu denken, dagegen 
spricht schon die scharfe Abgränzung der Farbe mit den Schalenrändern. 

Area Lähme. 

Area aquisgranensis. Tab. 7, fig. 18 in natürlicher Gröfse. 

Die Gattung Area geht, ebenso wie Terebratula durch alle Formationen und möchten we¬ 
nige Gattungen ihr an Zahl der Species gleichkommen. d’Orbigny im Prodr. zählt (1852) be¬ 
reits 424 Species auf. ’) Leider sind die meisten Exemplare des hiesigen Grünsandes nur 
Steinkerne, die wir nur ungern bestimmen, wenn ihre Form sich nicht vollständig und characte- 
ristisch als eigene Species herausstellen. Mit der Zeit wird die Anzahl der hiesigen Species 
sich noch erheblich mehren. 

A. aquisgranensis nähert sich am meisten der A. Gallienei d'Orbigny. Tab. 314, pag. 218 unter¬ 
scheidet sich aber wesentlich von derselben durch die Lage der Buckel, wodurch unsere Species 
eine ganz andere Form annimmt. Bei A. Galliennei liegen die Buckel ganz nach hinten ge- 


') Nyst in dein Tableau synoptique et synonymique des especcs vivantes et fossiles de la famille des 
Arcacees dans les memoires de l’Academie Royale de Belgique. Tora. 22, im Jahre 1S47 recensirt nicht 
weniger, als 459 Species, wovon 162 die heutigen Meere bewohnen. 



11 

-o~^jg«g-o- 


rückt, bei A. aquisgranensis hingegen ganz bedeutend mehr nach der Milte hin. Der Schlofsrand 
bildet einen schwachen, nach beiden Enden gleichmäfsig abfallenden Bogen. Der untere Rand 
ist bogig ausgeschweift. Die Schale ist länglich, queroval, gestreckt, fast doppelt so breit als 
hoch, schwach gewölbt. Die Oberfläche zeigt eine Anzahl scharf inarkirter Anwachsringe, welche 
sich nach dem untern Rande hin häufen und gleichsam Falten bilden. Aufserdem laufen von 
den Buckeln bis zum untern Rande dicht gedrängte Längslinien, welche von feinem concentri- 
schen Linien durchschnitten werden und so zusammen ein zartes Gitterwerk darstellen. Das 
Schlofs bildet eine grade Linie und besteht aus einer Menge dichtgereihter, kleiner Zähne. 

Fundort: In den Muschelbänken am Königsthor. 

Nucula JLamarck* 

Nucula pulvillus, Müller. Tab. 7, fig. 11. a. Flächenansicht, b. Queransicht, dreimal ver- 
gröfsert. 

Die ganze Form unterscheidet das Petrefact von Nucula pectinata, Sow. bei Reufs Tab. 34 
fig. 1 — 5, pag. 5. II. Die Schale ist länglichoval, dreiseitig, die gerundeten, wenig vorstehenden 
Buckel berühren sich. Das Möndchen ist klein, eiförmig, das Feldchen ist breit, länglich, herz¬ 
förmig, sehr grofs und geht fort bis zum äufsersten Rande. Möndchen und Feldchen sind ziemlich 
stark vertieft. Die Oberfläche der Schale erscheint fast glatt, zeigt aber unter der Loupe zarte 
concentrische Linien und noch feinere Längslinien, wodurch ein zartes Netz entsteht. Die Schale 
ist mäfsig dick. Die inneren Ränder derselben sind dicht und fein gezahnt. 

Fundort: Im Grünsand bei Vaels, bis jetzt sehr selten. 

Astarte Somerby. 

Astarte Benedeni, Müllei'. Tab. 7, fig. 12. 

Die Schalen sind eiförmig-dreiseitig, fast eben so breit als hoch, mäfsig gewölbt. Die stärkste 
Wölbung liegt in der obern Hälfte nach dem untern Rande sich allmälig verflachend. Die Buckel 
spitz, stark nach vorne gebogen. Das Möndchen ist tief. Die Oberfläche der Schale zeigt eine 
Menge feiner concentrischer Linien, welche nach den Buckeln hin sich häufen und gedrängter 
stehen. Diese Linien und zahlreichen Anwachsringe werden durch dichtslehende Längslinien 
durchschnitten und erscheint daher die Schale gegittert. Die Längslinien treten auf der längern 
Seite dicker und stärker hervor und verschwinden immer mehr nach der kürzeren Seite hin. 
Die Schale ist dick, der Rand dicht gekerbt.') 

Fundort: Vaelsbruch in einem sandigen, grünlichen Mergel. Bis jetzt selten. 


') Dafs F. Roemer in seiner dissertatio palaeontologica de Astartanim genere (1842) Seite 7, die Kerburg des 
innern Randes als characteristisch für die ganze Gattung aufstellt, wie er ausdrücklich sagt, (Margo testae 
interiori parte crenatus est. Hane notam toti generi tribuo, quura ex tot speciebus nullain viderira, quae 
crenulis illis careat.) ist jetzt nicht mehr richtig. Die beiden von uns bereits beschriebenen Species 
aus der Kreide A. caelata und A. Rönnen haben glatte Ränder. In der Palaeontographica Band F, 

2 



1Z 

Astarte Miqueli, Müller. Tab. 7, fi g. 13. 

Die Schale ist länglich rund, etwas vierseitig, sehr wenig gewölbt, fast flach. Die Buckel sind 
spitz und berühren sich. Die Seite vor den Buckeln fällt etwas ein und ist bedeutend kürzer, 
als die hintere Seite, die ziemlich steil abfällt. Die Oberfläche ist mit stark hervortretenden 
concentrischen Reifchen versehen, welche von der Buckel nach dem untern Rande immer ent¬ 
fernter von einander stehen. Die Reifchen selbst sind so wie ihre Zwischenräume glatt. 

Fundort: Bis jezt nur im weifsen Mergel am Schneeberg. 

Cardium Isinne. 

Cardium productum , Sow. — Bei d’Orbigny Tab. 247, pag. 31—34. — Faujas, Hist, de 

la Montagne Saint-Pierre de Maestricht. Tab. 28, fig. 9. 

Diese Species unterscheidet sich durch ihre ganze Form von dem verwandten C. tubuliferum 
Goldfufs. Sie ist länglich oval, etwas vierseitig, viel höher als breit. Die Buckel sind weniger 
stark gebogen, als bei C. tubulif. Die ganze Oberfläche ist längsgerippt mit tiefen Furchen und 
mit Stacheln von verschiedener Gröfse versehen, die sich nach den Rändern hin häufen. Die 
Stachel selbst sind gebogen, an der Basis breit und in eine scharfe Spitze auslaufend. Die Tubuli 
bei C. tubulif. sind auf der ganzen Oberfläche gleichmäfsiger vertheilt, gradstehend und der 
ganzen Länge nach von gleicher Dicke. Der Kardinalzahn des Schlosses ist aufsergewöhnlich 
grofs, die beiden Lateralzähne sind klein und stehen sehr weit entfernt, dem Rande nahe. Die 
Schlofslinie bildet fast eine grade Linie und ist weder gezähnelt noch gekerbt, während der 
übrige Rand der Schale in seinem ganzen Umfange scharf gezahnt ist. 

o o o o 

Cardium Breda'i, Müller. Tab. 7, fig. 16 in natürlicher Gröfse. 

Die Muchel ist länglichoval, etwas vierseitig, doch im Ganzen mehr gerundet und breiter als 


Seite 313 widerruft Roemer theilweise seine frühere Meinung, wiederholt aber dort die Ansicht, dafs 
alle Arten jüngerer Formationen, als der Muschelkalk, die gekerbten Ränder hätten. Auch dies bestätigt 
sich nicht, auch iin Tertiairen gibt es Astarten mit glattem Rande, wir erinnern an A. dilatata Pli. in 
der Palaeontogr. I, Seite 47, Tab. VIII, fig. 2, ebenso fig. 4. A. subquadrata Pli. u. in. a. 

So unerheblich diese Anmerkung auch scheinen mag, so halie ich sie doch nicht unterdrücken mögen, 
weil sich ein solcher Irrthum sonst fortpllanzt, wie wir ihn bei Geinitz Grundr. d. Verstk. Seite 428 
und in andern Schriften reproduzirt finden 

J ) d’Orbigny führt 1. c. als Synoniinnoch auf: C. Fanjasii, Desmoulin; C.bispinosum, Dujardin; C. Goldfttssi, 
C. Guttiferum und C. inaequicostatum Mathe'ron. Mit Recht macht d’Orbigny darauf aufmerksam, wie leicht 
dies Petrefact je nach seiner mehr oder minder guten Erhaltung Veranlassung gibt, daraus verschiedene 
Species zu machen. Die Spitzen der Stachel sind auf den meisten Exemplaren ganz abgerieben, waren 
es vielleicht schon vor der Versteinerung der Schale, auf andern fehlen die Spitzen der Stacheln und 
treten die Rudera derselben dann bald mehr, bald weniger hervor u. s. w. Bei Steinkernen kann nur 
der Habitus leiten, der aber auch bei andern Cardien theils sehr ähnlich, theils gleich ist. Ueberhaupt 
ist das Bestimmen nach Steinkernen meistens sehr mifslich und wird mit der Zeit ein Heer von Species, 
welche darauf gegründet sind, wegfallen müssen. Den künftigeu Monographen der einzelnen Gattungen 
bleibt das Lichten und Sichten der Species überlassen. Die Zeit dazu ist aber noch nicht gekommen, 
denn der paläontologische Zuwachs, den bis jetzt jedes Jahr bringt, ist noch zu grofs. 



13 


C. productum. Die Schale ist stark gewölbt nach allen Seiten steil abfallen. Die Buckel sind 
mittelständig etwas seitswärts gebogen. Die Schlofslinie ist fast gradlinig. Die Oberfläche der 
ziemlich dicken Schale erscheint fast glatt und ist nur mit schwachen, breiten, ziemlich entfernt 
stehenden Längslinien versehen. Da wo die Epidermis abgerieben ist, treten dicht gereihte 
Längslinien hervor, wie die Zeichnung sie darstellt. Der Rand ist gekerbt. 

Fundort: Im Grünsand bei Vaelsbruch mit der vorhergehenden Species. 

Crassatella hamarck . 

Crassatella calceiformis, Müller. Tab. 7, fig. 15 in natürlicher Gröfse. 

Die Schale ist lang gestreckt, dreiseitig, mäfsig gewölbt. Die Buckel sind gerundet, liegen 
weit von der Mitte nach hinten, vor denselben fällt die Schale mit schwacher Biegung bis zum 
untern Rande steil ab, sie ist doppelt so lang als hoch. Die längere Seite bildet gleich unter 
dem Buckel der ganzen Länge nach einen scharfen Kiel, hinter welchem die’ Schale plötzlich 
einfällt und eine sehr breite fast glatte Fläche darstellt. Auf der Oberfläche laufen breite con- 
centrische, flache Rippen mit gleichmäfsigen, glatten Zwischenräumen. Die Rippen verlieren sich 
nach dem bezeichneten Kiele hin ganz allinälig. Der innere Rand der Basis ist glatt. 

Fundort: In dem grünlichen, sandigen Mergel auf einem Felde bei Vaelsbruch. 

Crassatella Marrotiana, d’Orbigny. Tab. 266, fig. 8—9, pag. 82 III. 

Auch wir finden, wie d’Orbigny, bis jetzt nur Steinkernen dieser Species. Sie sind völlig glatt, 
während bei den Steinkernen von C. arcacea Roemer sich die concentrischen Furchen eilige- 
drückt finden. Das Pelrefact ist oblong, etwas dreiseitig, mäfsig gewölbt. Die Buckalseite ist 
kurz, eingebogen, die Analseite sehr verlängert. Die Muskular-Eindrücke grofs, sehr stark aus¬ 
geprägt. Der untere Rand ist scharf und dicht gezahnt. 

Fundort: In den grauen Mergeln bei Vaelsbruch. 

Venus Vinne. 

Venus nucifomiis, Müller. Tab. 7, fig. 14, a. Flächenansicht, b. Seitenansicht, c. Schlofs 
dreimal vergröfsert. 

Die Schale ist fast kreisrund, sehr stark gewölbt, bauchig. Die Buckel sind rund, schwach 
hervortretend, etwas seitwärts gewendet. Wegen der hohen Wölbung fällt die Schale nach 
allen Seiten hin steil ab, am untern Rande hat sie vier treppenförmige Absätze, welche durch 
scharf hervortretende concentrische Ringe oder vielmehr wulstige Leisten gebildet werden. Die 
Oberfläche der Schale erscheint sonst glatt, dem bewaffneten Auge zeigt sie aber feine, dicht¬ 
gedrängte concentrische Linien. 

Fundort: Im Grünsand bei Vaels, bis jetzt selten. 

Venus immersa, Sow. bei Fitton. Tab. 17, fig. 6, pag. 342. — Reufs. Tab. 41, fig. 11, pag. 

20, II. — Geinitz Charak. Tab. 20, fig. 5. (male), pag. 76. 

Die Schale ist queroval, stärker gewölbt als bei V. ovalis. Die Buckel liegen etwas vor der 

Mitte und stehen weiter auseinander als bei jener. Das Möndchen ist sehr vertieft, breiter und 
runder, das Feldchen länger und breiter als bei V. ovalis. Die Oberfläche ist mit'äufserst fei- 


14 

-°-§ > f§€r°- 

nen, dichtstehenden concentrischen Linien versehen, welche in der untern Hälfte weiter von 
einander stehen, nach dem Rande hin zeigen sich faltige Anwachsringe. 

Fundort: Im Grünsand des Lusbergs, dann auch in den grünlichen, sandigen Mergeln der 
Wolfshag und bei Vaelsbruch. Weit seltener als V. ovalis. 

Venus parva, Soic. — Bei Goldfujs. Tab. 151, fig. 4, pag. 246 II. — Reufs. Tab. 41, fig. 

16, 17, pag. 20 II. — Geinitz Charak. Tab. 20, fig. 6, 7, pag. 76. Dessen Grundrifs. 

Tab. 18, fig. 14, pag. 418. 

Die Beschreibungen dieser Species weichen bei den angegebenen Schriftstellern sehr vonein¬ 
ander ab, wir beschreiben sie daher aufs Neue nach unsern Exemplaren. Sie ist fast kreis¬ 
rund, stark gewölbt in ihrem ganzen Umfange. Die stumpfen Buckel stehen vorwärts gebogen 
und liegen vor der Mitte. Das Möndchen ist tief, oval. Der hintere Schlofsrand ist sehr ge¬ 
bogen, der vordere kurz und eingebogen. Die Oberfläche der Schale ist mit regelmäfsigen 
concentrischen Linien versehen, zwischen welchen sich einzelne Anwachsringe zeigen. Stein¬ 
kerne erscheinen meistens völlig glatt, was auf eine dünne Schale schliefsen läfst. Mit unserer 
V. tumida, Tab. 11., fig. 4, pag. 25. 1. bat sie nichts gemein. 

Fundort: In den grauen, sandigen Mergeln bei Vaelsbruch, in der Wolfshag, auch im Lusberg, 
ziemlich selten. Ob eine nur als Steinkern bei Coenraed häufig vorkommende Venus auch hie— 
her zu ziehen sei, wagen wir nicht zu entscheiden; sie stimmt am meisten überein mit der 
oben citirten Figur des Grundr. bei Geinitz. 

Venus? porrecta, Müller. Tab. 8, fig. 2 in natürlicher Gröfse. 

Die Schale ist länglich gestreckt, oval nach allen Seiten gerundet. Die Buckel sind spitz 
und liegen etwas nach hinten. Vor den Buckeln ist die Schale etwas einwärts gebogen, 
verläuft dann in einem gleichmäfsig gerundeten Bogen mit dem untern Rande; hinter den 
Buckeln fällt die Linie weit steiler ab. Die Schale ist nur schwach, fast flach gewölbt, 
erhebt sich aber etwas stärker im hintern Drittel von den Buckeln bis zum Rande und 
bildet dadurch gleichsam einen schwachen Kiel und fällt dann von hier bis zum hintern Rande 
steil ab, während sie sich nach der entgegengesetzten Seite ganz sanft abflacht. Die Ober¬ 
fläche ist mit dichtstehenden, concentrisch-eliptischen, höchst regelmäfsigen Linien geziert, welche 
im hintern Drittel der Schale stärker hervortreten und nach dem vordem Rande hin schwächer 
werden. Das Schlofs vermochten wir nicht blos zu legen, es kann sich das Petrefact daher 
später auch als Lucina oder eine andere mit Venus verwandte Gattung erweisen. 

Fundort: Das einzige doppelschalige Exemplar fand Herr Dr. Debey in den grünlichen Mergeln 
unweit Vaelsbruch. 


Capsn ßrugiere. 

Wir finden bis jetzt nur drei urweltliche Species dieser Gattung beschrieben, von denen zwei 
aus der Kreide bei d’Orbigny Tab. 381 und zwar C. elegans und C. discrepans. Wir setzen 
unser Petrefact hieher wegen der auffallenden Längsfalten auf der einen Seite der Schale, was 
d'Orbigny als eines der Haupt-Unterscheidungsmerkmale zwischen den Gattungen Capsa und 


15 

Tellina angiebt, pag. 423. III. Paleont. terrain cretacc. Das Schlofs haben wir nicht blos legen 
können, dasselbe hat nach Lamarck, Toin. 6, pag. 253, deuxieme edition, auf der rechten Valve 
zwei Zähne, auf der linken nur einen gespaltenen Zahn, keine Seitenzähne. Herrmannsen ind. 
gen. Malacoz. Primordia, pag. 169. 1. bemerkt bei Capsa: genus bivalvium satis incongruum, 
cujus species hodie vel Donaci, vel Corbulae, vel denique Sanguinolariae subjungendae videntur. 
Möge es mir oder einem andern Paläontologen gelingen, das Schlofs eines Exemplars dieses 
schönen Petrefactes zu sehen, und dasselbe mit Zuverlässigkeit in das gehörige Genus zu 
weisen. 

Capsa gigantea, Müller. Tab. 8, fig. 1 in natürlicher Gröfse. 

Ist bis jetzt die gröfste Species ihres Geschlechts. Die Schale ist queröval, allseitig ge- 
rundel, sie ist 2 Zoll und 9 Linien breit und von dem Buckel bis zum untern Rande 2 Zoll 
hoch. Die gerundeten Buckel liegen fast in der Mitte. Die Wölbung ist in Anbetracht der 
Gröfse der Schale nur gering, sie ist am stärksten im obern Drittel, nach allen Seiten gleichmäfsig 
und sanft abdachend. Die Oberfläche der Schale zeigt regelmäfsige, dicht stehende, concen- 
trische Linien und gegen den untern Rand mehrere starke Anwachsringe. Auf der rechten Seite der 
Schale strahlen vom Buckel 7 bis 8 dicke, runzliche, sich schlängelnde, knotige Falten aus, die 
nach dem Rande hin immer mehr divergiren und breiter werden. Die Räume zwischen den 
Falten sind ungleich breit. Diese Zwischenräume sind mit feinen runzlichen Querfalten durch¬ 
zogen. 

Fundort: Am Lusberg in den compacten, stark mit Kalkspath durchsetzten Muschelbänken. 

Tellina JLinne, 

Tellina Royana, d’Orbigny. Tab. 380, fig. 9—11, pag. 422. 

Die Schale ist oval, etwas verlängert, sehr zusammengedrückt, glatt, mit wenigen concentri- 
schen Linien und Anwachsringen versehen; gleichschalig, fast gleichseitig. Die Buckel liegen 
nicht in der Mitte, sondern etwas seitlich. Oie beiden Enden der Schale sind fast gleichmäfsig 
abgerundet. Sie ist stärker gewölbt als T. plana und T. Goldfussii und schwächer gewölbt als 
T. striata. 

Fundort: Im Grünsand des Lusberges. 

Pholas JLinne. 

Pholas reticulata, Müller. Tab. 7, fig. 17. 

Die Gattung Pholas hat bis jetzt nur wenige Representanten in der Kreideformation überhaupt 
aufzuweisen, in der deutschen Kreide ') die einzige Pholas constricta Ad. Roemer in der Pa- 


') Geinitz, Quadersaridstein, pag. 144 bezeichnet zwar als Pholas sclerotites, was er in der Cliaract., 
pag. 99, Tab. 24, fig. 1—3 für einen Pilz der Gattung sclerotites erklärt hatte. Die Anhaltpunkte, 
welche 1. c. die dargestellten rundlichen Körper indessen darbieten sind zu schwach, als dafssie eine sichere 
Bestimmung zuliefsen. - Ob Pholas constricta Phillips, bei Roemer Fistulana constricta. Tab. 10, fig. 



16 


laeontographica. Tom. I. pag. 330, fig. 17, 18, 19 aus dem Hilsthon. Der Name Ph. constricta 
war übrigens schon von Philipps 1835 verwendet und mufs daher für die schöne Species von 
Roemer geändert werden und schlagen wir vor sie Ph. Roemeri zu nennen. 

Die Schale unserer Species ist queroval, an dem Buckalende sehr abgerundet, sehr bauchig, 
gewölbt und aufgetrieben, an dem entgegengesetzten Ende verschmälert sie sich, fällt etwas ein, 
ist klaffend und abgestutzt. Sie ist äufserst dünn. Durch eine Rinne, welche von dem Buckel 
schräg bis zum untern Rande läuft, ist sie gleichsam in zwei Hälften getheilt. Der Rinne entlang ist 
sie etwas eingebogen. Auf der Oberfläche bilden scharf markirte Längslinien und etwas feinere 
dieselben durchkreuzende Querlinien ein niedliches Netzwerk. An den Durchschnittspunkten 
zeigen sich Knötchen. Die bezeichneten Längslinien sind so geordnet, dafs sie am Buckalende 
etwas entfernter stehen und nach der angegebenen Rinne hin sich verfeinern und dichter stehen. 
Von der Rinne aus liegen die Längslinien wieder weiter von einander und werden wieder enger 
und dichter nach dem engegengesetzten Ende hin, dessen äufserster Rand glatt erscheint. Von 
einer die Schale umschliefsenden Röhre fanden wir keine Spur und nehmen wir mit Lamarck 
an, dafs die Gattung Pholas überhaupt keine kalkige Röhren hat. Vergl. Lamarck anim. sans 
verteb. Tom. 6, pag. 42. 

Fundort: In den Mergeln der Wolfshag bei Vaels. Selten. 

Fam. Radiolidac d’Orbigny* 


Genus Caprot ina 9 tVOrbigny . 

Caprotina costulata, Müller. Tab. 7, fig. 18. Seitenansicht beider Schalen dreifach ver- 
gröfsert. 

Nach dem einzigen uns vorliegenden Exemplar dieses Pelrefactes und ohne Einsicht der innern 
Schale desselben ist es schwer mit Bestimmtheit zu entscheiden, ob die Species zu Caprohna 
oder zu der durch Matheron (1842) davon getrennten Gattung Requienia zu stellen sei. Der 
ganze Habitus des Petrefactes hat grofse Aehnlichkeit mit Caprotina striata d’Orb. Tab. 593, 
fig. 3—6, pag. 244. IV. 

Die Schalen sind ungleich grofs, die untere ist die längere und verschmälert sich nach der 
Spitze; die obere ist kleiner, gerundet und stärker gewölbt, als jene. Beide Schalen sind ganz 
gleichmäfsig der Länge nach gerippt. Nach dem Rande hin stehen die Rippen etwas weiter 
von einander und erscheinen schwach gekörnt. 

Fundort: Am Schneeberg bei Vaels in den obern Mergeln. 


11 a.—d, pag. 76 aus dein Hilsthone von Helgoland nach Iloemers Zeichnungen und Beschreibung nicht 
dennoch eine Fistulana ist? — d’Orbiyny pag. 305, Tab. 349, terr. cre't. macht zwei Species Pholas 
aus der Kreide Frankreichs bekannt. — Von Hyckholt in seiner Meldnges paleontologir/ues pag. 114 
bis 117. Tab. 5, fig. 14-16 und 17 —18 theilt drei neue Species aus der belgischen Kreide mit, wovon 
indessen nur Ph. Nystiana zuverlässig ist, Ph. supracretacea kann sich auch als Tetredo erweisen. 




17 

Clavagelia Lamarck. 

Es ist bei vielen Versteinerungen schwer, mit voller Sicherheit auch nur die Gattung zu be¬ 
stimmen. Dies gilt besonders bei den in Röhren eingeschlossenen Mollusken (Tubicolae), 
welche ohnedies im Sekundären-Gebirge nur äusserst selten mit mehr oder weniger erhaltener 
Röhre Vorkommen. Bis dahin finden wir theils nur Bruchstücke von Röhren, theils nur- einzelne 
Schale der einst darin lebenden Mollusken. Die Gattung Clavagella, welche Lamarck 1812 
aufstellte, steht in der Mitte zwischen Aspergillum und Fistulana. Bei Aspergillum sind beide 
Schalen mit der Röhre gleichsam verwachsen und an derselben angeheftet, bei Clavagella ist 
die eine Schale mit der Röhre verwachsen, die andere aber frei. Bei Aspergillum stehen rund 
um die durchlöcherte Scheibe kleine Röhrchen im Kreise, eine Art Kragen bildend ; bei Fistulana 
fehlen diese Röhrchen gänzlich und bei Clavagella stehen dieselben wie Stacheln aufrecht, oder 
sie bilden ein förmliches Netzwerk. 

Obgleich die Gattung Clavagella in den verschiedenen Schichten des Tertiären in etwa sieben 
Species nachgewiesen ist, so hat dieselbe bis jetzt noch keinen zuverlässigen Repräsentanten 
in der deutschen Kreide, wenn wir davon absehen, dass d’Orbigny die bei Roemer nordd. Kreide 
Tab. 10, fig. 10, pag. 76 beschriebene Teredina clavata zu Clavagella zieht, wozu wir nach 
dem oben Gesagten allen Grund vermissen und wir daher nicht vertreten können. Aus der 
oberen Kreide Frankreichs beschrieb d'Orbigny die erste europäische Species dieser Formation 
Clavagella crelacea ') Poleont. terr. cret. Tom. III, Tab. 347, pag. 300. Wir begriissen daher 
als einen glücklichen Fund zwei Exemplare einer Clavagella, welche Herr Dr. Debey im Grün¬ 
sand bei Vaels im besterhaltenen Zustande fand. 

Clavagella elegans, Müller. Tab. 8, fig. 3, a — g, in natürlicher Grösse. 

Die Röhre ist fast gerad, nach hinten etwas gebogen, sich allinälig verschmälernd und etwas 
platt gedrückt, fig. b. Der vordere Theil der Röhre, fig. a, wo die Schalen sitzen, ist bedeu¬ 
tend dicker, aufgetriebener und gerundeter. Die freie Sehale ist länglich, 5lang und 3'" 
hoch, sehr dünn, mit konzentrischen Linien bedeckt, sehr ungleichseitig, indem der Wirbel im 
letzten Fünftel nach der Scheibe hin liegt. Der vordere Theil der Röhre zeigt, so weit die 
eingeschlossenen Schalen reichen, eine Spalte, fig. d, die Wirbel der Muschel treten, fig. e, 
deutlich hervor, sowie auch die Zeichnung der eingeschlossenen Schale durch die papierdünne 
Röhre sichtbar wird. Die Scheibe, fig. f, bildet ein ästiges, korallenartiges Netzwerk, indem 
die röhrenförmigen Fortsätze der Hauptröhre, welche meistens gegabelt sind, sich untereinander 
verschlingen. Diese Röhrchen stehen nicht senkrecht, sondern sie liegen in einer Ebene mit 
ihren Oeffnungen kreisförmig ausstrahlend, wodurch unsere Species einen Uebergang zur Gat¬ 
tung Aspergillum bildet. Zwischen der Scheibe und den Wirbeln der eingeschlossenen Schalen 


') Ausserdem finden wir bei d’Orbigny, Prodrome paleont. II, pag. 233, noch eine Clavagella ligeriensis 
angeführt mit der kurzen Notiz: Espece dont Ia valve est plus oblongue et bien plus allongee que chez 
la cretacea France, Tours (Indre et Loire). Die beiden anderen dort aufgeführten Arten Clavagella 
armata und Clavagella semisulcata, Morton, sind aussereuropäisch. 



18 

ist die Röhre etwas eingeschnürt, fig. g. Wie schon bemerkt wurde, ist def vordere Theil der 
Röhre papierdünn, nach dem hinteren Theil wird dieselbe allmälig dickschaliger. Von allen uns 
bekannten Clavagellen nährt sich unsere Species am meisten der Clavagella Goldfussii, Ph., 
aus dem Tertiären bei Osterweddingen, vide Palaeontographica, Band I, pag. 44, Tab. VII, 
fig. 1, a—d. 

Ausser den von Herrn Dr. Debey gefundenen Exemplaren besitzen wir aus der Muschelbank¬ 
schichte beim Königsthor die Schalen derselben Species ohne Röhre. 

Clavagella divaricata, Müller. Tab. 8, fig. 4, in natürlicher Grösse. 

Wir stellen dieses Petrefact mit einigem Bedenken zur Gattung Clavagella; wir halten die 
abgebildete Schale für die freie Schale und glauben in dem Anhängsel die mit der Röhre ver¬ 
wachsen gewesene, jetzt plattgedrückte Schale zu erkennen. Die Röhre selbst fehlt unserem 
Exemplar. Die Schale ist schmal, lang gestreckt, mässig gewölbt, etwas gebogen, nach beiden 
Enden spitz zulaufend, vom Buckalende nach dem unteren Rande einwärts gebogen. Der untere 
Rand wird von einem glatten, etwas verdickten Wulst gebildet. Von der Buckel bis zu diesem 
Rande strahlen einige divergirende, nach unten breiter werdende Längsfalten aus, übrigens ist 
die ganze Oberfläche mit gedrängt stehenden, regelmässigen Querlinien oder vielmehr Rippchen 
versehen, welche auch über die Längsfalten fortlaufen. 

Fundort: In der Korallenschichte bei Vetschau. Bis jetzt erst ein Exemplar. 

Crania Mel zins. 

Crania Nummulus? Lamarck. Bei Hoeninghaus Beitrag zur Monographie der Gattung Crania 
fig. 5, a—c, pag. 5. — Bei Goldfufs Tab. 162, fig. 5, pag. 292. II. — Nilsson, Tab. 3, 
fig. 11, a—c. — Ostracites minimus, Beuth , juliae et montium subterranea, series 7, 
Nro. 46, pag. 130. — d’Orbigny, Prod. de Paleont. stratigraphique II. pag. 259, führt 
die Species unter dem Namen C. Brattenburgensis auf und citirt dabei Nummulus Brat- 
tenburgensis, Stobaeus dissert. epist. Lund. 1732. conf. Nilsson 1. c. 

Unsere Tab. 7, fig. 20, a. obere, b. untere Schale in natürlicher Gröfse. 

Doppelschalige Cranien gehören bis jetzt bei vielen Species zu den paläontologischen Sel¬ 
tenheiten. Dadurch wird aber auch die Bestimmung solcher Exemplare schwierig. Von C. 
Nummulus bringen die oben angeführten Abbildungen nur die untere Schale. Wir haben lange 
geschwankt, ob wir unser Petrefact nicht zu der verwandten Familie Radiolites stellen sollten, 
wozu uns aber ebenfalls der sichere Anhalt fehlt, weil wir die Muskular-Eindrücke nicht sehen 
konnten. Unser verehrter Freund, der gründliche holländische Paläontologe, Herr Jos. Bosquet, 
hält das Petrelact für eine Crania und zwar für C. Nummulus. Derselbe wird in den Memoires 
de la commission pour la description et la carte geologique de la Neerlande eine Zeichnung 
unseres Petrefactes in vergröfsertem Maafsstabe mittheilen. 

Die obere Schale ist trichterförmig, stumpf mit etwas seitwärts gekehrtem, umgebogenem 
Ende. Die untere Schale liegt wie ein Deckel flach auf und ist nur wenig einwärts gebogen. 


19 

Die Textur der Schalen ist mehr blätterig als faserig. Die obere Schale ist etwas abgerieben, 
mit feinen Längslinien versehen, die untere Schale zeigt concentrische Linien, welche durch 
ausstrahlende ganz unregelmäfsige Rippchen durchkreuzt werden; die Mitte ist durch ein 
Bruchstück einer Serpula bedeckt. An der einen Seite des Randes der obern Schale befinden 
sich starke Falten. 

Fundort: Im Mergel des Schneebergs, bis jetzt nur in Einem Exemplar. 


Lithodomus Cuvier. 

» 

So nahe auch Lithodomus mit Mylilus und Modiola verwandt ist, so setzt doch schon die 
Lebensweise jener Gattung, als bohrende Muscheln, einen anderen Organismus voraus, als 
bei diesen. Auch ist die ganze Form wesentlich verschieden, weicht aber von Mytilus noch 
mehr ab, als von Modiola. Cuvier bemerkt in dieser Beziehung in seinem regne animal, Tom. 
II, pag. 85: Les Lilhodomes ont la coquille oblongue presque egalement arrondie aux deux 
bouts et les sommets tout pres du bout anterieur. Dazu kommt noch, dafs die Wirbel einge¬ 
bogen sind und sich nicht berühren. Uebrigens hat d'Orbigny das Verdienst, die Gattung näher 
begründet zu haben, indem er den von Mytilus und Modiola verschiedenen inneren Bau bei 
Lithodomus nachgewiesen hat, Tom. III, pag. 278 und 288 der Paleont. frang. ter. cret. Wie 
schön bemerkt, steht Modiola der Form nach dem Lithodomus näher als Mytilus und möchten 
manche versteinerte Species Modiola zu Lithodomus zu ziehen sein. 

Lithodomus Weberi, Müller. Tab. 8, fig. 14. a. Queransicht auf die Wirbel, b. Seitenansicht,, 
c. Mafsstab der natürlichen Gröfse. 

Die Schale ist länglich an beiden Seiten abgestutzt, der ganzen Länge nach stark gewölbt 
und bauchig. Die Wirbel bilden das Bukalende, sie sind etwas einwärts gebogen, stark gerun¬ 
det und berühren sich nicht. Von den Wirbeln bis zum Analende sind die Schalen etwas ein¬ 
gedrückt und bilden dadurch eine Rückenkante. Die Oberfläche der Schale ist mit einem 
äufserst niedlichen, scharf ausgeprägten Maschenwerk geschmückt. Es laufen nämlich von den 
Wirbeln nach den Rändern divergierende Rippchen aus, welche von feinen Querlinien durch¬ 
schnitten werden. In der unteren Hallte der Schale erscheinen diese Linien als breite An¬ 
wachsringe. 

Fundort: Am Schneeberg in der Alveole eines Belemniten eingebohrt. 

Wir haben diese Species dem Secretair des naturhistorischen Vereins für die preufsischen 
Rheinlande und Westphalens, dem Herrn Professor Dr. Otto Weber, gewidmet, welcher sich 
unter anderen auch um die urweltliche Pflanzenwelt grofse Verdienste erworben hat. 


‘J Ueber die bohrenden und nestbauenden Weichthiere gibt G . Joluiston in seiner Einleitung in die Con- 
chyliogie, herausgegeben von //. (?. Bronn, Stuttgart 1S53, pag. 144—löl, die vollständigsten Auf¬ 
schlüsse. 


3 



20 

Dentalium TLinne . 


Dentalium Cidaris Geinitz. 

Dentalium Striatum Geinilz (non Sowerby ). Charac. Tab. 18, fig. 27, pag. 74. — Reufs 
böhm. Kreidef. Tab. 11, fig. 18, pag. 41, I. 

Unsere Tab. 8, fig, 6, a und b. 

Es unterscheidet sich dies Dentalium von den übrigen aus der Kreide bekannten Species 
durch die in fegelmäfsigen Abständen stark hervortretenden Längsrippen, dann auch dadurch, 
dafs es nur eine sehr schwache Biegung zeigt und der ganzen Länge nach nur sehr wenig an 
Stärke abnimmt. Geinitz vergleicht es passend mit einem Cidariten-Stachel, was die Zeichnung 
des Durchschnittes unserer Figur bei b. besonders hervorhebt. 

Findet sich mit den übrigen hier vorkommenden Species im Grünsand am Lusberg und bei 
Vaels, in dem dortigen Mergel ist noch keine Species dieser Gattung vorgekommen. 


Jittiiff lAnne. 

Im Jahre 1849 machten wir die erste Species dieser Gattung aus der Kreide als B. cretacea 
bekannt, man vergleiche unsere Monographie, Abthl. II, pag. 7, fig. a — c. Seit jener Zeit fand 
Vicomte d’Archiac noch drei neue Species, welche er in der Schrift: Coupe geologique des 
environs des bains de Rennes, suivies de la descriptions de quelques fossiles de celle localite, 
1854, pag. 36—-37, bekannt machte. Von diesen kommt in unserem Gebiete ziemlich häufig 
vor: 

Bulla Palassoui, d’Archiac. Tab. IV, fig. 1, a, b. 

Sie unterscheidet sich von B. cretacea dadurch, dafs sie auf der Oberfläche glatt ist ohne 
alle Querlinien, ferner dadurch, dafs sie vollständig cylindrisch und der ganzen Länge nach von 
gleichem Durchmesser ist, endlich erreichen die Individuen dieser Species kaum die Hälfte der 
Gröfse von B. cretacea. 

Ist nicht selten im Griinsande bei Vaels, am Königsthor und Lusberg. 

Die zweite von d’Archiac beschriebene B. ovoides, Tab. 4, fig. 2, a, b, halten wir für iden¬ 
tisch mit B. cretacea und scheinen nur abgeriebene Exemplare der letzteren zu sein. 


Rissoit Freminvitle. 

Die Gattung Rissoa steht in der Mitte zwischen Melania und Cerithium. Sie enthält meist 
nur kleine Individuen in zahlreichen lebenden Species und solchen aus dem Tertiären. In 
anderen Formationen gehören sie noch zu den Seltenheiten. Sie treten nachweislich erst im 
Jura auf, ihr Vorkommen im Keuper wird noch bezweifelt, d'Orbigny fand eine Species in der 


21 

Kreide Frankreichs und wir selbst beschrieben in der zweiten Abtheilung der Monographie, 
pag. 8, zwei neue Species der hiesigen Kreide. In dem Verzeichnisse der deutschen Petrefac- 
ten von Giebel, so wie bei Geinitz ist noch keine Species aus der Kreide angeführt Wir ken¬ 
nen keine solche, welche unserem Petrefacte an Gröfse gleich käme, allein dies konnte uns 
nicht veranlassen, dasselbe etwa zu Turbonilla oder einer anderen verwandten Gattung zu stellen. 

Rissoa Bosqueti, Müller. Tab. 8, fig. 9, a. die Rückseite, b. die vordere Seite mit der 
Mundöffnung in natürlicher Gröfse. 

Das thurmähnliche Gehäuse besteht aus sechs wulstigen, sehr convexen Windungen. Diesel¬ 
ben sind mit zarten Längsrippen versehen, welche von feinen, jedoch scharf jnarkirten con- 
centrischen Linien durchzogen sind und daher mit den Längsrippen ein sehr niedliches Netz¬ 
werk bilden. Der Mundrand tritt etwas hervor, bildet aber keinen Wulst, ist vielmehr glatt 
und scharf. Im Innern desselben zeigt sich deutlich die Einfurchung, worin der Deckel lag. 
Unter dieser Furche liegt eine Reihe deutlich hervortretender Knötchen, welche Zähnen ähnlich 
sehen. Die Mundöffnung selbst ist oval, ohne Kanal, ohne Einschnitt oder Ausbuchtung. Die 
Spindel ist kurz und glatt. Die Schale ist verhältnifsmäfsig dick, etwa wie bei Cyclostoma ele- 
gans, Drap., welcher Schnecke unser Petrefact im ganzen Habitus ähnelt. 

Wir besitzen von diesem ausgezeichnet schön erhaltenen Petrefact zwei Exemplare aus dem 
Griinsand von Vaels und Bruchstücke aus den Muschelschichten des Lusbergs und des Aache¬ 
ner Waldes. 

I 

Triptycha nov. gen« 

Testa oblonga, ovata; basi Integra, non emarginata; paucispira, anfractu ul¬ 
timo maximo, inflato; apertura magna, integra, longitudinali, labro acuto; Colu- 
mella plicis tribus obliquis mstructa, quarum meclia major. 

Das Gehäuse ist länglich eiförmig; die Basis ohne Einschnitt, das Gewinde 
ist niedrig mit wenigen Umgängen, von welchen der unterste am stärksten und 
aufgetrieben ist; die Mundöffnung ist gross, länglich und mit glattem scharfem 
Bande; die Spindel hat drei schräge Falten, wovon die mittlere die stärkste 
ist. Etym. tqeiq (drei) und nrvyjj (die Falte). 

Wir haben vergebens versucht, unser Petrefact einer bekannten Gattung anzureihen und des¬ 
halb, so weit uns die Mittel zu Gebote standen, die Gattungen Volnta, Auricula, Loxonema, 
Turbinella, Macrocheilus u. s. w. in den verschiedensten lebenden und urweltlichen Species 
^ damit verglichen, allein keine stimmte damit überein. In der Paläontographica von Dunker und 

Meyer, Band III, Tab. V, pag. 34—36, beschreibt F. A. Roemer mehrere Species Loxonema 
aus dem Iberger Kalk, von welchen L. humile und noch mehr L. minutum mit unserem Petre¬ 
fact gröfse Aehnlichkeit hat, allein es fehlen dieser Gattung die Falten auf der Spindel. Von 
Voluta unterscheidet sich Triptycha sowohl durch den ganzen Habitus, als auch durch die Ab- 




wesenheit des Ausschnittes an der Basis und endlich dadurch, dafs die mittlere Falte die stär¬ 
kere ist, während bei Voluta die Falten nach oben an Stärke abnehmen. Noch entfernter steht 
Triptycha von Mitra , denn selbst M. melania, Lam., welche sich noch in etwa damit verglei¬ 
chen liefse, weicht in allen wesentlichen Stücken unendlich davon ab. Jedenfalls reiht sich die 
neue Gattung durch die faltige Spindel der Familie Volutidae an. 

Triptycha limnaeiformis, Müller. Tab. 8, fig. 11, a. die Mundöffnung mit der Spindel, b. die 
Rückseite in natürlicher Gröfse. 

Das Gehäuse besteht aus vier .Windungen, von welchen die letzte sehr stark aufgetrieben 
und fast doppelt so lang ist, wie das übrige Gewinde. Die Form weicht von allen bekann¬ 
ten Voluten ab und ähnelt vielmehr der eines Limnaeus oder einer Succinea. Die Spindel 
trägt drei starke Falten, deren mittlere am dickesten ist. Die Mundöffnung ist länglich-oval 
nach Art der Auricula. Der Mundrand ist glatt und scharf; die ganze Schale ist sehr dünn 
und zeigt auf der Oberfläche, die anscheinend kahl ist, nur schwache wellenförmige Längsfalten, 
welche in der Zeichnung zu stark hervorgehoben sind. 

Bis dahin ist das vollkommen erhaltene Petrefact ein Unieum aus dem Grünsande bei Vaels. 

Ringicula Dehayes . 

Die Gattung Auricula wurde im Laufe der Zeit, namentlich durch die Menge der neuen For¬ 
men der Urwelt, in mehrere Abtheilungen getrennt, wozu Avellana, Ringinella und Ringicula 
gehören. Die letztgenannte Gattung charakterisirt Dehayes 1838 in der zweiten Ausgabe von 
Lamarck's histoire naturelle des animaux sans vertebres, Tom. VIII, pag. 343, also: Coquille 
petite, ovale, globuleuse, ä spire courte, subechancree ä la base. Ouvertüre parallele ä Taxe 
longitudinal, etroite, calleuse; la columelle courte, arquee, ayant deux ou trois plis presque 
egaux et une dent saillante vers l’angle posterieure de l’ouverture. Bord droit tres epais, ren- 
verse en dehors; il est simple et sans dents. D’Orbigny weicht Tom. II, pag. 142, der mehr¬ 
genannten Schrift mit Unrecht von dieser Charakteristik ab. 

Obwohl aus den verwandten Gattungen Avellana und Ringinella eine Anzahl Species aus der 
Kreide bekannt geworden sind, so beschränkt sich das Vorkommen von Ringicula bis jetzt auf 
eine lebende und einige wenige Species aus dem .Tertiären. In der angeführten Schrift von 
d’Arcliiac ist eine Ringicula Verneuili, Tab. IV, fig. 3, a, b, pag. 38, abgebildet und beschrie¬ 
ben, welche mit einer von uns gefundenen so sehr übereinstimmt, dafs wir sie anfangs für iden¬ 
tisch hielten und erst bei genauerer Betrachtung ihre Verschiedenheit erkannten. 

Ringicula pinguis, Müller. Tab. 8, fig. 15. a. Mundöffnung, b. Rückenseite, Mafsstab der 
natürlichen Gröfse. 

Das Gehäuse ist eiförmig, es besteht aus fünf Windungen, wovon die oberste scharf zuge¬ 
spitzt ist, die unterste, mehr als doppelt so lang, wie das übrige Gewinde, ist sehr bauchig 
und gerundet. Die Nähte sind gefurcht. Die Oberfläche der dicken Schale ist mit regelmäfsi- 
gen, überall gleich weit von einander stehenden vertieften Linien bedeckt, wodurch das Ganze 


23 

wie mit glatten Reifchen umzogen ist. Die Mundöffnung ist länglich, schmal, fast überall gleich 
weit. Der rechte Mundsaum ist mit einem sehr dicken und breiten, nach Aufsen umgeschla¬ 
genen Wulste versehen, welcher sich von der Basis bis zur zweiten Naht in gleicher Breite 
hinaufzieht und auf seiner Oberfläche deutlich die Anwachsstreifen zeigt. Im Innern ist er 
crenulirt. Die linke Seite der Mundöffnung ist mit einer dünnen Kalosität bedeckt und trägt 
drei schmale und scharfe Falten, von welchen die oberste weit über die Mitte der inneren 
Wölbung hervorragt. Der sehr kurze Kanal hat einen kleinen Ausschnitt. 

Fundort: Im Grünsand des Lusberges und bei Yaels. 

Gr loMconcha d’Orbigny. 

Globiconclia maxima, Müller. 

Ob wir dies Petrefact der richtigen Gattung zugewiesen haben, mufs die Zukunft lehren, 
wenn Exemplare gefunden sein werden, welche eine sichere Entscheidung zulassen. Es wird 
sich vielleicht als Actaeon oder Volula oder gar als Conus herausstellen. Da wir die Spindel 
nicht sehen konnten, so lielsen wir uns durch den ganzen Vlabitus derselben bestimmen, sie 
zu Globiconclia zu stellen. Bei F. Roemer in seinem Werke: die Kreidebildungen in Texas, 
Tab. IV, fig. 5, a, b, pag. 42, finden wir nur eine Species dieser Gattung, die unter allen uns 
bekannten mit der vorliegenden am meisten Aehnlichkeit hat. 

G. maxima ist länglich kreiselförmig an der Basis abgestutzt und wulstig. Das Gewinde be¬ 
steht aus sechs bis sieben schwach gewölbten Umgängen, welche wie bei den meisten Gonus- 
Arten in einer Ebene liegen und nur schwach hervortreten. Auf der Kante der äufsersten 
Windung stehen in weiten Abständen fünf ziemlich stark hervortretende Knoten. Hier beträgt 
die Breite des Gewindes lV 2 Zoll, dieselbe verschmälert sich dann bis zur Basis in der ganzen 
Länge nur sehr wenig. Die Höhe beträgt 2 Zoll. An der Basis ist ein breiter Wulst. Zwischen 
diesem und der bezeichneten knotigen Kante bildete die Schale eine schwache Concavität. Die 
Mundöffnung ist schmal und läuft der ganzen Höhe der Schale entlang. Selbst unter der Luppe 
fanden wir keine Spur einer Zeichnung der Schale. 

Herr Ign. Beifsel, welcher die Güte hatte, uns dies seltene Petrefact zur Veröffentlichung 
mitzutheilen, fand dasselbe in mehreren Exemplaren im Aachener Sand in der Nähe des Alten¬ 
berges, in den zu Tage ausgehenden Schichten der Anhöhe, dem preufsischen Zollhaus gegen¬ 
über, zugleich mit Bruchstücken von Trigonia aliformis und anderen der Kreide angehörigen 
Petrefacten. 


Rer ine a JDefrance . 

Diese mit Cerithium und Pyramidella verwandte Gattung tritt erst mit der Jurabildung auf 
und verschwindet mit der Kreide. Iin Tertiären und irn lebenden Zustande kommt dieselbe bis 
jetzt nicht vor, wir wissen daher nichts über die ehemalige Bewohner dieser Gehäuse. Die 
Kreide Frankreichs ist reich an Species dieser Gattung, d’Orbigny beschreibt deren 24 in der 


24 


Paleontologie frangaise terrain cretace. Tom. II, pag. 72—103, Tab. 156—164. Die deutsche 
Kreide enthält bis jetzt, wenn wir von den Gosauschichten abseher», nur drei Species nach 
Geinitz Quadersandstein-Gebirge, pag. 126. Wir fügen hinzu: 

Nerinea excavata, Müller. Tab. 8, fig. 8, in natürlicher Gröfse. 

Nach dem Bruchstücke zu urtheilen, hatte diese Species eine grofse Anzahl Windungen und 
erreichte eine ansehnliche Länge, worauf die ganz allmählige Abnahme der Dicke bei den ein¬ 
zelnen Windungen nach Analogie bekannter Species schliefsen läfst. Die Form des Gehäuses 
ist fast cylindrisch, die verhältnifsmäfsig breiten Windungen sind in der Mitte concav, oben 
und unten von etwas erhabenen Wülsten eingefafst, welche von zwei scharf markirten Linien 
begränzt sind. Die Oberfläche erscheint beim ersten Anblick fast glatt, ist aber bei genauer 
Betrachtung mit dicht gedrängten concentrischen Linien bedeckt. Wollten wir N. excavata mit 
einer bekannten Species vergleichen, so würde dies nur mit N. pulchella sein, bei d’Orbigny , 
Tom. II, pag. 89, Tab. 161, fig. 4—5, wovon sie sich aber durch die breiteren und stärkeren 
Wulste, so wie durch die concentrischen Linien unterscheidet, N. pulchella zeigt dagegen nur 
o-anz zarte wellenförmige Längslinien. 

Kommt vor in den Mergeln des Schneeberges bei Vaels und in der Kreide bei Gülpen. 

Fusus Famarck. 

Der Reichthum an Species dieser Gattung, deren bereits an die 300 urweltliche und etwa 60 
lebende bekannt sind, vermehrt sich noch fort und fort. Wir verweisen hier auf das zurück, 
was wir in der zweiten Abtheilung unserer Monographie, pag. 34—-38 und pag. 78, darüber 
bemerkt haben und fügen hier den dort beschriebenen vierzehn Arten noch drei neue hinzu: 

1. Fusus Schoeni, Müller. Tab. 8, fig. 5, a. vordere, b. hintere Seite in natürlicher Gröfse. 

Das Gehäuse besteht aus fünf Windungen, von denen die unterste bis zum Kanal doppelt so 
lang ist, als die übrigen zusammen genommen, lieber der Mundöffnung ist diese Windung 
stark aufgetrieben und bauchig, verschmälert sich aber ziemlich schnell nach dem Kanäle hin. 
In Anbetracht der ganzen Form des Petrefactes und nach Analogie mancher Species aus dem 
Tertiären, mufs der Kanal, welcher an unseren Exemplaren nicht erhalten ist, lang und schmal 
gewesen sein. Die Mundöffnung ist ziemlich grofs, mehr länglich als rund. Die Suluren der 
einzelnen Windungen liegen unter einein scharf abgeschnittenen, gekörnten Reifchen verborgen. 
Die vier oberen Umgänge bilden eine kuppelförmige Wölbung. Auf der ganzen Oberfläche 
zeigen sich stark hervortretende Längsrippen, zwischen welchen sich tiefe Falten bilden, sie 
selbst sind wieder mit scharf markirten Querreifchen durchzogen. Dadurch entstehen überall 
da, wo die Rippen und Reifchen sich schneiden, Erhabenheiten, welche der ganzen Schale ein 
gekörntes Ansehen geben. Die Spindel ist glatt, die Schale selbst mäfsig dick. 

Von diesem vortrefflich erhaltenen Petrefact besitzen wir zwei vollkommen verkieselte Exem¬ 
plare aus dem Grünsand bei Vaels, fanden aber auch Bruchstücke in den Schichten am Königsthor. 
Wir haben diesen Fusus den Namen des Directors Herrn Dr. Schoen beigelegt, welcher seit 




32 Jahren an unserem Gymnasium so wie die anderen Unterrichtszweige auch den naturhisto¬ 
rischen und physikalischen Unterricht mit Liebe und Sorgfalt fördert und pflegt. 

2. Fusus tenerrimus, Müller. Tab. 8, fig. 7, a. in natürlicher Gröfse, b. vergröfsert. 

Diese Species gehört zu denjenigen, welche trotz dem, dafs sie nur wenige Windungen ha¬ 
ben, eine schlanke Form besitzen. Sie zählte nach unserem Dafürhalten etwa fünf Windungen, 
wovon die unterste den übrigen vier zusammen an Länge gleich kam. Die gröfste Dicke liegt 
in der Mitte, wie bei allen echten Fusus- Arten. Der Kanal ist kurz, etwas nach Aufsen gebo¬ 
gen. Die wohl erhaltene Oberfläche zeigt ein höchst zartes Netzwerk, wobei einzelne Längs¬ 
linien etwas entfernter stehen und gleichsam Rippen bilden, die concentrischen Linien stehen 
dicht gereiht. 

Es ist dies die erste Species Fusus, welche wir in den weifsen Mergeln des Schneeberges 
fanden, alle andere gehören dem Grünsande an. 

3. Fusus muriciformis, Müller. 

Beim ersten Anblick zeigt dies Petrefact einige Aehnlichkeit mit F. Burkhardi, Tab. V, fig. 
17, pag. 36, II. Abtheilung der Monographie, unterscheidet sich aber ganz wesentlich von dem¬ 
selben durch sein weit niedrigeres Gewinde. Die Gestalt des Gehäuses nähert sich mehr der 
Gattung Pirula, wie das Tertiäre manche Species Fusus enthält; wir erinnern an F. Burdiga- 
lensis, Bast, bei Hoernes, Tab. 32, fig. 13 und 14, aus dem Wiener Becken, in der Kreide sind 
diese Formen unbekannter. F. muriciformis besteht aus fünf bis sechs Windungen, von denen 
die unterste sehr stark aufgetrieben und mehr als dreimal so lang ist, als das übrige Gewinde. 
Von der Kante dieser Windung, welche mit stark hervortretenden Knoten versehen ist, bildet die 
Schale bis zum nächsten Umgänge eine ziemlich breite Ebene, aus welcher die übrigen Win¬ 
dungen sich dann in mäfsiger Wölbung sanft empor heben. Ein Fortsatz der untersten Win¬ 
dung deckt die Sutur vollkommen zu. Die übrigen Umgänge sind mit schwachen Knötchen 
geziert. Ueber die ganze Schale laufen stark hervortretende, ziemlich entfernt stehende wel¬ 
lenförmige Querrippen, welche von sehr schwachen Längslinien durchschnitten werden. Die 
Mundöffnung ist oval, der rechte Mundrand scharf, glatt, der linke mit einer starken Kalosität 
versehen. Die Schale selbst ist mäfsig dick. Der Kanal ist an dem einzig vorhandenen Exem¬ 
plar aus der Sammlung des Herrn Ign. Beifsel abgebrochen. Nach dem ganzen Habitus der 
Species zu urtheilen war derselbe lang und. schmal zulaufend. Bei der grofsen Verwandtschaft, 
welche zwischen Murex und manchen Fusus- Arten herrscht, ist es möglich, dafs unser Petre¬ 
fact sich in vollständig erhaltenen Exemplaren als Murex ausweiset. 

Es stammt dasselbe aus dem Grünsand bei Vaels. 

Pirula ! ) I^amarck. 

Aus dieser Gattung sind verhältnifsmäfsig nur wenige Species aus der Kreide bekannt. Denn 
d’Orbigny vereint die Species dieser Gattung aus der so pretrefactenreiche Kreide Frankreichs 


J ) Bronn bemerkt bei Pyrula in seinem Index Palaeontologicus, pag. 1069, „rectius Pirula.“ Die Birnforra 
dieser Schnecken liat Lamarck zu der Benennung veranlasst, nun heifst aber die Birne bei Plinius, bei 



26 

<&-<>- 

wieder mit Fusus. Sie tritt erst auf im Grünsand und entwickelt dann im Tertiären einen 
grofsen Reichthum an Formen. 

Pirula Binkliorsti, Müller. Tab. 8, fig. 10, a. die hintere, b. die vordere Seite in natürli¬ 
cher Gröfse. 

Eine ächte Pirula- Form, man vergleiche pag. 38—39 der Monographie, Abtheilung II. Das 
Gehäuse ist aufgelrieben, bauchig mit sehr niedrigem, nur schwach hervortretendem Gewinde. 
Das Ganze besteht aus vier Umgängen, welche durch kaum sichtbare Nähte getrennt sind. 
Die unterste Windung macht drei Viertel des Gehäuses aus. Die Spindel ist glatt, nach Aufsen 
gedreht. Die Mündung ist lang und bildet einen halbkreisförmigen Bogen. Der Mundrand ist 
glatt und scharf, äufserlich ist derselbe durch eine Längslinie etwas abgesondert. Der Kanal 
ist kurz. Die Schale ist im Verhältnifs zu den sonst hieher gehörenden noch lebenden Arten, 
z. B. P. Ficus, papyracea, reticulala u. a. dick zu nennen. 

Findet sich nicht gar selten und meist verkieselt und vortrefflich erhalten im Grünsand bei 
Vaels; Hohlabdrücke und Bruchstücke auch am Lusberg. 

Pirella Srvains. 


Pirella quadricarinata, Müller. 

Es ist die gröfste uns bekannte Species der Kreide. Eine ächte Pirella mit sehr langem und 
schmalem Kanal und sehr bauchigem und aufgetriebenem Gewinde. Obgleich der Kanal an 
dem uns vorliegenden Exemplar in der Mitte abgebrochen ist, beträgt die Höhe des Petrefacts 
bis zur Spira noch 3" und die Breite des untersten Umganges 2". Auf diesem laufen bis zum 
Kanal vier dicke Querrippen mit Zwischenräumen von fast 2"' breit. Der Kanal selbst war mit 
dicken Querlinien versehen. Das übrige Gewinde besteht aus drei bis vier Umgängen, welche 
niedergedrückt sind und ebenfalls starke Querlinien zeigen. Eine weitere Zeichnung läfst das 
Petrefact nicht erkennen und mufs daher eine Abbildung bis zur Auffindung besser erhaltener 
Exemplare ausgesetzt bleiben. Die ganze Form des Petrefactes erinnert, abgesehen von den 
Stacheln, an die lebende Art Murex brandaris. 

Herr Ign. Beifsel fand diese Versteinerung in dem Mergel des Schneeberges. 

Turbo Ijinne• 

Mit Bezugnahme auf das, was wir über die Gattungen Turbo und Trochus, pag. 42, II, der 
Monographie gesagt haben, stellen wir ein neues Petrefact zu Turbo. Die Manigfaltigkeit der 
Formen dieser Gattungen mufs wahrhaft Staunen erregen, d’Orbiguy führt in seinem Prodrome 
de Paleontologie, 1852, bereits über Tausend urweltlicher Species an, wovon nur eine geringe 
Anzahl der Kreide angehört. 


den Scriptores rei rusticae und den Aerzten pirum und nur l)ei Horuz kommt die Form pyrum vor. 
Epod. 2, 19 und Epist. 1, 7, 16. Die Schreibweise der römischen Naturhistoriker und Aerzte sollte 
aber bei den Naturhistorikern der Neuzeit den Vorzug verdienen, ich schreibe daher mit lhonn Pirula. 



/ 


27 

Turbo gemmeus, Müller. Tab. 8, fig. 12, in natürlicher Gröfse. 

Das Gehäuse besteht nach Analogie zu schliefsen, wir vermochten es nämlich nicht, das Ganze 
blos zu legen, aus nur vier sehr convexen, gerundeten und aufgetriebenen Umgängen, die sich 
nach der Spitze hin rasch verschinälern. Die Schale war mit dicht gekörnten, perlenschnur¬ 
artig gereihten Reifchen bedeckt und zwar so, dafs von je zwei dicker gekörnten ein mit 
weit kleineren Körnchen versehenes Reifchen eingefafst wird. Dadurch unterscheidet sich diese 
Species von allen bekannten gekörnten Arten ganz wesentlich. 

Das Petrefact stammt aus den Mergeln des Schneeberges bei Vaels. 


So weit die neuen Species der Gasteropoden. Seit dem Erscheinen der ersten Bogen im 
Jahre 1854, welche meist Conchiferen brachten, sind uns noch einige dahin gehörende Novitä¬ 
ten zugegangen, die als Ergänzung hier folgen: 

Avicula granulosa, Müller. Tab. 8, fig. 18, in natürlicher Gröfse. 

Diese Species ist der Form nach der A. pectinoides bei Reufs, Tab. 32, fig. 9, ähnlich, wir 
bemerken hier aber, dafs nur fig. 8 derselben Tafel A. pectinoides darstellt. Mit A. caerules- 
cens, Nilssoti, Tab. 111, fig. 19, A, B, hat unser Petrefact nicht die entfernteste Aehnlichkeit, 
obgleich die Beschreibung, pag. 18, in Bezug auf die Bedeckung der Schale theilweise darauf 
zu passen scheint, es heifst dort: a natibus ad marginem inferiorem, praesertim in media testa, 
decurrunt costellae minimae, rariores, tuberculatae 5 — 10; praelerea testa laevis est. 

A. caerulescens bei Goldfufs, pag. 132, Tab. 118, fig. 67, a, b, stimmt mehr mit unserem 
Petrefact, als mit der Abbildung bei Nilsson überein; das bei c vergröfserte Schalenslück weicht 
aber, wenn die Zeichnung richtig ist, zu sehr von der Bedeckung unseres Petrefactes ab, als 
dafs wir es mit der A. caerulescens verbinden könnten. 

Unsere Species ist lang gestreckt, schmal, mäfsig schief, schwach gewölbt. Die stärkste Wöl¬ 
bung liegt gleich unter den Wirbeln, nach dem unteren Rande wird sie immer flacher. Der 
hintere Flügel ist klein, gerundet und verbindet sich ohne alle Einbuchtung mit der Schale, die 
dann in einem sanften Bogen bis zum unteren Rande abfällt. Der Flügel vor den Wirbeln 
ist lang und bildet einen rechten Winkel. Der Schlofsrand macht eine grade Linie aus. 
Die Buckel sind spitz und ragen über den Schlofsrand hervor. Die ganze Oberfläche ist mit 
ausstrahlenden, gekörnten, wellenförmigen Linien bedeckt, welche besonders in der unteren 
Hälfte von starken Anwachsstreifen durchschnitten werden. Jene gekörnten Linien treten nach 
den Rändern hin stärker hervor, in der Mitte sind sie schwächer und nach den Buckeln hin 
verschwinden sie gänzlich. Also grade umgekehrt, wie bei A. caerulescens. Bei minder gut 
erhaltenen Exemplaren erscheinen nur die Anwachsstreifen. Die Schale ist dünn, durchsichtig. 

Ist nicht selten in den Mergeln des Schneeberges bei Vaels. 


4 



28 

Iseda Schumacher . 

In der an Species so reichen Gattung Nucula machte Schumacher, 1817, eine Unterabtheilung 
und stellte die Gattung Leda auf, es soll der gröfsere Mantelausschnitt sie von Nucula unter¬ 
scheiden, denn Schlofszähne und Muskeleindrücke sind bei beiden gleich. Der Hauptunterschied 
liegt aber und namentlich für die Bestimmung der Versteinerungen in der äufseren Form. Zu 
Leda werden alle die länglichen und geschnäbelten Formen gezogen, bei Nucula verbleiben 
die breiteren, meist dreiseitigen, den Astarten ähnliche Gestalten. D’Orbigny nahm erst 1850 
die Gattung förmlich an und schmolz nun alle NuQula- Species von länglicher Form aller Auto¬ 
ren in Leda um und setzte sie auf seine Rechnung. Dabei sind ihm aber dennoch eine Menge 
Species entgangen, die bei der Annahme der Gattung Leda hieher gezogen werden müssen, 
so Nucula pectuncularis, Brognarti, media, pulcherrima, plicata J. Lea in seinen contributions 
to geology, pag. 81—85, Tab. 3, fig. 60—64. 

Wir haben bis jetzt in unserer Kreide nachgewiesen Leda siliqua, Foersteri und caudata, 
welche letztere Species wir für identisch hielten mit der von Koch und Dunker aus dem Oolith 
beschriebenen, wir haben uns aber überzeugt, dafs dies nicht der Fall ist und unser Petrefact 
sich davon durch weit aufgetriebenere, kugelförmige Schalen und besonders durch das plötzliche 
Heraustreten des Schnabels unterscheidet, wir ändern daher den Namen Leda caudata in Leda 
acutissima. 

Wir fügen noch zwei neue Species hinzu: 

Leda alata, Müller. Tab. 8, üg. 17, in natürlicher Gröfse. 

Die Schalen sind länglich-rund, ungleichseitig, schwach gewölbt. Von den Wirbeln fallen die¬ 
selben bis zum unteren Rande stark ein und laufen in einen breiten, stumpfen Flügel aus. Durch 
das Einfallen der Schale bildet sich auf dem Rücken eine Kante, am unteren Rande eine schwache 
Einbiegung. Die Oberfläche ist mit sehr feinen concentrischen Linien bedeckt, welche da, wo 
die Schale einfällt und den Flügel bildet, einbiegen und über denselben sich fortsetzen. Diese 
Species ähnelt der L. tenuirostris aus dem Plänermergel, bei Reufs, Talx 34, fig. 8 und 9, pag. 
16, II, sie unterscheidet sich durch den stumpfen Flügel schon hinlänglich. 

Leda Hagenowi, Müller. Tab. 8, fig. 16, in natürlicher Gröfse. 

Ist länglich, eiförmig; der Schlofsrand bildet von beiden Seiten eine sanft und wenig gebo¬ 
gene Linie, der untere Rand ist glatt, bogig. Die runden Wirbel liegen in der Mitte, so dafs 
die Muschel gleichseitig ist. Die Schale ist nur schwach gewölbt und mit scharf nvarkirten 
Linien versehen, welche nach dem unteren Rande entfernter von einander stehen, nach den 
Wirbeln hin sich aber verschmälern und verlieren. 

Fundort wie bei der vorigen Species. 


*) Die Synonymen zu Leda deuten alle aut die längliche Form hin, so Lembulus (Nachen), Ri/'so ; Da- 
cryomya (Thränen-Muschel), Agassiz u. s. w. 



29 

-°-3>0€r°- 


Area Kaltenbachi, Müller. 

Ueber den Reichthum dieser Gattung an Species vergleiche man, was wir Seite 10 gesagt 
haben und die Anmerkung dazu. Unsere neue Species ist von höchst auffallender Form. Sie 
ist lang gestreckt, schmal, schwach gewölbt, ganz ungleichseitig, denn die Wirbel liegen hart 
gegen das Bukalende gedrängt. Hier ist die Schale am schmälsten, erbreitet sich aber ganz 
allmählig nach dem entgegengesetzten Ende nach Art der Mytilus. Auf eine Länge von 1" 
und 3"' beträgt die Höhe an den Wirbeln kaum 6"', während sie am Analende 8"' ausmacht. 
Der Schlofsrand bildet eine gerade Linie. Die Zähne des Schlofses stehen dicht gereiht, so 
dafs wir auf der kürzeren Seite deren noch neun zählen, auf der längeren stehen mehr als 
dreifsig. Die Schale war, wie dies die Hohlabdrücke deutlich zeigen, mit stark hervortretenden, 
etwas gekörnten Längslinien versehen, Avelche nach dem breiteren Rande hin von entfernt ste¬ 
henden Querlinien durchschnitten wurden. 

Wir haben dieser Species den Namen des Lehrers der hiesigen höheren Bürgerschule, Herrn 
Kaltenbach, beigelegt, welcher der gelehrten Welt als Botaniker und besonders durch seine 
Monographie der Pflanzenläuse rühmliehst bekannt ist. 

Dies Petrefact so wie das folgende Cardium fand Herr lgn. Beifsel in mehreren Exemplaren 
in der Nähe des Gutes Breidenstein, auf der Spitze des aus Aachener Sand bestehenden Hiio-els, 
durch welchen der zweite Tunnel der Eisenbahn von Aachen nach Belgien getrieben ist und 
zwar in dislocirten Blöcken eines Quarzitgesteines, welches er mit mir für analog mit den Quar¬ 
zitbänken hält, welche unmittelbar über dem Aachener Sand an einzelnen Stellen, namentlich 
am Heidchen, noch anstehend gefunden werden und aufser Mollusken auch Pflanzenreste enthalten. 

Cardium pectiniforme, Müller. 

Hat genau die Gröfse und Gestalt unseres Cardium Becksii, Tab. I, fig. 7, a—c, pag. 21, 
Abtheilung I, so dafs die Steinkerne beider sich nicht von einander unterscheiden lassen. Die 
Bedeckung bei C. pectiniforme ist aber eine vollständig andere. Es laufen von den Buckeln 
bis zum unteren Rande ausstrahlende Rippen, die sich nach dem Rande hin ganz allmälig etwas 
erbreiten, alle Rippen sind der ganzen Länge nach gekerbt. Zwischen den Rippen laufen tiefe 
glatte Furchen. 

Mit C. pectiniforme hat C. papillosum Poli, aus dem Tertiären, bei Goldfufs, Tab. 145, fig. a, b, c, 
pag. 223, eine so grofse Aehnlichkeit, dafs die Zeichnung a. in natürlicher Gröfse davon nicht 
zu unterscheiden ist. Die einzige Verschiedenheit bei C. pectiniforme besteht darin, dafs die Fur¬ 
chen zwischen den Rippen glatt erscheinen, während sie bei C. papillosum punktirt sind. 

Fundort wie bei der voranstehenden Versteinerung. 

Cardium decussatum, Mant. 

Bei Goldfufs, Tab. 145, fig. 2, a, b, pag. 222. 

Es gehört dieses Petrefact zu denjenigen, deren Bestimmung schwer wird, weil davon nur 
Steinkerne vorhanden sind und noch Niemand weder das Schlofs noch die Muskulär- noch 
Manteleindrücke gesehen hat. Bronn zieht C. decussatum, Mant. zu Pholadomya decussata, 
Phill. und läfst C. decussatum, Goldf. als besondere Species bestehen. Giebel hält die Species 


30 


bei Mantell und Goldfufs für identisch. Geinitz, pag. 146, führt beide auf Pholadomya decus- 
sata, Sowerby zurück, Reufs, pag. 17, II, beide auf Pholadomya decussata, Phillips. Die Werke 
Sowerby’s und Mantell’s standen uns nicht zu Gebote, ein genauer Vergleich mit der Zeichnung 
und Beschreibung bei Goldfufs läfst uns aber das vor uns liegende gut erhaltene Petrefact als 
Cardium decussatum, Goldf. erkennen, welches jedenfalls nicht zu Pholadomya zu zählen ist. 
Man vergleiche noch Pusch, Polens Paläontologie, pag. 82 sqq. über Pholadomya. 

Die Muschel ist dreiseitig, vorn fast so breit als hoch, grade abgeschnitten-herzförmig, und 
hat ein grofses, breites, tiefeingedrücktes, herzförmiges Möndchen. Die Seitenflächen sind stark 
gewölbt und stofsen rechtwinklich mit stumpfer Kante an einander und verschmälern sich nach 
hinten, so dafs die Höhe die Länge nur wenig übertrifft. Die Wirbel sind vorn gegen das 
Möndchen eingerollt, berühren sich aber nicht. Von diesen strahlen auf der vorderen Hälfte 
der Seitenfläche stark hervortretende rippenartige Linien aus und zwar abwechselnd eine brei¬ 
tere und eine schmälere. Da, wo die Wölbung am stärksten ist, treten diese Linien am kräf¬ 
tigsten hervor, gegen den unteren Rand verlieren sich dieselben gänzlich. Konzentrische, sehr 
ungleich breite Runzeln und Anwachsstreifen und gegen den unteren Rand hin gedrängt ste¬ 
hende feine Linien durchschneiden die Längslinien und gehen über die ganze Schale fort. In 
der Zeichnung bei Goldfufs sind die konzentrischen Runzeln zu stark und zu regelmäfsig ge¬ 
halten und ist bei den Lär.gslinien die Abwechselung zwischen schmäleren und breiteren nicht 
hervorgehoben worden. 

Herr Ign. Beifsel fand die Versteinerung im chloritischen Mergel zu Teuven bei Gülpen. 
Das Exemplar von Goldfufs im Bonner Museum stammt aus der Kreide bei Koesfeld. 

Aufser diesen Species besitzen wir noch eine Anzahl Steinkerne, welche die Reihe derselben 
aus der Aachener Kreide mit der Zeit noch vergröfsern wird, allein wir bleiben unserem Grund¬ 
sätze treu und beschreiben keine Sternkerne und führen eben so wenig Petrefacten als hier 
vorkommend an, die wir selbst oder unsere Freunde nicht hier gefunden haben. Giebel, wel¬ 
cher die reiche Petrefacten-Sammlung von Herrn Sack in Halle, welche auch reich an Petre¬ 
facten der Aachener Kreide ist, untersucht hat, führt in der Zeitschrift der deutschen geo¬ 
logischen Gesellschaft zu Berlin, 1849, Band I, pag. 93 — 101, wo derselbe die erste Abtheilung 
unserer Monographie zugleich bespricht, aus der genannten Sammlung noch mehre hiesige Pe¬ 
trefacten an, deren Vorkommen wir gewifs nicht läugnen wollen, theilweise aber bis jetzt 
auch noch nicht bestätigen können. Das von Giebel 1. c. für Aachen angeführte Cardium pro- 
ductum, Sow. haben wir gefunden, C. Cottaldinum, d’Orbigny, was ebenfalls in der Sack'sehen 
Sammlung als von Aachen stammend bezeichnet ist, findet sich in den hiesigen Sammlungen 
und dem Bonner Museum nicht. 




I 


Erklärung der Tafeln. 


Tabula VII, 

Figura 1. Pentacrinus Agassizi v. Hag. a. Säulenstück, b. Gelenkfläche. Beide vergröfsert. 
pag. 5. 

„ 2. Asterias polygonata, M., a. in natürlicher Gröfse, b. vergröfserte Täfelchen, pag. 5 

„ 3. Goniophorus pentagonalis, M. pag. 6. 

„ 4. Anomia pellucida, M., in doppelter Gröfse. pag. 7. 

„ 5. Anomia verrucifera, M., in doppelter Gröfse. pag. 7. 

„ 6. Pecten trigeminatus, Goldfufs, pag. 8. 

„ 7. Pecten tricoStatus , M., pag. 8. 

„ 8. Gervillia silicula, M., natürliche Gröfse. pag. 9. 

„ 9. Avicula Beisseli, M., natürliche Gröfse. pag. 9. 

„ 10. Mytilus spectabilis. Um die Hälfte vergröfsert, a. Flächenansicht, b. ein Theil der 

Schale stark vergröfsert. pag. 10. 

„ 11. Nucula pulvillus, M., a. Flächenansicht, b. Queransicht. Dreimal vergröfsert. pag. 11. 

„ 12. Astarte Benedeni, M., natürliche Gröfse. pag. 11. 

„ 13. Astarte Miqueli, M., natürliche Gröfse. pag. 12. 

„ 14. Venus nuciformis, M., a. Flächenansicht, b. Queransicht, c. Schlofs. Alle vergröfsert. 

pag. 14. 

„ 15. Crassatella calceiformis, M., in natürlicher Gröfse. pag. 13. 

„ 16. Cardium Bredai, M., natürliche Gröfse. pag. 12. 

„ 17. Pholas reticulata, M., pag. 15. 

„ 18. Caprotina costulata, M., dreimal vergröfsert. pag. 16. 

„ 19. Area Aquisgranensis , M., in natürlicher Gröfse. pag. 10. 

„ 20. Crania Nummidus? Lamarck. a. Obere, b. untere Schale. In natürlicher Gröfse. 

pag. 18. 


*) Bei der Beschreibung S. 6 mufs es heifsen: Höhe 2‘", Breite 4'". 







Tubula VIII. 

1. Capsa gigantea, 31., in natürlicher Gröfse, pag. 15. 

2. Venus porrecta, 31., in natürlicher Gröfse, pag. 14. 

3. Clavagella elegans, 31., in natürlicher Gröfse, a—c. der vordere, b. der hintere Theil 
der Röhre, d—g. Queransicht, e. die Wirbel, f. die Scheibe, pag. 17. 

4. Clavagella divaricata, 31., in natürlicher Gröfse, pag. 18. 

5. Fusus Schoeni, 31., a. vordere, b. hintere Seite in natürlicher Gröfse, pag. 24. 

6. Dentalium Cidaris, Geinits, a. der Länge nach, b. Durchschnitt in natürlicher Gröfse, 

pag. 20. 

7. Fusus tenerrimus, 31., a. in natürlicher Gröfse, b. vergröfsert, pag. 25. 

8. Nerinea excavata, 31., in natürlicher Gröfse, pag. 24. 

9. Rissoa Bosqueti, 31., a. Rückenseite, b. vordere Seite mit der MundöfFnung, pag. 21. 

10. Pirula Binkhorsti, 31., a. hintere, b. vordere Seite in natürlicher Gröfse, pag. 26. 

11. Triptycha limnaeifonnis, 31., a. vordere, b. hintere Seite in natürlicher Gröfse, pag. 22. 

12. Turbo gemmeus, 31., in natürlicher Gröfse, pag. 27. 

13. Cardium Noeggerathi, 31., siehe die Monographie II, pag. 65. 

14. Litliodomus Weberi, 31., a. Queransicht, b. Seitenansicht, c. Mafsstab der natürlichen 
Gröfse, pag. 19. 

15. Ringicula pinguis, 31., a. vordere, b. hintere Seite, c. Mafsstab in natürlicher Gröfse, 
pag. 22. 

16. Leda Hagenowi, 31., in natürlicher Gröfse, pag. 28. 

17. Leda alata, 31., in natürlicher Gröfse, pag. 28. 

18. Avicula granulosa, 31., in natürlicher Gröfse, pag. 27. 


Druck von J. J. BEATJFOB-T in Aachen. 





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MLambris Utli. 


Tjitli r CaXw in ■ Jachen. 


















Tal. FM 


JILamlns liüi. 


l.illi n faxin in . lachen.